Die WELT und die Politico Journalistin Pauline von Pezold zeichnen in diesen Tagen ein Bild, das nach großer geopolitischer Bewegung klingt: Markus Frohnmaier reist in die USA, begleitet von AfD-Abgeordneten, angeblich zu Terminen im Außenministerium, Gesprächen mit republikanischen Kongressmitgliedern und einer Gala, auf der er als Ehrengast auftreten soll. Diese Darstellung suggeriert einen Schulterschluss mit dem Trump-Lager – einen Moment, in dem die AfD sich international „auf Augenhöhe“ bewegt. Doch sobald man prüft, oder die Szenen in Amerika kennt, was davon Substanz hat, fällt ein Großteil der Inszenierung in sich zusammen. Was bleibt, ist ein Ereignis, das größer erscheint, weil niemand der beteiligten Akteure ein Interesse daran hat, seine tatsächliche Bedeutung zu offenbaren.

Wir empfehlen ihnen auch unseren Artikel: „Die erfundene Nähe – Wie die AfD mit einem „Trump-Berater“ wirbt, den es so gar nicht gibt“ – unter dem Link: https://kaizen-blog.org/die-erfundene-naehe-wie-die-afd-mit-einem-trump-berater-wirbt-den-es-so-gar-nicht-gibt/
Politico und die WELT behaupten, Frohnmaiers Reise falle in eine Phase enger werdender Beziehungen zwischen der AfD und Trumps Umfeld. Das klingt nach einer strategischen Begegnung mit echter außenpolitischer Relevanz. Die Realität ist weit unspektakulärer: Die AfD reist nicht ins Machtzentrum der Republikaner, sondern bewegt sich an dessen äußerstem Rand – bei Leuten, die außerhalb von New York kaum jemand kennt. Der Zeitpunkt der Reise mag sich politisch gut verkaufen lassen, weil wenige Tage zuvor die neue Nationale Sicherheitsstrategie des Weißen Hauses veröffentlicht wurde, doch das allein erzeugt keine Nähe. Die Strategie enthält scharfe Worte über Europa und die angebliche „zivilisatorische Auslöschung“ durch Migration, aber daraus einen direkten Schulterschluss mit der AfD abzuleiten, ist eine journalistische Überdehnung. Die AfD greift dankbar zu, weil die Rhetorik des Papiers ihren eigenen Sprachmustern entspricht. Doch das gemeinsame Vokabular ersetzt keine politische Partnerschaft.
Weidel und Chrupalla erzeugen seit Monaten das Bild einer wachsenden Nähe zu den USA, doch sie warten bis heute auf eine Einladung von Trump, Vizepräsident J.D. Vance oder Außenminister Marco Rubio. Der Artikel der WELT verschweigt diese Leerstelle. Stattdessen wird Frohnmaiers Reise als bedeutendes Signal inszeniert – ein Ersatz für jene Einladung, die trotz aller Bemühungen nie kommt. Aus kleinen Treffen werden große Gesten, aus Randkontakten angebliche Verbindungen ins Machtzentrum. Das Muster ist bekannt: Wenn die Realität dünn ist, hilft die Selbsterzählung.
Den angeblichen Höhepunkt bildet die Behauptung, Frohnmaier erhalte in New York den „Allen-W.-Dulles-Preis“, woraufhin die AfD jubelnd von internationaler Anerkennung spricht. Die WELT zitiert die Einladung ausführlich und übernimmt damit ungeprüft die Inszenierung des Veranstalters. Die Aufklärung ist einfach:
Diesen Preis gibt es so nicht
Einen staatlichen oder offiziellen Preis mit dem Namen „Allen W. Dulles Award“ gibt es nicht.
Die Auszeichnung steht in keinerlei Verbindung zu staatlichen Ehrungen der USA oder zu Auszeichnungen des US-Sicherheitsapparats, die traditionell ausschließlich an US-Amerikaner vergeben werden. Der in der Einladung genannte „Preis“ stammt von einem kleinen privaten Verein, der sich des Namens Allen W. Dulles bedient, um Seriosität zu suggerieren. Er besitzt zwar eine eigene, politisch geprägte fragwürdige Tradition, jedoch keine institutionelle Bedeutung, sondern fungiert als PR-Instrument, das darauf abzielt, Personen wie Frohnmaier symbolisch aufzuwerten.
Damit sind wir bei dem Punkt, den WELT und Politico vollständig verschleiern:
Wer richtet diese Gala eigentlich aus?
Die Welt schreibt „Young Republicans“ – und der normale Leser denkt an die offizielle Jugendorganisation der Republikanischen Partei. Genau das ist falsch. Die Gala stammt ausschließlich vom
New York Young Republican Club (NYYRC).
Und der NYYRC ist kein offizieller Ableger der Republikanischen Partei, keine Jugendorganisation, kein politischer Arm, sondern ein
privater, rechtsgerichteter Club ohne Parteimandat, dessen Verbindung zum republikanischen Spektrum ausschließlich ideologischer Natur ist,
der mit großen Namen hantiert, ohne selbst eine Rolle im politischen Prozess zu spielen. Er besitzt keinerlei Einfluss in Washington. Er ist eine Bühne für Leute, die größer aussehen wollen, als sie sind.
Die Behauptung, es handle sich um eine „Vereinigung“ junger US-Republikaner mit direkter politischer Reichweite, hält einer Überprüfung nicht stand. Der New York Young Republican Club ist keine Vereinigung im organisatorischen oder institutionellen Sinn, sondern ein privater, eigenständiger Club ohne Parteimandat, ohne formale Einbindung in die Republikanische Partei und ohne politische Entscheidungsfunktion. Die Verwendung des Begriffs „Vereinigung“ suggeriert eine Struktur, Repräsentativität und Verbindlichkeit, die hier schlicht nicht existieren. Mitgliedschaft in diesem Club bedeutet weder Zugehörigkeit zu einer übergeordneten Organisation noch Zugang zu Machtzentren der US-Politik. Aus einem lokalen Verein wird so künstlich politische Bedeutung konstruiert, die faktisch nicht belegt ist.

Der New York Young Republican Club hat sich in den vergangenen Jahren weit von einer klassischen Jugendorganisation entfernt und unter seinem damaligen Präsidenten Gavin Wax (2021–2023) in eine ideologisch radikalisierte rassistische Plattform verwandelt. Der Club ehrte Viktor Orbán, ist pro-Putin und lobte Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro, relativierte den Sturm auf das Kapitol, verbreitete verschwörungsgeladene Narrative und pflegte offen Sympathien für Autoritarismus – von Moskau bis Budapest. Zu Gast waren immer wieder Akteure aus dem extrem rechten Spektrum, darunter Gruppierungen, die in den USA als radikal eingestuft werden. Dass ein solcher Club nun als Bühne für AfD-Politiker dient, sagt weit mehr über die politische Ausrichtung der Gastgeber aus als über irgendeine vermeintliche internationale Bedeutung der AfD.
Und ja: Auch die Gala gehört einzig diesem Club.
Sie ist kein offizielles Event der Republikaner, sondern ein internes Fundraising-Fest eines Vereins, der seine Bedeutung durch Ticketpreise aufhübscht, die bis zu 30.000 Dollar reichen. Das heißt: Der Betrag existiert – aber er ist Ausdruck der Selbstdarstellung des Clubs, nicht seiner politischen Relevanz.

Der WELT-Artikel formuliert, als würde Frohnmaier hier von amerikanischen Republikanern ausgezeichnet. Die Wirklichkeit: Ein Privatclub verleiht einen selbst erfundenen Preis an einen AfD-Abgeordneten, um sich selbst international zu inszenieren. Die AfD nutzt diese Bühne wiederum, um im eigenen Milieu so zu tun, als sei sie Teil einer globalen konservativen Achse. Die WELT und Politico verstärken diese Erzählung, indem sie die entscheidende Information – dass das Event nichts Offizielles ist – unter den Tisch fallen lassen. Auch die angeblichen Termine im US-Außenministerium sind von geringer Bedeutung. Solche Gespräche finden meist mit Mitarbeitern niedriger Ebenen statt, oft informell, oft ohne diplomatische Folgen. Niemand in Washington betrachtet die AfD als außenpolitischen Partner, und es gibt keinerlei Beleg dafür, dass die Partei irgendeine strategische Rolle in der US-Politik spielt. Dass Politico und die WELT solche Termine in den gleichen Tonfall setzen wie hochrangige bilaterale Gespräche, trägt zur künstlichen Panikmache bei, aber mit Panik verdient sich eben gutes Geld, mit der Wahrheit sieht das ganz anders aus.
An dieser Stelle wird der journalistische Fehler sichtbar: Es wird dramatisiert, was marginal ist. Es werden Andeutungen gesetzt, wo Fakten fehlen. Es wird politische Bedeutung suggeriert, wo nur ein Club mit großem Namen und kleiner Wirkung agiert. Die Leser werden in die Irre geführt, weil entscheidende Informationen fehlen: die fehlende Offizialität, die Bedeutungslosigkeit des Preises, die tatsächliche Größe des Clubs. Der Effekt ist fatal – denn genau diese Überhöhung nutzt der AfD, die ihre eigene Bedeutung seit Jahren mit Hilfe solcher Bilder aufpumpt und ihr Stimmenzuwachs bringt.
Was bleibt, ist ein Vorgang, der weniger über die internationale Vernetzung der AfD aussagt als über den Zustand eines politischen Journalismus, der zu oft die Schlagzeile sucht, statt die Substanz zu prüfen. Die AfD reist nicht ins Zentrum der Macht, sondern auf die Nebenbühne einer politischen Kleingruppe. Sie erhält keinen Preis von Bedeutung, sondern eine Erfindung, die nach Bedeutung klingt. Sie trifft keine Entscheidungsträger, sondern Leute, die selbst kaum Einfluss haben. Alles andere ist Inszenierung – und sie funktioniert nur, solange niemand sie auflöst. Aber es geht noch weiter im Kabinett der journalistischen Verdrehungen.
Einladung ins Nichts – Wie Trumps MAGA-Bewegung der AfD eine Illusion von Bedeutung schenkt
Es klingt nach großer Politik, ist aber eher eine symbolische Geste: Die republikanische Abgeordnete Anna Paulina Luna, eine loyale Stimme der MAGA-Bewegung, hat angekündigt, im Dezember in Washington eine „Konferenz patriotischer Kräfte“ auszurichten. Eingeladen seien, so schrieb sie, Politikerinnen und Politiker aus Europa, die „ihr Land an die erste Stelle setzen“. Unter den Adressaten: die deutsche AfD-Spitze. Gähn …

Was nach einem internationalen Schulterschluss klingt, ist in Wahrheit nicht mehr als eine digitale Fata Morgana.

Luna, 36, Abgeordnete aus Florida mit deutschen Wurzeln, gehört zum lautesten Flügel der Republikanischen Partei. Sie steht für Pathos, Loyalität und den Versuch, Trumps Weltbild über den Atlantik zu tragen. Doch hinter der Rhetorik steckt wenig Substanz. Hoffentlich erspart uns Alice Weidel solche Bilder, es ist bereits so schon hart genug.
Die Partei darf sich für einen Moment an der Seite der „Patrioten“ wähnen, in Wahrheit aber spielt sie nur eine Nebenrolle in einem politischen Stück, das längst anderswo geschrieben wird. Während Weidel auf X über „Meinungsfreiheit“ philosophierte und Tino Chrupalla hechelnd auf Einladungen wartete, kämpfen in den USA Millionen Menschen ums Überleben. Das Land ist wirtschaftlich geschwächt, die sozialen Systeme kollabieren, und 2026 werden viele Amerikaner das Dreifache für ihre Krankenversicherung zahlen – ein Preis für Trumps Machtspiele, der an den Ärmsten hängen bleibt. Trumps Amerika ist kein Vorbild, sondern eine Warnung. Und wer sich an diese Bewegung anlehnt, verwechselt politische Nähe mit Abhängigkeit. Die MAGA-Bewegung braucht die AfD nicht – sie nutzt sie als Symbol, um ihre internationale Reichweite zu demonstrieren. Für die AfD ist das keine Einladung, sondern eine Spiegelung ihrer eigenen Bedeutungslosigkeit.
Die Republikanerin Luna erklärte, sie sei „tief beunruhigt“, weil Deutschland angeblich „seine Bürger am Nationalstolz hindere“. Ein Satz, der klingt, als wäre er direkt aus Trumps Reden kopiert – emotional, faktisch leer, aber politisch kalkuliert. Die AfD wiederum greift solche Worte gierig auf, weil sie in ihnen eine Art amerikanische Weihe sieht. Doch in Wahrheit ist sie nur das Ableger eines Systems, das in seinem eigenen Land scheitert. Wenn also im Dezember tatsächlich ein paar AfD-Vertreter in Washington auftauchen, dann nicht als Verbündete, sondern als Statisten in einem erschöpften Theater der Macht. Ein Treffen zweier Bewegungen, die beide mehr Energie in ihre Selbstdarstellung stecken als in die Wirklichkeit, die sie vorgeben zu verteidigen. Wir schauen auf jeden Fall vorbei.
Und vielleicht liegt genau darin die bittere Wahrheit: Die AfD träumt von Einfluss, wo es längst nur noch Bühne gibt – und die Bühne gehört einem Land, das selbst kaum noch weiß, wofür es spielt. In Deutschland täte man gut daran, solchen Nachrichten einfach keine größere Bedeutung beizumessen. Jede Aufmerksamkeit dafür wirkt wie eine Einladung, weiterzumachen. Gerade bei diesen geplanten Auftritten, bei denen politische Verlorene glauben, sie könnten die Welt schlechter machen und dabei noch Applaus verdienen, hilft nur eines: Nichtbeachtung oder Froschkostüme. Das ist keine Werbung wert – und schon gar kein Thema, das man groß machen sollte.
Und das, liebe Leserinnen und Leser, ist die Wahrheit, nicht mehr und nicht weniger. Solche Artikel behindern unsere Arbeit, unsere Recherchen, den Kampf gegen Rechtspopulismus und eine Regierung, die den Namen nicht verdient hat. Solch unterirdisch schlechte Recherchen schaden denen, die gegen den Rechtspopulismus mit Recherchen kämpfen, und belohnen noch die Rechtspopulisten in ihrem Bestreben, das kranke Gedankengut mehr und mehr in die Gesellschaft zu tragen und am Ende in die letzte Kette der Politik.
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Super guter Artikel. Das Geld sollte man euch geben, nicht der Welt.
ich danke dir, ja das wärs, aber … du bin froh wenn wir etwas bekommen, weil unsere Arbeit das auch braucht und es ist immer ein harter kampf um jeden cent..