Koordination, die keine sein soll – Trump, Israel, goldene Turnschuhe und Pearl Harbor

VonRainer Hofmann

März 19, 2026

Donald Trump greift zu einem historischen Vergleich, der selbst in Washington irritiert. Auf die Frage, warum Verbündete nicht vor dem Angriff auf Iran informiert wurden, verweist er auf den japanischen Angriff von 1941 auf Pearl Harbor und sagt sinngemäß, niemand kenne Überraschungen besser als Japan. Sanae Takaichi bleibt ruhig neben ihm sitzen. Die Szene zeigt, wie weit sich die Kommunikation der USA von der eigenen Bündnistradition entfernt hat.

Gleichzeitig widersprechen israelische Regierungsvertreter zentralen Aussagen des Präsidenten. Der Angriff auf das Gasfeld South Pars sei sehr wohl im Vorfeld mit Washington abgestimmt gewesen. Drei informierte Beamte bestätigen, dass die USA vorab unterrichtet wurden. Trump hatte zuvor erklärt, man habe nichts gewusst. Die Diskrepanz ist nicht klein, sie betrifft den Kern der militärischen Abstimmung in einem laufenden Krieg.

Auch Trumps eigene Aussagen bleiben widersprüchlich. Einerseits erklärt er, er habe Benjamin Netanjahu gesagt, er solle den Angriff nicht durchführen. Kurz darauf spricht er von guter Abstimmung und betont, man sei unabhängig, aber koordiniert. Parallel droht er, das gesamte Gasfeld zu zerstören, falls Iran erneut Anlagen in Katar angreift. Stunden nach dem Angriff auf South Pars werden tatsächlich Energieanlagen in Katar getroffen. Die Eskalation folgt unmittelbar. Wie glaubwürdig dieser Präsident ist, ebenfalls.

Währenddessen wächst der Druck auf die Verbündeten. Trump fordert von Japan Unterstützung, etwa durch Minenräumboote in der Straße von Hormus, lobt gleichzeitig die Zusammenarbeit mit Tokio und kritisiert Europa scharf, weil es sich militärisch zurückhält. Noch vor wenigen Tagen hatte er erklärt, die USA bräuchten dort keine Hilfe. Jetzt wird sie eingefordert. Europa reagiert mit Warnungen. Emmanuel Macron spricht von einer gefährlichen Entwicklung und fordert ein Ende der Angriffe auf Energieinfrastruktur.

Im Hintergrund laufen weitere Entscheidungen. Trump kündigt an, den Militärhaushalt massiv zu erhöhen und begründet das mit Waffenlieferungen an die Ukraine unter Joe Biden. Die von ihm genannten Summen stimmen nicht mit den tatsächlich beschlossenen Beträgen überein. Gleichzeitig sagt er, er werde keine Bodentruppen einsetzen – und fügt hinzu, dass er es nicht sagen würde, wenn er es doch täte.

Während Raketen fallen, verliert Washington den Bezug zur Realität

In Riad schlagen Raketen ein, während Hakan Fidan mit Abbas Araghchi telefoniert und ihn auffordert, wenigstens während laufender Gespräche keine Angriffe zu fliegen. Der Satz steht für die Absurdität dieser Lage: Diplomatie findet statt, während der Krieg parallel weiterläuft. Kurz zuvor hatte Saudi-Arabiens Hauptstadt mehrere Explosionen erlebt, abgefangene Geschosse zerreißen den Himmel, Splitter verletzen Menschen am Boden. Es ist keine abstrakte Eskalation mehr, sie passiert sichtbar, hörbar, mitten in Städten.

In Brüssel warnt António Guterres gleichzeitig vor den globalen Folgen. Die Blockade der Straße von Hormus treffe nicht nur die Kriegsparteien, sondern Länder weltweit, die mit diesem Konflikt nichts zu tun haben. Er fordert ein Ende der Angriffe durch Israel und die USA, ebenso wie ein Öffnen der Route durch Iran. Es ist der Versuch, wenigstens einen Rest internationaler Ordnung zu halten, während Energiepreise steigen und ganze Volkswirtschaften unter Druck geraten.

Was in seinem Kopf vorgeht, ist eine Frage, die man stellen kann – aber man sollte sich auf die Stille gefasst machen, die als Antwort kommt.

Und dann ist da Donald Trump. Während all das geschieht, veröffentlicht er ein Bild goldener Turnschuhe im Wert von 180.000 Dollar. Kein Wort zu den Einschlägen, kein Satz zu den Verletzten. Dieser Moment zeigt mehr als jede Pressekonferenz, wie weit sich politische Führung von der Realität entfernen kann. Man muss sich nicht mehr fragen, ob die Lage außer Kontrolle gerät. Man sieht, dass sie es längst ist – und dass sie von oben nicht mehr eingefangen wird.

Krieg auf Kredit – Milliarden, Waffen und ein Markt, der zu kippen beginnt

In Washington wird der Krieg längst in Zahlen übersetzt. John Thune sagt offen, dass die Kosten steigen und ersetzt werden müssen, auch wenn eine konkrete Forderung des Pentagon über 200 Milliarden Dollar noch nicht vorliegt. Gleichzeitig umgeht das Außenministerium den Kongress und genehmigt im Eilverfahren Waffenverkäufe im Wert von rund 16 Milliarden Dollar an die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Jordanien. Marco Rubio spricht von einem Notfall, der sofortiges Handeln erfordert. Ein ähnlicher Schritt war zuvor bereits zugunsten Israels erfolgt.

Die Folgen reichen tief in den Alltag hinein. Hypothekenzinsen steigen zum dritten Mal in Folge, weil Öl- und Gaspreise den Druck erhöhen. Haushalte spüren das direkt, auch wenn die Nachfrage nach Immobilien vorerst stabil bleibt. Gleichzeitig sitzen rund 20.000 Seeleute im Persischen Golf fest, ohne sichere Passage. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation fordert dringend einen Korridor, um sie aus der Gefahrenzone zu bringen.

Auch militärisch verschärft sich die Lage weiter. In Nordisrael gerät eine Raffinerie bei Haifa nach einem Raketeneinschlag in Brand, Stromausfälle werden gemeldet. Iran kündigt an, bei weiteren Angriffen keinerlei Zurückhaltung mehr zu zeigen. Parallel arbeiten britische Militärplaner bereits in den USA an Optionen, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Keir Starmer macht klar, wie schwierig das ist. Der Krieg hat längst eine Dimension erreicht, in der jede Entscheidung neue Risiken schafft – finanziell, militärisch und für Menschen, die mitten in diesem Konflikt festsitzen.

Die Lage verdichtet sich. Angriffe auf Energie, widersprüchliche Aussagen aus Washington, wachsende Spannungen zwischen Verbündeten. Der Krieg wird nicht nur mit Waffen geführt, sondern auch mit Botschaften, die sich gegenseitig aufheben. Genau darin liegt die eigentliche Gefahr.

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Ela Gatto
2 Stunden zuvor

Trump verdient sich auch damit eine golden Nase.

Das war also mit dem Goldenen Zeitalter für die USA gemeint.
Mehr Gold in Mar-A-Largo
Ein Goldener Ballsaal
Mehr Gold im Weißen Haus
Und Trumps golden Nase

Das Briten in den USA und mit den USA an Optionen für .die Öffnung der Strasse von Hormus arbeitet, ist heikel.
Schneller als man gucken kann, nutzt Trump das für sich.
Ich hoffe, dass Starmer das im Kopf hat. Trump ist kein Verbündeter mehr. Er ist eine Bedrohung, was er gerade Mehr wie deutlich zeigt.

Japan braucht seine Kriegsschiffe selber um nicht blank vor China und Nordkorea da zu stehen.
Vor allem, nachdem Trump sehr viele USTruppen ais der Region abgezogen hat.
Und wie immer bei Pressekonferenzen, hat Trump seinen Gegenüber vollkommen überfahren und einen wirren Vergleich gebracht (analog zu falschen Zahlen oder falschen Bildern).

MAGA feiert ihn weiter.
Die hohen Benzinpreise sind Bidens Schuld, weil er der Pipeline Keystone XL einen Riegel vorgeschoben hat.
Die sind zu dumm um zu begreifen, dass der idiotische Krieg dafür verantwortlich ist.

Das aber die Demokraten nicht endlich mal geeint aufstehen und das täglich deutlich kritisieren kann ich nicht verstehen.

Das ist kein Katastrophenfilm bei dem man nur zu schaut.
Das ist die Realität und die verlangt nach Rückgrat, Stärke und Euren investigativen Journalismus.❤️

Ich weiß nicht, ob dieser Krieg wirklich aufgehalten werden kann.
Zu viele narzistische Soziopathen, zu viele alte Feindschaften, zu viele wirtschaftliche Diskrepanzen.
Trump, das Mullah-Regime und Israel. Keiner wird nachgeben.

Wie Putin mit der Ukraine.
Immer nur due Maximalforderungen.

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