Islamabad wartet – Vance fliegt – Und die Republikaner schweigen

VonTEAM KAIZEN BLOG

April 10, 2026

Islamabad – JD Vance bestieg am Freitag die Air Force Two. Er sagte, die Verhandlungen würden positiv verlaufen, wenn Iran in gutem Glauben verhandle. Wenn Iran versuche, die USA auszuspielen, werde das Verhandlungsteam nicht besonders empfänglich sein. Er nahm keine Fragen entgegen.

Vance, der Mann, der sich in seiner gesamten politischen Karriere gegen ausländische Militärinterventionen ausgesprochen hat, fliegt jetzt nach Islamabad, um einen Krieg zu beenden, den er nie wollte. Trump hat ihn damit beauftragt. Vance hat zwei Jahre Zeit bis zu einer möglichen eigenen Präsidentschaftskandidatur. Beides zusammen erklärt, warum er geht.

Was ihn erwartet, ist alles andere als klar.

Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf schrieb am Freitag, zwei der vereinbarten Punkte seien noch nicht umgesetzt – ein Waffenstillstand im Libanon und die Freigabe blockierter iranischer Vermögenswerte. Diese beiden Punkte müssten vor Verhandlungsbeginn erfüllt sein. Iran hat bis Freitagabend noch nicht bekannt gegeben, wen es nach Islamabad schickt.

Irans Botschafter in Tunesien, Mir Massoud Hosseinian, sagte der Presse, Iran befinde sich in bewaffneten Verhandlungen mit den USA. Die Hände blieben am Abzug, weil man ihnen nicht vertraue. Die Verwaltung der Straße von Hormus nach dem Krieg werde sich unweigerlich von der Zeit davor unterscheiden. Das Recht auf Urananreicherung sei nicht verhandelbar, obwohl das Niveau es sei.

In Islamabad riegelten Kommandos, Polizei und Sicherheitskräfte bei Einbruch der Dämmerung die Routen zwischen Flughafen und Stadt ab. Innenminister Mohsin Naqvi überprüfte persönlich die Sicherheitsvorkehrungen. Die Rote Zone der Stadt wird am Samstag vollständig gesperrt. Beide Delegationen werden im selben Hotel erwartet, wo die Gespräche stattfinden sollen. Sie werden auch Premierminister Shehbaz Sharif treffen.

Pakistan hat sich diesen Moment verdient. Nicht durch Glück, sondern durch jahrzehntelange Erfahrung als stiller Vermittler. Präsident Yahya Khan öffnete 1972 den Kanal für Nixons Besuch in China. Pakistan war Schlüsselakteur bei den Genfer Verhandlungen 1988, die den sowjetischen Rückzug aus Afghanistan ermöglichten. Es fädelte die Doha-Gespräche ein, die 2020 zum Abkommen mit den Taliban führten. Diesmal trat es ein, weil Oman und Katar unter iranischem Beschuss standen und niemand anderes übrig blieb. Sharif, Außenminister Ishaq Dar und Armeechef Asim Munir haben diese Gelegenheit ergriffen und daraus eine internationale Rolle gemacht. Trump nennt Munir seit Monaten seinen Lieblingsmarschall.

Pakistan hat auch sehr viel zu verlieren, wenn der Krieg anhält. Der Großteil seines Öls und Gases kommt aus dem Nahen Osten. Fünf Millionen Pakistaner arbeiten in der arabischen Welt und überweisen jährlich Beträge in einer Höhe, die den gesamten pakistanischen Exporteinnahmen entspricht. Die Treibstoffpreise sind bereits um 20 Prozent gestiegen. Anfang März wurden bei Protesten in Karatschi 22 Menschen getötet und über 120 verletzt, nachdem die USA und Israel Iran angegriffen hatten. Zwölf weitere starben, als ein Mob versuchte, das US-Konsulat zu stürmen.

Während Vance fliegt und Islamabad wartet, kämpft Trump an einer anderen Front – in der eigenen Partei.

Laura Loomer – Das Wort „rechtsextrem“ ist bei ihr noch zu milde formuliert. Jedoch ist sie für das Weiße Haus und das Pentagon als Journalistin akkreditiert und hat extremen Einfluß auf Trump

Siehe unseren Artikel: Die Hexenmeisterin aus Westchester – Laura Loomers Aufstieg zu einer der gefährlichsten Frauen Amerikas

Laura Loomer, enge Vertraute des Präsidenten und eine seiner lautesten Unterstützerinnen, lehnte Verhandlungen mit Iran ab und kritisierte Vance dafür, die Gespräche zu leiten. Die frühere Abgeordnete Marjorie Taylor Greene aus Georgia forderte nach Trumps Drohung, eine ganze Zivilisation sterben zu lassen, die Absetzung des Präsidenten per 25. Verfassungszusatz. Megyn Kelly, frühere Fox-News-Moderatorin, fragte laut, ob er sich nicht wie ein normaler Mensch benehmen könne. Im Charlie-Kirk-Podcast fragte der Moderator, was früher ende – seine Sendung oder der Waffenstillstand.

Die republikanische Führung im Kongress schwieg. House Speaker Mike Johnson aus Louisiana und Senate Majority Leader John Thune aus South Dakota haben sich kaum öffentlich geäußert. Der Kongress ist in der Osterpause. Abgeordneter Dave Schweikert aus Arizona sagte, es sei arrogant zu glauben, man könne über etwas sprechen, dessen Geschichte sich alle zwölf Stunden verändere.

Die Sorgen reichen tiefer als Rhetorik. 63 Prozent der Republikaner unterstützen Luftangriffe auf iranische Militärziele, aber nur 20 Prozent befürworten den Einsatz amerikanischer Bodentruppen. Rund 6 von 10 Republikanern sind besorgt darüber, sich in den nächsten Monaten Benzin leisten zu können. Die Inflationsrate stieg im März auf 3,3 Prozent, der stärkste monatliche Anstieg seit fast vier Jahren. Die Benzinpreise verzeichneten den größten monatlichen Sprung seit sechs Jahrzehnten. Die Notenbank Federal Reserve wird Zinssenkungen auf unabsehbare Zeit verschieben müssen.

Die jüngsten Wahlergebnisse beunruhigen Strategen. In Georgias ehemaligem Greene-Wahlkreis gewann der Republikaner Clay Fuller nur mit 12 Punkten Vorsprung – Greene hatte zuletzt 29 Punkte geholt, Trump fast 37. In Wisconsin gewann ein demokratisch unterstützter Kandidat das Oberste Gericht mit zweistelligem Abstand. In Trumps eigenem Mar-a-Lago-Bezirk in Florida holten die Demokraten ebenfalls stark auf.

Der Zuspruch für Trump sinkt aktuell täglich in Amerika. Trump erklärte vor den Gesprächen in Islamabad, Iran habe außer der Blockade der Straße von Hormus keinerlei Druckmittel. Tatsächlich treibt genau diese Blockade – durch die normalerweise rund 20 % des weltweiten Öls fließen – die US-Inflation spürbar an: Die Verbraucherpreise stiegen im März um 3,3 %, befeuert vom stärksten Benzinpreisanstieg seit sechs Jahrzehnten. Parallel drängt Irans Außenminister Araghchi die USA, ihre Waffenstillstandszusagen im Libanon einzuhalten, während Israel dort weiter Luftangriffe fliegt und Netanyahu direkte Verhandlungen mit Beirut aufnimmt – einen Waffenstillstand aber ausschließt.

Nur etwa 4 von 10 amerikanischen Erwachsenen sind mit Trumps Amtsführung zufrieden. Das ist ungefähr dort, wo Trump auch in seiner ersten Amtszeit an diesem Punkt stand – bevor die Demokraten 2018 40 Sitze im Repräsentantenhaus gewannen.

Tausende MAGA-Anhänger wenden sich von Trump ab

Israel schloss Spanien am Freitag aus dem US-geführten Koordinationszentrum für den Gazafrieden aus. Netanyahu sagte, Spanien habe israelische Soldaten verleumdet. Premierminister Pedro Sánchez hatte den Irankrieg als illegal, unverantwortlich und ungerecht bezeichnet. Spaniens Premier Sánchez forderte die EU erneut auf, das Assoziierungsabkommen mit Israel auszusetzen – Israel verletze darin verankerte Verpflichtungen zum Völker- und Humanitärrecht. „Lassen wir kein neues Gaza im Libanon zu“, sagte er in Barcelona. Kurz zuvor hatte Israel Spanien aus der US-geführten Gruppe für humanitäre Hilfe in Gaza ausgeschlossen; Außenminister Saar begründete das mit Sánchez‘ „obsessiver anti-israelischer Haltung“.

Pedro Sánchez

Hisbollah-Chef Naim Kassem forderte den Libanon auf, keine kostenlosen Zugeständnisse zu machen. Libanesische Bewohner sind tief gespalten über die angekündigten Verhandlungen mit Israel – die einen sehen sie als einzigen Weg zum Frieden, die anderen trauen Israel nicht.

Kuwait meldete am Freitag sieben abgefangene iranische Drohnen innerhalb von 24 Stunden. Irans Revolutionsgarde bestritt, Angriffe gestartet zu haben.

Vance fliegt. Islamabad wartet. Und in Washington weiß die republikanische Partei nicht, ob sie diesen Krieg als Sieg oder als Warnung behandeln soll.

Samstag kommen die Antworten. Vielleicht.

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