Heute in unseren Kurznachrichten: Vier Geschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
In Indonesien ersticken Orang-Utans an den verheerenden Waldbränden. Sampurna starb mit schwarzen Lungen. Die Feuer vernichten riesige Waldgebiete, während verzweifelte Tierschützer versuchen, die letzten Überlebenden zu retten. Ungarn beendet nach Jahren Orbáns Blockade gegen die Ukraine und öffnet den Weg für weitere EU-Beitrittsverhandlungen. Grönland widersetzt sich Trumps Griff nach seinen Rohstoffen und stellt sich gegen die Zerstörung seiner Meereswelt. Und Selenskyj bringt in Brüssel einen ganzen Saal zum Lachen, als er auf Trumps Schuldzuweisungen angesprochen wird. Hinter diesem Lachen steckt allerdings bitterer Ernst: Washington setzt die Ukraine unter Druck, während Putins Krieg weiter Menschenleben fordert.
Sampurna starb mit schwarzen Lungen: Indonesiens Wälder brennen, Orang-Utans ersticken in den Flammen

Sampurna lag auf dem Boden einer Palmölplantage in Indonesien. Der Orang-Utan rang nach Luft, sein Körper wand sich vor Schmerzen. Als die Retter ihn am 30. August fanden, war sein Zustand bereits lebensbedrohlich. Weniger als 12 Stunden später starb er. Bei der anschließenden Untersuchung entdeckte die Tierärztin Karmele Llano Sanchez ungewöhnlich dunkle Lungen. Sie verglich deren Zustand mit dem eines starken Rauchers. Sampurna hatte keine Möglichkeit gehabt, dem Qualm zu entkommen. Sein Tod steht für eine Katastrophe, die sich seit Juli durch die Wälder Borneos und Sumatras frisst.

Indonesien erlebt die schwersten Waldbrände seit 10 Jahren. Ein ausgeprägtes El-Niño-Wetterereignis verschärft die Trockenheit. Nach Warnungen der Regierung könnten die Feuer bis November anhalten. Bereits zwischen Januar und Juli verbrannten rund 202.000 Hektar Land. Für die folgenden Monate fehlen offizielle Angaben. Umweltorganisationen schätzen, dass seither mindestens weitere 600.000 Hektar zerstört wurden. Zum Vergleich: 2015 vernichteten Brände nahezu 960.000 Hektar. Der Rauch erreicht inzwischen Singapur und Teile Malaysias. Schulen mussten schließen, Atemwegserkrankungen nehmen zu.

Besonders verzweifelt ist die Lage der Orang-Utans. Ihre drei Arten kommen ausschließlich auf Borneo und Sumatra vor. Die Rettungsorganisation Yayasan Inisiasi Alam Rehabilitasi Indonesia (YIARI) betreut in ihrer Einrichtung bei Ketapang auf Westkalimantan inzwischen 90 Tiere. Seit August retteten ihre Mitarbeiter 49 Orang-Utans. In den vergangenen drei Jahren waren es jährlich lediglich 3 bis 5 gewesen. Die Zahlen erzählen von einem Wald, der seinen Bewohnern immer weniger Schutz bietet.

Mehr als 200 Beschäftigte arbeiten für die Stiftung, darunter Tierärzte und Feuerwehrleute. Nach Hinweisen auf gefährdete Tiere untersuchen Helfer die Brandgebiete mit Drohnen. Anschließend fahren Rettungsmannschaften oft stundenlang durch zerstörte Landschaften. Betäubungsmittel und Fangnetze ermöglichen es, die Menschenaffen in Sicherheit zu bringen. Selbst in der Auffangstation liegt Rauch in der Luft. Einige gerettete Tiere konnten inzwischen in ungefährlichere Waldgebiete zurückgebracht werden. Karmele Llano Sanchez arbeitet seit über 20 Jahren in Indonesien. Sie warnt, die Folgen könnten den Bränden noch lange folgen. Die verbliebenen Waldflächen würden immer kleiner. Orang-Utans verlören dadurch Nahrung und Lebensraum. Hunger könne künftig ebenso tödlich werden wie das Feuer. Bereits jetzt flüchten Tiere auf Palmölplantagen, wo sie erneut gefährdet sind.
Noch reichen die Plätze in der Auffangstation aus. Wie lange, weiß Sanchez nicht. Niemand könne verlässlich abschätzen, wie viele Orang-Utans zusätzlich gerettet werden müssten. Während die Flammen weiterfressen, warten verletzte Tiere in medizinischen Käfigen auf ihre nächste Behandlung. Sampurna hat diese Zeit nicht mehr bekommen.
(Fotos: Victor Fidelis Sentosa, Willy Kurniawan)
Orbáns Blockade fällt: Ungarn öffnet der Ukraine den Weg nach Europa

Jahrelang hielt Viktor Orbán die Ukraine auf ihrem Weg in die Europäische Union auf. Jetzt sitzt sein Nachfolger Péter Magyar mit Wolodymyr Selenskyj am Verhandlungstisch und vereinbart, was unter der vorherigen Regierung kaum noch vorstellbar war: Beide Länder wollen ihre Zusammenarbeit wieder aufnehmen. Bei ihrem ersten offiziellen bilateralen Treffen am 16. Oktober in Brüssel einigten sich die Regierungschefs auf neue Gespräche zwischen den Ministerien und gegenseitige Staatsbesuche. Hinter der diplomatischen Freundlichkeit steht ein politischer Bruch mit Jahren ungarischer Blockaden.
Bereits am 7. Oktober gab Budapest seinen Widerstand gegen die Fortsetzung der ukrainischen EU-Beitrittsverhandlungen auf. Am 13. Oktober öffnete die Europäische Union daraufhin 2 weitere Verhandlungsbereiche: Binnenmarkt sowie Wettbewerbsfähigkeit und inklusives Wachstum. Damit sind inzwischen 4 von insgesamt 6 Bereichen eröffnet. Selenskyj dankte Magyar für das Ende der Blockade. Kiew hoffe, die verbleibenden 2 Bereiche noch vor Jahresende öffnen zu können.
Der Preis für die Annäherung lag vor allem in der Minderheitenpolitik. Ungarn hatte der Ukraine jahrelang vorgeworfen, die Rechte der ungarischsprachigen Bevölkerung in Transkarpatien einzuschränken. Am 12. Oktober verabschiedete das ukrainische Parlament Änderungen am Bildungsgesetz, die nationalen Minderheiten mehr Unterricht in ihrer Muttersprache ermöglichen. Genau darauf hatte Budapest gedrängt. Magyar erklärte nach dem Treffen, beide Regierungen wollten den Schutz ihrer Minderheiten weiter beraten. Ungarn sei außerdem bereit, seine diplomatischen Möglichkeiten für eine Waffenruhe und einen dauerhaften Frieden einzusetzen. Besprochen wurden auch Handelsfragen, insbesondere landwirtschaftliche Erzeugnisse. Die Termine der gegenseitigen Besuche sollen noch abgestimmt werden.
Seit Magyars Amtsantritt im April 2026 verändert Ungarn seinen Umgang mit Kiew. Die Forderung nach zusätzlichen Garantien für Minderheitenrechte bleibt bestehen. Doch die jahrelange Blockade, mit der Orbán den ukrainischen Beitritt immer wieder aufhielt, ist gefallen. Während Russland weiterhin Krieg gegen die Ukraine führt, öffnet sich in Brüssel wenigstens eine Tür, vor der Kiew lange warten musste.
Trump erklärt Grönland zu seinem Besitz, doch das Parlament durchkreuzt seine Rohstoffpläne

Donald Trump spricht bereits von „unserem neuen und wunderschönen Grönland“, als gehöre ihm die riesige Insel im Nordatlantik. Am 14. Oktober verkündete er großspurig den bevorstehenden Beginn umfassender Untersuchungen nach Öl und anderen Bodenschätzen. Angeblich lagerten dort gewaltige Mengen leicht zugänglichen Erdöls, mehr als in beinahe jeder anderen Region der Welt. Auch militärisch sei Grönland für Amerika und Europa unübertroffen. Die grönländische Regierung widersprach umgehend. Seit 2021 werden keine neuen Genehmigungen zur Suche nach Öl und Gas erteilt. Eine industrielle Förderung dieser Rohstoffe hat auf der Insel überhaupt noch nie stattgefunden. Trump redet bereits über die Beute, während die Bewohner noch darüber entscheiden, was mit ihrem Land geschehen darf.

Das grönländische Parlament stimmte nun einstimmig für eine Entschließung, die einen vorläufigen Stopp des Tiefseebergbaus vorsieht. Die Regierung soll einen entsprechenden Gesetzentwurf ausarbeiten. Das Verbot soll bis zum 31. Dezember 2029 gelten und um weitere 2 Jahre verlängert werden können. Auch die Regierung unterstützt den Beschluss und will die Vorlage im Frühjahr 2027 ins Parlament einbringen. Damit ist die Förderung noch nicht gesetzlich untersagt. Doch sämtliche Abgeordneten haben sich gegen eine vorschnelle Ausbeutung des Meeresbodens gestellt. Der grönländische Zweig des WWF begrüßte die Entscheidung. Der Schutz der Meere und der Lebensgrundlagen der Bevölkerung müsse ernst genommen werden, gerade wenn neue Formen der Rohstoffgewinnung drohten. Tiefseebergbau könne empfindliche Meereslebensräume beschädigen und die biologische Vielfalt gefährden. Für eine Insel, deren Bevölkerung eng mit dem Meer verbunden ist, reichen solche Folgen weit über wirtschaftliche Berechnungen hinaus.
Erst vor einem Monat vereinbarten die Vereinigten Staaten mit Dänemark und Grönland ein Sicherheitsabkommen, das eine stärkere amerikanische Militärpräsenz vorsieht. Nun beansprucht Trump die Insel bereits sprachlich für sich und kündigt Rohstoffuntersuchungen an, denen die örtliche Regierung widerspricht. Grönland ist ein selbstverwaltetes Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark. Über seine Zukunft entscheiden weiterhin die Menschen dort. Daran ändert auch ein amerikanischer Präsident nichts, der die Landkarte offenbar schon für seine Besitzurkunde hält.
Selenskyj bringt Brüssel zum Lachen: Auf Trumps Schuldzuweisungen antwortet er mit einem Schweigen
Eine Frage über Donald Trump, ein langer Blick auf das Rednerpult und plötzlich lacht der ganze Saal. Beim EU-Gipfel in Brüssel am 16. Oktober wurde Wolodymyr Selenskyj gefragt, ob der amerikanische Präsident ihn zum Sündenbock seiner eigenen politischen Schwierigkeiten mache. Der Journalist verwies auf Trumps sinkende Beliebtheit und die hohen Dieselpreise in den USA. Auch der von Trump begonnene Krieg im Nahen Osten verlaufe offenbar anders als erhofft. Wenige Wochen vor den amerikanischen Zwischenwahlen wachse der Druck auf das Weiße Haus. Selenskyj schwieg, sah auf seine Unterlagen und blickte schließlich lächelnd auf. Die Anwesenden brachen in Gelächter aus. „Das ist meine Antwort“, sagte der ukrainische Präsident.
Hinter diesem Lachen stehen Entscheidungen, deren Folgen in der Ukraine alles andere als komisch sind. Erst 2 Tage zuvor wurde der Zugang des Landes zum Satelliteninternet Starlink ohne Vorwarnung eingeschränkt. Berichten zufolge hatte Elon Musk zuvor das Weiße Haus aufgesucht, um über diese Einschränkungen zu sprechen. Ein mit den Vorgängen vertrauter Gesprächspartner behauptete, Musk und Trump seien gemeinsam beteiligt gewesen. Zugleich verschärfte Trump seine öffentlichen Angriffe auf Selenskyj, weil die Ukraine weiterhin russische Erdölraffinerien bombardiert. Washington hatte zuvor Sanktionen gegen russisches Öl gelockert, um die amerikanischen Dieselpreise vor den Zwischenwahlen zu drücken.
Während Putin seinen Angriffskrieg fortsetzt, gerät damit ausgerechnet das Land unter Druck, das seine Städte gegen russische Raketen verteidigt. Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien treffen Einnahmequellen, aus denen Moskau seinen Krieg finanzieren kann. Trump hingegen möchte billigeren Treibstoff für amerikanische Autofahrer. Die militärische Notwendigkeit ukrainischer Gegenwehr wird damit an den Benzinpreisen einer amerikanischen Wahlkampfsaison gemessen.
Die europäischen Staats- und Regierungschefs stellten sich bei ihrem Treffen erneut hinter die Ukraine. Ob alle Anwesenden Selenskyjs unausgesprochene Antwort politisch teilten, lässt sich aus ihrem Gelächter allein nicht ablesen. Doch der Augenblick war deutlich genug. Trump macht Kiew für wirtschaftliche Schwierigkeiten verantwortlich, während seine eigenen Entscheidungen zunehmend Kritik auslösen. Selenskyj brauchte dafür keine lange Erklärung. Ein Blick auf seine Unterlagen genügte, und in Brüssel verstand man den Witz.
