Mehmet Oz, Fernseharzt und heute Chef der US-Behörde für Medicare und Medicaid, wollte am Montagabend beweisen, dass er die Sorgen der einfachen Leute kennt. Eigens dafür hatte er Requisiten mitgebracht, ein Stück Butter und eine Tüte Erdnüsse, als Belege seiner Nähe zum Alltag. Das Stück Butter hob er in die Kamera. „In Amerika kostet so eins etwa einen Dollar“, sagte er. Die Moderatorin Laura Ingraham ließ ihn nicht einmal ausreden. „Wo kaufen Sie ein? Das kostet keinen Dollar, eher vier.“ Dass die Zurechtweisung ausgerechnet von dem Sender kam, der Trumps Leuten sonst selten widerspricht, machte die Szene erst rund.
Dr. Oz: „Wir waren Lebensmittel einkaufen. Butter kostet in Amerika ungefähr 1 Dollar.“
Laura Ingraham: „Wo kaufst du denn ein? Sie kostet keinen Dollar.“
Oz geriet ins Rudern. Er habe die Butter gerade erst gekauft, also liege er doch nah dran. Dann kam der Einfall des Abends: „Vielleicht wird sie ja schlecht.“ Ein Stück Butter, vor laufender Kamera für die Unkenntnis seines Käufers haftbar gemacht. Als senkte der Handel den Preis, weil die Ware altert, als hingen die fehlenden drei Dollar am Haltbarkeitsdatum. Das US-Arbeitsministerium führt den Preis bei rund vier Dollar. Ein Mann mit dem Vermögen von Oz hat freilich keinen Anlass, sich so etwas zu merken.
Das Angebot ließ nicht lange auf sich warten. Craig Beam, früher Vorsitzender der amerikanischen Herzstiftung, bot online an, auf eigene Kosten nach Washington zu fliegen und mit Oz mindestens 20 Läden abzuklappern. Schluss sei erst, wenn der Doktor irgendwo Butter für 1 Dollar das Pfund finde. Ein Kamerateam bringe er gleich mit. Eine Wette gegen die Wirklichkeit, die nur einer eingeht, der die Wirklichkeit nie an der Kasse trifft. Angenommen hat Oz sie bis heute nicht, man ahnt, warum.
Neu ist die Nummer nicht. 2022, bei seiner gescheiterten Bewerbung um einen Senatssitz in Pennsylvania, beklagte Oz in einem Video die Preise für Rohkost und kaufte dabei bei „Wegner’s“ ein, einem Laden, den es gar nicht gibt. Den Namen hatte er sich zusammengereimt, die Preise offenbar gleich mit. Ahnungslos damals, ahnungslos heute, nur entscheidet er inzwischen über die Gesundheit von Millionen.
Daran ist diese Regierung zu erkennen. Leute, die behaupten, den Schmerz an der Ladentheke zu spüren, und nicht wissen, was ein Stück Butter kostet. Ein Arzt, der im Fernsehen reich wurde, hält den Leuten ihr eigenes Leben als Requisite hin und trifft nicht einmal den Preis darauf. Derselbe Mann, der die Butter um das Vierfache verfehlt, soll darüber befinden, welche Behandlung sich ein Land noch leisten darf. Teurer als jede Butter kommt die Menschen diese Gleichgültigkeit zu stehen.
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