Kristi Noem sitzt vor dem Senats-Justizausschuss. Dienstag, 3. März 2026. Es ist ihre erste Anhörung, seit zwei Menschen in Minneapolis erschossen wurden. Renee Good am 7. Januar. Alex Pretti am 24. Januar. Beide waren Bürger. Beide sind tot. Das sind die Fakten, die im Raum stehen, bevor noch ein Wort gesprochen wird. Noem ist Chefin des Heimatschutzministeriums, der Boss. Das bedeutet, dass alles, was Immigration and Customs Enforcement tut, alles, was Customs and Border Protection tut, unter ihrer Verantwortung läuft. Das ist nicht abstrakt. Das sind Menschen. In Minneapolis hatte Trump angeordnet, was Operation Metro Surge hieß – Hunderte Beamte sollten nach Betrugsfällen suchen. Dann blieben sie. Sie machten mehr als das.
Chaos im Justizausschuss des Senats, als DHS-Ministerin Kristi Noem zu ihrer Anhörung erschien, um das brurale Vorgehen von ICE-Beamten zu verteidigen. Ein ehemaliger FEMA-Mitarbeiter erhob sich und rief dazwischen: „Kristi Noem, Sie sollten sich schämen.“
Was dann geschah, ist dokumentiert. Videos gibt es. Augenzeugen gibt es. Renee Good wurde von einem ICE-Beamten erschossen. Sie protestierte. Das ist nicht umstritten. Alex Pretti filmte die Einsätze, wie Menschen das taten, wie sie es überall tun – mit dem Handy. Ein CBP-Beamter schoss. Auch das ist nicht umstritten. Noem sagte danach etwas. Sie sagte, beide seien aggressiv gewesen. Sie sagte, sie hätten die Aggressoren gespielt. Das ist die Pose. Das ist das, was man sagt, wenn man nicht zugeben will, dass etwas falsch gelaufen ist. Dick Durbin, der ranghöchste Demokrat im Komitee, hatte Videos. Hatte Augenzeugenberichte. Durbin sagte zu Noem: Sie und Ihre Behörde haben diese Opfer eilig zu Terroristen erklärt. Das ist falsch. Und das hat Familien Schmerz bereitet, der nicht mehr weggeht.
Durbin sagte noch etwas Wichtiges. Er sagte zu Noem: Sie hatten Videos. Sie hatten Augenzeugen. Sie wussten, dass das falsch war, was Sie sagten. Und Sie sagten es trotzdem. Das ist der Punkt. Es geht nicht um ein Versehen. Es geht nicht um ein Missverständnis. Es geht darum, etwas zu sagen, obwohl man weiß, dass es nicht wahr ist. Das ist die Pose, von der hier die Rede ist.
Senator DURBIN: Glauben Sie, dass es die Lage beruhigt, Opfer wie Alex Pretti als „inländische Terroristen“ zu brandmarken?
Noem: Es ist ein tragischer Verlust von Menschenleben.
Durbin: Ist es so schwer zu sagen, dass Sie falsch lagen?
Noem: Ich bemühe mich um Fakten.
Durbin: Wenn Sie scheitern, geben Sie es dann zu? Werden Sie es jetzt tun?
Noem antwortete: Ich bekam Berichte von Beamten vor Ort. Minneapolis war chaotisch. St. Paul auch. Meine Beamten zielten auf die schlimmsten Menschen. Sie wurden oft angegriffen. Das ist die Erzählung. Das ist das, was immer gesagt wird. Die Beamten taten ihre Arbeit. Die Menschen vor Ort waren chaotisch. Die Probleme entstanden, weil demokratische Politiker die Menschen gegen die Arbeit aufhetzten, die ICE und CBP tun wollten. Das ist nicht falsch und nicht richtig. Das ist eine Vereinfachung. Eine, in die alles passt: Wenn Beamte schießen, war es Chaos. Wenn Menschen protestieren, haben Politiker sie dazu gebracht. Wenn zwei Menschen sterben, waren sie aggressiv. Die Logik funktioniert in eine Richtung.

Aber hier ist, was parallel läuft. Ein Wochenende zuvor gab es eine Schießerei in einer Bar in Texas. Sie wird als möglicher Terrorakt untersucht. Die Spannungen mit dem Iran eskalieren. Überall im Land könnte das Konsequenzen haben. Das ist auch der Kontext. Trump will eine Massendeportation. Dafür braucht es Kraft. Dafür braucht es Beamte. Dafür braucht es eine Erzählung, die funktioniert: Wir schützen Amerika. Punkt. Noem sagte noch etwas im Senat. Sie sagte, die Demokraten führten einen Shutdown des Heimatschutzes herbei. Rücksichtslos. Unnötig. Das schade der nationalen Sicherheit. Das schade den Beamten und ihren Familien. Das ist nicht falsch. Das ist auch wahr. Die Finanzierung ist blockiert. Ein Ausgabenbeschluss vom letzten Jahr gab ihr einen großen Geldbetrag für die Massendeportationen. Aber jetzt geht das Geld aus. Das ist real.

Was auch real ist: Tom Homan, der Border Czar, musste nach Minneapolis fahren. Nicht weil alles gut lief. Sondern weil es so schlecht lief, dass Trump selbst eingreifen musste. Homan kündigte an, dass weniger Beamte nach Minnesota gehen würden. Operation Metro Surge würde reduziert. Aber die Massendeportationen gehen weiter, wir erleben das täglich. Noem wird am nächsten Tag vor einem House-Komitee aussagen. Sie wird wieder dasitzen. Sie wird wieder sagen, dass ihre Beamten ihre Arbeit taten. Dass Chaos herrschte. Dass Menschen angegriffen wurden. Das ist die Pose, die hält.

Aber Renee Good ist immer noch tot. Alex Pretti ist immer noch tot. Fünf weitere Menschen sind auch tot. Über sie spricht man nicht groß, und doch wird auch für diese Fälle für Gerechtigkeit gekämpft, wenn es die für verlorene Leben überhaupt gibt.
Ruben Ray Martinez – South Padre Island, Texas
Silverio Villegas González – Franklin Park, Illinois
Jaime Alanis – Südkalifornien
Roberto Carlos Montoya Valdez – Südkalifornien
Josué Castro Rivera – Virginia
Das ändert sich nicht durch Anhörungen. Das ändert sich nicht durch Erzählungen. Das sind Menschen, die nicht mehr atmen. Das ist nicht verhandelbar. Was auch real ist: Menschen in Minneapolis haben Angst. Sie organisieren sich. Sie positionieren sich in ihren Vierteln. Sie warnen einander. Sie bringen Essen zu Menschen, die Angst haben, ihre Häuser zu verlassen. Das ist keine Organisation von Politikern. Das ist, was passiert, wenn Menschen denken, dass etwas falsch läuft. Wenn Nachbarn füreinander einstehen.
Aber das ist erst Dienstag. Mittwoch sitzt Noem vor einem House-Komitee. Eine andere Anhörung. Andere Fragen, wahrscheinlich. Dasselbe System. Noem wird nicht zurücktreten. Das wird nicht passieren. Sie wird diese Anhörungen überstehen. Die Massendeportationen werden weitergehen. Tom Homan wird die Operationen anpassen, aber nicht beenden. Trump wird sagen, dass alles richtig läuft. Und Menschen in Minneapolis werden weiter Angst haben. Das ist nicht Drama. Das ist Alltag unter einer bestimmten Regierungsweise. Das ist, was es bedeutet, wenn die Sicherheit zur Pose wird. Wenn die Arbeit der Behörden vor allem darin besteht, die richtige Geschichte zu erzählen. Und wenn zwei Menschen sterben, sind sie in dieser Geschichte aggressiv. Punkt. Renee Good war ein Name. Alex Pretti war ein Name. Beide sind jetzt Statistiken. Sie sind Aspekte einer Erzählung. Aber für die Menschen, die sie kannten, sind sie mehr. Und das ist das, was in solchen Anhörungen nicht gesagt wird. Es ist zu unbequem. Es passt nicht in die Struktur.
Durbin wusste das. Deshalb sprach er von den Familien. Von deren Schmerz. Von dem, was Noems Worte angerichtet hatten. Das war nicht rhetorisch. Das war eine Markierung. Das war ein Versuch zu sagen: Hier sitzen nicht nur Politiker. Hier sitzen Menschen, deren Kinder nicht mehr da sind. Noem hörte das. Sie antwortete mit Chaos. Mit Berichten von Beamten. Mit Gewalt von Protestierenden. Das ist die Antwort, wenn man keine andere hat. Das ist die Pose, die bleibt. Das System arbeitet weiter. Noem geht in das nächste Zimmer, beantwortet die nächsten Fragen, sagt dieselben Dinge. Und in Minneapolis gibt es zwei leere Plätze. Nicht symbolisch. Real. Und morgen sitzt Noem wieder irgendwo und erklärt, warum das notwendig war.

Wir kämpfen täglich für Menschenrechte, setzen alles daran, unschuldige Menschen aus der ICE-Haft zu holen. Es fühlt sich manchmal an wie ein Kampf gegen Windmühlen – für jeden, den man rausbringt, liegen zwei neue Akten auf dem Tisch. Aber wir lassen uns nicht unterkriegen, wie alle anderen auch, die für die Rechte der Menschen einstehen. Wenn wenn sie uns helfen möchten, unterstützen sie unsere Arbeit: Menschenrechte dürfen keine Grenzen kennen.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Danke für eure unermüdliche Arbeit. Bei dieser menschenverachtenden Kreatur kommt mir das Kotzen 😡
ich danke dir …
Ich habe schon vor geraumer Zeit gesagt, dass Noem nicht zurücktreten wird.
Trump hält seine schützende Hand über sie.
Egal, was passiert.
Nicht weil sie recht hat, nicht weil sie qualifiers ist.
Nein, weil sie bis zu den Knochen loyal ist und efficient (mit Rechtsbruch) Trumps Deportationsagenda umsetzt.
Sie verbreitet weiter die Falschaussage „es war chaotisch“. And den Tatirten von Good und Pretti war nur das Handeln der ICE Typen chaotic und unverantwortlich.
Sie behauptet weiterhin „diese Personen haben sich selbst in diese Lage gebracht“
Und auch die Mär „sie waren inländische Teroristen“ bleibt bestehen. Damit MAGA mitzieht.
Noem sitzt fester im Sattel als je zuvor.
Nur wenn Trump sie als butzlos oder für sich gefährlich ansieht, ist ihre Zeit in der Regierung vorbei.
Und danach sieht es nicht aus.
Weder gegen den Mörder von Good noch die Mörder von Pretti ist bisher Anklage erhoben worden.
Es gibt nicht einmal eine ordentliche Ermittlung.
Die Demokraten täten gut daran den Shutdown weiter zu halten.
Aber bisher haben sie äußerst wenig Rückgrat bewiesen.
….man wird noch mehr druck machen
Und was der Hohn schlechthin ist, das Chaos wurde hausgemacht vom ICE, Tränengas, Menschenjagden etc.
…da hast du recht, es ist wie der schlechteste witz dieser welt