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Putin schenkt Kiew drei ruhige Tage und keinen Meter Land

VonTEAM KAIZEN BLOG

6. September 2026

Am Kreml empfing Wladimir Putin am Samstag die beiden Abgesandten Donald Trumps mit warmen Worten. Jared Kushner, der Schwiegersohn des Präsidenten, grüßte auf Russisch zum Stadtfeiertag Moskaus, Steve Witkoff, der Sondergesandte, stand daneben. Putin dankte dem amerikanischen Präsidenten und versprach, für die Sicherheit seiner Unterhändler zu sorgen. Die Lage, die man heute zu bewältigen habe, sei gewiss nicht einfach, sagte er.

Angereist waren die beiden über den Moskauer Flughafen Wnukowo. Vor dem Treffen speisten sie in einem gehobenen Lokal im Zentrum, gut 1,5 Kilometer nördlich des Kreml, draußen wartete eine Wagenkolonne aus rund 12 Fahrzeugen und eine Traube von Journalisten. Zum Kreml rollten sie dann in einer russischen Aurus-Limousine, nicht im Wagen der Botschaft. Witkoff sitzt Putin gegenüber, seit Trump im Januar 2025 sein Amt antrat, Kushner kam gegen Jahresende dazu; der Weg nach Kiew wäre für beide der erste.

Gut drei Stunden dauerte die Begegnung, und danach blieb sie im Ungefähren. Der Kreml-Berater Juri Uschakow nannte sie höchst nützlich, ohne ein Ergebnis zu benennen. Die Amerikaner hätten einige Gedanken zu möglichen Wegen einer Regelung ausgebreitet, welche, sagte er nicht. Über einen bloßen Meinungsaustausch sei das Treffen hinausgegangen, auch wirtschaftliche Fragen und mögliche große russisch-amerikanische Vorhaben seien ausführlich besprochen worden. Das Treffen sei für beide Seiten zur rechten Zeit gekommen. Kirill Dmitrijew, Putins Mann für die Geldgeschäfte, sprach danach von einem wichtigen Friedensbesuch. Beide, Uschakow wie Dmitrijew, saßen mit am Tisch. Witkoff und Kushner selbst schwiegen und flogen bald wieder ab, an diesem Sonntag erwartet sie Wolodymyr Selenskyj in Kiew.

Vor laufender Kamera lobte Putin die Bemühungen Trumps, den Krieg zu beenden. Trump trete in eine schwierige Lage ein und lasse dennoch nicht nach, zur Beilegung des russisch-ukrainischen Streits beizutragen, sagte er. Trump wiederum hatte tags zuvor einen neuen Vorschlag angedeutet, ohne ihn zu erläutern. Dem Gast trug der Gastgeber die alten Zeilen vor: Russland komme auf dem Feld wirklich voran und werde seine Ziele erreichen. Alle Wurzeln des Konflikts seien zu behandeln. Diese Sätze fallen in Moskau, seit das Ringen vor mehr als 4,5 Jahren begann, während die Front kaum weicht und beide Seiten den Beschuss aus der Ferne verschärfen.

Zwischen den höflichen Sätzen und dem, was auf dem Feld geschieht, liegt der ganze Krieg. Ein Gastgeber, der dankt und zugleich mehr Land verlangt, gewährt eine kurze Atempause und behält die Sache. Die Bilder aus dem Kreml reisen schneller um die Welt als jede Bewegung an der Front. Als Gastgeschenk kam die Stille. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, Putin habe der Armee befohlen, Kiew drei Tage lang nicht anzugreifen, verbunden mit den Vorbereitungen der amerikanischen Gespräche dort. In den 10 Tagen davor hatte Russland die ukrainische Hauptstadt bei Tag und Nacht mit Raketen und Drohnen überzogen, am Freitag traf ein Schlag die Zentrale des Inlandsgeheimdienstes SBU. Putin behauptete, seit Mitternacht sei kein Angriff auf Kiew mehr geflogen, obwohl die Stadt um jene Stunde und mehrmals danach Luftalarm hörte. Anderswo in der Ukraine ging der Beschuss ungebremst weiter. Der Frieden hatte an diesem Wochenende eine Adresse, und auf ihr stand allein der Name Kiew.

Wenige Stunden vor der Ruhe hatte ein großer russischer Angriff die beiden wichtigsten Flughäfen Kiews getroffen. Selenskyj deutete den Schlag als Antwort auf die Vorbereitung eines möglichen Flugs der Amerikaner in die Ukraine und kündigte an, kommende Woche den russischen Luftraum zu treffen. Seit dem Überfall Russlands im Jahr 2022 sind alle zivilen Flughäfen des Landes geschlossen. Später sagte Selenskyj, er habe mit Witkoff und Kushner gesprochen, während diese in Moskau saßen, und die Ukraine werde die russische Hauptstadt bis Montag verschonen. Die Pause war ein stilles Tauschgeschäft auf Gegenseitigkeit.

In dieser Nacht schwieg der Himmel über Russland. Die Flughäfen, sonst oft durch ukrainische Angriffe lahmgelegt, arbeiteten am Morgen normal, und der Bürgermeister Sergej Sobjanin meldete, vor Moskau sei keine Drohne abgefangen worden. Für eine Nacht sah das Land aus wie eines im Frieden. Die Reise der Gesandten kam gut eine Woche, nachdem der Direktor des Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, in Moskau eine düstere Einschätzung der russischen Aussichten überbracht und zur Beendigung des Krieges gedrängt hatte.

Das Geschehen hat sich seit dem Frühjahr gedreht und ist den Russen näher an die Haustür gerückt. Seit April trifft die Ukraine gezielt Treibstoff und Nachschub. Russische Raffinerien und Öllager gingen in Flammen auf. Auch Lager des Onlinehändlers Wildberries brannten. Der Krieg ist damit in russischen Städten angekommen, wo er lange nur Nachricht war. Russland nutzt die geleerten Bestände der ukrainischen Luftabwehr und trifft mehr Ziele im ganzen Land, der Alltag in Kiew wird gefährlicher. Beide Seiten zahlen einen wachsenden Preis für teure Technik, für strahlgetriebene Drohnen und ballistische Raketen. Beide Kassen leiden unter Kosten, die von Monat zu Monat steigen.

Zwischen Moskau und Kiew klafft weiter ein Abgrund darüber, wie der tödlichste Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg enden soll. Eine dem Kreml nahestehende Person sagte noch vor Bekanntwerden der Reise, Putin wolle mehr Gebiet nehmen. Eine Einigung über den Frontverlauf sei ausgeschlossen, bis Russland den restlichen Teil der Region Donezk gesichert habe, und das werde nach den Meldungen seiner Kommandeure bis Jahresende geschehen. Westliche Militärfachleute halten das angesichts des zähen russischen Vorrückens für fern. Die Ukraine gibt Land, das sie unter hohen Verlusten verteidigt hat, nicht her und weist solche Bedingungen als Kapitulation zurück.

Lange schon zieht sich dieser Feldzug, und er rührt sich kaum noch, außer in den Zahlen der Toten und der Kosten. Verhandlungen kommen und frieren wieder ein, zuletzt im Februar, als Washington und Israel Iran angriffen und dieser neue Krieg fortan die Aufmerksamkeit der Regierung Trumps verschlang; auch der Kampf zur See ist seither schärfer geworden. Ein Besuch und ein Abendessen, und darunter dieselbe Karte wie zuvor. Unverrückbar nannte der Kreml am Freitag die Linie, die Putin vor 2 Jahren in einer Rede zog: Die Ukraine solle das gesamte Gebiet von vier beanspruchten Regionen abtreten und den Beitritt zur NATO aufgeben. Peskow lobte den guten Willen der Amerikaner, bestand aber darauf, dass die Ukraine ihre Truppen aus Donezk und Luhansk zurückziehe, ehe eine Feuerpause möglich sei. Putin fügte hinzu, ungeachtet aller amerikanischen Vermittlung müssten Russland und die Ukraine sich zuerst selbst einigen.

So blieb von einem Samstag voller Höflichkeiten ein Händedruck und eine Waffenruhe von 3 Tagen über Kiew. Die Karte, um die es geht, rührte niemand an. Fotografieren ließ sich der Frieden, der Krieg steht in den Büchern beider Seiten als wachsende Rechnung.

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