Ein fünfjähriger Junge kommt aus dem Kindergarten nach Hause, der Motor des Autos läuft noch, die Einfahrt ist erreicht. Was folgt, ist kein Missverständnis, keine Verwechslung, sondern ein Zugriff. Bundesbeamte nehmen den Jungen und seinen Vater mit. Sie bringen das Kind dazu, an der eigenen Haustür zu klopfen, um zu prüfen, ob noch jemand im Haus ist. Die Schulverwaltung nennt es beim Namen: Ein Kind wird benutzt, um andere hervorzulocken. Der Junge heißt Liam. Er lebt mit seiner Familie in einem Vorort von Minneapolis, besucht den Kindergarten, hat eine Lehrerin, die ihn als freundlich und liebevoll beschreibt. Seine Familie hat ein laufendes Asylverfahren. Es gibt keinen Abschiebebescheid, keine gerichtliche Anordnung zur Ausreise. Trotzdem werden Vater und Sohn getrennt von ihrem Alltag in eine Haftanstalt in Texas gebracht, in eine Familienzelle, weit entfernt von Schule, Freunden, gewohnter Umgebung.

Die Schulleiterin des Bezirks sagt auf einer Pressekonferenz, was viele denken und kaum jemand beantworten kann: Warum ein Fünfjähriger. Niemand könne ernsthaft behaupten, dieses Kind sei eine Gefahr. Ein weiterer Erwachsener war am Haus, als der Zugriff erfolgte, doch die Beamten lehnten es ab, das Kind dort zu lassen. Stattdessen nahmen sie es mit. Das Heimatschutzministerium bestreitet, ein Kind gezielt ins Visier genommen zu haben. Man habe den Vater festnehmen wollen, der ohne gültigen Status im Land sei. Er sei geflohen und habe sein Kind zurückgelassen. Zum Schutz des Kindes sei ein Beamter bei ihm geblieben, während andere den Vater festnahmen. Eltern, so heißt es, hätten die Wahl: gemeinsam abgeschoben zu werden oder das Kind bei einer Person ihres Vertrauens unterzubringen. Ob diese Wahl in diesem Moment real bestand, bleibt offen.

Der Anwalt der Familie spricht von Grausamkeit. Die Familie habe in jedem Schritt ihres Verfahrens getan, was verlangt wurde. Es gebe keinen Verstoß, keine Verweigerung, keinen Untertauchen. Nur einen Zugriff, der Fakten schafft. Minnesota ist in den vergangenen Wochen zu einem Schwerpunkt groß angelegter Razzien geworden. Ein Bundesbeamter, der die Einsätze öffentlich verteidigt, spricht von Tausenden Festnahmen und erklärt auf Nachfrage, wie viele Menschen man festnehmen wolle: alle. Gleichzeitig sagen Beratungsstellen, sie hätten keine Möglichkeit zu überprüfen, ob die Zahlen stimmen oder wie die Festgenommenen tatsächlich einzuordnen sind.

Liam ist nicht der Einzige. In seinem Schulbezirk sind innerhalb weniger Wochen vier Schüler von Einwanderungsbehörden festgenommen worden. Ein 17-Jähriger auf dem Weg zur Schule. Ein Zehnjähriger. Noch ein Jugendlicher. Der Bezirk umfasst fünf Schulen mit rund 3.400 Kindern, die Mehrheit aus Familien mit Einwanderungsgeschichte. Die Folgen sind sichtbar. Die Anwesenheit sinkt, an manchen Tagen fehlt ein Drittel der Schüler. Eltern halten ihre Kinder zu Hause, aus Angst, aus Vorsicht, aus Ohnmacht.
Im Klassenzimmer bleibt ein Platz leer. Die Lehrerin sagt, die Mitschüler vermissen Liam. Sie will nur, dass er sicher ist und zurückkommt. Es ist ein schlichter Wunsch, ohne politische Aufladung, ohne juristische Feinheiten. Der Fall zeigt, wie weit sich Praxis und Recht auseinander bewegen können. Ein laufendes Asylverfahren schützt nicht vor dem Zugriff. Schule schützt nicht. Kindheit schützt nicht. Was bleibt, ist ein Bild, das sich einprägt: ein Kind an der Haustür, aufgefordert zu klopfen, nicht um nach Hause zu kommen, sondern um andere herauszuholen.
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Diese Niedertracht ist ist ekelhaft
…. da fehlen selbst uns schon fast die worte
Wie weit wollen diese Ungeheuer denn noch gehen?
gute Frage, nächste Frage … grenzen kennen die keine mehr
Leider sind die MAGA so abgestumpft, so verroht, dass sie Festnahme von Liam feiern.😟
Kein Wort über das legal Asylverfahren, kein Wort darüber, dass keine kriminelle Vorgeschichte vorhanden ist (des Vaters).
„Wehret den Anfängen, keine Kinder von Kriminellen im Land lassen. Die werden auch kriminell“.
Diese Aussagen machen nicht halt vor solch kleinen Kindern, nicht mal, wenn sie US-Staatsbürger sind.
Diese SS-Sippe ist unerträglich!
Und keiner stoppt sie.
Im Gegenteil.
Im Repräsentantenhaus wurde das Gesetz zur Aufstockung des ICE Budget angenommen.
Mit 7 Stimmen von Demokraten. 🤬🤬🤬
Spinnen die jetzt auch?
Die Namen sollten größtmöglich publik gemacht werden, damit die Wähler denen den Marsch blasen können.
Bemerkenswert: Thomas Messie hat als einziger Republikaner dagegen gestimmt.