Drohnen über Washington – der Krieg gegen Iran kommt näher als gedacht

VonRainer Hofmann

März 19, 2026

Über Fort Lesley J. McNair, dem Washingtoner Militärstützpunkt, auf dem Marco Rubio und Pete Hegseth wohnen, wurden in den vergangenen zehn Tagen mehrfach unbekannte Drohnen gesichtet. Woher sie kamen, ist bis heute nicht geklärt. Was folgte, war ein Treffen im Weißen Haus, um die Lage zu bewerten, und eine Diskussion darüber, ob die beiden Minister den Stützpunkt verlassen sollten. Bislang sind sie geblieben.

Fort McNair ist kein gewöhnlicher Stützpunkt. Er liegt günstig zwischen Capitol Hill und dem Weißen Haus, beherbergt die National Defense University und ranghohe Militärs – aber er hat nicht die gleichen Sicherheitspuffer wie andere Anlagen in der Region. Dass Rubio und Hegseth dort wohnen, war seit Oktober öffentlich bekannt. Dass dort jetzt Drohnen auftauchen, während die USA und Israel Iran angreifen, ist keine abstrakte Bedrohung mehr. Der Kontext macht die Sache ernst. Die USA haben diese Woche eine weltweite Sicherheitswarnung für alle diplomatischen Auslandsposten ausgegeben. Joint Base McGuire-Dix-Lakehurst in New Jersey und MacDill Air Force Base in Florida – Heimat des US Central Command, das die Militäroperationen gegen Iran koordiniert – wurden auf Alarmstufe Charlie hochgesetzt. Das ist die zweithöchste Stufe, sie bedeutet: ein Angriff ist möglich. Die höchste Stufe, Delta, gilt, wenn ein Angriff bereits stattgefunden hat oder unmittelbar bevorsteht. MacDill wurde diese Woche gleich zweimal gesperrt – einmal wegen eines verdächtigen Pakets, das das FBI nun untersucht, einmal wegen eines nicht näher bezeichneten Sicherheitsvorfalls, der den Stützpunkt stundenlang lahmlegte.

Marco Rubio, Pete Hegseth

Der iranische Hintergrund ist nicht neu, aber er hat sich zugespitzt. Seit dem amerikanischen Drohnenangriff, der 2020 den iranischen General Qasem Soleimani tötete, verfolgt Iran die Frage der Vergeltung mit einer Ausdauer, die die amerikanischen Geheimdienste seither beschäftigt. Während des Wahlkampfs 2024 stieß der Sicherheitsdienst rund um Donald Trump mehrfach auf unidentifizierte Drohnen – bei einer Pressekonferenz in Los Angeles, bei einer Fahrt durch Pennsylvania. Im September 2024 wurde Trump informiert, dass Iran ihn töten wolle und mehrere Teams im Land habe. Eine direkte Verbindung zu den damaligen Anschlagsversuchen wurde nie bewiesen, ausgeschlossen wurde sie auch nicht.

Mike Pompeo und John Bolton, die Iran für den Soleimani-Angriff mitverantwortlich macht, standen jahrelang unter staatlichem Schutz. Trump strich ihren Personenschutz 2025. Dass jetzt Rubio und Hegseth auf einem Stützpunkt wohnen, über dem Drohnen kreisen, deren Herkunft unbekannt ist, während zeitgleich amerikanische und israelische Streitkräfte Iran angreifen, fügt sich in ein Bild, das sich seit Jahren zusammensetzt. Der Krieg findet nicht nur dort statt, wo Bomben fallen. Er reicht bis in die Wohnquartiere der Menschen, die ihn führen.

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