Es wird enger für Trump: 3,7 Prozent Inflation, fallende Reallöhne und eine Wirtschaft, die seine Versprechen zerlegt

VonTEAM KAIZEN BLOG

14. Oktober 2026

Donald Trump wollte Amerika billiger machen. Drei Wochen vor den Kongresswahlen liefert ihm das eigene Arbeitsministerium eine Rechnung, die seine Versprechen gründlich beschädigt. Im September stieg die amerikanische Inflationsrate auf 3,7 Prozent, nach 3,4 Prozent im August. Innerhalb eines einzigen Monats verteuerten sich Waren und Dienstleistungen um 0,6 Prozent, der stärkste Anstieg seit fünf Monaten. Ausgerechnet jener Präsident, der den Amerikanern sinkende Preise versprach, muss nun erklären, weshalb ihr Geld immer weniger wert wird. An der Supermarktkasse lassen sich politische Reden schlecht einlösen.

Besonders brutal zeigt sich die Entwicklung beim Benzin. Die Preise stiegen allein zwischen August und September um 9,1 Prozent. Gegenüber September 2025 beträgt der Anstieg sogar 34,2 Prozent. Der Krieg gegen Iran hat die Versorgung mit Erdöl und Erdgas erheblich beeinträchtigt. Seine Folgen erreichen inzwischen nahezu jeden amerikanischen Haushalt. Denn teurer Treibstoff bleibt selten an der Zapfsäule. Er fährt auf Lastwagen mit, steckt in Transportrechnungen und landet schließlich auf den Preisschildern. Auch der Krieg Russlands gegen die Ukraine belastet die Energiemärkte. Besonders Diesel ist teurer geworden, was den Güterverkehr zusätzlich verteuert.

Die Flugpreise stiegen im September um weitere 1,2 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr verteuerten sich Flugtickets um 22,4 Prozent. Hotelübernachtungen kosten innerhalb eines Monats 2 Prozent mehr, gegenüber dem Vorjahr 4,4 Prozent. Neue und gebrauchte Autos wurden ebenfalls teurer. Hinzu kommen Schuhe und Sportartikel. Die Preissteigerungen erfassen zunehmend Bereiche, die weit über die unmittelbaren Folgen des Krieges hinausreichen. Selbst ohne Lebensmittel und Energie stieg die jährliche Inflationsrate auf 2,6 Prozent, nach 2,4 Prozent im August. Innerhalb eines Monats betrug der Anstieg 0,3 Prozent. Damit entfernt sich die Preisentwicklung weiter vom Ziel der amerikanischen Notenbank, die Inflation dauerhaft bei 2 Prozent zu halten.

Ausgerechnet bei Lebensmitteln gab es eine kleine Entlastung. Die Preise im Lebensmittelhandel sanken im September um 0,1 Prozent und lagen 1,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Rinderhackfleisch verbilligte sich innerhalb eines Monats um 0,8 Prozent, kostete gegenüber dem Vorjahr allerdings weiterhin 5,4 Prozent mehr. Eine kurzfristige Preissenkung ändert wenig an den Rechnungen, die Familien über Monate bezahlen mussten. Auch höhere Löhne helfen nur begrenzt, wenn die Lebenshaltungskosten schneller steigen. Die inflationsbereinigten durchschnittlichen Wochenverdienste lagen erstmals seit Mai wieder unter dem Vorjahreswert.

Diese Entwicklung erreicht Trump unmittelbar vor einer Wahl, die sich zunehmend um die Bezahlbarkeit des Alltags dreht. Nach einer aktuellen repräsentativen Befragung billigen nur noch 17 Prozent der amerikanischen Erwachsenen seinen Umgang mit den Lebenshaltungskosten. Seine allgemeine Wirtschaftspolitik unterstützen lediglich 26 Prozent, ein neuer Tiefstand. Die Zahlen lassen wenig Raum für die gewohnte Selbstdarstellung eines Präsidenten, der wirtschaftliche Erfolge gern vorwegnimmt. Für viele Amerikaner steht inzwischen die Frage im Vordergrund, wie sie ihre nächste Rechnung bezahlen sollen.

Selbst die riesigen Investitionen in künstliche Intelligenz treiben die Preise. Der Bau neuer Rechenzentren erhöht die Nachfrage nach Computerbauteilen und Halbleitern. Die Kosten erreichen inzwischen auch gewöhnliche Käufer elektronischer Geräte. Nach einer Berechnung von Goldman Sachs könnte dieser Ausbau die jährliche Inflation nach dem bevorzugten Preismaßstab der Notenbank um ungefähr 0,5 Prozentpunkte erhöht haben. Ein anschauliches Beispiel liefert Nintendo: Die Switch 2 kostete in den USA vor dem 1. September 2026 offiziell 449,99 Dollar. Seit diesem Datum beträgt der empfohlene Preis 499,99 Dollar. Apples iPhone 17 verteuerte sich gegenüber dem vorherigen Modell um etwa 10 Prozent, wobei auch technische Verbesserungen eine Rolle spielen.

Auch Unternehmen bereiten weitere Preisaufschläge vor. Der Haushaltsgerätehersteller Chefman aus New Jersey hatte seine Preise zuletzt 2024 erhöht. Unternehmenschef Ralph Newhouse warnte, weiter steigende Dieselkosten könnten erneute Erhöhungen erzwingen. Bislang habe das Unternehmen 20 Millionen Dollar an zurückerstatteten Zöllen eingesetzt, um Mehrkosten abzufangen. Diese Möglichkeit werde zunehmend ausgeschöpft. PepsiCo kündigte bereits höhere Preise für verschiedene Knabberartikel und Getränke an. Die Rechnung für teurere Energie erreicht damit erneut die Verbraucher.

Die amerikanische Notenbank steht vor einer unangenehmen Entscheidung. Im September erhöhte sie ihren Leitzins erstmals seit drei Jahren auf ungefähr 3,9 Prozent. Vorsitzender Kevin Warsh hatte gewarnt, die Inflation nähere sich dem Zielwert zu langsam. Am 27. und 28. Oktober beraten die Währungshüter erneut. Nach Veröffentlichung der Septemberzahlen stieg die an den Terminmärkten gemessene Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung auf ungefähr 50 Prozent. Andere Anleger rechnen weiterhin mit einer Pause bis Dezember. Höhere Zinsen verteuern Kredite und können die Nachfrage bremsen. Fehlendes Erdöl ersetzen sie allerdings nicht.

Die Aktienkurse gaben nach Veröffentlichung der Inflationszahlen leicht nach, während die Renditen von Staatsanleihen stiegen. Auch Kreditkosten könnten dadurch weiter zunehmen. Gleichzeitig erhalten Rentner nach den neuen Berechnungen einen Inflationsausgleich von 3,6 Prozent. Doch selbst diese Anpassung erzählt von einer Wirtschaft, deren Preise sich hartnäckig nach oben bewegen. Am 3. November wird gewählt. Bis dahin kann Trump noch zahlreiche Versprechen machen. Die Menschen bezahlen ihre Rechnungen längst nach anderen Zahlen, nicht nach seinen Lügen.

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