Der stille Aufstand von Minnesota

Am 23. Januar stand Minneapolis nicht still, weil nichts geschah, sondern weil sehr viel geschah. Tausende Menschen füllten die Straßen der Innenstadt, zogen Richtung Target Center, während im ganzen Bundesstaat Läden, Restaurants, Museen, Schulen und soziale Einrichtungen ihre Türen schlossen. Gewerkschaften und Glaubensgemeinschaften hatten zum landesweiten Stillstand gegen die Abschiebeoperationen der Bundesbehörden aufgerufen, inzwischen in der achten Woche. Viele folgten. Andere blieben bewusst zu Hause. Der Alltag wurde unterbrochen, um sichtbar zu machen, was sonst verdrängt wird. In viele Städte der USA, Los Angeles, New York City, Portland, Atlanta oder Phoenix fanden eben Anti-ICE-Proteste statt.

Die Demonstrationen verliefen bislang ruhig. Keine Eskalation, keine Gewalt, keine Bilder, die Schlagzeilen erzwingen. Genau das macht diese Proteste so bemerkenswert. Sie sind getragen, diszipliniert, entschlossen. Und sie treffen auf eine Medienlandschaft, die auffällig leise bleibt. Zu viel steht auf dem Spiel. Zu groß ist die Angst vor Repressionen, vor Zugriff, vor Konsequenzen. Amerika im Jahr 2026 ist ein Land, in dem Protest nicht mehr selbstverständlich begleitet wird, sondern vorsichtig beobachtet. Minnesota hat in den letzten Wochen erlebt, wie schnell staatliche Macht zuschlägt. Razzien, Festnahmen, Kinder in Handschellen, eine tote Mutter. Das alles liegt nicht hinter diesen Protesten, es steht mitten in ihnen. Was sich hier formiert, ist kein spontaner Ausbruch, sondern eine Reaktion auf eine Politik, die Kontrolle über Recht stellt. Minneapolis und Saint Paul bilden dabei faktisch einen gemeinsamen Raum, wirtschaftlich, sozial, politisch. Was hier geschieht, bleibt nicht lokal.

Der heutige Tag war kein Höhepunkt. Er war ein Anfang. Friedlich, entschlossen, und mit der leisen Erkenntnis, dass Schweigen keine Sicherheit mehr bietet. Wer jetzt noch glaubt, es gehe um Einzelfälle, sieht absichtlich weg. Minnesota hat das Signal gesendet. Andere Städte hören zu.
Cincinnati steht auf
Cincinnati hat an diesem Abend auf Minneapolis geantwortet. Vor dem Rathaus versammelten sich Hunderte Menschen zur Kundgebung „ICE Out for GOOD“ und zogen anschließend durch die Innenstadt. Es ging nicht um lokale Politik, sondern um Solidarität über Stadt- und Staatsgrenzen hinweg. Minneapolis hat etwas ausgelöst, das sich nicht mehr einhegen lässt. Der tödliche Schuss, die Razzien, die Festnahmen von Kindern, all das bleibt nicht dort, wo es passiert. Minnesota hat den Funken gelegt, andere Städte greifen ihn auf. In Cincinnati wurde sichtbar, dass sich Widerstand nicht mehr isolieren lässt. Menschen standen in der Kälte, weil Wegsehen keine Option mehr ist. Die Parolen waren klar, aber ruhig, getragen von Entschlossenheit statt Lärm. Was hier entsteht, ist kein einmaliger Protest. Es ist ein landesweites Antworten. Und es hört nicht in Ohio auf.
Minneapolis steht still – Generalstreik gegen ICE legt Städte lahm
Tausende Menschen legen in Minneapolis und St. Paul weite Teile des öffentlichen Lebens lahm, um ein Ende der massiven Einsätze der Bundes-Einwanderungsbehörden zu erzwingen. Straßen werden blockiert, Betriebe schließen geschlossen ihre Türen, Beschäftigte und Studierende bleiben zu Hause, trotz Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Es ist die bislang größte und am besten koordinierte Protestaktion seit dem Beginn der bundesstaatlichen Operationen vor mehr als sechs Wochen. Ziel ist es, politischen Druck aufzubauen, damit tausende Bundesbeamte aus den Wohnvierteln abgezogen werden. Viele lokale Geschäfte nehmen einen ganzen Umsatztag in Kauf, um sichtbar Solidarität zu zeigen. Der Protest folgt auf Wochen angespannter Auseinandersetzungen zwischen Bevölkerung und Bundeskräften in den Twin Cities. Seit Beginn der Operation kam es zu tausenden Festnahmen, mehreren Schusswaffeneinsätzen und chaotischen Szenen im öffentlichen Raum. Besonders der tödliche Schuss eines ICE-Beamten auf die US-Bürgerin Renee Good hat den Widerstand massiv ausgeweitet. Klagen gegen das Vorgehen der Bundesbehörden laufen, ebenso Forderungen nach klaren Grenzen für deren Einsatz. Am Flughafen Minneapolis–St. Paul beteiligen sich Menschen aus dem ganzen Land an den Aktionen. Geistliche knien auf dem Asphalt, beten, singen und lassen sich festnehmen. Der Protest soll zeigen, dass der Widerstand nicht punktuell, sondern gesellschaftlich breit getragen ist. In vielen Vierteln bleiben Rollläden unten, Schaufenster tragen handgeschriebene Zettel mit klarer Botschaft: kein Alltag, solange diese Einsätze weitergehen. Wir werden die nächsten Stunden weiter darüber berichten.


„Es ist gigantisch was in Minneapolis sich abspielt“
Massive Menschenmenge in Minneapolis bei einem landesweiten „ICE OUT“-Generalstreik.
Festnahmen am Flughafen Minneapolis–St. Paul
Am größten Flughafen Minnesotas werden Anti-ICE-Demonstrierende festgenommen, nachdem sie nach Angaben der Behörden die Auflagen ihrer Genehmigung überschritten haben. Die Festnahmen erfolgen im Zuge einer landesweiten Mobilisierung gegen die Einwanderungspolitik der Trump-Regierung, die trotz extremer Kälte läuft. Gewerkschaften, progressive Gruppen und religiöse Organisationen rufen dazu auf, Arbeit, Schule und Einkäufe auszusetzen, um gegen den verstärkten Einsatz von Bundesbehörden in Minneapolis und St. Paul zu protestieren. Nach Angaben der Organisatoren werden rund 100 Geistliche festgenommen, die am Flughafen gegen die Beteiligung von Delta Airlines an Abschiebungen protestieren.
Massive Menschenmenge in Minneapolis bei einem landesweiten „ICE OUT“-Generalstreik.
Tausende Demonstrierende strömen in Richtung Innenstadt von Minneapolis, um an einem Marsch und einer Kundgebung gegen die Bundesbehörden teilzunehmen. Dabei schwenken sie Schilder mit der Aufschrift „ICE OUT!“.
Anti-ICE-Protestierende versammelten sich am Mittag an der Fort-Snelling-Metrostation nahe dem Whipple Federal Building in Minneapolis. Als sie auf der Minnehaha Avenue in Richtung Autobahn zogen, erklärten staatliche Einsatzkräfte die Versammlung für unzulässig. Die Gruppe löste sich anschließend ohne Zwischenfälle auf.


Vor dem Flughafen Minneapolis–Saint Paul, wo Demonstrierende – darunter auch religiöse Gruppen – die Zufahrtsstraße blockieren unter dem Motto „keine Arbeit (außer für Notdienste), keine Schule und kein Einkaufen“
Es sind minus 14 Grad, und tausende Demonstrierende stehen draußen am Flughafen Minneapolis–St. Paul, um gegen ICE und Trump zu protestieren
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Stand with Minnesota ❤️❤️❤️
Shame on Delta Airlines
ICE out of the streets!
Danke Dir — ja Delta werden wir uns noch widmen …
Das war damals, als ich noch Reisen konnte, unsere Fluggesellschaft.
Ich bin total entsetzt..
… ja, die zeiten sind nicht mehr vergleichbar
Ich hoffe, dass es so großartig und friedlich bleibt!
Der Live Bericht ist eine ganz tolle Idee.
Danke dafür!
gerne, mal schauen, wie weit wir das noch ausbauen können…ja wir auch