Explosionen über Caracas – eine Nacht voller Detonationen und offener Fragen

VonRainer Hofmann

Januar 3, 2026

Kurz nach zwei Uhr morgens wurde Caracas aus dem Schlaf gerissen. Mindestens sieben Explosionen erschütterten die venezolanische Hauptstadt, begleitet von tief fliegenden Flugzeugen, deren Geräusch sich durch mehrere Stadtviertel zog. Menschen liefen auf die Straßen, Rauch stieg über einer militärischen Anlage nahe dem Flughafen La Carlota auf, eine weitere Kaserne soll zeitweise ohne Strom gewesen sein. Was genau hinter den Detonationen steckt, blieb zunächst unklar. Weder die venezolanische Regierung noch das Pentagon oder das Weiße Haus reagierten umgehend auf Anfragen.

Caracas, Fuerte Tiuna, der Luftwaffenstützpunkt La Carlota und ein Kommunikationszentrum in El Hatillo

Augenzeugen beschrieben eine Situation voller Angst und Orientierungslosigkeit. „Der ganze Boden hat gebebt. Das war furchtbar. Wir hörten Explosionen und Flugzeuge“, sagte die 21-jährige Büroangestellte Carmen Hidalgo, die mit Verwandten von einer Geburtstagsfeier zurückkehrte. „Es fühlte sich an, als würde die Luft auf uns schlagen.“ In mehreren Vierteln waren Menschen zu sehen, die hastig Schutz suchten oder versuchten, sich einen Überblick zu verschaffen. Auffällig war zugleich, dass das staatliche Fernsehen sein Programm nicht unterbrach und stattdessen Beiträge über Musik und Kunst ausstrahlte.

Caracas

Die Explosionen fallen in eine Phase stark verschärfter Spannungen. In den vergangenen Tagen hat das US-Militär mehrfach Boote angegriffen, die es als Teil des Drogenschmuggels einstuft. Erst am Freitag hatte Caracas signalisiert, grundsätzlich offen für Gespräche mit den Vereinigten Staaten über die Bekämpfung des Drogenhandels zu sein. Gleichzeitig wirft Präsident Nicolás Maduro Washington vor, einen Regierungswechsel erzwingen und Zugriff auf Venezuelas enorme Ölreserven erlangen zu wollen. Diese Strategie, so Maduro, habe mit dem massiven militärischen Aufmarsch der USA in der Karibik begonnen, der bereits im August eingesetzt habe.

Luftalarm in Caracas

Die Vereinigten Staaten beschuldigen Maduro des Narco-Terrorismus. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass der US-Geheimdienst hinter einem Drohnenangriff auf eine Anlegestelle gestanden haben soll, die mutmaßlich von Drogenkartellen genutzt wurde. Es war der erste bekannte direkte Einsatz auf venezolanischem Boden seit Beginn der Angriffe auf Boote im September. Präsident Trump hatte zuvor mehrfach angekündigt, auch Ziele an Land nicht auszuschließen. Parallel dazu beschlagnahmten die USA sanktionierte Öltanker und ordneten eine Blockade weiterer Schiffe an, ein Schritt, der den wirtschaftlichen Druck auf das Land weiter erhöht.

Caracas

Seit Anfang September greift das US-Militär Boote in der Karibik und im östlichen Pazifik an. Nach Angaben der US-Regierung wurden bislang 35 solcher Einsätze durchgeführt, mindestens 115 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Angriffe folgten auf einen außergewöhnlichen Truppenaufmarsch vor Südamerika, der im November durch die Verlegung des modernsten US-Flugzeugträgers noch einmal verstärkt wurde. Trump rechtfertigt die Einsätze als notwendige Eskalation gegen den Drogenhandel und spricht offen von einem bewaffneten Konflikt mit Kartellen.

Dass die Ereignisse in Caracas auch international aufmerksam verfolgt werden, zeigte sich wenige Stunden später: Das iranische Staatsfernsehen berichtete über die Explosionen und zeigte Bilder aus der venezolanischen Hauptstadt. Teheran und Caracas verbindet seit Jahren eine enge politische Beziehung, getragen von ihrer gemeinsamen Gegnerschaft zu den Vereinigten Staaten. Was in dieser Nacht tatsächlich geschah, ist noch ungeklärt. Sicher ist nur: Die Explosionen haben die ohnehin angespannte Lage weiter verschärft. Caracas ist erwacht in einem Moment, in dem militärischer Druck, geopolitische Drohungen und wirtschaftliche Erstickungspolitik gefährlich nahe aneinandergerückt sind. Unsere Recherchen laufen, auch vor Ort.

Und eine Frage stellt sich jetzt schon: Die Warnung der US-Luftfahrtbehörde FAA, ein sogenanntes „Notice to Airmen“, wurde kurz nach ein Uhr morgens an der US-Ostküste herausgegeben. Darin wurden alle kommerziellen und privaten US-Pilotinnen und -Piloten darauf hingewiesen, dass der Luftraum über Venezuela sowie über dem kleinen Inselstaat Curaçao nördlich der venezolanischen Küste gesperrt ist – „aufgrund von Risiken für die Flugsicherheit im Zusammenhang mit laufenden militärischen Aktivitäten“. Warum wohl?

Fortsetzung folgt …

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Helga Bahr
Helga Bahr
1 Tag zuvor

Ich kann wirklich nicht verstehen dass niemand in der Armee sich weigert diese Angriffe auszuführen. Trump ist ein Kriegsverbrecher.

Patricia Lösche
Patricia Lösche
1 Tag zuvor
Antwort auf  Helga Bahr

Dabei gibt es durchaus Stimmen in dieser Richtung. Wie schön wäre:Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin. Dies wäre der Moment, es umzusetzen.

Ela Gatto
Ela Gatto
1 Tag zuvor

Unglaublich!
Wie Putin.
Es wird ein souveräner Staat bombardiert.
Einfach so.
Weil es Trump in den Kram passt (Epstein Files, war da nicht was?)

Und noch schlimmer ist das Schweigen in der EU,UK, Australien, Japan, Kanada …

Niemand stopped Trump.
Niemand spricht laut aus, was es ist.
Eine Kriegshandlung, entgegen internationalen Völkerrechtes

Patricia Lösche
Patricia Lösche
1 Tag zuvor
Antwort auf  Ela Gatto

Es gibt zu viele potente Waffen auf dieser Welt. Irgendwann wollen die alten Männer damit spielen. Und es sind fast ausschließlich nie erwachsen gewordene, verantwortungslose feige alte Männer , die die Knöpfe drücken, sich dann über das Feuerwerk wie kleine Kinder freuen, für dessen Veranstaltung sie sich fade Ausreden ausdenken, warum sie tun was sie tun. Es sind nie die, die darunter leiden. Sie schicken andere vor.In den Knast und vor den internationalen Gerichtshof mit ihnen allen.

Ela Gatto
Ela Gatto
1 Tag zuvor
Antwort auf  Rainer Hofmann

Ich weiß. Und Niemand wollte es wahr haben …

Patricia Lösche
Patricia Lösche
1 Tag zuvor

Ich neige nicht zu verbalen Entgleisungen, aber : Kann bitte jemand diese tickende Zeitbombe DT ausschalten, einbuchten und in die geschlossene psychatrische Abteilung einweisen!!!!! Ihn und alle seine Speichellecker und Profiteure. Wir hatten schon genug Neros auf dieser Welt. Warum ist diese Welt so absolut unfähig im Umgang mit bösen Menschen. Und dieser Mensch ist: durch und durch böse.

Zuletzt bearbeitet am 1 Tag zuvor von Patricia Lösche
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