„Die USA werden den Preis zahlen“ – Ali Larijani erklärt Trump zur Zielscheibe

VonRainer Hofmann

März 8, 2026

Teheran – Iran werde sich weder ergeben noch seine Angriffe einstellen. Diese Botschaft sendete Ali Larijani, Generalsekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates, im Staatsfernsehen, während der Krieg in seine zweite Woche ging. Die Vereinigten Staaten müssten „den Preis zahlen“ für die Tötung von Ayatollah Ali Khamenei, sagte er. „Die Amerikaner müssen wissen, dass wir sie nicht davonkommen lassen. Unser Volk steht hinter uns, unsere Führung ist geeint, es gibt keine Spaltung im Kampf gegen Israel und Amerika.“ Ali Larijani gilt als engster Vertrauter des getöteten Religionsführers und faktisch als oberste Autorität in Fragen der nationalen Sicherheit und Außenpolitik. Nach der Verfassung übernahm zunächst ein dreiköpfiger Rat aus Präsident Masoud Pezeshkian, dem Justizchef und einem Geistlichen die Führung des Landes. Doch in Teheran wird Larijani als derjenige gesehen, der die Geschäfte tatsächlich lenkt. Ayatollah Khamenei hatte ihn bereits Anfang des Jahres in einer Phase landesweiter Proteste mit erweiterten Befugnissen ausgestattet. Die Regierung schlug die Aufstände mit tödlicher Gewalt nieder; nach Angaben von Menschenrechtsgruppen wurden mindestens 7.000 Menschen getötet.

Ali Larijani ist kein moderater Vermittler und kein zufälliger Krisenmanager. Er ist seit Jahrzehnten Teil des Machtzentrums in Teheran. Als Leiter des staatlichen Rundfunks stand er für ein System strikter Medienkontrolle. Kritische Stimmen wurden ausgesiebt, Oppositionelle diffamiert, öffentliche Debatten gleichgeschaltet. Später rückte er in die sicherheitspolitische Spitze auf und wurde enger Vertrauter von Ayatollah Ali Khamenei. Unter dem Sicherheitsapparat, dem er politisch verbunden ist, wurden landesweite Proteste mit tödlicher Gewalt beendet. Menschenrechtsgruppen sprechen von Tausenden Toten. Dieses Vorgehen war kein Ausrutscher, sondern Ausdruck eines Systems, das er mitgetragen hat.

Larijani verkörpert die Herrschaftsstruktur von Revolutionsgarden, Politik und Wirtschaft. Er steht für die harte Linie gegen innere Gegner und für außenpolitische Konfrontation. Wer ihn heute als entschlossenen Verteidiger des Landes darstellt, blendet aus, dass er einer der langjährigen Pfeiler genau jener Machtstruktur ist, die Kritik unterdrückt und Gewalt als Mittel einsetzt. Eine Opferrolle steht ihm nicht zu. Er ist Teil des Apparats, nicht dessen Leidtragender.

Lange wurde der Blick über die Situation im Iran abgewandt, als wäre das Schweigen eine Form der Höflichkeit. Wir hatten häufig recherchiert, immer wieder, hatten Strukturen aufgezeigt, Zusammenhänge benannt — doch die Texte fanden keinen Ort, der sie aufnehmen wollte. Besonders die Person Ali Larijani und seine Rolle war immer wieder Ziel unserer Recherchen.

Siehe auch: „Wer ist da?“ – Wenn KI antwortet, wo einst Familie war

Digitale Repression mit Drohnen und Gesichtserkennung

Larijani versuchte sichtbar, Geschlossenheit zu demonstrieren. Zuvor hatte Präsident Pezeshkian in einer Videobotschaft arabische Golfstaaten für iranische Vergeltungsangriffe um Entschuldigung gebeten und angekündigt, diese einzustellen. Wenige Stunden später nahm er seine Worte zurück, nachdem Hardliner ihn scharf angegriffen hatten. Donald Trump deutete die Episode als Zeichen iranischer Schwäche und schrieb, Teheran habe sich seinen Nachbarn „ergeben“. Ein Kriegsende, so Trump weiter, gebe es nur bei „bedingungsloser Kapitulation“. Larijani widersprach direkt. Wenn amerikanische Militärbasen in der Region Iran angreifen, werde man antworten. Das sei Recht und Politik des Landes. Man wolle keine Destabilisierung, sagte er, aber das Wesen dieses Krieges destabilisiere die gesamte Region. Während seiner Ansprache erschütterten Explosionen Teheran und Karaj, Feuerbälle waren über der Hauptstadt zu sehen. Das iranische Ölministerium meldete Angriffe auf mehrere Öldepots in beiden Städten; das israelische Militär bestätigte die Schläge.

„Das irakische Parlament bricht in Sprechchöre aus: ‚Tod den USA‘ und Unterstützung für die Islamische Republik Iran.“

(Uns stehen schwierige Zeiten bevor, während Teheran unter anhaltenden Angriffen steht. Entscheidend ist jetzt der Schutz der Zivilbevölkerung – und eine realistische Vorbereitung auf mögliche Fluchtbewegungen aus mehreren betroffenen Ländern und Regionen – Anmerkung der Redaktion)

Die Revolutionsgarden kündigten eine neue Angriffswelle gegen Israel an und erklärten, eine Raffinerie in Haifa sei Ziel gewesen – als Reaktion auf Angriffe auf Irans Ölindustrie. Zuvor hatte Iran Drohnen auf ein Hotel in der Marina von Dubai, den Flughafen, ein Gebäude von Warner Brothers sowie einen Hafen in Bahrain abgefeuert. Teheran behauptet, das amerikanische Militär nutze diese Orte als logistische Drehscheiben. Larijani warf Washington vor, Iran spalten und innere Unruhen schüren zu wollen. Dieser Versuch sei gescheitert. An Trump gerichtet sagte er, der Präsident solle akzeptieren, dass er einen Fehler gemacht habe und von Israel in diesen Krieg gedrängt worden sei. In Teheran ist die Linie damit klar: keine Kapitulation, keine Pause, keine Distanzierung von den Vergeltungsangriffen – und die persönliche Verantwortung wird in Washington gesehen.

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Ela Gatto
Ela Gatto
2 Tage zuvor

Der Iran unter den Mullahs ist eine furchtbare Diktatur.
Ein Land, dass nach Gutdünken seine Bürger tötet.
Ein Land das jegliche Kritik nieder schlägt.
Ein Land das Frauenrechte faktisch eleminiert.

Der Westen hat sehr lange weg gesehen.
Sanktionen, ja.
Deutliche Kritik, eher nicht.

Aber dennoch.
Ein Angriff, ohne direkte „Provokation“, ohne UN-Mandat, ohne Legitimation des amerikanischen Kongresses ….
Das sind mir persönlich zu viele Völkerrechtsbrüche.
Auch wenn es einige Juristen anders sehen.

Aber spinnen wir das mal weiter:
Afghanistan, bis auf das es keine Atomwaffen hat, ist genau so eine furchtbare religiöse Diktatur.
Aber es gibt keine Ressourcen … daher für Trump uninteressant.

Kuba, Kuba steht auf Trumps Agenda. Nicht wegen Ressourcen, aber wegen der günstigen Lage.

Venezuela hat Ressourcen, also interessant für Trump.

Nordkorea eine Diktatur mit Atomwaffen.
Aber Trump bewundert Kim ja.

Grönland ist nicht aus dem Blickfeld von Trump.
Europa tut gut daran das nicht aus den Augen zu verlieren.

Die UN ist in meinen Augen „tot“
Diskussionen. Mahnungen, Warnungen.
Unausgegorene und uneinige Resolutionen, die nicht das Papier wert sind, auf dem sue stehen.

Der Internationale Strafgerichtshof, einst eine wirklich wichtige Institution.
Viele Länder erkennen ihn nicht an.
Gegen Richter, Staatsanwälte werden Sanktionen verhängt, wenn einem Land etwas nicht passt.
Wie soll der Gerichtshof da unabhängig handlungsfähig sein.

Larijani droht den USA,Israel und sogar Trump direkt.
Wenn Trump etwas gar nicht ab kann, ist es Kritik oder gar Drohungen.
Mal sehen, welche Rache sich Trumpelstilzchen einfallen lässt.

Wer weiß, wie lange die Staaten im Nahost noch „still halten“.
Sie sind aufgrund von US Militärbasen ein Ziel.
Wie lange werden sie die Sicherheit ihrer Bevölkerung riskieren?

Was Trump und Netanyahu ausgelöst haben, ist gar nicht vorhersehbar.

Es werden noch viele Menschen sterben 😞

Zuletzt bearbeitet am 2 Tage zuvor von Ela Gatto
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