Man muss sich das einmal wirklich vor Augen führen. Eine AfD-Landtagsabgeordnete sagt ihre eigene Veranstaltung ab – und tritt stattdessen gemeinsam mit Martin Sellner auf, einem der bekanntesten Gesichter der Identitären Bewegung. Öffentlich angekündigt, offen beworben, mit direkter Einladung an Unterstützer. Lena Kotré bedankt sich für die Einladung, nimmt sie an und verweist Interessierte direkt an Sellner. Thema des Abends: Remigration. Wer da noch von Einzelfällen spricht, will schlicht nicht mehr hinschauen.

Und dann stellt sich eine einfache, unbequeme Frage: Sind manche wirklich so tief gesunken, dass sie eine Partei wählen, die mit offen rassistischen Netzwerken zusammenarbeitet – nur weil Butter teurer geworden ist oder das eigene Leben gerade nicht rundläuft? Oder weil man lieber nach unten tritt, statt sich einmal ehrlich zu fragen, warum es im eigenen Alltag hakt? Gerade im Osten von Deutschland ist das brandgefährlich. Der Brandenburger Verfassungsschutz stuft die AfD als gesichert rechtsextremistisch ein. Wenn eine solche Partei Regierungsmacht bekommt oder ernsthaft mitredet, dann sind amerikanische Zustände eine reale Möglichkeit. Und was das bedeutet, darin sind wir Spezialisten. Dieses Treffen erzählt viel über das Jahr 2026. Es zeigt, wie schnell aus Rassismus Gewöhnung wird – und aus Gewöhnung Zustimmung. Wer das weiter verharmlost, täuscht sich nicht, sondern entscheidet sich bewusst fürs Wegsehen und Täter zu sein.Es gehört zur Geschichte der Menschheit, dass es Jahre gibt, die schwerer sind als andere. Zeiten, in denen vieles nicht aufgeht, in denen Verunsicherung wächst und Antworten fehlen. Das war immer so und wird auch so bleiben.

Doch wer aus Frust über falsche Worte oder steigende Preise Ethik und Menschlichkeit über Bord wirft, sollte sich fragen, wofür Generationen vor uns gekämpft haben – und was wir denen hinterlassen wollen, die nach uns kommen. Eine Gesellschaft, die aus Angst nach unten tritt? Oder eine, die sich erinnert, dass Würde nicht verhandelbar ist. Nazis jedenfalls waren nie das Vermächtnis, für das es sich zu kämpfen lohnte.
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