1984 brauchte Donald Trump nach eigener Einschätzung gerade einmal 90 Minuten, um alles über Raketen zu lernen. Anschließend könne er mit der Sowjetunion bessere Abrüstungsvereinbarungen schließen als Ronald Reagan. Trump war damals 38 Jahre alt. Sein Tower stand bereits, das Buch „The Art of the Deal“ erschien erst 1987. Die Gewissheit, anderen grundsätzlich überlegen zu sein, war längst bezugsfertig. Heute, 42 Jahre später, erklärt derselbe Mann weiter die Welt. Nur lassen sich Raketen nicht mit Immobilienprospekten zum Verschwinden bringen.
Sein berühmtestes Versprechen galt der Ukraine: Russlands Krieg werde er innerhalb von einen Tag beenden. Stattdessen verkündete Trump im Oktober einen Waffenstillstand für Energieanlagen, an den sich Russland nach ukrainischen Angaben nicht hielt. Die vereinbarte Pause blieb aus. Trump beharrte auf der Zusage und erklärte sinngemäß, sie gelte, weil er es gesagt habe. Während in Washington eine Vereinbarung gefeiert wurde, schlugen russische Waffen weiter ein. Papier ist geduldig. Umspannwerke sind es weniger.

Auch Iran sollte binnen weniger Wochen besiegt sein. Trump rühmte später einen „großartigen“ Waffenstillstand, der rasch zerfiel. Teheran sei verzweifelt auf eine Vereinbarung aus, versicherte er wiederholt. Die behauptete Verhandlungsbereitschaft bestätigte sich nicht. Christopher Preble vom Stimson Center hält Trump für erheblich weniger geschickt, als dieser glaube. Präsidentielle Macht kann Drohungen glaubwürdig machen. Sie bringt eine Gegenseite noch lange nicht dazu, die eigenen Interessen freiwillig aufzugeben.
Die Zollpolitik liefert einen weiteren Kassenbon. Trump versprach die besten Handelsvereinbarungen überhaupt und belegte weite Teile der Welt mit einseitigen Einfuhrabgaben. Auch Kanada wurde getroffen. Handelskonflikte folgten, amerikanische Verbraucher bezahlten höhere Preise. Bis September flossen in diesem Jahr mehr als 83 Milliarden Dollar in die Staatskasse, deutlich weniger als angekündigt. Sogar der Teich vor dem Lincoln Memorial geriet zur teuren Lektion. Für etwas mehr als 1 Million Dollar sollte ein angeblich hervorragender Fachmann die Anlage instand setzen. Die Kosten liegen inzwischen näher bei 20 Millionen.
Der Ursprung dieser Selbstgewissheit liegt zwischen den Spieltischen von Atlantic City. 1991 suchte das Trump Taj Mahal Insolvenzschutz. 1992 folgten Trump Castle und Trump Plaza, außerdem das berühmte Plaza Hotel in New York. 2004 musste Trump Hotels and Casino Resorts unter gerichtlichen Schutz, 2009 Trump Entertainment Resorts. 6 Unternehmensinsolvenzen in weniger als 20 Jahren. Trump persönlich meldete keine Privatinsolvenz an. Seine Gesellschaften nutzten das amerikanische Verfahren nach Kapitel 11, um Schulden neu zu verhandeln und den Betrieb fortzuführen. Die Unterscheidung ist juristisch entscheidend. An der Geschichte des angeblich unfehlbaren Geschäftsmanns ändert sie wenig.

Beim New Yorker Plaza Hotel waren bis 1992 rund 550 Millionen Dollar Schulden aufgelaufen. Trump überließ Gläubigern 49 Prozent der Anteile. Das Taj Mahal war kaum eröffnet, als die Finanzierung unter der Last seiner Schulden zusammenbrach. 2004 türmten sich bei der Hotel- und Casinogesellschaft etwa 1,8 Milliarden Dollar Verbindlichkeiten. Trump verlor einen erheblichen Teil seines Anteils. Er hatte gelernt, Verluste in Verhandlungen mit Gläubigern zu verteilen. Der Ruf des Siegers überlebte erstaunlich viele Niederlagen.
Trump sprach später selbst erstaunlich offen darüber, dass ihm die Insolvenzgesetze beim Abbau von Schulden nützten. Im Geschäftsleben ließ er Rechnungen unbezahlt und zog Streitigkeiten vor Gericht. Über 40 Jahre war er an mehr als 4.000 Rechtsverfahren beteiligt. Verhandlungsexperte Marty Latz beschreibt dieses Vorgehen als bewussten Umgang mit Macht: Eine finanziell schwächere Gegenseite akzeptiere womöglich einen schlechten Vergleich, wenn sie ein langes Verfahren nicht durchhalte. Barbara Res, früher für Trumps Bauvorhaben verantwortlich, schildert, wie Prozesse Gegner wirtschaftlich zermürben konnten. Selbst eine fragwürdige Rechnung kann für den Stärkeren zum guten Geschäft werden, wenn der Schwächere vorher aufgeben muss.

Am 16. Oktober 1973 berichtete die New York Times über eine Klage des US-Justizministeriums gegen die Trump Management Corporation. Der Vorwurf: systematische Benachteiligung schwarzer Mietinteressenten in Wohnanlagen in Brooklyn, Queens und Staten Island. Mehr als 14.000 Apartments gehörten damals zum Bestand des Unternehmens. Beklagt wurden Donald Trump, damals Präsident der Firma, und sein Vater Fred C. Trump als Hauptverantwortlicher. Die Regierung warf dem Unternehmen vor, schwarzen Bewerbern Wohnungen vorzuenthalten oder andere Bedingungen zu stellen als weißen Mietern. Grundlage war der Fair Housing Act von 1968, der Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt verbietet. Trump wies die Vorwürfe zurück und sprach von unbegründeten Anschuldigungen.
1975 endete das Verfahren mit einem Vergleich. Es gab kein Schuldeingeständnis, aber die Verpflichtung, künftige Diskriminierung zu unterlassen und Maßnahmen zur Gleichbehandlung umzusetzen. Das Datum bleibt dokumentiert. Die Vorwürfe ebenso. Sie gehört zur frühen Geschichte eines Mannes, der später Präsident wurde. Wer heute über Rhetorik, über „Law and Order“ und über angebliche Fairness spricht, kommt an diesen Akten nicht vorbei.
Res erinnert sich auch an eine feinere Methode. Vor Verhandlungen habe sie Geschäftspartner gebeten, den Preis zunächst etwas höher anzusetzen. Trump konnte ihn dann herunterhandeln und sich überlegen fühlen. Sein Drang, stets als Sieger dazustehen, habe notwendige Zugeständnisse verhindert. Besonders erfolgreich sei er gewesen, wenn die andere Seite kaum Handlungsspielraum besaß. Über Staaten und ihre Kriege lässt sich freilich schwerer verfügen als über einen Auftragnehmer, dessen Rechnung seit Monaten offensteht.
2004 lieferte die Fernsehsendung „The Apprentice“ diesem Geschäftsleben eine glänzende Kulisse. Trump durfte dort den reichen Unternehmer spielen, der über das Schicksal anderer entschied. Medienwissenschaftler Joel Penney erklärt, ein Teil des Publikums habe gehofft, Trumps Erfolg könne auf Amerika abfärben. Das Fernsehen zeigte den Herrn über Entscheidungen. Seine Gläubiger saßen gewöhnlich außerhalb des Bildausschnitts.
Dabei erklärte der Präsident seinen Stil selbst erstaunlich schlicht. Er setze möglichst hohe Ziele und dränge anschließend immer weiter, bis er bekomme, was er wolle. Ein Geschäftsmann kann dafür die Gegenseite wechseln. Ein Präsident, der mit Russland über die Ukraine oder mit Iran über einen Krieg spricht, kann die Wirklichkeit nicht auswechseln, sobald sie den Preis seiner Forderung erhöht. Latz erinnert daran, dass militärische Überlegenheit noch keine Verhandlungsmacht garantiere. Trump habe diesen Unterschied früher durchaus verstanden. Jetzt sitzt er im mächtigsten Amt der Welt und behandelt dessen Gewicht, als sei damit jede Unterschrift bereits erkauft.

Es ist ein unscheinbares Blatt Papier, kaum mehr als ein paar Zeilen, hastig notiert, fast beiläufig. Doch in diesen Zeilen steckt eine politische Detonation. Das Justizministerium der Vereinigten Staaten kam nicht mehr daran vorbei, eine handschriftliche Notiz des damaligen FBI-Direktors James Comey zu veröffentlichen, datiert auf den 26. September 2016 – sechs Wochen vor der Wahl, die Donald Trump ins Weiße Haus brachte. Das Dokument, jetzt als „Government Exhibit 13“ in einem laufenden Verfahren am 3. November 2025 eingereicht, zeigt, dass die US-Behörden schon damals Hinweise auf zwei explosive Tatsachen hatten: mögliche finanzielle Verbindungen Trumps nach Moskau – und koordinierte russische Angriffe auf amerikanische Wählerdatenbanken.

JB – Wir haben CID (vermutlich die Abteilung für Gegenspionage)
– Unsicherheit bei Hillary Clinton
– Auftragnehmer haben Zugang zum System
– Hillary Clinton plant, Trump anzugreifen
– Clintons GesundheitKerry – Trump-Finanzen
– Schulden in MoskauJB – Journalist(en) sagen, sie arbeiten mit Trump
Ich erwähnte die New York Times – RusslandDurbin – Das Justizministerium soll ein Muster bei den Eindringversuchen und Scans in staatliche Wählerdatenbanken untersuchen
Im Weißen Haus wird der alte Ruhm weiter poliert. Sprecher Matthew Middleton verweist auf fast 20 Handelsabkommen und angekündigte Investitionen in Billionenhöhe. Trump beansprucht Erfolge bei Arzneimittelpreisen und amerikanischer Produktion. Selbst der republikanische Senator Tim Scott feierte die kurzlebige Feuerpause mit Iran als erneuten Triumph des großen Verhandlers. Auch Karoline Leavitt und Handelsminister Howard Lutnick trugen diese Bezeichnung öffentlich weiter. Innenminister Doug Burgum schloss sich der Würdigung an. Zu Trumps tatsächlicher Bilanz gehören die Abraham-Abkommen und eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas, obwohl die Gewalt in Gaza weiterging. Gespräche über zivile Atomenergie mit Saudi-Arabien stehen erst am Anfang. Ein Abkommen zur Förderung venezolanischer Ölreserven kann seinen versprochenen Nutzen frühestens in Jahren beweisen. Angekündigte Investitionen sind noch keine errichteten Fabriken.
Tim O’Brien, der Trumps Geschäftsleben untersucht hat, beschreibt Unberechenbarkeit als Verhandlungsmethode: Trump verursache Unordnung und biete anschließend deren Beendigung an. Das Buch, das ihn berühmt machte, schrieb er mit Tony Schwartz. Schwartz stellte später sogar infrage, ob Trump es gelesen habe. Verhandlungsfachmann Latz sieht inzwischen einen Präsidenten, der Amtsmacht mit tatsächlichem Verhandlungseinfluss verwechsle. Am 3. November werden die Amerikaner auch über diese Bilanz urteilen. Dann steht zur Abstimmung, wie weit ein Ruf trägt, wenn die Ergebnisse längst eine andere Sprache sprechen.
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