Angriff bei Tageslicht – Israel, die USA und der offene Schlag gegen Teheran

VonRainer Hofmann

Februar 28, 2026

Über Teheran steigt am Samstag eine dunkle Rauchwolke auf. Mehrere Explosionen erschüttern die Innenstadt, nahe jener Zone, in der sich das Büro von Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei liegt. Zwei Anwohner berichten von schweren Detonationen, Fensterscheiben hätten gebebt, in Vanak sei von „Explosionen und Krieg“ die Rede gewesen. Kurz darauf bestätigen amerikanische und israelische Regierungsvertreter: Die Vereinigten Staaten und Israel haben Iran angegriffen. Verteidigungsminister Israel Katz spricht von einem Schlag und verhängt den Ausnahmezustand. Schulen, Arbeitsstätten und öffentliche Versammlungen in Israel werden sofort geschlossen, der Luftraum komplett gesperrt. Flugzeuge im Anflug werden umgeleitet. Auch Iran schließt seinen Luftraum. In Teheran steigt Rauch aus einem Bezirk auf, in dem neben dem Präsidentenpalast auch der Nationale Sicherheitsrat angesiedelt ist.

Die Angriffe erfolgen nach einem massiven militärischen Aufmarsch der USA in der Region. Zwei Flugzeugträger, mehrere Zerstörer der Marine und mehr als fünfzig Kampfjets wurden verlegt. Es ist die größte amerikanische Truppenpräsenz dort seit Jahrzehnten. Der Aufbau diente ausdrücklich auch dazu, amerikanische Basen, Einrichtungen und diplomatische Standorte gegen einen möglichen Gegenschlag zu schützen. US-Vertreter erklärten im Vorfeld, man rechne mit schneller iranischer Vergeltung, wahrscheinlich auch mit Raketenangriffen auf amerikanische Stützpunkte und Botschaften. Zudem wird erwartet, dass Teherans regionales Netzwerk paramilitärischer Kräfte amerikanische Interessen in der Region angreift.

Bereits im Juni des Vorjahres hatten die USA iranische Nuklearanlagen bombardiert. Präsident Donald Trump erklärte damals, das Programm sei „ausgelöscht“, später zeigte sich, dass es lediglich geschwächt worden war. Die jetzigen Angriffe markieren damit die zweite US-Aktion gegen Iran in weniger als einem Jahr. Sie fallen außerdem in eine Phase, in der Washington erst vor rund zwei Monaten eine militärische Operation in Venezuela gestartet hatte, um Nicolás Maduro festzusetzen.

Noch am Donnerstag hatten amerikanische und iranische Vertreter in der Schweiz indirekt verhandelt. Ein Durchbruch blieb aus. Trump forderte Einschränkungen des Atomprogramms, Grenzen für das Raketenarsenal und ein Ende der Unterstützung für Gruppen wie Hamas und Hisbollah. Teheran beharrte auf seinem Recht zur Urananreicherung. Iran wollte nach außen einen Krieg vermeiden, lehnte aber ab, über weitere Felder wie das Langstreckenraketenprogramm oder die Unterstützung verbündeter Milizen zu verhandeln. Inzwischen werden Explosionen auch aus anderen iranischen Städten gemeldet. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars berichtet von Detonationen in Qom, Kermanshah, Isfahan und Karaj. Damit weitet sich das Bild über die Hauptstadt hinaus aus. Die Region steht unter maximaler Spannung. Aus Drohungen ist offene Gewalt geworden.

Während in Teheran Explosionen gemeldet werden, versetzt sich Israel in höchste Alarmbereitschaft. Mehrere Krankenhäuser bereiten sich darauf vor, Patienten in geschützte Bereiche oder unterirdische Schutzräume zu verlegen. Das Gesundheitsministerium ordnet an, alle nicht akut behandlungsbedürftigen Patienten zu entlassen, um Kapazitäten freizumachen. Die Regierung rechnet offen mit iranischen Vergeltungsschlägen.

Präsident Donald Trump bestätigt derweil, dass das US-Militär „große Kampfeinsätze“ im Iran begonnen hat. Er veröffentlicht dazu ein achtminütiges Video auf Truth Social. Damit ist die amerikanische Beteiligung offiziell. Nach Angaben eines US-Vertreters richtet sich der Schwerpunkt der amerikanischen Angriffe zunächst gegen Irans militärischen Apparat. Neben den Nuklearanlagen gilt das Raketenarsenal als zentraler Faktor: Iran soll über mehr als 2.000 Raketen verfügen, vor allem Kurz- und Mittelstreckenraketen, verteilt über zahlreiche Abschussstellungen im ganzen Land.

Die aktuellen Angriffe erfolgen nur Stunden, nachdem Israel nach eigenen Angaben Abschussrampen und unterirdische Anlagen der Hisbollah im Süden angegriffen hatte. In den vergangenen Wochen hatte Israel seine Operationen gegen die vom Iran unterstützte Miliz deutlich intensiviert. Ein Luftschlag im Bekaa-Tal tötete acht Mitglieder, darunter einen Kommandeur. Die Fronten sind damit nicht auf ein Land begrenzt. Iranische Medien berichten parallel von massiven technischen Ausfällen. Mehrere Nachrichtenagenturen, darunter das staatliche Medium IRNA, waren zeitweise nicht erreichbar. Offiziell heißt es, man sei Ziel eines Hackerangriffs geworden.

Sicherheitsexperten warnen seit Tagen, dass ein Angriff auf Iran die Vereinigten Staaten in einen länger andauernden Konflikt ziehen könnte. Teheran verfügt über eines der größten und vielfältigsten Raketenarsenale im Nahen Osten. Mittelstreckenraketen mit Reichweiten von über 1.200 Meilen können amerikanische Stützpunkte bis in die westliche Türkei erreichen sowie Ziele in Israel und den Golfstaaten. Gerade die Golfstaaten, in denen sich mehrere US-Basen befinden, blicken mit Sorge auf mögliche Gegenangriffe. Auch israelische Städte gelten als potenzielle Ziele. Was als gezielter Schlag gegen militärische Infrastruktur dargestellt wird, trägt das Risiko einer regionalen Eskalation in sich. Die militärische Dynamik ist offen, die politische ebenso.

Trump wandte sich zugleich direkt an die Iraner und forderte sie auf, „die Kontrolle über ihre Regierung zu übernehmen“.

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Sonja Gang
Sonja Gang
2 Stunden zuvor

Was sagen denn seine Wähler dazu?
Trump wurde von denen doch auch gewählt weil er keinen Krieg anfängt und Kriege beenden wollte.

„Schöner“ Friedenspräsident.
Auch deutsche Rechte lobten Trump ständig wegen seiner friedvollen Regierungsarbeit.

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