Heute bei uns in den Kurznachrichten: Starbucks-Boykott und der Kampf um 17 Dollar Mindestlohn, Sachsen-Anhalt vor der Wahl mit der AfD bei 41 Prozent, Rekordpreise für Diesel und Benzin bringen die Republikaner vor den Midterms unter Druck, schwere Probleme nach russischen Tierimpfstoffen und im Pentagon müssen rund 50 Mitarbeiter wegen Medienlecks zum Lügendetektor.
Starbucks-Boykott läuft weiter – Beschäftigte verlangen 17 Dollar Mindestlohn und endlich einen Vertrag

Der Boykott gegen Starbucks läuft am Labor-Day-Wochenende weiter. Die Beschäftigten verlangen mindestens 17 Dollar Stundenlohn, bessere Besetzung der Filialen und stärkeren Schutz am Arbeitsplatz. Unterstützung kommt inzwischen vom Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO und von der Lehrergewerkschaft in Chicago. Starbucks Workers United sagt offen, wer bei Starbucks kaufe, unterstütze derzeit ein Unternehmen, das Arbeitsrechte verletzt, statt die Baristas, die jeden Tag hinter der Theke stehen. Seit der ersten erfolgreichen Organisierung einer Filiale in Buffalo im Jahr 2021 ist die Gewerkschaft auf rund 12.000 Mitglieder gewachsen. Fast 700 Starbucks-Filialen sind inzwischen gewerkschaftlich organisiert. Allein 2025 gewann die Gewerkschaft 125 Abstimmungen und kam auf eine Erfolgsquote von 82 Prozent.
Gleichzeitig wird der politische Gegenwind härter. Das von Trump geprägte National Labor Relations Board hat inzwischen eine republikanische Mehrheit und kippt Entscheidungen, die Beschäftigten zuvor geholfen hatten. Im August entschied die Behörde zugunsten von Starbucks in einem Streit darüber, ob Beschäftigte aus gewerkschaftlich organisierten Filialen Schichten in nicht organisierten Filialen übernehmen dürfen. Im Juli wurde zudem eine Gewerkschaftswahl in Seattle für ungültig erklärt, weil zwei Briefwahlstimmen berücksichtigt worden waren. Entscheidungen aus der Biden-Zeit werden ebenfalls zurückgedreht. Mehr als 600 Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen Arbeitsrecht liegen noch gegen Starbucks vor. Für die Gewerkschaft wird deshalb ein verbindlicher Vertrag immer dringlicher, bevor weitere Verfahren verschwinden oder gegen sie entschieden werden.
Dass Druck funktioniert, haben die Beschäftigten gerade selbst erlebt. Starbucks nahm in diesem Sommer ein pulverförmiges Zusatzmittel auf Siliziumbasis aus dem Programm, nachdem Baristas über Husten und Niesen geklagt hatten. Eine Ärztin, die von der Gewerkschaft mit einer Prüfung beauftragt worden war, sah zwar kein langfristiges Gesundheitsrisiko, kritisierte aber, dass Starbucks das Produkt vor seinem Einsatz nicht ausreichend auf mögliche Auswirkungen für Beschäftigte und Kunden untersucht habe. Das Unternehmen verteidigte das Pulver zunächst und zog es später doch zurück. Für Starbucks Workers United war das kein freiwilliges Einlenken, sondern das Ergebnis gemeinsamen Drucks.
Der Boykott soll deshalb weitergehen, bis ein Vertrag steht. Dazu kommen Arbeitsniederlegungen wie beim „Unicorn Frappuccino“-Wochenende im August, als Beschäftigte trotz eines aufwendig herzustellenden Sondergetränks keinen Urlaub nehmen sollten. Die Parole der Streikenden war so knapp wie eindeutig: „Kein Vertrag, kein Kaffee.“
Sachsen-Anhalt vor der Wahl – AfD liegt in letzter Umfrage bei 41 Prozent
Am Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt, und die letzte veröffentlichte Umfrage vor der Abstimmung sieht die AfD klar vorn. Die Forschungsgruppe Wahlen kommt in ihrer Erhebung vom 3. September auf 41 Prozent für die Partei. Die CDU liegt bei 23 Prozent, die Linke bei 11,5 Prozent, die SPD bei 8,5 Prozent, die Grünen bei 6 Prozent. Das BSW kommt auf 4 Prozent, die FDP auf 3 Prozent. Eine absolute Mehrheit für die AfD zeichnet sich damit zwar nicht ab, sie würde aber mit großem Abstand stärkste Kraft werden.
AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund spricht schon vor der Wahl offen vom Amt des Ministerpräsidenten. Selbst wenn seine Partei keine eigene Mehrheit erreicht, will er sich im Landtag zur Wahl stellen. Damit würde nach der Abstimmung nicht nur die Frage im Raum stehen, wer stärkste Partei geworden ist, sondern auch, ob und wie sich die übrigen Parteien auf eine Regierung ohne die AfD einigen können. Auffällig bleibt außerdem, dass nach der Umfrage viele Wähler noch unentschlossen sind und sich das endgültige Ergebnis damit durchaus noch bewegen kann.
Am Tag vor der Wahl gingen in Magdeburg Tausende Menschen gegen die AfD und für Demokratie auf die Straße. Die Veranstalter sprachen von 15.000 bis 20.000 Teilnehmern, die Polizei nannte für mehrere Veranstaltungen in der Landeshauptstadt insgesamt etwa 10.000 Menschen. Die Aktivistin Luisa Neubauer warf der AfD vor, Freiheitsrechte und demokratische Grundlagen angreifen zu wollen. Auch Mitglieder des Musikers Silbermond, Musiker Sebastian Krumbiegel von den Prinzen und Kerstin Ott traten bei der Kundgebung auf.
Damit stehen sich wenige Stunden vor Öffnung der Wahllokale zwei sehr unterschiedliche Bilder gegenüber: Auf der einen Seite eine AfD, die in der letzten Umfrage deutlich vor allen anderen Parteien liegt und das Amt des Ministerpräsidenten beansprucht. Auf der anderen Seite Tausende Menschen, die in Magdeburg öffentlich gegen eine AfD-geführte Landesregierung demonstrieren. Am Sonntag entscheidet sich, wie groß der Vorsprung der AfD tatsächlich ausfällt – und ob daraus am Ende auch politische Macht wird.
Republikaner geraten wegen Rekord-Spritpreisen vor den Midterms unter Druck

Der Dieselpreis in den USA ist am Samstag auf den höchsten Stand aller Zeiten gestiegen. Im landesweiten Durchschnitt kostet die Gallone inzwischen 5,88 Dollar, Benzin liegt vielerorts bei rund 4 Dollar. Für die Republikaner kommt das zwei Monate vor den Zwischenwahlen zur denkbar schlechtesten Zeit. Interne Umfragen der Partei zeigen laut einem Bericht, dass viele Wähler die Preissteigerungen direkt mit Donald Trumps Krieg gegen Iran verbinden. Ein republikanischer Wahlkampfstratege brachte das Problem offen auf den Punkt: „Diesel ist auf einem Allzeithoch. Benzin kostet ungefähr 4 Dollar pro Gallone. Das kann man nicht wegreden.“
Noch unangenehmer ist für republikanische Kandidaten, dass sie sich kaum von Trump absetzen können. Seine Anhänger werden in vielen entscheidenden Rennen gebraucht, und wer den Präsidenten öffentlich angreift, riskiert genau diese Stimmen. Ein republikanischer Insider sagte deshalb: „Wir haben keine Wahl. Wir sitzen mit ihm im selben Boot, ob es uns gefällt oder nicht.“ Verkehrsminister Sean Duffy versuchte am Samstag im Fernsehen, den Rekordpreis für Diesel mit Russland und der Ukraine zu erklären. Russland habe als einer der größten Diesel-Exporteure Lieferungen gestoppt und damit den Weltmarkt belastet. Zugleich behauptete Duffy, nur Trump arbeite daran, die Preise wieder zu senken.
Das Problem endet nicht an der Zapfsäule. Diesel treibt landwirtschaftliche Maschinen und Lastwagen an, die Lebensmittel in die Supermärkte bringen. Nach Angaben des Independent Grocers Alliance können Kraftstoffkosten rund 15 bis 30 Prozent der gesamten Lebensmittelkosten ausmachen. Steigt Diesel weiter, landet ein Teil davon später an der Supermarktkasse. Genau dort hatte Trump im Wahlkampf 2024 versprochen, die Preise vom ersten Tag seiner Amtszeit an zu senken. Stattdessen steigen nun Sprit und Lebensmittelkosten gleichzeitig, während die Republikaner versuchen müssen, den Wählern wenige Wochen vor der Wahl zu erklären, warum ausgerechnet unter Trump ein weiterer Rekord gefallen ist.
Nach Todesfällen bei Hunden jetzt Probleme bei Katzen – russischer Impfstoffhersteller erneut unter Druck

In Russland berichten Katzenhalter aus mehreren Regionen von schweren gesundheitlichen Problemen nach Impfungen mit „Multifel-4“ des heimischen Herstellers Vetbiochim. Genannt werden Fieber, Erbrechen, Futterverweigerung und starke Schwäche, in schweren Fällen auch Lähmungen und Krämpfe. In einem privaten Tierheim bei Moskau wurden Ende Juli acht Kätzchen geimpft, fünf davon erkrankten, eines starb. Aus Barnaul wurde zudem der Fall eines drei Jahre alten Maine-Coon-Katers bekannt, der nach einer Impfung bereits im vergangenen Jahr schwer krank wurde und trotz Behandlung starb. Einen wissenschaftlich belegten Zusammenhang zwischen dem Impfstoff und den Erkrankungen gibt es bislang allerdings nicht.
Brisant ist der Fall vor allem deshalb, weil Vetbiochim erst vor wenigen Wochen wegen eines anderen Impfstoffs in die Kritik geraten war. Nach Impfungen mit „Multikan-8“ berichteten Hundehalter über starkes Speicheln, Durchfall, Erbrechen und hohes Fieber. Nach Angaben russischer Medien sollen mindestens 160 Hunde gestorben sein, andere Berichte sprechen sogar von rund 300 Fällen. Die genaue Zahl ist nicht bestätigt, weil die Daten überwiegend von Tierhaltern selbst gesammelt werden. Die betroffene Impfstoffserie wurde zunächst vom Hersteller zurückgerufen und anschließend von der russischen Veterinäraufsicht offiziell aus dem Verkehr gezogen. Einige Besitzer berichteten von Diagnosen mit Aujeszky-Krankheit, Vetbiochim erklärte dagegen nach einer eigenen Untersuchung, das entsprechende Virusgenom sei im Impfstoff nicht gefunden worden.

Bei „Multifel-4“ weist das Unternehmen die Vorwürfe bislang zurück. Die in sozialen Netzwerken gezeigten Verpackungen seien teilweise alte Ausführungen, die nicht mehr verkauft würden. Offizielle Meldungen über unerwünschte Reaktionen seien bei Vetbiochim nach eigener Darstellung nicht eingegangen. Unter Tierhaltern ist das Vertrauen dennoch schwer beschädigt. In Kommentaren ist inzwischen davon die Rede, eine Impfung mit den Produkten des Unternehmens gleiche einer „Lotterie“, bei der niemand wisse, wie das eigene Tier reagiere.
Hinzu kommt ein Problem, das weit über Vetbiochim hinausgeht. Nach dem Rückzug vieler westlicher Hersteller aus Russland sind importierte Tierimpfstoffe schwerer zu bekommen. Die Zahl ausländischer Anbieter sank bereits zwischen 2022 und 2023 von 29 auf 20, während russische Impfstoffe 2024 einen Marktanteil von 67 Prozent erreichten. Beliebte Präparate wie „Nobivac“ werden offiziell nicht mehr direkt nach Russland eingeführt und sind teilweise nur über Belarus oder einzelne Kliniken erhältlich. Tierärzte warnen trotzdem vor einem kompletten Verzicht auf Impfungen. Empfohlen werden bei Zweifeln Antikörpertests nach der Impfung und gegebenenfalls eine erneute Impfung mit einem anderen zugelassenen Präparat.
Pentagon jagt seine eigenen Leute – rund 50 Mitarbeiter nach Medienlecks am Lügendetektor

Im Pentagon hat die Suche nach undichten Stellen inzwischen eine Größenordnung erreicht, die selbst für das US-Militär ungewöhnlich ist. Rund 50 Mitarbeiter des Vereinigten Generalstabs wurden im August mit Lügendetektoren überprüft, darunter Offiziere und zivile Beschäftigte. Gefragt wurde unter anderem danach, ob sie geheime Informationen an Journalisten weitergegeben hätten. Besonders interessierten sich die Ermittler offenbar für Berichte über schrumpfende amerikanische Munitionsbestände. Nach Angaben aus dem Umfeld der Untersuchungen ging es dabei nicht nur darum, mögliche Informanten zu finden. Die Tests sollten den Beschäftigten zugleich klarmachen, was ihnen droht, wenn interne Informationen künftig wieder in den Medien landen.
Das Pentagon selbst hält sich offiziell bedeckt und erklärt lediglich, man kommentiere interne Personal- oder Ermittlungsangelegenheiten nicht. Gleichzeitig heißt es, Informationslecks würden ernst genommen und entsprechende Vorfälle untersucht. Ungewöhnlich bleibt trotzdem, wie breit die Aktion angelegt wurde. Vergleichbare Lügendetektortests bei einer so großen Zahl von Mitarbeitern im direkten Umfeld der militärischen Führung hat es in der modernen US-Armee bislang nicht gegeben. Betroffen waren ausgerechnet Menschen, die in einem Bereich arbeiten, in dem täglich mit hochsensiblen militärischen Informationen umgegangen wird.
Auslöser waren mehrere Berichte amerikanischer Medien über sinkende Raketenbestände der USA, darunter auch Flugabwehrraketen des Typs Patriot. Anfang August wurde bekannt, dass Donald Trump auf umfangreiche Angriffe gegen Iran verzichtet haben soll, weil die militärische Führung davor warnte, dadurch könnten die amerikanischen Vorräte für die Luftverteidigung im Nahen Osten zu stark schrumpfen. Nach den damaligen Angaben soll General Dan Caine, Vorsitzender des Vereinigten Generalstabs, Trump persönlich darauf hingewiesen haben. Wenige Wochen später mussten Dutzende Mitarbeiter aus genau diesem militärischen Umfeld beantworten, ob solche Informationen von ihnen an die Presse gelangt waren.

Danke für Eure großartige Arbeit!
Dankeschoen
Danke für die Artikel.
Wie immer hervorragend recherchiert und gut geschrieben.
Die armen Tiere, die wahrscheinlich aufgrund der Impfung, erkrankten bzw starben 😞
Ich danke Dir ….