Meta sperrt „No Kings“ mitten im Protest: Erst ein angeblicher Fehler, dann die nächste Ausrede

VonTEAM KAIZEN BLOG

19. Oktober 2026

Am Samstag gingen in den Vereinigten Staaten bei Tausenden „No Kings“-Veranstaltungen Menschen gegen Donald Trumps Abschiebepolitik und seinen Krieg gegen Iran auf die Straße. Am 17. Oktober ging gegen 13.30 Uhr Ostküstenzeit ausgerechnet das Instagram-Konto der Organisatoren vom Netz. Die Bewegung mobilisierte an diesem Tag auch zur vorzeitigen Stimmabgabe für die Kongresswahlen am 3. November. Ihr wichtigster öffentlicher Verbreitungsweg war plötzlich tot. Die Proteste gehörten bereits zur dritten landesweiten Aktionswelle. Gegen Trumps Politik standen Menschen auf der Straße, während die zentrale Nachrichtenseite der Bewegung ihren Lesern vorübergehend entzogen wurde. Rund 90 Minuten blieb das Konto verschwunden. Beiträge veröffentlichen konnten die Organisatoren erst wieder nach 17:00 Uhr. Bei einem Protest, der an einem einzigen Tag Menschen erreichen soll, sind verlorene Stunden unwiederbringlich.

Meta entschuldigte sich. Sprecher Andy Stone erklärte zunächst, ungewöhnlich häufiges Veröffentlichen und Teilen sowie zahlreiche Kommentare hätten einen automatischen Schutz ausgelöst. Die Organisatoren widersprachen. In den 24 Stunden vor der Sperre hätten sie lediglich eine Handvoll Beiträge veröffentlicht und Tausende Zuschauer über eine Direktübertragung erreicht. Dann lieferte Stone eine neue Erklärung: Ein mit der künstlichen Intelligenz Claude arbeitendes Werkzeug habe am 17. Oktober schubweise Profile und Schlagwörter abgerufen, zeitweise mit ungefähr dem 4-Fachen des üblichen Umfangs. Die Sicherheitssoftware habe darin massenhafte automatisierte Zugriffe erkannt und das Konto fälschlich abgeschaltet. Das klingt technisch wie eine Erklärung. Doch Instagram lebt von massenhaften Reaktionen. Weshalb die Öffentlichkeit erst vom angeblich übermäßigen Veröffentlichen hörte und anschließend von automatisiertem Lesen, bleibt trotzdem eine berechtigte Frage. Ezra Levin, einer der führenden Organisatoren und öffentlichen Sprecher der No Kings Coalition, äußerte sich öffentlich zur Sperrung des Instagram-Kontos durch Meta und kritisierte das Vorgehen scharf.

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Die Bewegung hält Metas Darstellung für wenig überzeugend. Die Organisatoren belegten außerdem, Inhalte über „No Kings“ und vorzeitiges Wählen seien auf weiteren Angeboten des Unternehmens zeitweise unzugänglich oder eingeschränkt gewesen. Das sind Vorwürfe der Betroffenen, die wir alle zu Genüge kennen. Meta räumt immerhin die irrtümliche Sperrung ein. Eine Entschuldigung schafft jedoch keine verlorene Reichweite zurück. Die Bürgerrechtsorganisationen kritisierten den Vorgang als beunruhigenden Eingriff in die politische Mobilisierung. Der Zeitpunkt wiegt schwerer als die Dauer allein: Eine gesperrte Seite kann auch nach ihrer Rückkehr verpasste Begegnungen mit Wählern nicht nachholen. Ausgerechnet während landesweiter Kundgebungen in Seattle und San Diego, in Chicago sowie weiteren Städten fehlte der gemeinsame Zugang. In Washington versammelten sich Demonstranten am geplanten Standort von Trumps Triumphbogen, um Menschen zur frühen Stimmabgabe zu bewegen.

Der Vorfall steht zudem neben anderen Sperren, die Fragen nach Metas Umgang mit politischen Gegnern Trumps aufwerfen. Am 15. Oktober ordnete ein brasilianisches Gericht an, Einschränkungen gegen Konten von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zu beenden. Meta räumte wieder einmal einen technischen Fehler ein, bestritt jedoch politische Parteinahme. Im September wurden Konten albanischer Gruppen gesperrt, die gegen ein Luxusprojekt von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner protestierten. Auch dort sprach das Unternehmen von einem Versehen. Nach einem Ersuchen des amerikanischen Justizministeriums, das ergaben unsere Recherchen und Veröffentlichungen dazu, entfernte Meta bereits 2025 eine Facebook-Seite namens „ICE Sighting-Chicagoland“, auf der Beobachtungen von Einwanderungsbeamten veröffentlicht wurden. Dort war die staatliche Aufforderung ausdrücklich bekannt.

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Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus scheint Mark Zuckerberg seine frühere Zurückhaltung gegenüber dem Präsidenten gründlich abgelegt zu haben. Eine Million Dollar für die Amtseinführung, fünf Millionen für Trumps geplanten Ballsaal. Weitere 25 Millionen Dollar flossen, um den Rechtsstreit über dessen frühere Facebook-Sperrung beizulegen. Dana White, ein enger Trump-Vertrauter, sitzt inzwischen im Verwaltungsrat. Die ehemalige Regierungsberaterin Dina Powell McCormick wurde zur Präsidentin von Meta ernannt. Zuckerberg besucht das Weiße Haus und telefoniert nach Berichten regelmäßig mit Trump. Für einen Mann, der die politische Unabhängigkeit seiner Plattform glaubhaft machen müsste, ist das eine beachtliche Nähe. Und ausgerechnet während Hunderttausende gegen Trump demonstrieren, verschwindet das wichtigste Instagram-Konto von „No Kings“. Anschließend erzählt Meta etwas von einem technischen Fehler, korrigiert die Begründung und bittet um Entschuldigung. Eine Erklärung dafür, weshalb ausgerechnet diese Bewegung im entscheidenden Moment verstummte, ist das noch lange nicht. Die Frage nach einer möglichen politischen Einflussnahme wird Meta beantworten müssen. Zuckerberg hat inzwischen genug Geld in seine Beziehungen nach Washington gesteckt. Vielleicht wäre es an der Zeit, wenigstens den eigenen Nutzern etwas mehr Respekt entgegenzubringen.

Auch der Film „Musk“ des Regisseurs Alex Gibney geriet zwischen die Regeln großer Internetplattformen. Meta lehnte Werbung dafür zunächst ab und sprach später von einem Fehler. TikTok sperrte das Werbekonto des Verleihs Bleecker Street zunächst dauerhaft, hob die Sperre nach öffentlicher Kritik aber ebenfalls als Versehen wieder auf. Auf Musks eigener Plattform X blieb bezahlte Werbung für die kritische Dokumentation untersagt. TikTok verwies zunächst auf Regeln gegen politische Werbung, obwohl Musk derzeit kein Regierungsamt bekleidet und die Anzeigen einen Film bewarben. An TikToks amerikanischem Geschäft ist Oracle mit 15 Prozent beteiligt. Dessen Mitgründer Larry Ellison gilt als Trump-Unterstützer und saß früher im Verwaltungsrat von Tesla. Daraus folgt noch keine abgestimmte Unterdrückung des Films. Die Häufung der angeblichen Versehen verdient trotzdem Aufmerksamkeit.

Meta beantwortete die konkrete Frage, ob die Trump-Regierung oder verbündete Gruppen wegen „No Kings“ Kontakt aufgenommen hätten nicht. Stattdessen verwies das Unternehmen erneut auf Stones technische Erläuterung. Metas Entschuldigung ist fadenscheinig, seine wechselnden Erklärungen sind eine Zumutung. Ein Unternehmen, das sich mit Millionenbeträgen und persönlichen Verbindungen an Trump herangearbeitet hat, erwartet nun offenbar, dass man ihm die Geschichte vom bedauerlichen technischen Fehler widerspruchslos abnimmt. Die Frage, weshalb seine angeblichen Schutzmechanismen ausgerechnet in einem politisch derart entscheidenden zeitlichen Augenblick versagten, bleibt unbeantwortet. Eine unabhängige Untersuchung wäre angebracht. Bis dahin hat Meta vor allem bewiesen, wie wenig ihm das Vertrauen seiner Nutzer wert zu sein scheint. Zuckerberg kann politische Nähe pflegen, so ausgiebig er möchte. Jetzt soll die Öffentlichkeit auch noch glauben, dass ausgerechnet die Sperrung seiner politischen Gegner ein bedauerlicher technischer Zufall gewesen sei. Zuckerberg hat die Karten fristgerecht auf den politischen Tisch gelegt. Seine Entschuldigung kann er sich damit sparen. Die verlorene Reichweite ist unwiederbringlich.

Unsere Recherchen gegen Meta laufen auf allen Ebenen auf Hochtouren, denn das Unternehmen hat ein Riesenpotenzial. Fortsetzung folgt … (Smiley mit Augenzwinkern)

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