Minensuche, Märkte und Mitternachtstelefonate – wie Trumps Umfeld seinen Ausnahmezustand zur Goldgrube macht

VonRainer Hofmann

April 26, 2026

Trump ist kein Stratege. Trump ist eine Flasche, die man gut füllen kann, mit dem, was man braucht. Wer das Militär nach seinem Bild umbauen will, benutzt ihn. Wer an den Finanzmärkten verdienen will, benutzt ihn. Und alle zusammen müssen nur dafür sorgen, dass er aufrecht steht, weil er aufrecht stehen muss, damit das Konstrukt funktioniert. Die einzige Frage, die in diesem System noch gestellt wird, ist nicht, was gut für das Land ist, sondern wer ihn als nächstes braucht.

So fühlt sich Trump wohl – umringt von seinen politischen Anhängern

Pete Hegseth braucht ihn gerade für die Minensuche. Die amerikanische Marine soll die Straße von Hormus von iranischen Minen befreien, sagt Trump auf Truth Social, und er habe angeordnet, die Aktivität auf das Dreifache zu steigern. Ein Satz, der nach Entschlossenheit klingt und nach nichts anderem. Das Pentagon teilte Abgeordneten in einem geheimen Briefing mit, die Räumung werde voraussichtlich sechs Monate dauern. Hegseth wurde danach gefragt und sagte, das Militär spekuliere nicht über Zeitpläne, bestritt die Aussage aber nicht. Angeblich sei das gesagt worden, sagte er. Eine Formulierung, die weder ja noch nein bedeutet und beides gleichzeitig vermeiden soll.

Pete Hegseth, Verteidigungsminister, nach eigenen Worten ohne Zustimmung des Kongresses – ein Kriegsminister. Vollkommen deplatziert in dieser verantwortungsvollen Rolle, schlicht ein Totalausfall.

Experten sagen, selbst wenn die USA die Meerenge für geräumt erklären, müsse Iran nur sagen, nicht alle Minen seien gefunden worden – und der Effekt ist derselbe. Man muss nicht einmal Minen gelegt haben. Man muss die Menschen nur glauben lassen, dass man es getan hat. Iran legt mit einem Schnellboot leichter Minen, als die USA sie finden können. Die kleinen iranischen U-Boote, die dasselbe tun können, wurden im Krieg offenbar nicht zerstört. Versicherungsbroker Dylan Mortimer nennt das das Gespenst der Bedrohung. Ob Minen liegen oder nicht, spielt keine Rolle. Ob Menschen glauben, dass sie liegen, spielt jede Rolle. Und Iran weiß das besser als jeder andere.

Ob überhaupt eine einzige Mine liegt, ist unklar. Iran hat bisher nur von der Möglichkeit gesprochen. Die amerikanische Marine hat zwei Minensuchboote der Avenger-Klasse aus Japan in Richtung Naher Osten entsandt, die sich am Freitag noch im Pazifik befanden. Zwei weitere Kampfschiffe mit Minensuchkapazitäten sind bereits in der Region. Taucher, kleine Teams, ferngesteuerte Unterwasserfahrzeuge mit Sonar. Eine Infrastruktur, die funktioniert, aber langsam ist. Steven Wills, ehemaliger Leutnant Commander und Experte am Center for Maritime Strategy, beschreibt Minenjagd als das Herausziehen einzelner Unkräuter aus einem Garten – damit man sicher von einer Seite zur anderen kommt. Minesweeping sei eher das Rasenmähen. Beides braucht Zeit. Und sechs Monate sind eine lange Zeit in einem Krieg, der bereits die Weltwirtschaft erschüttert.

Trump hat keine Strategie im Irankrieg. Wenn man selbst nicht weiß, was man tut, weiß es der Feind auch nicht. Das klingt nach einem Vorteil. Es ist vor allem idiotisch. Hegseth setzt diesen vollkommen unrealistischen Plan um und scheint dabei zu hoffen, Iran schaue freudig und beseelt zu. Was er nicht sagt, ist, wie sechs Monate Minenjagd in einer Meerenge, die Iran psychologisch bereits kontrolliert, das Vertrauen der Reedereien zurückbringen soll. Shipping-Unternehmen werden irgendwann bereit sein, Risiken einzugehen, sagen Experten, besonders weil die Passage so lukrativ ist. Aber Versicherer verlangen bereits, dass Schiffseigner iranische Behörden kontaktieren, bevor sie die Meerenge passieren. Iran sitzt am Hebel, auch ohne eine einzige Mine.

Und dann sind da die Märkte. Wir recherchieren seit Wochen und kommen aber in diesen Fällen voran. Jemand setzte elf Minuten vor einer Trump-Ankündigung auf fallende Ölaktien, Trump macht die Ankündigung, und die Position wird geschlossen. Ein Vorgang, der sich so abgespielt hat, nicht nur moralisch problematisch ist, sondern strafrechtlich relevant wäre. Trump klebt in den späten Nachtstunden förmlich am Telefon, ruft Geldgeber und Verbündete an, spricht, erzählt, gibt weiter. Marktbewegende Informationen, die einen kleinen Kreis von Eingeweihten erreichen, bevor irgendjemand sonst davon erfährt. Jackpot. Mehr braucht es nicht, um den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust zu bestimmen, wenn man weiß, was in elf Minuten passiert. Das Weiße Haus hat auf Anfragen dazu nicht geantwortet. Was für sich allein schon eine Art Antwort ist. Vor Gericht werden sie es machen müssen.

Siehe auch unseren Artikel: „200 Millionen täglich – nur an den Zapfsäulen – wir gehen auffälligen Marktbewegungen nach.“

Trumps zweite Amtszeit ist kein Ausnahmezustand, der sich irgendwann auflöst. Sie ist ein Dauerzustand, in dem kein Präsident regiert, sondern einer, um den herum andere regieren, während er die Ankündigungen macht und die Aufmerksamkeit bindet. Die Bühne gehört ihm. Der Inhalt gehört anderen. Und wer nah genug dran ist, füllt das Gefäß mit dem, was er selbst braucht – Marktvorteile, Militärreformen, politische Agenden – und sorgt gleichzeitig dafür, dass das Gefäß aufrecht stehen bleibt. Weil es ohne ihn nicht funktioniert. Und weil niemand mehr da ist, der bremst.

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