Trump wollte den Tod vorführen lassen: Jetzt stoppt er Hegseths Hinrichtungsspektakel

VonTEAM KAIZEN BLOG

15. Oktober 2026

Donald Trump hat die geplante öffentliche Übertragung einer Hinrichtung abgesagt. Was Verteidigungsminister Pete Hegseth noch vergangene Woche als abschreckende Vorführung amerikanischer Strafgewalt angekündigt hatte, verschwindet nach massiver Kritik wieder aus der Öffentlichkeit. Der ehemalige Militärpsychiater Nidal Hasan soll am 3. Dezember um 13 Uhr auf dem Militärstützpunkt Fort Hood in Texas durch ein Erschießungskommando hingerichtet werden. Die Exekution bleibt angesetzt. Lediglich die Kameras sollen ausgeschaltet bleiben. Eine Regierung, die zunächst den Tod eines Menschen weltweit übertragen wollte, entdeckt plötzlich, dass selbst ihre eigenen Anhänger bei diesem Anblick gewisse Grenzen ziehen.

Hasan wurde wegen des Mordes an 13 Menschen und der Verletzung von mehr als 30 weiteren Personen bei seinem Angriff auf Fort Hood im Jahr 2009 verurteilt. An der Schwere seiner Verbrechen besteht kein Zweifel. Hegseth hatte dennoch einen zusätzlichen Gedanken verfolgt. Die Bevölkerung solle zusehen können, wie der Verurteilte erschossen werde. Schließlich müssten die Menschen begreifen, dass solche Taten schwerwiegende Folgen hätten. In einem Gespräch mit dem rechtsradikalen Aktivisten Jack Posobiec kündigte er deshalb eine öffentliche Übertragung an. Der Staat sollte seine Strafgewalt vor laufenden Kameras demonstrieren. Ausgerechnet eine Hinrichtung, deren Unumkehrbarkeit das schwerste Gewicht staatlicher Entscheidungen ausmacht, sollte zum Anschauungsunterricht für Zuschauer werden.

Der Widerstand kam aus beiden politischen Lagern. Republikaner widersprachen ebenso wie Demokraten. Mike Johnson, Vorsitzender des Repräsentantenhauses, warnte, die Aufnahmen könnten künftig als Werbematerial für terroristische Organisationen dienen. Selbst Vizepräsident JD Vance räumte ein, dass er sich die Erschießung nicht ansehen würde. Trump hatte die öffentliche Übertragung zuvor ausdrücklich gebilligt. Nun erklärte er, eine solche Vorführung hätte möglicherweise eine starke abschreckende Wirkung entfaltet. Viele gute und wohlmeinende Menschen wollten Hasan allerdings lieber nicht sterben sehen. Die Angehörigen der Opfer dürften die Hinrichtung auf Wunsch persönlich verfolgen. Ihnen stehe es zu, Gerechtigkeit mitzuerleben, schrieb der Präsident.

Der Druck hat gewirkt. Noch am 9. Oktober hatte Trump die Frage, ob er die öffentliche Übertragung persönlich gebilligt habe, mit einem unmissverständlichen „Absolut“ beantwortet. Wenige Tage später begann seine Regierung zurückzurudern. Inzwischen ist die weltweite Vorführung der Hinrichtung abgesagt. Auch wir sind an bereits eingereichten Klagen gegen das Vorhaben beteiligt. Das hatten wir bereits am 9. Oktober mitgeteilt. Diese werden vorerst nicht zurückgezogen. Bei einem Präsidenten, der seine Entscheidungen innerhalb weniger Tage ins Gegenteil verkehren kann, wäre es ausgesprochen leichtfertig, eine Erklärung in sozialen Netzwerken bereits für eine verlässliche Garantie zu halten. Die bereits eingereichten Klagen werfen schwerwiegende verfassungsrechtliche Fragen auf. Eine staatlich organisierte Vorführung des Sterbens vor einem weltweiten Publikum berührt unmittelbar das im 8. Verfassungszusatz verankerte Verbot grausamer und ungewöhnlicher Bestrafungen. Hinzu kommt der Schutz Minderjähriger, denen der Zugang zu Hinrichtungen normalerweise verwehrt bleibt, während eine weltweite Übertragung diese Schutzvorkehrungen praktisch beseitigen würde. Besonders schwer wiegt zudem, dass die Vorschriften der US-Armee eine solche öffentliche Übertragung nicht ausdrücklich vorsehen. Damit stand die grundsätzliche Frage im Raum, auf welcher rechtlichen Grundlage das Pentagon überhaupt beabsichtigte, eine militärische Hinrichtung in ein weltweit zugängliches Schauspiel staatlicher Gewalt zu verwandeln. Der Widerstand hat eine Grenze gezogen, die diese Regierung offenbar selbst nicht mehr erkennen wollte.

Öffentliche Hinrichtungen gehören zu den dunkelsten Kapiteln staatlicher Strafgewalt. Nach Angaben von Amnesty International fanden 2025 nur noch in Afghanistan und Iran nachweislich solche Exekutionen statt. Die Vereinigten Staaten hätten sich mit einer weltweiten Übertragung in eine ausgesprochen kleine Gesellschaft begeben. Ihre letzte öffentliche Hinrichtung fand offenbar 1936 statt. Damals versammelten sich schätzungsweise 20.000 Zuschauer, um die Erhängung des Schwarzen Amerikaners Rainey Bethea zu verfolgen, der die Vergewaltigung und Ermordung einer 70-jährigen weißen Frau gestanden hatte. Fast 90 Jahre später wollte das amerikanische Verteidigungsministerium die Zuschauerzahl durch eine weltweite Übertragung praktisch unbegrenzt erhöhen.

Die letzte Hinrichtung durch das amerikanische Militär erfolgte 1961. Damals wurde der Soldat John Bennett gehängt. Hasans Erschießung wäre die 1. militärische Hinrichtung mit dieser Methode seit 1945. Schon diese historischen Abstände verdeutlichen die außergewöhnliche Tragweite der bevorstehenden Exekution. Hegseth wollte daraus zusätzlich eine öffentliche Demonstration machen. Dass selbst führende Republikaner davor zurückschreckten, sagt einiges über die Entfernung zwischen politischer Machtdemonstration und menschlichem Anstand.

Trump hat die Kameras vorerst abgeschaltet. Das Urteil bleibt bestehen, der Termin ebenfalls. Am 3. Dezember soll ein Mensch durch staatliche Anordnung sterben. Die Angehörigen der Ermordeten tragen ihre Verluste seit 2009 mit sich. Daran ändert keine Fernsehübertragung etwas. Dass die Regierung überhaupt plante, Millionen Menschen beim Erschießen zusehen zu lassen, wird durch ihre Absage nicht ungeschehen. Der öffentliche Druck hat die Übertragung verhindert. Welche Vorstellung von Gerechtigkeit eine solche Idee hervorbringen konnte, bleibt die weit unangenehmere Frage.

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2 Comments
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Mignon Kleinbek
Mignon Kleinbek
34 Minuten vor

Für dieses Mal ist er nicht damit durchgekommen.
‚The land of the free and the home of the brave‘ entwickelt sich zunehmend und erschreckend schnell zu einem neuen Gilead.

Rainer Hofmann
Administrator
1 Minute vor
Antwort auf  Mignon Kleinbek

…stimmt, wenigstens hat der Druck und alle möglichen Mittel geholfen

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