Fast 80.000 Menschen schalteten sich am Montagabend in eine Videokonferenz, um zu lernen, wie man ICE beobachtet. Gemeint ist das Dokumentieren von Einsätzen in der Öffentlichkeit – gewaltfrei und verfassungsrechtlich geschützt. In den Kommentaren tauchten Bundesstaaten auf wie Arkansas, Texas, Michigan, Florida. Andere schrieben, warum sie dabei sind: ICE raus aus ihren Vierteln, Abschaffung der Behörde. „Dass wir alle hier sind, gibt mir Hoffnung, dass wir da gemeinsam durchkommen“, schrieb eine Teilnehmerin. Innerhalb eines Tages sahen weitere 200.000 Menschen die Aufzeichnung auf YouTube. Der Andrang kam zwei Tage nach der Erschießung von Alex Pretti in Minneapolis und weniger als drei Wochen nach dem Tod von Renee Good durch einen Bundesbeamten. „Zwei meiner Nachbarn wurden getötet, aber weil gewöhnliche Menschen ICE dokumentieren, können wir zeigen, was mit Renee und Alex wirklich passiert ist“, sagte eine Bewohnerin von Minneapolis namens Marjorie. „Und wir können festhalten, was in unserer Gemeinschaft geschieht, damit Menschen nicht einfach verschwinden.“
In den Twin Cities, in Phoenix, in Südkalifornien laufen die Razzien weiter. Organisatoren berichten, dass die Tötungen Tausende dazu bewegt haben, sich lokalen Beobachtergruppen anzuschließen. Viele Augen vor Ort verändern die Lage. Eine starke Präsenz kann Einsätze beeinflussen. Der Vorsitzende des Stadtrats von Minneapolis, Elliott Payne, sagte diese Woche: „Weil so viele Patrouillen unterwegs waren, wurden mehrere Entführungen verhindert.“ Auch langjährige Beobachter vom Nordwesten bis in den Südosten sagen, sie seien entschlossener denn je. Trotz wachsender Gewalt bei Einsätzen, trotz Drohungen, trotz der Einordnung ihrer Arbeit als „inländischer Terrorismus“ durch Regierungsvertreter nach den Todesfällen. Videoaufnahmen und Zeugenaussagen widersprachen der Darstellung aus dem Weißen Haus, Prettis Tod sei Selbstverteidigung gewesen. Für die Organisatoren ist genau das der Beweis, warum Beobachtung nötig ist.
„Ich habe Angst, ganz klar“, ein Satz, den man leider sehr oft hört.
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