„Lasst sie San Diego treffen”: Ein Präsident gibt US-Städte zum Abschuss frei, wir bringen seine Worte vor die Staatsanwaltschaft

byTEAM KAIZEN BLOG

8. October 2026

Donald Trump spricht öffentlich über Raketen, die San Diego und Los Angeles treffen könnten. Nicht im Hinterzimmer, nicht in einem missverstandenen Wahlkampfsatz. Vor laufenden Kameras, und binnen rund 48 Stunden gleich zweimal. Am 5. Oktober legte er in Grand Island nahe, Iran könne die beiden Städte „auslöschen“, ein „sehr kleiner Preis“. Am 7. Oktober bleibt es nicht mehr bei der Warnung. Er fragt sein Publikum, ob es „Trauma“ sehen wolle, ob es eine „horror show“ sehen wolle, und schiebt die Städte hinterher. „Let them hit San Diego. Let them hit Los Angeles“, sagt der Präsident der Vereinigten Staaten, lasst sie San Diego treffen, lasst sie Los Angeles treffen. Das mögliche Ergebnis nennt er ein Land im freien Fall.

Gerade die Wiederholung ist der Grund für unsere Schreiben. Was einmal fällt, mag ein Versprecher sein. Was an zwei Tagen über dieselben zwei Städte fällt, verlangt eine Antwort.

Donald Trump: „Wollt ihr ein Trauma sehen? Wollt ihr Probleme sehen? Ich habe es neulich schon gesagt: Sollen sie auf dem Weg doch eine Rakete nach San Diego oder Los Angeles schießen. Sollen sie doch treffen. Wollt ihr eine Horrorshow sehen? Wollt ihr Probleme sehen? Sollen sie San Diego treffen. Sollen sie Los Angeles treffen, und dann werdet ihr sehen, wie richtig schlimme Dinge passieren. Wollt ihr ein Land sehen, das ins Bodenlose stürzt? Wir werden das nicht zulassen. Wir schützen unsere Städte. Wir schützen unser Land. Wir lassen das nicht zu.“ (San Antonio, 7. Oktober 2026)

Man kann darüber berichten und zum nächsten Video oder zur nächsten Veranstaltung weiterziehen, als gehöre solche Sprache inzwischen einfach zur amerikanischen Politik. Wir machen das nicht. Wir haben deshalb am 8. Oktober MEZ die Stadtanwälte von San Diego und Los Angeles offiziell angeschrieben und eine rechtliche Prüfung verlangt. Nicht, um uns ein Urteil anzumaßen. Nicht, weil Journalisten Staatsanwalt spielen sollten. Uns treibt die umgekehrte Frage: Wie weit darf ein Präsident gehen, bevor eine zuständige Behörde auch nur hinsieht? Irgendwo muss die Gewöhnung und Gleichgültigkeit enden.

Unsere Anträge an die Staatsanwaltschaften von Los Angeles und San Diego

San Diego ist dabei einer der wichtigsten Militärstandorte des Landes. Die Marine liegt dort, mit ihren Soldaten und Anlagen, und dicht daneben leben Hunderttausende Zivilisten. An diesem Ort meint das Wort eines Präsidenten eine ganze Militärstadt mit. Diesen Ort wieder und wieder in ein Bild aus Raketen und nationalem Zusammenbruch zu rücken, ergibt mehr als eine schräge Wahlkampfrede. Es ergibt eine Frage, die man prüfen muss. Beantworten werden wir sie nicht, aber jemand muss es.

Eingangsbestätigungen der Staatsanwaltschaften

In unseren Schreiben fordern wir ausdrücklich nicht, Donald Trump für schuldig zu erklären. Wir bitten die Behörden zu prüfen, ob seine Aussagen nach kalifornischem oder nach Bundesrecht überhaupt von Belang sein können und ob Aufzeichnungen und Transkripte zu sichern sind. Gehört der Fall an eine zuständige Stelle, an das FBI oder den Bundesanwalt? Auch Kaliforniens Generalstaatsanwalt käme in Frage. Für San Diego haben wir die militärische Bedeutung der Stadt und die Fragen der öffentlichen und nationalen Sicherheit eigens benannt. Beide Städte haben den Eingang bestätigt. Noch sind es die Empfangsbestätigungen eines Automaten, keine Prüfung. Uns genügt vorerst, dass die Worte festgehalten und die Aufnahmen gesichert sind, ehe sie im Lärm des nächsten Tages verschwinden.

Journalismus darf nicht dazu verkommen, den täglichen politischen Irrsinn schneller zu verbreiten als die Konkurrenz. Eine Redaktion, die nur dokumentiert, was die Mächtigen sagen, ohne je nach den Folgen und den Regeln zu fragen, wird zum besseren Protokollanten ihrer Macht. Er schreibt dann mit, wo er nachfragen müsste. Dafür braucht niemand investigative Medien.

Wir sind klein. Keine Hundertschaft an Korrespondenten, keine milliardenschwere Muttergesellschaft im Rücken. Auch eine Rechtsabteilung über drei Etagen fehlt uns. Unsere Stärke liegt nicht in der Größe, sie liegt in der Hartnäckigkeit. Eine kleine Redaktion kann sich die Unbequemlichkeit leisten, die eine große sich oft nicht mehr traut. Was wir haben, ist die Freiheit, eine Frage nicht fallen zu lassen, nur weil sie unbequem wird. Wir sichern Material und vergleichen Aussagen. Wir schreiben Behörden an. Und wir verlangen, dass auch bei einem Präsidenten dieselben Maßstäbe wenigstens geprüft werden, die bei jedem anderen längst Fragen auslösen würden. Klein zu sein heißt bei uns, beweglich zu bleiben.

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„Wahnsinnig und gefährlich“: Kalifornien antwortet dem Präsidenten, der seine eigenen Städte dem Feind hinwirft

Trump darf sagen, was das Recht ihm erlaubt. Der erste Zusatzartikel der Verfassung schützt auch widerliche und verstörende politische Rede. Nur heißt Meinungsfreiheit nicht, dass jeder Satz jenseits jeder rechtlichen Prüfung steht. Der Schutz der Rede und die Prüfung der Rede schließen einander nicht aus. Ob hier eine Grenze fiel, entscheiden nicht wir. Wir sorgen jetzt dafür, dass die Frage überhaupt auf dem Tisch liegt.

Manchmal fragen wir uns, ob viele vergessen, dass nach ihnen Generationen leben, die einmal erben, was heute festgehalten oder gelöscht wird. Menschenrechte gehen in diesem Jahr nicht unter Protest verloren, sie geraten leise in Vergessenheit, überblättert im Vorbeiscrollen, abgedrängt vom nächsten billigen Reiz. Gerade deshalb sollte Informationssicherheit das Wort dieses Jahres werden, nicht als Trend, als tägliche Pflicht. 2026 misst den Widerstand nicht an großen Worten. Gezählt wird, was gesichert bleibt, wenn alle anderen längst weitergewischt haben.

Wegsehen wäre einfacher. Für uns kommt es nicht in Frage. Unabhängig aber bleiben wir nur, solange unsere Leser uns tragen, und was wir schreiben, bleibt frei für alle. Gefällt Ihnen, was wir hier tun, dann machen Sie uns stärker und unterstützen Sie unsere unabhängige Arbeit. „Jede Unterstützung hält eine Frage am Leben, die sonst niemand stellt, und sie trägt Hilfe zu Opfern, an die sonst niemand denkt.

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Esther Portmann
Esther Portmann
1 hour ago

Ihr schreibt nicht nur, ihr handelt und dafür danke ich euch.
Dieser Irre muss weg.

Rainer Hofmann
Admin
57 minutes ago

… man muss handeln, die meisten machen nichts, abgestumpft durch social media, das alles einen selber nichts angeht, du schaue nach deutschland, die rennen langsam in das system, aber es passiert kaum etwas, keine Klagen, kaum Investigative usw usw

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