Ein Ausflug in den Park – und ein Leben endet!

Ein Ausflug durch den Central Park endete am Mittwoch mit dem Tod des 18-Jährigen Romanch Mahajan. Die Kutsche, in der er mit drei weiteren Personen saß, geriet außer Kontrolle, nachdem das Pferd plötzlich losrannte. Nach Angaben aus dem Umfeld des Betriebs soll der Fahrer abgestiegen sein, um ein Foto seiner Fahrgäste zu machen – etwas, das eigentlich nicht erlaubt ist. Kurz vor 15 Uhr raste die Kutsche durch den Park, mindestens zwei Menschen wurden aus dem Wagen geschleudert.

Der Jugendliche wurde zunächst in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht und starb später an seinen Verletzungen. Die übrigen Insassen lehnten eine Behandlung ab. Videos in sozialen Netzwerken, wir verzichten aus Gründen der Pietät darauf, diese hier zu veröffentlichen, zeigen das Pferd Sampson im Galopp durch den Park, Menschen springen aus der Kutsche, später kippt der Wagen um, nachdem er mit einer anderen Kutsche kollidiert. Der Unfall trifft eine Branche, die seit Jahren unter Druck steht. Für viele gehören die Pferdekutschen zu New York wie die Skyline und der Central Park selbst. Für andere sind sie ein Relikt, das weder zu einer Millionenstadt noch zu einem Park mit täglich tausenden Besuchern passt.

Die Debatte wurde zuletzt schärfer. Erst vor wenigen Tagen brach erneut ein Pferd zusammen und starb. Die Organisation, die den Park betreibt, fordert seit dem vergangenen Jahr ein Ende der Pferdekutschen und erklärte nun, ein junger Mensch sei in den Park gekommen und habe sein Leben verloren – das sei kein akzeptabler Preis für eine überholte Industrie mitten in einem der meistgenutzten öffentlichen Räume der Vereinigten Staaten. Gleichzeitig verweist die Gewerkschaft auf Sicherheitsprobleme im gesamten Park, von Lieferverkehr bis Elektrofahrrädern. Der Fahrer ist inzwischen suspendiert, das Pferd Sampson soll aus dem Betrieb genommen werden. Die Ermittlungen laufen weiter. Fest steht nur eines: Für eine Familie endete ein Sommertag in New York nicht mit Fotos, sondern mit einer Nachricht, die nichts mehr rückgängig macht.
Der Krieg endet – Europas Abhängigkeit nicht

Der Krieg mit dem Iran hat Europas alte Schwäche erneut sichtbar gemacht. Kaum gerieten Öl und Gas unter Druck und die Straße von Hormus ins Wanken, stiegen die Kosten für Energieimporte in wenigen Wochen um Milliarden. In Brüssel wird deshalb längst nicht mehr nur über Krisenreaktionen gesprochen, sondern über neue Wege, die Abhängigkeiten verändern sollen. Im Zentrum steht ein Vorhaben, das Indien über den Nahen Osten mit Europa verbinden soll. Hinter dem sperrigen Namen Indien-Nahost-Europa-Korridor steht ein großes Ziel: Handel, Energie und Datenströme künftig breiter aufzustellen und nicht länger auf wenige empfindliche Routen angewiesen zu sein.
Die Europäische Kommission sieht darin mehr als ein Infrastrukturprojekt. Geplant wird mit Leitungen, Stromverbindungen und neuen Transportachsen, die künftig auch Regionen umgehen sollen, die immer wieder zu geopolitischen Brennpunkten werden. Hinter verschlossenen Türen gilt die politische Unterstützung innerhalb der Europäischen Union als deutlich größer, als die Zahl der offiziellen Unterzeichner vermuten lässt. Gleichzeitig zeigt das Projekt die Grenzen europäischer Ambitionen. Ohne eine Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien bleibt der Korridor schwer vorstellbar. Saudi-Arabien wiederum knüpft eine Normalisierung weiter an Fortschritte bei einem palästinensischen Staat – etwas, das die israelische Regierung bislang ablehnt.
Parallel richtet Europa den Blick auf den Golf. Neue Energieverbindungen, zusätzliche Leitungen und Investitionen in erneuerbare Energien sollen helfen, künftige Schocks abzufedern. Dazu gehört auch ein Stromkabel zwischen Europa, Zypern und perspektivisch Israel, das seit Jahren geplant wird und bislang an Geld und Verfahren hängt. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung einen alten Widerspruch: Während über grüne Zukunft gesprochen wird, gelten ausgerechnet Öl- und Gasleitungen kurzfristig als die schnellste Antwort. Der Krieg hat Europa nicht unabhängig gemacht. Er hat nur deutlicher gemacht, wie teuer Abhängigkeit geworden ist.
Ein Krokodil zeigt Farbe – nach 125 Millionen Jahren

Mehr als ein Jahrhundert lag das Fossil im Museum, beschrieben, katalogisiert und doch nie wirklich gesehen. Jetzt haben Forscher an einem kleinen Krokodilverwandten aus der frühen Kreidezeit etwas entdeckt, das lange als kaum vorstellbar galt: Hinweise auf seine ursprüngliche Hautzeichnung und eine deutlich weiter entwickelte Atmung als bislang angenommen. Das Tier mit dem Namen Montsecosuchus depereti lebte vor rund 125 Millionen Jahren und wurde bereits vor langer Zeit in einem Steinbruch in der spanischen Provinz Lleida gefunden. Nur etwa fünfzig Zentimeter lang, unscheinbar im Vergleich zu heutigen Krokodilen, und doch voller Überraschungen. Sichtbar wurden die Details erst unter ultraviolettem Licht. Dort traten versteinerte Weichteile hervor, die im normalen Licht im Gestein verschwanden. Die Forscher entdeckten Schuppen mit unterschiedlichen Formen und Größen auf verschiedenen Körperbereichen. Auffällig war auch, was fehlte: Der hohe Schwanzkamm heutiger Krokodile war bei diesem frühen Vertreter noch nicht vorhanden. In einzelnen kleinen Schuppen fanden sich zudem Strukturen, die auf Sinnesorgane hindeuten könnten. Bei heutigen Krokodilen reagieren solche Rezeptoren auf Berührungen, Wasserbewegungen sowie Temperatur- und chemische Reize. Dass sie hier nur an bestimmten Stellen auftauchten, könnte zeigen, wie sich diese Fähigkeiten im Lauf der Evolution langsam ausbreiteten.
Noch bemerkenswerter war ein Fund im Brustbereich. Dort fanden sich Knorpelstrukturen, die auf eine bereits damals leistungsfähige Atmung hinweisen. Damit rückt die Entstehung moderner Krokodilanatomie deutlich weiter in die Vergangenheit. Die größte Überraschung wartete aber am Schwanz: Helle und dunkle Querstreifen, die nach Einschätzung der Forscher Reste der ursprünglichen Färbung sein könnten. Welche Farben das Tier tatsächlich trug, bleibt offen. Doch wenn sich die Deutung bestätigt, wäre Montsecosuchus depereti der älteste bekannte Krokodilverwandte, bei dem sich noch Spuren seines Aussehens erhalten haben. Nach 125 Millionen Jahren zeigt ein Tier nicht nur seine Knochen – sondern vielleicht wieder ein Stück seiner Haut.
Die Ärzte der Zukunft – und die Regeln der Gegenwart

Eine Tochter Putins gründete an der Moskauer Staatsuniversität ein Programm für „Ärzte der Zukunft“ und wurde Teil einer neuen Alumni-Vereinigung der Fakultät. Maria Woronzowa, die von den USA als eine der Töchter Wladimir Putins bezeichnet wird und seit Anfang 2026 das Medizinische Wissenschafts- und Bildungsinstitut der Universität leitet, gehört zu den Mitgründerinnen der neuen Vereinigung an der Fakultät für Grundlagenmedizin. Die Organisation wurde Ende Mai an der Universität registriert. Unter 63 Mitgründern erhielt jeder den gleichen Anteil. Woronzowa wurde zudem in den Vorstand gewählt. Ihr Stellvertreter am Institut zog ebenfalls in die Führung ein, während der bisher prägende Dekan und frühere Leiter des Instituts außen vor blieb.
Parallel verantwortet Woronzowa das Programm „Führungskräfte der Zukunft im Gesundheitswesen“, das gemeinsam mit der Verwaltungsschule Skolkowo aufgebaut wurde. Das Projekt richtet sich an Studierende höherer Semester und Absolventen bis 27 Jahre. Im Mai schloss der erste Jahrgang mit 31 Medizinstudierenden ab. Woronzowa begründete die Initiative mit eigenen Zahlen, nach denen jeder zweite junge Arzt den Beruf innerhalb der ersten fünf Jahre wieder verlasse. Den wirtschaftlichen Schaden bezifferte sie auf rund 25 Milliarden Rubel jährlich. Die Ausbildung kostet pro Teilnehmer 500.000 Rubel im Jahr und wird je nach Platz über Fördermittel, Eigenfinanzierung oder Sponsoren getragen.
Auf dem Petersburger Wirtschaftsforum stellte Woronzowa zusätzlich ein System vor, mit dem angehende Ärzte künftig durch unterschiedliche Fachrichtungen und Einrichtungen geführt werden sollen. Ergänzt werden soll das durch einen Telegram-Dienst mit dem Namen „Karrierekompass“. Bereits im Vorjahr sprach sie öffentlich über Forschung zur Verbesserung des Menschen durch dreidimensionalen Biodruck von Organen. Für ein Labor zu Zellerneuerung und aktivem Altern erhielt sie 2025 Fördermittel in Höhe von 30 Millionen Rubel. Gleichzeitig verweisen Berichte auf ihr Unternehmensumfeld: Nomiko erzielte zuletzt mehr als 231 Millionen Rubel Gewinn ohne Einnahmen aus medizinischen Leistungen, die Erträge stammten aus Kapitalanlagen. Während Woronzowa selbst unter Sanktionen der USA, der EU, Großbritanniens, Kanadas und Japans steht, bleibt ihr Umfeld teilweise davon unberührt. Die Verbindung aus Universität, Fördergeldern, Gesundheitsstrategie und bekannten Namen sorgt deshalb weit über den Campus hinaus für Aufmerksamkeit.
Arbeit hinter Gittern – und wer die Regeln schreibt

Wer die Regeln schreibt, entscheidet oft nicht nur über Abläufe, sondern darüber, wer am Ende profitiert. Unsere Recherchen zeigen, das ICE. einem privaten Gefängniskonzern genau das ermöglicht hat, Einfluss auf Vorgaben zur Arbeit von Inhaftierten zu nehmen. Die GEO Group hat darum gebeten, Formulierungen zu entfernen, nach denen Menschen in Gewahrsam für ihre Arbeit bezahlt werden müssen. ICE. habe dem zugestimmt. Der Vorwurf wiegt schwer, weil es nicht um eine Frage der Verwaltung geht, sondern um ein System, in dem Staat, Verträge und Haft miteinander verbunden sind. Die GEO Group betreibt Abschiebehaftzentren in zahlreichen Bundesstaaten und meldete im vergangenen Jahr Gewinne in dreistelliger Millionenhöhe. Gleichzeitig sind die Menschen in diesen Einrichtungen nicht frei in ihrer Entscheidung, unter welchen Bedingungen sie arbeiten oder welche Alternativen ihnen offenstehen.
Kritiker sehen ebenfalls darin mehr als einenormale Änderung von Vorschriften. Sie sprechen von einem System, in dem wirtschaftliche Interessen und Freiheitsentzug immer näher zusammenrücken. Der Staat vergibt Verträge, private Betreiber verwalten die Einrichtungen und innerhalb der Mauern entstehen Tätigkeiten, deren Bedingungen nicht von freien Arbeitnehmern ausgehandelt werden. Genau deshalb richtet sich die Kritik nicht nur gegen einzelne Formulierungen, sondern gegen die Frage, ob wirtschaftlicher Nutzen Einfluss darauf bekommt, wie Haft organisiert wird. Die Debatte berührt einen alten Konflikt der amerikanischen Politik: Was geschieht, wenn Freiheitsentzug nicht nur als staatliche Aufgabe verstanden wird, sondern zugleich ein Markt entsteht. Das Problem beginnt nicht dort, wo Menschen arbeiten. Es beginnt dort, wo diejenigen, die an Haft verdienen, gleichzeitig dabei helfen, die Regeln für diese Arbeit zu verändern.
Obama baut kein Archiv – sondern eine Idee

Fast zehn Jahre lang plante Barack Obama einen Ort, der nach seinem Willen gerade nicht das werden sollte, was amerikanische Präsidenten sonst hinterlassen. Das neue Obama Presidential Center in Chicago öffnet nun seine Türen – ohne die klassischen Archive, ohne Aktenräume voller Ordner und ohne die übliche Erzählung eines politischen Lebens von Kindheit bis Amtsende. Die offiziellen Dokumente seiner Präsidentschaft bleiben bei den Nationalarchiven, die digitalen Bestände sollen online zugänglich gemacht werden. Stattdessen entstand auf fast zwei Hektar Fläche ein Ort, der weniger Erinnerung verwalten als Beteiligung auslösen soll.
Im Mittelpunkt steht ein 69 Meter hoher Turm aus Granit, der schon vor der Eröffnung Diskussionen auslöste. Kritiker tauften ihn spöttisch den „Obamelisk“. Doch rund um den Bau entstand etwas, das deutlich weiter reicht als ein Museum: eine Zweigstelle der Stadtbibliothek, Gärten, öffentliche Flächen, Spielbereiche und Orte zum Aufenthalt. Michelle Obama brachte sogar die Idee eines Rodelhügels ein. Besucher beginnen ihren Weg nicht mit Barack Obama, sondern mit einer Reise durch die amerikanische Geschichte – von der Unabhängigkeitserklärung über Sklaverei, Wahlrechtsbewegungen und Bürgerrechte bis hin zu Obamas eigenem politischen Weg.

Natürlich ist auch dies ein Ort des Vermächtnisses. Der Friedensnobelpreis ist ausgestellt, ebenso Erinnerungsstücke aus seiner Amtszeit und ein Nachbau des Oval Office. Gleichzeitig versucht das Zentrum, sich von der klassischen Präsidentenbibliothek zu lösen. Nicht die Frage „Was hat dieser Präsident erreicht?“ soll im Vordergrund stehen, sondern „Was können Menschen selbst verändern?“. Immer wieder werden Besucher aufgefordert, über den eigenen Einfluss nachzudenken und Beispiele aus Gemeinden und Nachbarschaften kennenzulernen.
Der Ort öffnet in einer Zeit, die sich deutlich von jener unterscheidet, die Obama einst mit seinem Versprechen auf Hoffnung und Zusammenhalt geprägt hatte. Der heutige Präsident wurde nicht eingeladen. Die politischen Fronten in Amerika sind härter geworden, die Erwartungen kleiner und das Vertrauen in Institutionen geringer. Vielleicht erklärt gerade das, warum dieses Zentrum weniger wie ein Denkmal wirkt als wie ein Versuch, eine Stimmung aus einer anderen politischen Zeit noch einmal sichtbar zu machen. Am Ausgang steht deshalb kein Satz über Größe oder Geschichte, sondern ein alter Gedanke aus Obamas Abschiedsrede: Nicht an seine Fähigkeit zur Veränderung solle man glauben – sondern an die eigene.
