Heute in unseren Kurznachrichten:
Trump kauft Diesel bei Putin und setzt sich über ein Gesetz des Kongresses hinweg. Eine Bundesrichterin stoppt Trumps Baumfällungen in Washington und wirft seiner Regierung Täuschung vor. In Frankreich treiben Hacker Supermarkt-Kühlanlagen auf 50 Grad und vernichten Lebensmittel. Und FIFA-Chef Infantino zahlt rund 4 Millionen Dollar für Büroräume im Trump Tower, die überwiegend leer stehen.
Trump lässt Hunderte Bäume fällen, Richterin stoppt die Arbeiten und wirft seiner Regierung Täuschung vor
Am historischen East-Potomac-Golfplatz in Washington ließ die Trump-Regierung über das Feiertagswochenende großflächig Bäume fällen, obwohl ein Gerichtsverfahren gegen die geplante Umgestaltung läuft. Bundesrichterin Ana Reyes zog am Montag die Notbremse und untersagte die Arbeiten zunächst für 24 Stunden. Drei Stunden dauerte die außerordentlich angesetzte Anhörung. Schon die ersten 15 Minuten widmete Reyes einer scharfen Abrechnung mit Regierungsvertretern, denen sie vorwarf, ihr Vertrauen missbraucht und sie durch ihr Vorgehen getäuscht zu haben. Wiederholt hatte sie Anträge auf einen Baustopp abgelehnt, weil sie davon ausgegangen war, dass die Regierung das laufende Verfahren respektieren würde.
„Ich bin gerade alles andere als amüsiert“, erklärte Reyes. Sie habe der Regierung jeden erdenklichen Vertrauensvorschuss gewährt, damit genau das nicht geschehe, was nun geschehen sei. Die Richterin erwägt, den Baustopp auf 14 Tage auszudehnen. Zunächst verlangte sie Auskunft darüber, weshalb ausgerechnet am Feiertagswochenende in aller Eile gefällt werden musste, während Kläger und Gericht kaum informiert wurden. Die Vorgänge erinnern an andere Auseinandersetzungen über Trumps Bauvorhaben am Weißen Haus und den Umgang seiner Regierung mit gerichtlicher Kontrolle. Reyes machte den Regierungsanwälten unmissverständlich klar: „Ich wollte, dass Sie besser sind, als Sie es gewesen sind.“
Während der Anhörung mussten weitere Regierungsvertreter zugeschaltet werden. Für den 19. Oktober setzte Reyes einen neuen Termin an, bei dem Greg Wischer, stellvertretender Stabschef des Innenministeriums, und Jessica Bowron, kommissarische Leiterin der Nationalparkverwaltung, Rede und Antwort stehen sollen. Nach Angaben des stellvertretenden Betriebsdirektors Frank Lands habe Wischer auf die dringende Durchführung gedrängt, Bowron sei ebenfalls beteiligt gewesen. Gemeinsam mit Klägeranwalt Abbe Lowell hinterfragte Reyes die zeitlichen Abläufe und die Verantwortlichkeiten. Kevin Griess, zuständig für die National Mall und die Gedenkparks, berief sich auf einen Landschaftsbericht von 2019. Lands verwies zusätzlich auf Trumps Anordnung von 2025, Washington sicher und schön zu machen. Dass derselbe Bericht weitere Golfplätze der Hauptstadt behandelte, dort aber niemand vergleichbare Arbeiten besprochen hatte, musste er auf Nachfrage einräumen. Für Reyes bleibt nun zu klären, wer die Eile anordnete und weshalb das Gericht davon beinahe nichts erfahren sollte.
Hacker machen Supermarkt-Kühlanlagen zu Heizöfen: Lebensmittel vernichtet, Sicherheitslücken seit Monaten bekannt

Hacker haben in Frankreich vorgeführt, wie leicht sich Hunderte Supermärkte mit ein paar Eingriffen in ihre Technik lahmlegen lassen. In der Nacht zum 11. Oktober übernahmen Unbekannte die Steuerung von Kühl- und Gefrieranlagen und schalteten sie auf Abtaubetrieb. Was Lebensmittel frisch halten sollte, heizte plötzlich auf bis zu 50 Grad Celsius. Rund 6 Stunden lang liefen die Anlagen der betroffenen Intermarché-Filialen in die falsche Richtung. Fleisch, Tiefkühlwaren und Gemüse landeten im Müll. Allein bei Intermarché waren etwa 150 Geschäfte betroffen, bei Coopérative U weitere 100, dazu kamen Filialen von Leclerc. Niemand musste Türen aufbrechen oder Lagerhallen betreten. Die Täter erreichten ihr Ziel über elektronische Steuerungen. Was an der Ladenkasse noch nach normalem Geschäft aussah, war hinter den Kühltheken längst eine wirtschaftliche Katastrophe.
Besonders haarsträubend ist der technische Hintergrund. Die betroffenen Systeme stammen vom dänischen Hersteller Danfoss. Nach dessen eigenen Angaben wurden überwiegend veraltete Steuergeräte angegriffen, darunter die Modelle AK-SM 800 und AK-SC 355. Für diese Anlagen gibt es schon lange keine Sicherheitsaktualisierungen mehr. Trotzdem waren sie weiterhin im Einsatz und offenbar für Angreifer erreichbar. Danfoss beteuert, man habe Kunden seit Langem zum Austausch aufgefordert. Nun arbeitet das Unternehmen an der Schadensbegrenzung. Die Supermarktkette Intermarché verweist darauf, dass Danfoss die Systeme betreibe und sich deshalb an die Behörden wenden müsse. Während sich die Verantwortlichen mit Zuständigkeiten beschäftigen, bleiben den Geschäften verdorbene Waren und erhebliche Verluste. Ein Kühlsystem, dessen Sicherheitslücken nicht mehr geschlossen werden können, wurde weiterbetrieben, als hätte das keinerlei Folgen.
Dass solche Anlagen angreifbar sind, war bereits vor dem Angriff bekannt. Sicherheitsforscher von Claroty hatten im August Schwachstellen in Danfoss-Steuerungen öffentlich gemacht, darunter einen versteckten Zugang, der Eingriffe in den Betrieb der Geräte ermöglicht. Ob die Täter genau diesen Zugang nutzten, ist noch ungeklärt. Auch ihre Identität steht nicht fest. Die Europäische Union verhängte erst im Juli Sanktionen gegen 9 Personen und 4 Organisationen wegen mutmaßlicher Beteiligung an russischen Cyberangriffen. Dem 16. Zentrum des russischen Geheimdienstes FSB werden seit Jahren Angriffe auf französische Einrichtungen zugeschrieben, zuletzt auch auf Rüstungsunternehmen. Einen belegten Zusammenhang mit den Supermarktangriffen gibt es bislang nicht. Die französischen Vorfälle zeigen dennoch ein erschreckend einfaches Problem: Technik, die seit Jahren keinen Schutz mehr erhält, steuert weiterhin lebenswichtige Abläufe. In diesem Fall reichte das, um Kühlanlagen auf 50 Grad hochzutreiben und Lebensmittel in Hunderten Geschäften zu vernichten. Die Täter mussten nur die Geräte übernehmen. Den Rest erledigte eine Infrastruktur, die man offenbar viel zu lange sich selbst überlassen hatte.
Trump kauft Diesel bei Putin und setzt sich über ein Gesetz des Kongresses hinweg

Donald Trump braucht vor den Kongresswahlen am 3. November sinkende Dieselpreise. Dafür hat er sich ausgerechnet mit Wladimir Putin auf russische Treibstofflieferungen geeinigt. Hunderte Tonnen Diesel sollen in die USA kommen, obwohl amerikanische Gesetze russische Energieimporte seit 2022 verbieten. Das Repräsentantenhaus beschloss das Verbot damals mit 414 zu 17 Stimmen, im Senat gab es keine einzige Gegenstimme. Ausnahmen sind an klare Bedingungen geknüpft: Russland müsste seine Truppen aus der Ukraine zurückziehen und die Kampfhandlungen einstellen, ein entsprechendes Abkommen müsste von der unabhängigen ukrainischen Regierung akzeptiert werden. Von einer solchen Einigung ist keine Rede. Der demokratische Abgeordnete Lloyd Doggett, einer der Urheber des Gesetzes, wirft Trump deshalb vor, unmittelbar gegen geltendes Recht zu verstoßen. Der Präsident belohne seinen Freund Putin und gebe Selenskyj die Schuld, weil dieser sich Russland nicht unterwerfe.
Der Widerstand reicht bis in Trumps eigene Partei. Sechs Senatoren beider Lager verlangten am Wochenende, das Geschäft rückgängig zu machen. Amerika dürfe Putin keine finanzielle Rettungsleine reichen, während Russland weiter Krieg gegen die Ukraine führt. Frühere amerikanische Diplomaten warnen vor dem Schaden für Kiew und für die Glaubwürdigkeit der USA. William Taylor, einst US-Botschafter in der Ukraine, spricht von erheblichen Kosten für beide Länder. Ob die Lieferungen amerikanischen Autofahrern überhaupt helfen, bezweifeln Energieexperten. Die hohen Dieselpreise gehen wesentlich auf Versorgungsprobleme infolge des amerikanischen Krieges gegen Iran zurück. In Iowa kostet eine Gallone Diesel inzwischen rund 6 Dollar. Selbst die republikanische Abgeordnete Ashley Hinson, die dort für den Senat kandidiert, äußert erhebliche Bedenken gegen eine Lockerung der Russland-Sanktionen. Trump hält dagegen, alles sei willkommen, was amerikanischen Landwirten helfe. Seine republikanischen Kritiker könnten das unmöglich ernst meinen.
Dabei hat Trump erst im September selbst ein neues Russland-Sanktionsgesetz unterschrieben. Wesentliche Bestimmungen sollen am 18. Oktober in Kraft treten und Länder bestrafen, die weiterhin russisches Öl kaufen. Der amerikanische Präsident will also andere Staaten für Geschäfte mit russischer Energie zur Verantwortung ziehen, während er selbst Diesel bei Putin bestellt. Senatoren hatten Finanzminister Scott Bessent und Außenminister Marco Rubio gerade erst aufgefordert, entschiedener gegen russische Tanker vorzugehen, die Sanktionen umgehen. Stattdessen erhält Moskau Aussicht auf neue Einnahmen ausgerechnet aus den Vereinigten Staaten. Trump behauptet zusätzlich, Russland und die Ukraine hätten einer Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen zugestimmt. Selenskyj widerspricht und verweist auf fortgesetzte russische Angriffe. Trump erklärte, die Vereinbarung gelte, weil er beiden Seiten gesagt habe, sie sollten zustimmen. Auf die russischen Angriffe angesprochen, verwies er auf angebliche Verstöße beider Seiten.
Schon 2019 hielt Nancy Pelosi Trump im Weißen Haus entgegen, bei ihm führten alle Wege zu Putin. Damals hatte seine Regierung vom Kongress bewilligte Militärhilfe für die Ukraine zurückgehalten, was zum ersten Amtsenthebungsverfahren führte. Der Senat sprach Trump später frei. Seither wechselte er mehrfach seine Haltung zu Selenskyj. Noch im Juli lobte er den ukrainischen Widerstand, inzwischen macht er den ukrainischen Präsidenten für Amerikas hohe Dieselpreise verantwortlich und fordert seinen Rückzug. Wenige Wochen vor den Wahlen handelt Trump nun mit einem Präsidenten, dessen Krieg die Vereinigten Staaten mit Sanktionen eindämmen wollten. Der Kongress hat russische Energieimporte verboten, Trump will sie wieder zulassen. Ob amerikanische Verbraucher dadurch auch nur spürbar entlastet werden, bleibt zweifelhaft. Putin dagegen könnte an jedem gelieferten Liter verdienen.
4 Millionen Dollar für fast leere Räume: Wie der FIFA-Chef Trumps Immobiliengeschäft bedient

Sieben Jahre Mietvertrag, rund 4 Millionen Dollar Kosten und ein Büro, in dem kaum jemand arbeitet. FIFA-Präsident Gianni Infantino hat dem Weltfußballverband eine fast 465 Quadratmeter große Bürofläche im 17. Stock des Trump Towers in New York verschafft. Die Räume stehen nach Aussagen derzeitiger und ehemaliger Funktionäre überwiegend leer. Dabei unterhält die FIFA bereits zwei Büros in Miami, wo der größte Teil ihrer amerikanischen Geschäfte abgewickelt wird. Einen überzeugenden betrieblichen Grund für die zusätzliche Niederlassung konnten selbst Beteiligte an den Vertragsverhandlungen nicht erkennen. Die Entscheidung sei von Infantino persönlich vorangetrieben worden. Eric Trump zeigte sich bei der Eröffnung im Juli 2025 erfreut, dass sein Familienunternehmen den Weltfußballverband beherbergen dürfe. Die Rechnung bezahlt die FIFA, die Einnahmen fließen an die Trump Organization.
Intern hatte das Geschäft erhebliche Bedenken ausgelöst. Führungskräfte fragten, weshalb der Verband ausgerechnet beim amerikanischen Präsidenten mieten müsse, noch dazu in einem Bundesstaat mit hohen Steuern. Anwälte sollten deshalb sicherstellen, dass in New York keine gewöhnlichen Geschäftstätigkeiten stattfinden, die zusätzliche Steuerpflichten auslösen könnten. Eine internationale Immobilienberatung prüfte die Miethöhe. Die FIFA erklärt, sie zahle marktübliche Preise, halte sämtliche Gesetze ein und habe ihre internen Verfahren beachtet. Die Räume dienten besonderen Veranstaltungen und Treffen mit Würdenträgern, vor allem während der jährlichen Generalversammlung der Vereinten Nationen. Vollständig besetzen will der Verband sie ausdrücklich nicht. Für einen derart selten genutzten Standort eine Millionensumme auszugeben, hat innerhalb der FIFA dennoch Fragen aufgeworfen, die mit der bloßen Angemessenheit des Mietpreises kaum beantwortet sind.
Infantinos Nähe zu Trump reicht inzwischen weit über Immobiliengeschäfte hinaus. Der FIFA-Chef schuf eigens einen Friedenspreis zu Ehren des Präsidenten. Während der Weltmeisterschaft hob der Verband nach einem Telefonat zwischen beiden die Sperre des amerikanischen Nationalspielers Folarin Balogun auf. Es folgten Vorwürfe politischer Einflussnahme. Hinzu kamen geheime Gespräche über den Verkauf von Anteilen an künftigen Turnieren an einen privaten Fonds, der vom Bruder von Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, geführt wird. Der europäische Fußballverband drohte deshalb mit einer Strafanzeige. Norwegens Fußballverband reichte bereits eine Ethikbeschwerde gegen Infantino ein. Der frühere FIFA-Verantwortliche Miguel Maduro sieht beim Mietgeschäft einen möglichen Verstoß gegen die Regeln zu Interessenkonflikten, zumal FIFA und Trump auch bei dessen Friedensrat zusammenarbeiten und Fußballanlagen im Gazastreifen planen. Infantino spricht von einer Kampagne gegen seine Person. Der frühere FIFA-Funktionär Alex Phillips hat für das Büro im Trump Tower eine deutlich einfachere Bezeichnung: vollkommen unnötige Anbiederung.
