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Trump im Vollrausch seiner selbst: 5.000 Dollar für die richtige Stimme und Fettermans Verrat

VonTEAM KAIZEN BLOG

10. September 2026

Dallas, Texas (KB) – In der Halle der Dallas Mavericks blieb der Oberrang an diesem Abend weithin leer, während unten die Treuesten in Glitzer und Cowboyhüten warteten, viele in die Farben der Flagge gehüllt. Ein Parteitag mitten in einer Wahlperiode ist eine Seltenheit, die Trump seiner Partei abverlangt hatte, teuer und ohne den üblichen Zweck, denn zu nominieren gab es nichts. Sonst wäre ein solches Treffen die rare Gelegenheit, über die eigene Anhängerschaft hinaus die Unentschlossenen zu erreichen; billig ist er nie, und die Partei zahlte dafür. Die vielen freien Plätze beantworteten die Frage nach dem Sinn, noch ehe der erste Redner sprach. Zur Einstimmung trat der Finanzminister Scott Bessent ans Rednerpult und verspottete den früheren Präsidenten Joseph Biden für den Unterschriftenautomaten, mit dem dieser Tausende Begnadigungen gezeichnet habe. In 15 Monaten, sagte Bessent, sei man von diesem Automaten in den höchsten Gang gewechselt, und er warnte vor den radikalen Linken, die Amerika in eine sozialistische Höllenlandschaft verwandeln wollten. Der Ton stand fest, lange bevor der Hauptredner erschien.

Der Parteitag hatte zudem ein Geschenk eigener Art vorbereitet. Auf den Schirmen lief ein 65 Sekunden langer Auftritt des Senators John Fetterman aus Pennsylvania, und bei den Demokraten löste das Wut aus. Der frühere Abgeordnete Conor Lamb, den Fetterman 2022 in der Vorwahl geschlagen hatte, nannte das Video so überzeugend wie eine nordkoreanische Nachrichtensendung. Fetterman gilt vielen in seiner Partei als Abtrünniger, seit er sich zum lautesten Fürsprecher von Trumps Krieg gegen den Iran gemacht und Israel im Gaza-Konflikt verteidigt hat.

Fetterman: „Ja, ich bin Senator John Fetterman aus Pennsylvania. Ja, ich bin Demokrat. Warum stehe ich heute hier und rede zu euch? Weil ich, nun ja, ein Demokrat mit gesundem Menschenverstand bin. Ich werde immer zu Amerika stehen … Wir werden mit Präsident Trump zusammenarbeiten, um hier im Steel Valley für die Lebensweise der Stahlindustrie zu kämpfen und sie zu verteidigen.“

In Washington nimmt er an den Sitzungen der demokratischen Senatoren längst nicht mehr teil, und mit dem Republikaner David McCormick, den er im Video vorstellte, gründete er sogar einen gemeinsamen Spendentopf. Eine Umfrage aus dem Vormonat sah seine Beliebtheit bei den eigenen Anhängern eingebrochen und bei den Republikanern gestiegen. Einen Wechsel der Partei schließe er aus, erklärte er, und auf Nachfragen an diesem Abend schwieg er. Der Abgeordnete Chris Deluzio sagte, Fetterman mache es den Demokraten schwerer, weil er den Anschein einer überparteilichen Zustimmung zu Trump erzeuge; wollten die Republikaner ihn, dann sollten sie ihn haben, und Senator werde er nach 2028 nicht mehr sein. Der Vizegouverneur Austin Davis nannte den Zeitpunkt falsch und bezeichnete jeden, der sich freiwillig darauf einlasse, als Teil des Problems. Mehrere Demokraten, unter ihnen Lamb, erwägen für 2028 eine eigene Bewerbung. Der Auftritt eines abtrünnigen Demokraten sollte Überparteilichkeit zeigen, und genau darin sahen seine früheren Freunde den Schaden.

Dann sang Lee Greenwood „God Bless the U.S.A.“, wie schon 2024, und kündigte den Präsidenten an. Der Vizepräsident JD Vance zog mit dem Gesundheitsminister Robert F. Kennedy junior und weiteren Prominenten ein, ganz vorn eine Tafel für die „Front Row Joes“, jene Anhänger, die dem Präsidenten seit Jahren durchs Land folgen. Trump betrat die Arena unter Applaus und umarmte den Sänger, während die Menge U.S.A. rief.

Die oberen Ränge aber blieben verwaist, ganze Blöcke ohne einen Menschen, obwohl er vor der Abreise aus Washington eine ausverkaufte Halle und einen gewaltigen Andrang angekündigt hatte. „Dieser Ort ist gerammelt voll“, sagte er in die halb besetzten Reihen hinein. Die Behauptung und der Anblick widersprachen einander vom ersten Satz an.

Trump behauptet, die Arena des republikanischen Parteitags zu den Zwischenwahlen sei „gerammelt voll“, obwohl im Publikum Hunderte Plätze leer sind.

„Trump über die Demokraten: Sie erzählen mehr Scheiße als jeder andere Mensch auf diesem Planeten.“

Trump begann mit einer Warnung an die eigenen Leute, unter den radikalen Linken werde das Land ein Jahrzehnt zur Erholung brauchen, mit den Republikanern dagegen ziehe es allen davon. Anders als die Vorredner, die vor allem die Demokraten angriffen und Steuersenkungen wie Grenzsicherung nur streiften, sprach er am liebsten über das eigene Werk. Er verspottete Biden und bat im selben Atemzug, ihn die Arbeit zu Ende bringen zu lassen, eine Losung, die Biden vor seinem Rückzug im Juli 2024 selbst geführt hatte. Man solle sich seiner in vier oder fünf Jahren erinnern, wenn das Land brumme, denn er habe alles angestoßen. 3-mal habe er die Präsidentschaft gewonnen, rief er, und die Menge jubelte; tatsächlich siegte er 2016 und 2024, die Wahl von 2020 verlor er. Das Publikum feierte den Satz, als wäre er wahr.

Dann bat er die Wähler, sich vorzustellen, er selbst stehe auf dem Stimmzettel, ein Versuch seiner Berater, die schwer erreichbaren Wähler von 2024 noch einmal an die Urnen zu holen. Reisen wolle er dafür durch alle umkämpften Staaten, kündigte er an, obwohl er bisher wenig für die Kandidaten dieser Wahl getan hat. Der Jubel darüber ist zweideutig, denn auch viele Demokraten wünschen sich mehr Trump im Wahlkampf, seiner schwachen Umfragewerte wegen. In eben diesen Staaten wägen die Republikaner genau ab, wie nah sie sich einem Mann rücken lassen, dessen Krieg gegen den Iran unpopulär ist und dessen Preise die Menschen drücken. Ein Präsident, der nicht auf dem Zettel steht, bat also darum, auf ihm gedacht zu werden.

Die Zahlen des Abends hielten der Prüfung selten stand. Über 20 Billionen Dollar aus dem Ausland habe er ins Land geholt, mehr als jedes andere Land je gesehen habe. Das Weiße Haus selbst zählt gut 11,2 Billionen, und mehr als die Hälfte davon sind lose Zusagen, die Fachleute für unrealistisch halten. Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate versprachen je über 1 Billion, mehr als ihre gesamte Wirtschaftsleistung, und schon 2017 war eine saudische Zusage über 450 Milliarden Dollar nicht eingelöst worden. Auch die größte Steuersenkung der Geschichte, die er sich zuschrieb, war keine, denn sein großes Steuergesetz vom vergangenen Sommer rangiert nach einer konservativen Steuer-Denkfabrik erst an 6. Stelle. Die Rangfolge kannte er, die Zahl aber klang größer.

Bei der Zuwanderung wurde aus einem Rückgang die Null. 16 Monate lang sei niemand gekommen, sagte er, während unter Biden 25 Millionen ins Land geströmt seien. Die Grenzschutzbehörde zählte von Februar 2025 bis Juli über 200.000 Aufgriffe, in den beiden Jahren davor waren es jeweils über 2 Millionen, und die 25 Millionen liegen weit über allen seriösen Schätzungen, sogar über seiner eigenen Zahl von 21 Millionen aus dem Vorjahr. Unter den Ankömmlingen, rief er, seien „Bandenmitglieder, Menschenhändler, Kinderschänder“ gewesen. Dazu nannte er 11.888 Mörder, eine Zahl, die Menschen aus 4 Jahrzehnten umfasst, auch aus seiner ersten Amtszeit; einen Beleg für die übrigen Vorwürfe blieb er schuldig. Getragen hat die Behauptung nichts, doch ausgesprochen stand sie im Raum.

Beim Öl versprach er, der Preis werde fallen, sobald der Krieg gegen den Iran gewonnen sei, und scherzte, er wolle die Straße von Hormus in „Trump-Straße“ umbenennen. Er lobte den Sprecher des Repräsentantenhauses Mike Johnson und den Mehrheitsführer im Senat John Thune, für Thune aber kamen Buhrufe.

Trump: „John Thune ist hier“ …“Lautes Buhen aus dem Publikum“

Zwischendurch spielte er mit Wörtern, wollte New Mexico in „New America“ ändern, nachdem er zuvor schon einen See und den Golf von Mexiko hatte umbenennen lassen, und amüsierte sich damit, dass im englischen Wort für dumm ein B stecke. Eine seiner Zahlen stimmte sogar: Die Mordrate sei so niedrig wie seit 1900 nicht mehr, sagte er, und tatsächlich fiel sie 2025 auf den niedrigsten erfassten Wert; das FBI erhebt diese Daten seit 1936 und nennt sie so gering wie zuletzt in den 1950er Jahren, wobei Fachleute vor dem Vergleich mit sehr alten Werten warnen.

Trump: „Ihr habt einen Nachbarstaat, New Mexico. Wir finden, er sollte New America heißen. Die Leute lieben die Idee.“

So lief die Rede als lange Aufzählung von Zahlen, von denen die meisten der Prüfung nicht standhielten und einige doch. Der Saal unterschied nicht, er beklatschte das Richtige wie das Falsche, und darin lag die verlässlichste Auskunft des Abends über das Verhältnis dieser Bewegung zur Wirklichkeit.

Vieles, was nach Geschenk klang, trug ein Verfallsdatum. Die Steuerfreiheit auf Trinkgeld und Überstunden, die er feierte, ist ein befristeter Abzug für die Jahre 2025 bis 2028, gedeckelt und für höhere Einkommen abschmelzend, und der Abzug für Rentner läuft 2028 aus. Den Widerstand gegen ein Gesetz, das einen Staatsbürgerschaftsnachweis verlangt und Strafen für Wahlhelfer vorsieht, legte er mit einem Kraftausdruck als bloßen Wunsch zu betrügen aus, obwohl die Kritik daran um den Zugang zur Wahl fürchtet; Vier Demokraten im Repräsentantenhaus stimmten dem Vorhaben sogar zu. Dann witzelte er über den umstrittenen Wechsel des Basketballspielers Luka Doncic, das sei der schlechteste Handel der Sportgeschichte; dass die Mavericks der Großspenderin Miriam Adelson gehören, ließ er weg. „Zoll“ nannte er sein Lieblingswort, kurz darauf nur noch sein fünftliebstes, nach der Schikane durch die Presse. Das Lieblingswort wechselte den Rang, je nachdem, wer gerade zuhörte.

Was die Menschen tatsächlich umtreibt, kam kaum vor. Die Lebenshaltungskosten gelten als die größte Schwäche der Republikaner vor dieser Wahl, doch der Redner verweilte lieber bei den Themen, die ihm liegen. Nach fast einer Stunde kam er zum Ballsaal des Weißen Hauses, den das Publikum umsonst bekomme, obwohl Millionen an Steuergeld dafür vorgesehen sind. Dann fiel das Versprechen des Abends: 5.000 Dollar für jeden erwachsenen Amerikaner, falls die Republikaner beide Kammern des Kongresses hielten, ohne ein einziges Detail. Ausgeben müsse man das Geld im eigenen Land, fügte er hinzu; wie der Staat das nachhalten wolle, sagte er nicht. Eine Auszahlung, die an den Ausgang der Wahl geknüpft ist und deren Verwendung niemand nachhalten kann, blieb eine Zusage ohne Werkzeug zur Einlösung. „Trump-Dividende“ solle die Sache heißen. Schon zuvor hatte er Schecks über 2.000 Dollar aus Zolleinnahmen versprochen. Nach jenen 2.000 Dollar hatte man Anfang des Jahres gefragt; kommen sollten sie vielleicht zum Jahresende, und das rückt näher.

Trump: „Nur ich kann euch dieses Versprechen geben: Wenn die Republikaner das Repräsentantenhaus und den Senat gewinnen, werde ich jedem erwachsenen Bürger der Vereinigten Staaten eine Dividende von 5.000 Dollar auszahlen.“ (Trump macht aus der Wahl einen offenen Handel: Erst die Mehrheit für seine Partei, dann 5.000 Dollar für jeden Erwachsenen. Das ist Stimmenkauf in Reinkultur)

Trump: „Die Zölle machen uns viel reicher, als wir je gedacht hätten – wir nehmen Billionen von Dollar ein.“

Die Rechnung dahinter trägt nicht. Von Billionen an Zolleinnahmen sprach er, tatsächlich kamen knapp 300 Milliarden zusammen, und nachdem der Oberste Gerichtshof die Zölle verworfen hatte und die Rückzahlungen begannen, blieben davon rund 132 Milliarden. Auf demselben Weg wollte er die Dividende bezahlen, mit Zöllen, die der Gerichtshof kassierte, sodass die Regierung 160 Milliarden samt Zinsen erstatten musste. Das Versprechen selbst käme das Land vermutlich mehr als 1 Billion Dollar. Geld an die Aussicht auf einen Wahlsieg zu binden wirft rechtliche Fragen auf, denn Ausgaben zur Beeinflussung von Wahlen sind verboten; er verpackte es als spätere Belohnung. Elon Musk hatte im Vorjahr in einem Wahlkampf um einen Sitz am obersten Gericht von Wisconsin Schecks über 1 Million Dollar ausgelobt und war nach Widerstand zurückgewichen. Dass die Republikaner in diesem Jahr längst größere Steuererstattungen verschickt haben, eigens so gebaut, dass sie vor der Wahl als einmalige Zahlung ankommen, blieb unerwähnt. Eine solche Summe an alle Erwachsenen zu zahlen, sprengte jeden Haushalt, den seine Zölle je gefüllt haben. Ein Geschenk aus einer Kasse, die eine Gerichtsentscheidung bereits versiegelt hat, blieb das größte Angebot des Abends an die Wähler.

Neu war an alldem wenig. Andere Politiker nutzen solche Anlässe, um ein Vorhaben zu verkünden oder die Zweifelnden zu gewinnen; Trump hielt die Rede, die er auf jeder Kundgebung hält, nur diesmal auf Kosten der Partei. Er kündigte an, am folgenden Abend zusätzlich die Hauptrede zu halten, und ließ offen, was daran anders sein solle. Es sei ohnehin keine große Sache, sagte er über den nächsten Auftritt, er werde nur kurz hinaustreten und den Seinen Glück wünschen. Für einen Parteitag, den er selbst erzwungen hatte, war das eine schmale Ausbeute.

Trump: „James Tala-freak-o. Der Typ sieht echt seltsam aus. Da fehlt irgendwas.“

Während er die Liste der Kandidaten abarbeitete und ihre Gegner angriff, darunter James Talarico, dem er fälschlich vorwarf, Vegetarier zu sein, lichteten sich die Sitzreihen weiter. Draußen strömten Menschen zu den Ausgängen, drinnen versicherte er, die Halle sei voll und niemand gehe, beides unwahr. Je länger er sprach, desto dünner wurden die Ränge. Zur selben Zeit lief die neue Football-Saison, das Spiel der Patriots gegen die Seahawks stand schon im letzten Viertel bei 10 zu 10. Der Präsident kämpfte auch um die Aufmerksamkeit, und er verlor sie Reihe um Reihe. Den Bewerber Ken Paxton zog er wegen seines Auftretens auf und nannte ihn zugleich den besten Generalstaatsanwalt in der Geschichte von Texas. Das Lob fiel großzügiger aus als der Andrang. Stehend applaudierte das Rund Erika Kirk, der Witwe des rechtskonservativen Aktivisten Charlie Kirk, der vor einem Jahr an einer Hochschule in Utah erschossen worden war.

Die Rede war für die Getreuen gemacht, für einen Saal, der die Unentschiedenen kaum erreichte; ob über die zugewandtesten Anhänger hinaus überhaupt jemand zusah, blieb offen. Nach mehr als anderthalb Stunden kehrte er zu seiner Bitte vom Anfang zurück und verlangte erneut, man möge sich vorstellen, er stehe zur Wahl. Viel Glück, sagte er, man liebe sie alle. Im ausgedünnten Oberrang hallte das Versprechen über 5.000 Dollar nach, für dessen Deckung er an diesem ganzen Abend kein Wort übrig hatte.

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