Ein Archiv hat keinen Sinn für Takt. Den Ton bewahrt es trotzdem, Jahre später reicht es ihn unverändert zurück. Es werden noch viele Recherchen notwendig sein. Hier ein erster Teil dieser Recherche.
Am 8. Mai 2025 schrieb der Bundesvorstand der AfD an „Mitglieder und Förderer“, darunter Leif-Erik Holm in Schwerin. Gefeiert wurde ein „erster Erfolg“ gegen die „willkürliche und rechtswidrige“ Hochstufung durch den Verfassungsschutz. Drei Tage nach der Klage vom 5. Mai hatte die Behörde dem Verwaltungsgericht Köln zugesagt, die Einstufung als gesichert rechtsextremistisch bis zur Eilentscheidung auszusetzen, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Ein Freispruch war das nie. Die Behörde hielt lediglich inne. Kostbar macht das Schreiben ein anderer Abschnitt. Für die „zahlreichen“ Mitglieder im öffentlichen Dienst, die um ihre Zukunft bangten, habe man eine Handreichung aktualisiert, mit 4 Ratschlägen. „Differenzieren Sie in Ihrer Wortwahl und bleiben Sie mit Ihren Äußerungen im verfassungskonformen Bereich.“ „Distanzieren Sie sich von verfassungsfeindlichen Äußerungen.“ Vorstände sollen ihr Amt nutzen, „bei Bedarf mäßigend auf andere einzuwirken“. Und: „Halten Sie Ihre politische Einstellung aus Ihrer beruflichen Tätigkeit beim Staat heraus.“ Das diene dem Schutz der Beschäftigten und „der gesamten AfD“.

Eine selbsternannte Grundgesetzpartei muss ihre Beamten an die Verfassung erinnern. Die Gesinnung darf bleiben. Hören soll sie keiner. Für die Absender gilt die Mäßigung nicht. Wenige Zeilen tiefer sagt der Vorstand der „Skandalbehörde BfV“ weiteren Widerstand an.
Das Schreiben stammt aus mehr als 420.000 E-Mails samt Dokumenten und Personalakten von der Gründung 2013 bis heute, überwiegend vor 2019. Die Transparenzorganisation Distributed Denial of Secrets hat das Material Journalisten übergeben. Laut AfD wurde Ende September ein Dienstleister angegriffen, kopiert seien nur „wenige Postfächer“, meist längst unbenutzt. Aus Parteikreisen hieß es, das Material wirke echt.
Zu sehen ist eine Partei, die über mehr als 10 Jahre um Donald Trump und die Größen seiner MAGA-Bewegung warb. Mit Eifer. Ohne Scham.
Mit 1,2 Millionen Flüchtlingen 2015 und 2016 fanden einwanderungsfeindliche Wähler in der AfD ihre Heimat. 2017 kam sie mit 12,6 Prozent in den Bundestag, im Februar 2025 wurde sie mit 20,8 Prozent zweitstärkste Kraft. Heute führt sie in Umfragen mit etwa 30 Prozent. In Sachsen-Anhalt holte sie im September 43,8 Prozent und will erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg eine rechtsextreme Landesregierung bilden. Trump gratulierte auf seiner Plattform: „MGGA!!!“ Der Bund führt die Partei als Verdachtsfall, die Landesämter stufen 5 Landesverbände als gesichert extremistisch ein. Björn Höcke wurde 2024 wegen einer wissentlich benutzten SA-Parole verurteilt. AfD-Politiker saßen bei Extremisten, die einen Masterplan für Massendeportationen besprachen. Das Wahlprogramm 2025 will die Russland-Sanktionen aufheben und Nord Stream reparieren. Fast alle anderen Parteien halten bisher größtenteils an der Brandmauer fest.
Die damalige Vorsitzende Frauke Petry nannte Trump im Frühjahr 2016 ein „erfrischend alternatives Angebot“, seinen Sieg „ermutigend für Deutschland und Europa“. Angela Merkel bot ihm am 9. November „enge Zusammenarbeit“ an, nur „auf der Grundlage“ gemeinsamer Werte, darunter die Menschenwürde „unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion“ und weiteren Merkmalen. Ursula von der Leyen sprach von einem „großen Schock“, Sigmar Gabriel Berichten zufolge vom „Vorreiter einer neuen autoritären und chauvinistischen Internationale“, zu der er die AfD rechnete.

Am 10. November 2016 schlug die damalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry dem Bundesvorstand vor, Donald Trump offiziell zu seinem Wahlsieg zu gratulieren. Während die deutsche Politik den Wahlausgang kritisierte, wollte Petry die AfD ausdrücklich als einzige deutsche Partei präsentieren, die den politischen Neuanfang in den USA begrüße. Die Zustimmung kam prompt: Alice Weidel antwortete mit „Yes:-)“, Alexander Gauland mit „Zustimmung“, Georg Pazderski mit „Stimme zu“. Dirk Driesang ging noch weiter und schlug vor, Trump zusätzlich das ins Englische übersetzte AfD-Grundsatzprogramm per Post zu schicken. Die E-Mails dokumentieren, wie die AfD unmittelbar nach Trumps Wahlsieg versuchte, sich gegenüber dem künftigen US-Präsidenten politisch zu positionieren.
Die deutsche Politik übertreffe sich also „wieder einmal selbst in politisch inakzeptablem Verhalten“, die AfD gelte als jene Partei, die „nicht in das mehrheitliche Geheul des politischen Establishments einstimmt“. 11 der 13 Vorstandsmitglieder antworteten, alle zustimmend. Alice Weidel, heute Parteivorsitzende: „Ja:-)“. Beatrix von Storch, heute Vizechefin der Bundestagsfraktion: „Mehr Ja geht nicht.“ Dirk Driesang regte an, Trump das Parteiprogramm auf Englisch zu schicken, „per Post (?)“. Die Klammer hat er selbst gesetzt.

Die AfD setzte bereits unmittelbar nach Trumps Wahlsieg 2016 auf eine amerikanisch-russische Verständigung über die Zukunft der Ukraine. Das geschah zu einem Zeitpunkt, als Russland die Krim bereits seit mehr als 2 Jahren besetzt hielt und der Krieg im Osten der Ukraine andauerte. Die Formulierung ist bemerkenswert präzise: Petry erwartet ein Ende der Kriege „im gegenseitigen Einvernehmen mit Russland“. Eine Beteiligung der ukrainischen Regierung an dieser Verständigung erwähnt das Telegramm an dieser Stelle nicht. Hinzu kommt die politische Nähe zu Trump. Die AfD begrüßte seine Wahl ausdrücklich als Gelegenheit, die internationale Politik neu auszurichten.
Das Telegramm ging am 11. November hinaus, unter Petrys Namen „im Namen des Bundesvorstands“. Man wünschte dem 45. Präsidenten, dass sich seine „Hoffnungen als Mensch erfüllen“. Fehlentwicklungen vergangener Jahrzehnte ließen sich nun korrigieren. Dann der Satz, den man heute zweimal liest: Man sei zuversichtlich, dass er die Kriege in Syrien und der Ukraine „im gegenseitigen Einvernehmen mit Russland beenden“ werde. Angestrebt werde ein deutsch-amerikanisches Verhältnis auf Augenhöhe.
Zur Amtseinführung sollte es „diesmal schneller und besser vorbereitet“ sein, verlangte Driesang am 11. Januar 2017. Er hatte eine Bitte parat: Trump möge die AfD unterstützen, „die Feindstaatenklausel aus der UN-Charta zu streichen“.
Die Klauseln kamen 1945 in die Charta der Vereinten Nationen, als Handhabe gegen die Besiegten Deutschland und Japan. 1995 erklärte die Generalversammlung sie für überholt. Der Wortlaut blieb, denn eine Änderung braucht 2 Drittel der Staaten und alle 5 ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats. Praktische Bedeutung hätten sie keine mehr, befand 2017 der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages. Rechts gelten sie als Fessel der Souveränität. 2020 beantragte die AfD-Fraktion die Streichung dieses „Relikts der Vergangenheit“. Alle anderen Parteien stimmten dagegen.
Der Vorstand nahm die Forderung am 16. Januar an. Zum englischen Entwurf vom 19. Januar schrieb Georg Pazderski, damals Berliner Landeschef: „Man spricht den Präsidenten nicht mit Mr Trump an, er ist Mr President. Ansonsten etwas wortreich und blumig.“ Die Klausel gehöre „überhaupt nicht in diesen Brief“. Und: „Das sieht aus wie ein Bettelbrief.“ Driesang antwortete am nächsten Morgen um 6:16 Uhr, er finde den Stil „natürlich angemessen“. Wahlkampfstab oder US-Botschaft, fragte die Geschäftsstelle. André Poggenburg, damals Landeschef in Sachsen-Anhalt: „alle verfügbaren Kanäle“. Am 20. Januar erschien der Text, unterzeichnet von Petry und Jörg Meuthen. Die Bitte stand darin. Die Klausel sei ein „seltsamer Anachronismus“, Trump möge die AfD „als natürliche Verbündete an Ihrer Seite“ betrachten, als „einzige deutsche Partei in klarer Opposition zur falschen Politik von Bundeskanzlerin Merkel“. Petry verließ die Partei noch 2017. Auch Meuthen und Pazderski sind ausgetreten. Driesang ebenso.
Ein Glückwunsch mit Bitte im Umschlag bleibt eine Bittschrift.

In diesem Zusammenhang möchten wir eine E-Mail vom 9. November 2016 nicht unerwähnt lassen, die einen aufschlussreichen Einblick in die wirtschaftliche Kompetenz und außenpolitische Urteilskraft der AfD gewährt. Bundesvorstandsmitglied Dirk Driesang bescheinigte dem frisch gewählten Donald Trump, er werde als Geschäftsmann kluge Entscheidungen treffen, unnötige Risiken vermeiden, die NATO auf ihren eigentlichen Auftrag zurückführen und die Beziehungen zu Russland entspannen. Ein Immobilienunternehmer gewinnt eine Wahl, und schon hält man ihn in der AfD für einen besonnenen Staatsmann, der Weltpolitik offenbar ebenso mühelos beherrsche wie Immobiliengeschäfte. Eine Kleinigkeit hatte Driesang bei seiner Bewunderung offenbar übersehen: Trumps Unternehmen hatten zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Insolvenzverfahren hinter sich, das letzte 2009. Sämtliche 6 waren öffentlich bekannt, lange bevor der AfD-Vorstand seine wirtschaftliche Urteilskraft entdeckte. Für Driesangs Gewissheit brauchte es weder Regierungserfahrung noch eine einzige Amtshandlung Trumps. Ein Wahlsieg und ein Lebenslauf aus der Wirtschaft genügten ihm vollkommen.
Bei Steve Bannon ging es schneller. Der Weg führte über Harris Media, eine Digitalagentur aus Texas, die für Rand Paul und Marine Le Pen gearbeitet hatte und 2017 den Internetwahlkampf der AfD führte. Auch Benjamin Netanjahu zählte zu den Kunden. Am 28. Februar 2018 bot Firmengründer Vincent Harris Alice Weidel, inzwischen Co-Vorsitzende der Fraktion, ein Gespräch in Berlin an, über die Datenbank der Partei und mehr Spenden.
Weidel antwortete am nächsten Tag. „Klar! Mein Büro wird sich bei Ihnen melden. Übrigens, haben Sie Steve Bannons Handynummer? Ich muss ihn treffen.“

Am 3. März 2018 wurde aus einer Bitte ein Termin. Zwei Tage zuvor hatte Alice Weidel nach Steve Bannons Handynummer gefragt. Jetzt schrieb Vincent Harris, Gründer der amerikanischen Wahlkampffirma Harris Media, die schon für die AfD gearbeitet hatte, an beide zugleich: „Alice, auf deine E-Mail hin wollte ich dich Steve Bannon vorstellen.“ Sie würden sich „unglaublich gut verstehen“, glaube er, beide teilten „gemeinsame Vorstellungen und Ideale“. Er freue sich darauf, „zu sehen, was ihr gemeinsam aushecken werdet“. Bannon antwortete sofort. „Alice, sag mir, wann du telefonieren kannst.“ Weidel ließ ihn nicht warten. „Steve, jederzeit.“ Wenige Zeilen später stand Zürich fest. „Dienstagnachmittag Zürich. Wann und wo?“ Bannon: „Perfekt.“ Tags darauf schlug Weidel 17 Uhr vor und fragte, ob man sich in seinem Hotel treffen könne.
So klingt Politik, wenn sie sich wie eine Verabredung zum Kaffee anfühlt. Wir recherchierten weiter, parallel liefen die technischen Arbeiten zur Verifizierung der Echtheit der Mails. Solche Recherchen erfordern tagelange intensive Arbeit und können bis zu ihrem vollständigen Abschluss Monate in Anspruch nehmen. Historische Ereignisse und Zusammenhänge müssen überprüft, technische Wege erschlossen und Dokumente einzeln untersucht werden. Wir müssen Menschen befragen, schriftliche Anfragen stellen, öffentliche Register durchsehen, Reiserouten rekonstruieren, Zeitangaben abgleichen und Aussagen mit unabhängigen Belegen überprüfen. Oft führt eine einzige E-Mail zu weiteren Nachforschungen, neuen Ansprechpartnern und Dokumenten, die zunächst überhaupt nicht zugänglich sind. Hunderttausende E-Mails automatisiert zählen kann eine Software in wenigen Stunden. Herauszufinden, was tatsächlich geschehen ist, verlangt journalistische Arbeit, die sich weder abkürzen noch durch eine automatische Zusammenfassung ersetzen lässt.

Dass beide sich trafen, war damals bekannt. Wie es dazu kam, zeigen erst die E-Mails. Eine amerikanische Firma, die am deutschen Wahlkampf der AfD mitgearbeitet hatte, öffnete deren führender Politikerin die Tür zu Trumps früherem Chefstrategen. Was in Zürich besprochen wurde, verraten die Mails nicht. Wie sorgfältig der Weg dorthin gelegt war, verraten sie sehr genau. Bannon hatte das Weiße Haus 7 Monate zuvor verlassen, im Januar war er bei seinem rechten Nachrichtenportal hinausgedrängt worden. Am 3. März machte Harris die beiden bekannt, wegen „gemeinsamer Vorstellungen und Ideale“. 2 Minuten später schrieb Bannon von seinem BlackBerry: „Alice, sag mir, wann du telefonieren kannst.“ Beide waren am Dienstag in Zürich. Weidel: „Dienstagnachmittag Zürich. Wann und wo?“ Bannon: „Perfekt.“ Aus einer Telefonnummer wurde in einer Handvoll Nachrichten ein Treffen.
Eine Nachrichtenagentur meldete das Treffen noch am selben Tag, den Vermittler nannte niemand. Am 12. März schrieb Harris: „Ich freue mich, dass das andere Treffen gut gelaufen ist!“ 3 Tage danach hatte Thor Kunkel, kreativer Kopf des AfD-Wahlkampfs, einen Einfall: „Warum Bannon nicht einstellen? Für AfD-TV.“ Der Mann suche „verzweifelt einen Job“, das wisse er von Red-Bull-Mitgründer Dietrich Mateschitz. Weidel leitete es an ihr Büro weiter.
Am 11. August 2018 ließ Mitgründer Alexander Gauland wissen, Weidel habe Bannon „einmal“ getroffen, eine Zusammenarbeit sehe sie nicht. Am 7. August hatte ein amerikanischer Nachrichtensender wegen Bannons Stiftung The Movement angefragt. Meuthen beschied, er werde dem Sender kein Interview geben. Eine Woche später bat die Fraktion alle Abgeordneten, solche Anfragen unbeantwortet zu lassen. Im Büro von Markus Frohnmaier reichte Referent Magnus Wolf Heutmann sie am 13. August weiter, mit einem einzigen Wort. „Interessant.“ Am 26. März 2019 erklärte Bannon in Rom, wo er Italien wegen Matteo Salvini zum „Mittelpunkt des Universums“ ausrief, er habe auch Vertreter der AfD getroffen. Auf Nachfrage eines Korrespondenten meldete die Geschäftsstelle dem Vorstand, sie wisse von nichts. Pazderski wollte den „irrlichternden Selbstdarstellern“ und ihrer „Privatdiplomatie“ Einhalt gebieten. Die interne Presselage vom 8. Mai 2019, verfasst von Michael Pfalzgraf, vermerkte: „Steve Bannon kommt nicht zur Konferenz. Ein griechischer Stellvertreter vertritt ihn wohl. Oder auch nicht!?“ Ganz oben stand: „Restaurant-Empfehlung: Wohin in Berlin?“, samt Zwinkern.
Frohnmaier, seit 2017 im Bundestag, ist heute Vizechef der Fraktion und sitzt im Auswärtigen Ausschuss. Als Chef der Jungen Alternative rief er im Oktober 2015 in Erfurt den „linken Gesinnungsterroristen“ zu: „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet!“ Markus Frohnmaier nimmt in diesem Geflecht eine besondere Rolle ein. Seit 2014 unterhält er Kontakte zu russischen Regierungsvertretern und politischen Netzwerken. Dokumente aus den Jahren 2016 und 2017 zeigen, dass in Moskau sogar darüber diskutiert wurde, seine politische Karriere gezielt zu unterstützen. Interne Papiere bezeichneten ihn als möglichen „kontrollierten Verbündeten“, der russische Interessen innerhalb der deutschen Politik vertreten könnte. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine blieb Frohnmaier bei dieser Linie. Er sprach sich gegen deutsche Waffenlieferungen aus und stellte Russland nicht als Bedrohung für Deutschland dar.
2023 stufte der Verfassungsschutz die Organisation als gesichert extremistisch ein. Sie löste sich im März 2025 auf, im November folgte die Generation Deutschland.

Markus Frohnmaier (links) und Daniil Bisslinger (rechts), 2015 – Daniil Bisslinger ist ein russischer politischer Aktivist und Publizist, der mit nationalkonservativen Netzwerken in Russland verbunden war und Kontakte zu europäischen Rechtsaußen-Milieus pflegte.

An excerpt from Manuel Ochsenreiter’s “action plan” for Markus Frohnmaier for the German federal elections in 2017.
The document carries the title “Frohnmaier election campaign / action plan (draft)” and describes a planned strategy for Markus Frohnmaier’s Bundestag campaign in 2017. It presents Frohnmaier as a candidate of the AfD and then chairman of the youth organization “Junge Alternative.” Two major campaign events in the Stuttgart region were planned, among them with the then Vienna vice mayor Johann Gudenus of the FPÖ as well as with Italian politician Matteo Salvini and FPÖ member of the European Parliament Harald Vilimsky. The events were intended to focus thematically on international politics, with Frohnmaier appearing together with the invited guests. The document lists central political messages of the campaign, including German sovereignty vis a vis the EU and NATO, better relations with Russia, conservative positions against LGBT policy, and criticism of the American military presence in Europe. At the same time the document explicitly calls for support for the campaign. In addition to material assistance it emphasizes media presence in Russian media as particularly important in order to position Frohnmaier within the party as a leading voice in foreign policy questions.
Im April 2019 wurden Dokumente bekannt, die der Duma-Mitarbeiter und frühere Marineabwehroffizier Petr Premjak 2017 an einen hohen Vertreter der Regierung Wladimir Putins geschickt hatte. Man solle Frohnmaiers Kandidatur unterstützen: „Wir werden unseren eigenen, absolut kontrollierten Abgeordneten im Bundestag haben.“ Seine Anwälte erklärten, er habe „niemals unter der Kontrolle irgendeiner dritten Partei“ gestanden. Er selbst nannte die Papiere Fälschungen.
5 Wochen später, am 13. Mai 2019, schrieb sein Mitarbeiter an eine Gmail-Adresse auf den Namen Daniel Pipes, Gründer des Middle East Forum. Das Southern Poverty Law Center wirft Pipes vor, er habe fast 3 Jahrzehnte lang antimuslimische Rhetorik verbreitet. Laut der Organisation rät er westlichen Politikern, mit rechtsextremen Parteien wie der österreichischen FPÖ eher zusammenzuarbeiten, als sie auszugrenzen. 2 Monate zuvor hatte Pipes Frohnmaier in Berlin getroffen, auf einer Reise zu Parteien, die er „zivilisationistisch“ nennt. Eine rechtsextreme Website zeigte ein Foto der beiden.
Er dankte für ein Interview mit einer rechten Wochenzeitung, dann kam er zur Sache. Im Auftrag Frohnmaiers bitte er, „einen Kontakt in der US-Botschaft herzustellen“. Frohnmaier wolle den Botschafter treffen oder den Leiter der Abteilung für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungspolitik. Botschafter war Richard Grenell. 2018 hatte er erklärt, er wolle „andere Konservative in ganz Europa stärken“, und nannte Sebastian Kurz einen „Rockstar“, worauf deutsche Politiker seine Ausweisung forderten. 2020 machte Trump ihn ohne Erfahrung im Fach zum kommissarischen Chef der Nachrichtendienste, 2 Tage nach der Wahl verbreitete er unbelegte Behauptungen über „illegale Stimmen“ in Nevada. Zuletzt begleitete er als Leiter des Kennedy Center dessen Umbenennung in Trump Kennedy Center, im März trat er zurück.
Eine Antwort oder ein Treffen belegt das Archiv nicht. Auf Anfrage erklärte Pipes, er habe die Bitte an niemanden weitergeleitet und erinnere sich nicht an Frohnmaier, nach dem 13. Mai 2019 finde er keinen Kontakt. Kritiker verzerrten seine Ansichten, sein Leitsatz laute: „Radikaler Islam ist das Problem, gemäßigter Islam ist die Lösung.“ Er lehne Islamisten ab, mit Muslimen habe er keinen Streit. 2019 habe er AfD-Vertreter in Berlin ständig gedrängt, eine antiislamistische statt einer antiislamischen Haltung einzunehmen. Ohne Erfolg.
Im März hatte dasselbe Büro schon anderswo angeklopft. Der Mitarbeiter suchte einen Kontakt bei jenem Portal, das Bannon verlassen musste, und pries dem Journalisten Chris Tomlinson seinen Chef als „jungen Star“ an, kundig in der „Agenda 2030“ und beim Migrationspakt der Vereinten Nationen. Eine Antwort fehlt. Außer in einem Bericht über die einwanderungsfeindlichen Ausschreitungen in Chemnitz kommt Frohnmaier dort nicht vor. Frohnmaier ließ ausrichten, Echtheit und Vollständigkeit der Korrespondenz habe man nicht prüfen können, die Dokumente seien rechtswidrig beschafft worden. Die Kontakte gehörten zur üblichen Pflege internationaler Beziehungen.
Öffentlich klang das bescheidener. Am 13. Juni 2018 meldete die Fraktion, Armin-Paulus Hampel und Jens Kestner seien in die USA gereist. „Wir kamen, um zuzuhören“, wurde Hampel zitiert. Gesprächspartner seien Justin Stebbins gewesen, Berater von Senator Ron Johnson, der „Verständnis“ für die Haltung der AfD zur NATO gezeigt habe, und Ken Toko vom Außenministerium, der höhere deutsche Verteidigungsausgaben angemahnt habe. Es war die Premiere der Fraktion in den USA, auf mittlerer Arbeitsebene. Das Verständnis galt einer Partei, die 2016 den Abzug aller alliierten Truppen aus Deutschland verlangte, „insbesondere ihrer Atomwaffen“, und die NATO laut Wahlprogramm 2025 nur so lange will, „bis ein eigenständiges und handlungsfähiges europäisches Militärbündnis aufgebaut worden ist“. Die Osterweiterung lehnt sie ab, die Ukraine soll neutral sein, ohne Lager.
Nach 2019 dünnt das Archiv leicht aus. Am 29. September 2020, 5 Wochen vor der Wahl und Stunden vor dem Fernsehduell Trump gegen Joe Biden, berichtete von Storch ihren „Mitstreitern“ von einem Gespräch mit Bannon. Er habe einen „massiven Sieg“ vorhergesagt, die Leute hätten „die Schnauze voll von dieser Propaganda“. Dann: „Wir werden nicht zulassen, dass sie diesen Sieg klauen.“ Die Geschichte vom gestohlenen Sieg kursierte in der AfD, bevor gewählt war. Eine Beteiligung an späteren Anfechtungen belegt das nicht.

Am Vorabend der Amtseinführung im Januar 2025 feierte von Storch mit ihrem Mann Sven auf Trumps „Victory Rally“ und traf dort Bannon und Donald Trump Jr. Am 14. Februar sprach Vizepräsident JD Vance in München mit Weidel, am 23. Februar verdoppelte die AfD ihr Ergebnis. Im April saßen von Storch und Joachim Paul in Washington mit Samuel Samson vom Außenministerium zusammen. „Sie haben sich viele Notizen gemacht“, sagte Paul.
Am 1. Oktober meldete Darren Beattie, kommissarischer Unterstaatssekretär für öffentliche Diplomatie, ein Treffen mit Frohnmaier und Jan Wenzel Schmidt über kulturellen Austausch und Migration. Das Weiße Haus hatte ihn 2018 als Redenschreiber entlassen, wegen einer Podiumsrunde mit dem weißen Nationalisten Peter Brimelow. Am 13. Dezember empfing seine Nachfolgerin Sarah B. Rogers Frohnmaier, der danach im Netz schrieb, Washington suche „einen starken deutschen Partner“.
Nach den russischen Papieren gefragt, erklärte Rogers im Februar, die Behauptung sei „unbelegt“ und „ohnehin kein Hindernis für ein Treffen“. Frohnmaier spreche für „die beliebteste politische Partei Deutschlands“. Die Zeit der öffentlichen Ächtung, in der Kontakte als rufschädigend galten, habe Amerika „wahrscheinlich geschadet“.

Die Frau, die 2018 nach Bannons Handynummer fragte, braucht heute den Schutz des Bundeskriminalamts. Am 28. Februar 2026 bat Vanessa Geiger von der Landesgeschäftsstelle Nordrhein-Westfalen um eine „Personalliste BKA“: „Aufgrund der neuen Sicherheitsstufe von Alice Weidel ist eine Überprüfung des eingesetzten Personals erforderlich.“ Frist war der 2. März. Wer überprüft wurde, verrät die Mail nicht. Die Papiere sprechen in zwei Tonlagen. Nach Washington gingen Glückwünsche und Bitten, über „alle verfügbaren Kanäle“. Nach innen ging an die eigenen Beamten die Mahnung zur differenzierten Wortwahl, an die Vorstände der Auftrag, mäßigend einzuwirken. Mäßigung, die man verordnen muss, ist ein Geständnis in Befehlsform.
To be continued ...
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