Leere Hotels und 98 Dollar für 27 Kilometer – Warum selbst WM-Fans irgendwann die Grenze ziehen

VonTEAM KAIZEN BLOG

Mai 23, 2026

Zur Fußball-Weltmeisterschaft werden in den kommenden Wochen Zehntausende Menschen aus aller Welt im Raum New York erwartet. Hotels werden voll, Restaurants rechnen mit zusätzlichem Geschäft und rund um die Spiele fließt bereits jetzt viel Geld. Eintrittskarten, Unterkünfte und Reisen kosten für viele Besucher schon mehrere tausend Dollar. Doch ausgerechnet bei einer Strecke von gerade einmal rund 27 Kilometern scheint für viele eine Grenze erreicht zu sein. Die Zahlen zeigen deutlich, wohin sich die Besucher bewegen. Für die Zugverbindung von Manhattan zum MetLife Stadium in New Jersey wurden bis Freitagmittag rund 11.900 Tickets verkauft. Der Preis liegt bei 98 Dollar für Hin und Rückfahrt. Deutlich beliebter ist derzeit die Busverbindung. Dort wurden nach Angaben bereits rund 20.700 Tickets verkauft. Der Preis: 20 Dollar.

Auch eine dritte Möglichkeit steht zur Verfügung. Besucher können ihr Fahrzeug auf einem Parkplatz an einem Einkaufszentrum abstellen, das etwa fünfzehn Gehminuten vom Stadion entfernt liegt. Die Kosten beginnen bei mindestens 225 Dollar. Nach bisherigen Angaben wurden rund 7.700 dieser Parkplätze verkauft. Der Streit um die Anreise entwickelte sich längst zu mehr als einer Frage des Verkehrs. Zwischen New York und New Jersey entstand in den vergangenen Wochen spürbare Spannung. Die meisten Besucher werden voraussichtlich in New York übernachten, während die Spiele selbst im MetLife Stadium in New Jersey stattfinden. Direkt am Stadion stehen nur sehr wenige Parkmöglichkeiten zur Verfügung.

FIFA-Verantwortliche sind nach unseren Recherchen zunehmend besorgt über die erwarteten Zuschauerzahlen bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Hintergrund sind steigende Hotelstornierungen und ein Rückgang internationaler Reisebuchungen, die darauf hindeuten könnten, dass deutlich weniger ausländische Fans als ursprünglich erwartet in die USA reisen wollen. Die Entwicklung könnte inzwischen den Erfolg eines Turniers gefährden, das ursprünglich als die größte und profitabelste Weltmeisterschaft der Geschichte erwartet wurde.

Leere Hotels gehören zum Alltagsbild …

Auch bei den Hotels entwickelt sich die Situation bislang anders als viele erwartet hatten. In mehreren amerikanischen Austragungsorten liegen die Reservierungen nach bisherigen Berichten deutlich unter den ursprünglichen Prognosen. Rund 80 Prozent der befragten Hotels in wichtigen WM-Städten meldeten zuletzt schwächere Buchungszahlen als zunächst angenommen. Besonders häufig genannt wurden dabei Städte wie Boston, Philadelphia, Seattle, San Francisco und Kansas City. In Kansas City berichteten nach veröffentlichten Zahlen sogar etwa 85 bis 90 Prozent der Hotels von geringerer Nachfrage als erwartet. Teilweise wurden zuvor reservierte Zimmerkontingente wieder freigegeben, nachdem der große Ansturm ausgeblieben war. Gleichzeitig zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Städte wie Miami und Atlanta schneiden bislang besser ab. Die Situation bleibt in Bewegung, weil Großereignisse häufig kurzfristige Buchungswellen auslösen. Der bisherige Verlauf zeigt jedoch, dass die Vorstellung restlos ausgebuchter Hotels in den Vereinigten Staaten derzeit nicht zu den Zahlen passt, die bislang bekannt geworden sind.

Aber nicht nur New York steht mit den Diskussionen über Preise allein da. Auch in anderen WM-Städten sorgen die Kosten für Anreise und Verkehr bereits für Aufmerksamkeit. In Miami lagen Fahrpreise auf bestimmten Zugverbindungen an Spieltagen teilweise zwischen 76 und 151 Dollar, obwohl vergleichbare Hin- und Rückfahrten normalerweise mit 24 Dollar deutlich günstiger ausfallen. Auch in Boston wurden für Sonderzüge zu den Spielen Preise zwischen etwa 80 und 95 Dollar genannt. Damit zeigt sich bereits Wochen vor dem Turnier, dass die Diskussion über die Fußball-Weltmeisterschaft nicht nur auf Eintrittskarten, Hotels und Reisen beschränkt bleibt. Für viele Besucher geht es inzwischen auch um die Frage, wie teuer bereits der Weg zum Stadion selbst wird.

Ursprünglich sollten selbst die Busfahrten deutlich teurer werden. Der Preis lag zunächst bei 80 Dollar. Erst nachdem zum Beispiel der Bundesstaat New York zusätzliche gelbe Schulbusse organisierte, fiel der Preis auf 20 Dollar. Je nach Spiel sollen zwischen 12.000 und 18.000 Sitzplätze pro Begegnung zur Verfügung stehen. Die Busse fahren vom zentralen Busbahnhof an der Times Square Gegend, von einem Standort nahe Grand Central und von einem weiteren Bereich westlich des Central Parks ab. Zwanzig Prozent der Plätze bleiben Bewohnern des Bundesstaates New York vorbehalten.

Auch die Bahn war ursprünglich noch deutlich teurer geplant. Zunächst hatte NJ Transit angekündigt, dass die Hin und Rückfahrt 150 Dollar kosten solle. Nach Kritik von Fans und lokalen Politikern wurde der Preis auf 98 Dollar gesenkt. Trotzdem liegt er weiterhin deutlich über den üblichen Kosten der Strecke, die normalerweise einschließlich Pendelzug bei etwa 12,90 Dollar liegen.

Justin Brannan, leitender Direktor für Großveranstaltungen in New York, erklärte, die Zahlen würden eine klare Sprache sprechen. Der Schritt von Gouverneurin Kathy Hochul, günstige Busverbindungen zu schaffen und Erreichbarkeit bezahlbar zu halten, sei eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung gewesen. Tatsächlich kam der große Schub bei den Busverkäufen erst nach der Preissenkung. Zwischen dem 13. Mai und den folgenden Tagen wurden ungefähr 14.700 bis 15.700 Buskarten verkauft. Genau an diesem Tag startete gleichzeitig auch der Verkauf der Zugtickets. NJ Transit verweist dagegen auf den Zeitvorteil. Das Unternehmen erklärte, dass die Zugfahrt von der Penn Station in New York bis praktisch direkt vor das Stadion ungefähr 35 Minuten dauern werde und damit die bequemste Lösung bleibe.

Die Weltmeisterschaft wird über fünf Wochen hinweg acht Spiele im MetLife Stadium austragen. Die erste Begegnung soll am 13. Juni mit Brasilien gegen Marokko stattfinden. Das Finale ist für den 19. Juli vorgesehen.

Die Zahlen zeigen jedoch schon jetzt etwas, das mit Fußball nur am Rand zu tun hat. Menschen geben oft bereitwillig Geld für besondere Erlebnisse aus. Aber selbst bei einer Weltmeisterschaft scheint irgendwann der Punkt erreicht zu sein, an dem viele auf ihr Ticket schauen, auf die Entfernung blicken und sich fragen, ob eine kurze Zugfahrt wirklich fast hundert Dollar wert sein soll.

Ab dem 10. Juni werden wir direkt vor Ort aus verschiedenen Städten berichten. Uns interessieren dabei nicht Tabellen, Tore oder Spielergebnisse. Uns interessieren die Geschichten rund um diese Weltmeisterschaft, die Kosten, die Entwicklungen hinter den Kulissen, Entscheidungen, die Millionen Menschen betreffen, und alles, was abseits des Rasens passiert. Denn manchmal beginnt die eigentliche Geschichte nicht im Stadion, sondern davor.

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