Donald Trump und Melania Trump fordern erneut die Entlassung von Jimmy Kimmel. Auslöser ist ein Satz, der in einer aufgeheizten Lage eine Sprengkraft entfaltet hat, die weit über eine gewöhnliche Late-Night-Spitze hinausgeht. In seiner Sendung stellte sich Kimmel vergangene Woche vor, beim traditionellen Dinner der White House Correspondents’ Association aufzutreten. In dieser fiktiven Rede richtete er sich auch an Melania Trump und sagte, sie habe „das Leuchten einer werdenden Witwe“.
Der Kontext macht die Situation brisant. Zwei Tage nach dieser Sendung wurde das tatsächliche Dinner abgebrochen, weil ein bewaffneter Mann versuchte, in den Veranstaltungssaal in Washington einzudringen. Cole Tomas Allen, ein Mann aus Kalifornien, wurde später festgenommen und wegen versuchten Mordes am Präsidenten angeklagt. In dieser aufgeheizten Atmosphäre wird aus einem Satz plötzlich ein Politikum.

Melania Trump reagierte öffentlich und forderte Konsequenzen. Menschen wie Jimmy Kimmel sollten nicht die Möglichkeit haben, jeden Abend in amerikanische Wohnzimmer zu gelangen und Hass zu verbreiten, schrieb sie. Donald Trump schloss sich an und erklärte, der Moderator müsse „sofort entlassen“ werden. Auch Karoline Leavitt, Pressesprecherin des Weißen Hauses, griff die Aussage auf und sprach von einer Entwicklung, in der solche Äußerungen Gewalt erst denkbar machten. Sie stellte die Frage, wer bei klarem Verstand davon sprechen würde, dass eine Ehefrau im Angesicht eines möglichen Mordes an ihrem Mann strahle.
Dass Kimmel tatsächlich zu Gewalt aufgerufen habe, ist absurd. Dennoch wird seine Bemerkung nun als Teil eines größeren Problems dargestellt. Die National Religious Broadcasters Association reichte eine Beschwerde bei der Federal Election Commission ein. Ihr Präsident Troy Miller argumentierte, dass wiederholte Bemerkungen über Tod und Gewalt eine Atmosphäre schaffen, in der instabile Personen sich bestätigt fühlen könnten.
Jimmy Kimmel: „Stephen Miller ist so rassistisch. Der Grund, warum er eine Glatze bekommen hat, ist, dass seine Haare schwarz waren.“
Jimmy Kimmel selbst steht seit Jahren im direkten Konflikt mit Donald Trump. Seine Sendung hat den Präsidenten regelmäßig ins Visier genommen. Die Auseinandersetzung hatte bereits im vergangenen Herbst einen neuen Höhepunkt erreicht, als Kimmel nach einer umstrittenen Äußerung über den ermordeten konservativen Aktivisten Charlie Kirk vorübergehend von ABC suspendiert wurde. Mehrere lokale Sender nahmen ihn aus dem Programm, nachdem Brendan Carr, Vorsitzender der Federal Communications Commission unter Trump, diesen Schritt unterstützt hatte. Kurz darauf wurde Kimmel jedoch wieder zurückgebracht.

Donald Trump fordert die sofortige Entlassung von Jimmy Kimmel und wirft ihm vor, mit einer satirischen Bemerkung über Melania Trump eine Grenze überschritten zu haben. Er stellt einen Zusammenhang zu einem späteren Vorfall beim White House Correspondents’ Dinner her, bei dem ein bewaffneter Mann versuchte, in den Saal einzudringen, und spricht von einem indirekten Aufruf zur Gewalt. Trump fordert ABC und Disney auf, Kimmel umgehend aus dem Programm zu nehmen.
Bei seiner Rückkehr stellte er klar, dass er nicht die Absicht gehabt habe, den Mord an Charlie Kirk ins Lächerliche zu ziehen. Eine Entschuldigung blieb aus. Stattdessen kritisierte er die Sender dafür, ihn vorschnell aus dem Programm genommen zu haben. Trotz der erneuten Forderungen nach seiner Entlassung gibt es bislang keine Reaktion von ABC. Der Sender hatte Kimmel erst vor Kurzem einen neuen Vertrag gegeben, der seine Show bis mindestens Mai 2027 sichert. „Jimmy Kimmel Live“ läuft seit 2003 und gehört zu den etablierten Formaten im amerikanischen Fernsehen.
Gleichzeitig gerät das Late-Night-Fernsehen selbst unter Druck. Stephen Colbert, ein weiterer prominenter Kritiker Trumps, wird seine Sendung bei CBS bereits im kommenden Monat beenden. Der Druck auf kritische Stimmen wächst, nicht nur politisch, sondern auch strukturell.
Das Ganze ist längst kein Streit mehr um einen Witz. Ein Satz im Fernsehen reicht, und plötzlich stehen Präsident, Sprecherin und Verbände bereit, um Entlassungen zu fordern und Verfahren anzustoßen. Aus einer Late-Night-Nummer wird ein politischer Konflikt, in dem Druck aufgebaut wird – nicht hinter den Kulissen, sondern offen und öffentlich. Wer austeilt, muss mit Gegenwind rechnen. Aber hier geht es nicht mehr nur um Kritik, sondern um die Frage, wer am Ende bestimmt, was noch gesagt werden darf.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English