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Ein ganzer Saal singt „Lake Ontario“ und lässt Trump wie einen Narren dastehen

VonTEAM KAIZEN BLOG

31. August 2026

Ein Dekret lässt sich mit einem Lied beantworten. In Toronto sangen am Samstag 16.000 Menschen den alten Namen eines Sees und ließen den Präsidenten der Vereinigten Staaten klein aussehen. Sie weigerten sich schlicht, seiner geografischen Fantasie zu folgen. Die kanadische Band Blue Rodeo spielte im RBC Amphitheatre, das direkt am Ufer des Ontariosees liegt, jenes Gewässers, das Trump in „Lake America“ umtaufen will. Die Menge gab die Antwort im Chor. Eine Weltmacht unterlag im Namensstreit einer singenden Menge.

Als die Band ihren Liebling „Hasn’t Hit Me Yet“ aus dem Jahr 1993 anstimmte, in dem der Schnee auf das stille Wasser des Ontariosees fällt, wandte sich Sänger Greg Keelor ans Publikum. Zum Ende des Liedes komme ein See vor, sagte er und zeigte auf das Wasser hinter der Band. Dessen Name sei etwas umstritten geworden. Er bat die Zuschauer, so zu singen, als gehöre der See ihnen, für ein glitzerndes Wasser, das lange vor ihnen allen da gewesen sei. Die Menge ließ sich nicht zweimal bitten und brüllte „Lake Ontario“ in die Nacht. Wer nicht in der Arena stand, verfolgte den Moment über einen Livestream im Netz. So wurde aus einem Liedvers eine Abstimmung, und die Menschen stimmten mit ihren Kehlen. Ein Wort, im Takt gebrüllt, trägt weiter als jede Landkarte, die man heimlich ändert.

Nur zur faktenchecktechnisch richtigen Einordnung. Traurig genug. Und Google, na ja – in die Tonne treten.

USA: „Lake America“ – Kanada: weiterhin „Lake Ontario“ – Deutschland, Europa und übrige Welt: beide Namen, also etwa „Lake Ontario (Lake America)“

Hinter der Band zeigten die Bildschirme eine Karte, auf der der See weiter „Lake Ontario“ hieß, während der Kartendienst von Google den Namen für Nutzer in den USA bereits geändert hatte. Fans filmten die Karten und teilten sie im Netz, die Band selbst verbreitete später ihre Aufnahmen. „Ihr seid gute Kanadier“, rief Keelor, an seinem 72. Geburtstag. Sein Kollege Jim Cuddy fasste den Abend knapper: „Wir sind, wer wir sind. Scheiß auf sie.“ Im Netz nannte einer den Auftritt „Perfektion“, ein anderer schrieb, die Fans hätten für Kanada und den Ontariosee Flagge gezeigt. Um eine Stellungnahme gebetene Vertreter der Band und des Weißen Hauses schwiegen zunächst. Die Karte hinter der Band und die Karte auf den Telefonen in den USA zeigten 2 verschiedene Welten, und nur eine davon war je am Ufer gewesen. Die andere lebte nur auf einem Server.

Die Politik hatte da längst Stellung bezogen. Ontarios Premierminister Doug Ford ließ am Samstag ein großes Schild mit dem Namen Lake Ontario aufstellen, versehen mit den Worten „Now and Always“. Umtaufen wolle Trump den See nur, weil ihm missfalle, dass Ontario und Kanada für sich selbst einstünden, sagte Ford. Lange bevor es einen Präsidenten Trump gegeben habe, habe der See Lake Ontario geheißen, und lange nachdem er gegangen sei, werde er noch so heißen. Kanadas Premierminister Mark Carney schrieb, der See heiße heute und für immer Lake Ontario, und der Name sei älter als die Gründung der kanadischen Konföderation und die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. So viel Geschichte in einem Wort, so wenig in einem Erlass.

Trump und seine KI-Truppe antworteten auf ihre befremdliche Weise. Auf seiner Plattform verbreitete er am Samstag ein KI-erzeugtes Video, in dem er ein Schild mit der Aufschrift „Welcome to Lake Ontario“ umtritt, es durch „Lake America“ ersetzt und dazu zu einem alten Discohit der Village People tanzt. Ein Name, der 2 Nationen überdauert, gegen einen Mann, der im Zeichentrick nach einem Schild tritt, das ergibt kein faires Duell, nur ein entlarvendes. Was sich nicht besitzen lässt, wird wenigstens getreten, und die Kamera hält den kleinen Triumph fest.

Am Sonntag war die Wut noch nicht verraucht. Trump rechtfertigte seinen Zollstreit und seine Drohung, die Abgaben auf kanadische Autos ab dem 1. Januar von 25 auf 50 Prozent zu verdoppeln. Er wolle nichts Kanadisches mehr, schrieb er, das Land habe die USA jahrzehntelang abgezockt, und dieses Anspruchsdenken sei vorbei. Von allen Regierungen, mit denen er zu tun habe, finde er Kanada die schlimmste. Kanadische Unternehmen forderte er auf, sofort in die Vereinigten Staaten umzuziehen, dann entfielen die Zölle. Ihre vor langer Zeit gestohlenen Firmen kämen nun zurück und stünden Schlange wie der Rest der Welt. Der Zank um einen Namen und der Zank um Zölle sind bei ihm dasselbe gekränkte Gefühl. Wut und Ökonomie flossen bei ihm in einen Beitrag nach dem anderen. Der Streit um einen Seenamen war längst Teil eines viel größeren Handelskriegs geworden.

Der See kümmert sich um nichts davon. Sein Wasser lag im Bett, bevor die Grenze durch die Landkarte gezogen wurde und bevor es die beiden Länder gab, die heute um seinen Namen streiten. Ein Präsident kann Schilder umtreten und einen Kartendienst umschreiben lassen. Namen überleben die, die sie ändern wollen, weil sie in mehr Mündern wohnen als in einem einzigen Dekret. Gegen 16.000 Stimmen, die den alten Namen singen, kommt er nicht an.

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Gabriele Brunner
Gabriele Brunner
21 Tage vor

Das sind eben die Candians! Es gibt viele Möglichkeiten, aber die Canadians machen das oft mit Charme, Humor und trotzdem ist und bleibt es Widerstand. Das müsste doch Donnie wie tausend kleine Nadelstiche treffen…. und wäre er ein halbwegs normaler Mensch, könnte er einen singenden Menge doch nicht böse sein.

Eine Freundin hat das Konzert besucht und sagte „es war magisch“…

Rainer Hofmann
Administrator
20 Tage vor
Antwort auf  Gabriele Brunner

… etwas, mit dem Herr Trump nicht umgehen kann

christian balke
20 Tage vor

was hat eigentlich das lüsterne Vorspiel da im T-Film verloren? eine flache Version aus dem Souvenirladen des Edy Griegs  Peer Gynt – 1. Suite op. 46 I. Morgenstimmung.
Der Gute ist seit ziemlich genau 109 Jahren tot („Grieg war der Meinung, sein Werk würde außerhalb Norwegens nicht akzeptiert„..), urheberrechtlich also weniger Aufgabe, als die Fanfare der Village Peoples. – Sind die gemeinfrei? lieben die Trump? Der Indianer lebt doch noch, etc.
Mit Kultur dem Kerl auf den Schlips treten!

christian balke
19 Tage vor
Antwort auf  christian balke

mittlerweile erhalte ich Hinweis, dass die VP, diese Schauspieler, die dem Trump willfährig sind, in einer Vermarktungskette stecken. Ist Trump – so drängt sich mir die Frage in den grossen Raum – schwul?
Für mich bitz erhellend, https://theconversation.com/from-ymca-to-maga-why-trump-plays-village-people-at-his-rallies-248457 Vielleicht ist es nicht dieser freeWillis, sondern die Rechteverwalterin Karen Willis und die vielen Hinterleute, die VP gestalten.

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