Donald Trump hat mit Wladimir Putin einen Handel geschlossen, der amerikanischen Autofahrern billigeren Diesel bringen sollte. Dafür öffnete Washington nach mehr als 4 Jahren wieder den amerikanischen Markt für russische Treibstofflieferungen und lockerte die Sanktionen gegen Moskau. Am 9. Oktober verkündete Trump die Vereinbarung. 19 Tage später kostet eine Gallone Diesel in den Vereinigten Staaten durchschnittlich 6,35 Dollar. Bei Bekanntgabe des Abkommens waren es 6,28 Dollar. Der Preis ist um 7 Cent gestiegen. Die amerikanischen Verbraucher bezahlen weiter, während Putin einen wirtschaftlichen Zugang zurückerhält, der Russland wegen seines Angriffskrieges gegen die Ukraine seit 2022 versperrt war. Trump wollte den Benzinpreis vor den Kongresswahlen am 3. November zum politischen Erfolg machen. Bislang lässt sich an den Zapfsäulen wenig davon erkennen.
Die Vereinbarung klingt gewaltig. Mehr als 300.000 Tonnen russischer Diesel sollten bereits im Oktober auf den amerikanischen und internationalen Markt gelangen, weitere 500.000 Tonnen im November. Anschließend versprach Trump 1 Million Tonnen, später sollen zusätzliche Lieferungen folgen. Seine Regierung erlaubte den Import russischen Diesels wieder, obwohl dieser seit Beginn des großen Angriffskrieges verboten war. Die Ausnahmegenehmigung gilt bis zum 7. April 2027. Moskau kündigte seinerseits an, bestehende Ausfuhrbeschränkungen vorzeitig zu lockern. Noch wenige Tage zuvor hatte Russland solche Beschränkungen benötigt, um den eigenen Treibstoffmarkt zu stabilisieren. Nun soll ausgerechnet dieses Land die amerikanische Versorgung verbessern. Putin muss dafür lediglich liefern können, was Trump bereits öffentlich verkauft hat.
3 Tanker mit russischem Diesel verließen zwischen dem 16. und 22. Oktober den Hafen Primorsk. 2 der Schiffe stehen unter westlichen Sanktionen. Ihre Ankunft an der amerikanischen Ostküste wird zwischen dem 7. und 11. November erwartet, also erst nach den Kongresswahlen. Bei einem der Schiffe mit rund 300.000 Barrel Diesel ließ sich bereits beobachten, wie unsicher die tatsächliche Lieferung ist. Zunächst wurde New York als Ziel angegeben. Später änderte sich die Angabe auf einen noch festzulegenden Entladehafen. Ein konkreter Bestimmungsort war damit nicht mehr ausgewiesen. Das Abkommen ist längst politisch verkündet, während auf See noch offenbleibt, wo wenigstens diese Ladung ankommen soll.
Auch die versprochenen Mengen verdienen einen genaueren Blick. Für Oktober entsprechen die angekündigten Lieferungen etwas mehr als 100.000 Barrel täglich, für November rund 125.000. Im vergangenen Jahr exportierte Russland durchschnittlich etwa 800.000 Barrel Diesel pro Tag. Die zusätzlichen Mengen decken ohnehin nur einen kleinen Teil dessen ab, was dem Weltmarkt gegenwärtig fehlt. Hinzu kommen beschädigte und überlastete russische Raffinerien sowie weiterhin bestehende Ausfuhrbeschränkungen. Fachleute bezweifeln deshalb, dass Moskau die angekündigten Mengen überhaupt zuverlässig bereitstellen kann. Nach dem Abkommen stieg die russische Dieselproduktion zwar wieder an. Zu Beginn des Herbstes lag sie bei rund 175.000 Tonnen täglich, Anfang Oktober bei etwa 160.000. Inzwischen nähert sie sich nach Angaben aus der Branche wieder 180.000 Tonnen. Davon benötigt Russland im Oktober gewöhnlich etwa 140.000 Tonnen selbst. Für den Export bleiben unter diesen Bedingungen ungefähr 40.000 Tonnen pro Tag, wobei auch Nachbarstaaten beliefert werden müssen.
Die Ukraine reagierte auf Trumps Vereinbarung mit scharfer Kritik. Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete Washingtons Entscheidung als „schwach“. Seit dem Abschluss verschlechterten sich die Beziehungen zwischen Kiew und der amerikanischen Regierung. Auch im amerikanischen Kongress wächst der Widerstand. Abgeordnete beider Parteien kritisierten die Lockerungen, Demokraten verlangen die Sicherung von Unterlagen über das Geschäft und prüfen dessen mögliche Folgen für die Finanzierung des russischen Krieges. Ein Gesetzentwurf soll die Vereinbarung stoppen. Während ukrainische Städte weiterhin angegriffen werden, erhält Russland durch die amerikanische Entscheidung neue wirtschaftliche Möglichkeiten. Ob amerikanische Verbraucher dafür jemals spürbar weniger bezahlen, ist völlig offen.
Trump versprach Entlastung, Putin erhielt gelockerte Sanktionen. Noch bevor der erste angekündigte Tanker amerikanisches Festland erreicht, ist Diesel teurer geworden. Die politischen Kosten der Vereinbarung sind bereits sichtbar, ihre wirtschaftlichen Vorteile für die Bevölkerung bisher nicht. In Washington wird über sinkende Preise gesprochen. An amerikanischen Tankstellen steht weiterhin 6,35 Dollar. Und irgendwo auf dem Atlantik fährt ein Schiff, dessen endgültigen Bestimmungshafen man noch nicht einmal kennt.
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