Jeff Bezos hat vierzig Millionen Dollar ausgegeben, um zu beweisen, dass man selbst mit unbegrenztem Kapital keine Aufmerksamkeit kaufen kann. Melania Trump kassierte zusätzlich achtundzwanzig Millionen und lieferte dafür eine Dokumentation ab, die so spannend ist wie eine Versicherungspolice. Amazon dachte vermutlich, das sei ein „BIG Deal“. Jetzt sitzen sie da mit einem Film, den sich nicht mal Leute anschauen würden, wenn man sie dafür bezahlte. Die Kinos haben den Film ins Programm genommen, weil Amazon Geld auf den Tisch gelegt hat. Jetzt stehen sie da mit leeren Sälen und wissen nicht, ob sie lachen oder weinen sollen. In Minneapolis, Portland, Jacksonville: null verkaufte Tickets. Boston: ein Ticket. In Regal City North: vier Vorstellungen, null Zuschauer. Samstag Abend, neunzehn Uhr fünfzehn, AMC Americana, die heiligste Stunde des amerikanischen Kinos – hundertfünfzig leere Sitze starren auf eine Leinwand, vor der niemand sitzt. Das ist keine Pleite. Eine Pleite setzt voraus, dass sich überhaupt jemand für das Projekt interessiert hat. Das amerikanische Publikum hat sich diese Dokumentation angeschaut – nicht den Film selbst, sondern die Idee davon – und beschlossen, dass es lieber zu Hause bleibt. Einfach aus Langeweile.

In Boston gab es tatsächlich einen Ticketkäufer, die Fahndung läuft. Einen einzigen. Das Kino hatte drei Vorstellungen geplant und musste diesem armen MAGA-Aktivisten sein Geld zurückgeben, weil man für eine Person den Saal nicht aufmacht. Daraus wurde dann die Geschichte mit den fünfzig Dollar. Als müsste man Leute bestechen, damit sie reingehen. Der Witz funktioniert so gut, weil er der Wahrheit erschreckend nahe kommt. Amazon hat nicht einfach viel Geld für einen schlechten Film ausgegeben. Das passiert ständig. Amazon hat viel Geld für einen Film ausgegeben, der so irrelevant ist, dass selbst die üblichen Empörungsmaschinen nicht anspringen. Konservative Blogs haben versucht, ihn als Propaganda zu framen, progressive Medien als Normalisierung. Beide haben nach zwei Tagen aufgegeben, weil sich niemand dafür interessiert hat. Ein Film, der links und rechts vereint – durch gemeinsames Desinteresse.
Die Kinobetreiber rechnen mittlerweile durch, wie viel jede Vorstellung kostet. Strom, Personal, Heizung. Ein Manager hat zugegeben, dass ihre Drei-Uhr-Horrorfilme besser laufen. Stellen Sie sich das vor: Leute gehen lieber mitten in der Nacht in irgendeinen Trashfilm als tagsüber zu einer hochbudgetierten Dokumentation über die First Lady. Die Kritiker haben den Film größtenteils ignoriert. Nicht boykottiert, nicht zerrissen – ignoriert. Variety schrieb einen Halbsatz. Rolling Stone stellte eine Frage. Der Rest hat geschwiegen. Das ist brutaler als jede Verriss. Eine schlechte Kritik kann man noch als Missverständnis verkaufen. Schweigen ist endgültig. Jetzt stellt sich die Frage, was Amazon damit macht. Sie könnten ihn nach einer Woche aus den Kinos nehmen und auf Prime streamen, wo er zwischen Krimiserien und Kochshows verschwindet. Oder sie machen eine Oscarkampagne. Ganzseitige Anzeigen in Branchenmagazinen, Screener-DVDs an die Academy, das volle Programm. Die Academy würde trotzdem nicht reinschauen, aber wenigstens hätte man versucht, aus der Blamage noch etwas rauszuholen.
Das eigentlich Groteske ist nicht, dass der Film floppt. Filme floppen ständig. Das Groteske ist, dass er für vierzig Millionen Dollar produziert wurde und trotzdem weniger Aufmerksamkeit bekommt als ein Youtube-Video von einem Hamster. Melania hat achtundzwanzig Millionen kassiert. Bezos hat vierzig bezahlt. Die Kinos verlieren Geld. Und das Publikum ist einfach nicht da. Vierzig Millionen Dollar. Hunderte leere Sitze im ganzen Land. Ein Film, der existiert, aber niemanden erreicht. Das ist nicht einfach nur ein Flop. Das ist ein Denkmal der Irrelevanz. Bezos hat das teuerste Nichts der Welt gekauft, und jetzt muss er zusehen, wie es vor leeren Rängen läuft.
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Richtig so!
👍
Bezo wird’s verschmerzen können. Möglicherweise war es ja von Anfang an von ihm eine Gefälligkeit gegenüber einer Freundin 😉
Oder Bestechung um bei Trump gut dazustehen 🙈
…das gehört ja zum guten ton im oval office
..da hast du recht
„If they showed this movie on a plane, people would still walk out.“ – Variety
tip top
Melania kann es egal sein.
Sie hat für 0 Leistung 28 Millionen kassiert.
So leicht hat sie wohl noch nie Geld verdient.
Melania dürfte aber langsam dämmern, dass sie mit Abstand unbeliebteste und langweiligste First Lady in der US Geschichte ist.
Wenn sie solch narzisstisches Ego hat, wie Trump, dann wird das „Folgen haben.
Vielleicht gehört der Film bald zum Einstellungsdrill bei ICE 🙈🤣
Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen.
Danke für den herrlichen Bericht. Ich musste lachen
Hoffentlich floppt er weiter, der Film.
So eine Selbstbeweihräucherung braucht Keiner.
… es wird auf jeden fall der film mit dem geringsten popcornumsatz aller zeiten sein, beautiful, big movie