52 Prozent glauben, dass Trump den Krieg wegen Epstein begann

VonRainer Hofmann

März 12, 2026

Eine Mehrheit der amerikanischen Wahlberechtigten glaubt, dass Donald Trump den Krieg gegen Iran zumindest teilweise geführt hat, um vom Jeffrey-Epstein-Skandal abzulenken. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Instituts Data for Progress, Washington, D.C., die zwischen dem 6. und 8. März 2026 durchgeführt wurde. Befragt wurden 1.272 wahrscheinliche Wählerinnen und Wähler über ein nationales Webpanel. 52 Prozent stimmten der Aussage zu, Trump habe den Krieg zumindest teilweise als Ablenkung vom Epstein-Skandal gestartet. 40 Prozent verneinten das. 8 Prozent waren unsicher.

Was diese Zahl bedeutsam macht, ist nicht allein ihre Höhe. Es ist der Umstand, dass keine einzige große amerikanische Medienorganisation diese Frage bisher gestellt hatte. Wer sie intern auch nur vorgeschlagen hätte, wäre im besten Fall nicht mehr zu den Redaktionsgesprächen eingeladen worden. Unter Demokraten liegt die Zustimmung bei 81 Prozent. Bei Republikanern immerhin bei 25 Prozent – ein Viertel der eigenen Wählerschaft glaubt also, ihr Präsident habe einen Krieg begonnen, um ein Justizthema aus den Schlagzeilen zu verdrängen. Bei den unter 45-Jährigen insgesamt sind es 66 Prozent.

Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass eine knappe Mehrheit der Wähler in den USA glaubt, Donald Trump habe militärische Schritte gegen Iran zumindest teilweise unternommen, um vom Jeffrey-Epstein-Skandal abzulenken.

Der Codename der Operation lautete offiziell „Operation Epic Fury“. In der Öffentlichkeit hat sich längst ein anderer Name durchgesetzt: „Operation Epstein Fury.“ Die Anti-Defamation League und die Washington Post haben diese Umbenennung diese Woche als antisemitisch bezeichnet. Die Post schrieb, die Verbreitung des Begriffs gehe auf ein pro-iranisches Propagandanetzwerk zurück. Den Begriff „Epstein class“ verwendeten allerdings zuerst amerikanische demokratische Politiker. Die Post hat kurz zuvor ihr gesamtes Nahost-Team entlassen.

Die Umfrage fragte auch nach dem Einfluss Israels auf Trumps Entscheidungen. 47 Prozent sagten, Trump handele eher im Sinne des amerikanischen Volkes. 46 Prozent sagten, er handele eher im Sinne Israels. Unter Unabhängigen – also jener Gruppe, die Trump die Wahl gewonnen hat – sagten 50 Prozent, er priorisiere israelische Interessen. Unter Demokraten waren es 75 Prozent. Gefragt, ob der Krieg primär amerikanischen oder primär israelischen Interessen diene, antworteten 50 Prozent mit amerikanischen, 41 Prozent mit israelischen. Kein US-Präsident ist bisher mit 41 Prozent der Bevölkerung in einen Krieg gezogen, die überzeugt war, er führe ihn für ein anderes Land.

55 Prozent der Befragten lehnen den Krieg ab. 39 Prozent tun das stark. Nur 42 Prozent sind dafür. 49 Prozent sagen, der Krieg werde ihr Leben schwerer machen. 10 Prozent erwarten eine Verbesserung. Ein Drittel erwartet keine Auswirkung. Für Demokraten im Kongress hat die Umfrage eine klare Botschaft: Wer den Krieg unterstützt, wird in den Vorwahlen 2026 mit 79 Prozent weniger Unterstützung rechnen müssen. Die Zahl beschreibt keinen Stimmenanteil, sondern einen modellierten Einbruch der Unterstützung in der demokratischen Wählerschaft. In der Umfrage wurden Wähler gefragt, wie sie auf Kandidaten reagieren würden, die den Krieg unterstützen oder ablehnen. Das Ergebnis zeigt: Ein pro-kriegs positionierter demokratischer Kandidat würde in Vorwahlen voraussichtlich rund 79 Prozent seiner bisherigen Unterstützung verlieren. Dieser Wert gilt ähnlich für Präsidentschaftskandidaten 2028. Unter Republikanern ist es umgekehrt – ein Pro-Kriegs-Kandidat gewinnt dort netto 39 Prozentpunkte. In der allgemeinen Wahl jedoch bedeutet eine Pro-Kriegs-Haltung minus 19 Punkte.

Gleichzeitig zeigt die Umfrage eine Spannung, die sich nicht leicht auflösen lässt. 83 Prozent der Befragten sagen, es sei ihnen wichtig, dass Iran keine Raketen besitzt, die Israel erreichen können. Nur 13 Prozent finden, Länder hätten grundsätzlich das Recht, sich mit solchen Waffen zu verteidigen. Iran besitzt diese Raketen bereits. Zuletzt wurde gefragt, wie viel die Befragten über den Angriff auf eine Mädchengrundschule im Süden Irans gehört hatten, bei dem mehr als 180 Menschen ums Leben kamen, überwiegend Kinder. 32 Prozent hatten davon nichts gehört. 23 Prozent wenig. Von denen, die davon wussten, gaben 70 Prozent an, sie glaubten, Israel, die USA oder beide gemeinsam seien verantwortlich. 25 Prozent glaubten, Iran selbst habe die Schule getroffen – eine Version, die Trump und andere Kriegsbefürworter ohne Belege verbreitet hatten. Unter Republikanern glauben das 45 Prozent. Die anderen 45 Prozent der Republikaner machen die USA verantwortlich.

Die Umfrage ist keine Anklageschrift. Sie ist ein Abbild. Und dieses Abbild zeigt eine Bevölkerung, die dem Krieg misstraut, seiner Begründung misstraut und zunehmend auch dem Mann misstraut, der ihn begonnen hat.

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