Krieg, Märkte, Macht – warum Trumps Hormus-Plan neue Vorwürfe auslöst – Weitere Hinrichtungen im Iran

byTEAM KAIZEN BLOG

May 4, 2026

Donald Trump kündigt an, dass die Vereinigten Staaten Schiffe durch die Straße von Hormus begleiten wollen, und löst damit nicht nur eine militärische Reaktion aus, sondern auch neue Vorwürfe, die weit darüber hinausgehen. Kurz nach seiner Erklärung, man werde „neutrale und unschuldige“ Schiffe sicher durch die blockierte Passage führen, taucht eine Frage auf, die in Washington nicht mehr leise gestellt wird. Wird hier Politik gemacht oder werden Märkte bewegt. Trump selbst begründet den Schritt damit, dass Länder aus der ganzen Welt um Hilfe gebeten hätten. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des globalen Energiehandels läuft, ist seit Ende Februar blockiert. Seit Beginn des Krieges greifen iranische Kräfte immer wieder Handelsschiffe an oder drohen mit weiteren Angriffen. Reedereien warten, Versicherer ziehen sich zurück, Lieferketten geraten ins Stocken.

Vor diesem Hintergrund kündigt Trump ein Projekt an, das er Project Freedom nennt. Schiffe und ihre Besatzungen sollen aus der blockierten Zone geführt werden, die Operation soll sofort beginnen. Er spricht von einem Einsatz, der Sicherheit schaffen und den Handel wieder ermöglichen soll. Gleichzeitig steht hinter dieser Ankündigung eine zweite Ebene, die in den Finanzmärkten sofort spürbar wird. Ölpreise reagieren empfindlich auf jede Bewegung in der Region. Schon kleine Signale können massive Ausschläge auslösen. Genau hier setzen die Vorwürfe an. Kritiker sehen in Trumps Kommunikation mehr als nur Außenpolitik. Sie werfen ihm vor, durch öffentliche Ankündigungen gezielt Erwartungen zu steuern, die direkte Auswirkungen auf Preise und Märkte haben.

Die Frage wird offen gestellt. Ist das noch politische Kommunikation oder bereits Einflussnahme auf wirtschaftliche Entwicklungen. Trumps Worte kommen in einem Moment, in dem Energiepreise weltweit unter Druck stehen und jede Veränderung im Persischen Golf unmittelbare Folgen hat. Gleichzeitig bleibt die militärische Lage unklar. Wie genau diese Begleitmission aussehen soll, sagt niemand. Welche Kräfte eingesetzt werden, wie Schiffe geschützt werden sollen und ob es direkte Konfrontationen gibt, bleibt offen. Auf iranischer Seite wird bereits klargemacht, dass jede ausländische Militärpräsenz als Provokation gewertet wird.

Iran erklärt, ein US-Kriegsschiff am Montag an der Einfahrt zur Straße von Hormus gestoppt und zur Umkehr gezwungen zu haben. Die Marine spricht von einer schnellen und entschlossenen Warnung gegen sogenannte amerikanisch-zionistische Einheiten. Parallel verbreitet die Nachrichtenagentur Fars die Behauptung, zwei Raketen hätten ein US-Schiff getroffen. Aus Washington kommt umgehend Widerspruch. Ein hochrangiger US-Vertreter weist den Bericht zurück und bestreitet einen Treffer. Die widersprüchlichen Darstellungen fallen in einen Moment, in dem die USA eine eigene Operation zur Begleitung festgesetzter Schiffe ankündigen und Iran seine Drohungen gegenüber jeder fremden Militärpräsenz in der Region weiter verschärft. Aus Quellen vor Ort, kann dieser Vorgang nicht bestätigt werden.

Damit entsteht eine Situation, in der politische Entscheidungen, militärische Risiken und wirtschaftliche Interessen untrennbar miteinander verbunden sind. Ein Satz kann Märkte bewegen. Eine Ankündigung kann Preise verändern. Und jede Bewegung auf dem Wasser kann die Lage eskalieren lassen.

Inmitten dieser militärischen und diplomatischen Lage gibt es noch eine andere Geschichte, die nicht verloren gehen darf. Narges Mohammadi, iranische Menschenrechtsanwältin und Friedensnobelpreisträgerin, Anfang fünfzig, wurde am Freitag mit einer kardialen Krise und Ohnmacht in ein Krankenhaus in Zandschan im Nordwesten Irans gebracht. Ihre Stiftung und ihre Familie erklärten am Samstag, ihr Gesundheitszustand sei in „sehr hohem Risiko“. Das iranische Geheimdienstministerium widersetze sich einer Verlegung nach Teheran, wo sie von ihren eigenen Ärzten behandelt werden könnte.

Mohammadi war am 12. Dezember festgenommen worden. Davor hatte sie eine Strafe von 13 Jahren und neun Monaten verbüßt, verurteilt wegen angeblicher Verschwörung gegen die Staatssicherheit und Propaganda gegen die iranische Regierung. Seit Ende 2024 war sie wegen medizinischer Bedenken auf Hafturlaub gewesen. Ihre Familie führt ihren aktuellen Zustand teilweise auf eine Misshandlung während der Festnahme im Dezember zurück.

Die medizinischen Teams in Zandschan haben ihre Akten angefordert, bevor sie sie behandeln. Sie empfehlen eine Verlegung nach Teheran für eine Angiografie. Genau das aber blockiert das Geheimdienstministerium. Ihr in Paris lebender Ehemann Taghi Rahmani sagte in einer Sprachnachricht, die der Associated Press über die Stiftung zugespielt wurde, das Ministerium hätte nichts dagegen, wenn Mohammadi sterbe. Im Interview mit Sky News fügte er hinzu, sie habe die psychische Widerstandskraft für eine Haft, ihr Körper habe sie nicht. Ihre Kinder hätten sie seit 2015 nicht mehr gesehen. Das norwegische Nobelkomitee forderte die iranischen Behörden auf, sie sofort an ihr medizinisches Team zu übergeben. Ihr Leben liege in deren Händen. Ihr Anwaltsteam wendet sich an die Generalstaatsanwaltschaft.

Nasser Bekrzadeh, Yaghoub Karimpour

Während Mohammadi im Krankenhaus liegt, vollstreckt Iran am Samstag fünf weitere Hinrichtungen. Yaghoub Karimpour und Nasser Bekrzadeh wurden gehängt. Beide waren wegen Spionage für Israel verurteilt worden. Karimpour soll laut dem Justizportal Mizanonline „sensible Informationen“ an einen Mossad-Offizier weitergegeben haben. Bekrzadeh wird vorgeworfen, Details über Regierungs- und Religionsführer übermittelt zu haben sowie Informationen über Natanz, jene Stadt, in der sich die Anreicherungsanlage befindet, die im vergangenen Jahr von Israel und den USA bombardiert wurde. Iran hat in den vergangenen Wochen mehr als ein Dutzend Menschen wegen mutmaßlicher Spionage und terroristischer Aktivitäten hingerichtet. Menschenrechtsorganisationen weisen seit langem darauf hin, dass die Verfahren hinter verschlossenen Türen stattfinden und die Angeklagten keine Chance haben, sich zu verteidigen.

Mohammad Reza Miri, Mehrab Abdollahzadeh, Mehdi Rasouli

Mohammad Reza Miri, Mehdi Rasouli und Mehrab Abdollahzadeh wurden wegen angeblicher Verbrechen gegen den Staat, angebliche Tötung eines Sicherheitsbeamten (Mehrab Abdollahzadeh), Aufruhr und Widerstand verurteilt und ebenfalls gehängt. Drei weitere Namen, drei weitere Urteile, die niemand nachvollziehen kann. In einem Land, in dem Recht längst keine Rolle mehr spielt und durch blanke Barbarei ersetzt wird.

Und doch gibt es auch Bewegung in eine andere Richtung. Pakistan teilte am Montag mit, es habe die Übergabe von 22 Besatzungsmitgliedern eines von den USA aufgebrachten iranischen Schiffes ermöglicht. Das pakistanische Außenministerium bezeichnete den Vorgang als vertrauensbildende Maßnahme. Die Männer, die auf dem iranischen Containerschiff MV Touska gewesen waren, wurden evakuiert und über Nacht nach Pakistan ausgeflogen. Sie sollen den iranischen Behörden übergeben werden. Das Schiff selbst soll in pakistanische Gewässer gebracht werden, dort die nötigen Reparaturen erhalten und anschließend an die ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden. Der gesamte Vorgang werde mit Unterstützung Irans und der USA koordiniert.

Am Ende steht eine Entwicklung, die weit über die Straße von Hormus hinausreicht. Es geht nicht nur um Schiffe und Sicherheit, sondern um die Frage, wer in diesem Konflikt tatsächlich die Kontrolle hat. Über das Geschehen auf See und über die Reaktionen der Märkte.

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