Kash Patel fälscht die Erfolgsbilanz des FBI: 54.000 Festnahmen, und die Arbeit machten andere

VonTEAM KAIZEN BLOG

14. Oktober 2026

54.000 Gewaltverbrecher habe das FBI festgenommen. 90 Prozent mehr als zuvor. Kash Patel trägt diese Zahlen vor, als hätte er jeden Einzelnen persönlich aus dem Bett gezogen. Nur stammen Teile dieser gewaltigen Bilanz aus Polizeieinsätzen, die seine Beamten gar nicht durchgeführt haben. Örtliche Polizeidienststellen und Behörden der Bundesstaaten nahmen Menschen fest, Washington verbuchte den Erfolg. Ein erstaunlich ergiebiges Verfahren: Die Arbeit bleibt bei anderen, der Ruhm reist zum FBI-Direktor.

Beschäftigte der Bundespolizei haben die Zählweise gegenüber Journalisten beschrieben. Eine Auswertung öffentlich zugänglicher Daten des Justizministeriums widerspricht Patels Jubelrechnung. Demnach nahm das FBI im untersuchten Zeitraum sogar weniger Gewaltstraftäter fest als im vergleichbaren Abschnitt unter Joe Biden. Patel erklärte trotzdem, seine Behörde habe einen Zuwachs von 90 Prozent erreicht. Aus welcher Schublade er die fremden Festnahmen genommen hat, ändert nichts an ihrem Ursprung. Polizeiarbeit wird schließlich nicht dadurch zur Leistung des FBI, dass jemand in Washington ihren Namen auf eine andere Liste schreibt. Christopher O’Leary, früher hochrangiger Mitarbeiter des FBI, spricht von einer Zerstörung jahrzehntelang gewachsener statistischer Glaubwürdigkeit. Patel bediene mit den aufgeblähten Zahlen die politischen Bedürfnisse der Trump-Regierung. Das FBI eigne sich Festnahmen anderer Behörden an, um innere Schwierigkeiten zu verdecken. O’Leary nennt dabei ausdrücklich den Abgang erfahrener Kräfte. Sein Vorwurf trifft ausgerechnet jene Institution, die andere Menschen mit Akten und Belegen überführen soll. Eine sauber geführte Statistik sollte für den Direktor dieser Behörde keine außergewöhnliche Zumutung sein.

Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat das FBI mindestens 1.500 Spezialermittler verloren. Hinter dieser Zahl stehen Menschen, deren berufliches Wissen sich nicht von heute auf morgen ersetzen lässt. Ein erfahrener Ermittler kennt die Abkürzungen, die ein Täter nimmt, und die Fehler, die eine Behörde schon einmal gemacht hat. Geht er, bleibt auf dem Stellenplan eine freie Stelle zurück. Patel feiert währenddessen einen angeblichen Rekord. Auf dem Papier lässt sich eine Behörde eben leichter vergrößern als im Dienst. Die Dienstflugzeuge scheinen ihrem Direktor ebenfalls entgegenzukommen. Patel flog mit Maschinen des FBI nach Las Vegas und Nashville. Ein besonders aufsehenerregender Ausflug führte ihn zur Pennsylvania State University, wo er seine Freundin, die Country-Sängerin Alexis Wilkins, besuchte. Demokratische Abgeordnete untersuchen, ob die Nutzung dieser Flugzeuge zulässig war und welche Kosten den Steuerzahlern entstanden. Solange die Fragen offen sind, wäre Zurückhaltung angebracht. Patel hat sich allerdings schon bei seinen Festnahmezahlen als Mann erwiesen, dem eine großzügige Auslegung der Zuständigkeiten liegt.

Auf die Frage nach der eigenen Bilanz antwortete das FBI mit einem anderen Erfolg. Die Behörde bestritt den Rückgang der an die Bundesstaatsanwaltschaft übergebenen Fälle nicht. Gemeinsam mit ihren Partnern habe sie den größten jährlichen Rückgang der Gewaltkriminalität in der amerikanischen Geschichte erreicht, teilte sie mit. Die Mordrate sei so stark gesunken wie seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen 1936 noch nie. Der Rückgang der Gewaltkriminalität begann allerdings bereits 2022. Damals hatte Patel noch keinen Direktorenstuhl im FBI. Sinkende Verbrechenszahlen sind eine gute Nachricht. Als Antwort darauf, wer welche Festnahme durchführte, taugen sie wenig.

Ein Festgenommener wird nicht ein zweites Mal verhaftet, weil sich noch eine Behörde das Ergebnis gutschreibt. Genau aus dieser buchhalterischen Bequemlichkeit zieht Patel seinen politischen Gewinn. 54.000 klingt nach einer überwältigenden Bilanz. Bei näherem Hinsehen liegt zwischen dem verkündeten Erfolg und der eigenen Leistung eine ganze Reihe fremder Polizeiberichte. Das FBI verlangt im Gerichtssaal zu Recht belastbare Beweise. Vielleicht sollte sein Direktor einmal bei den eigenen Zahlen anfangen.

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