Gespräche unter Beschuss!

Diplomatie im Dunkeln. Während Unterhändler hin Abu Dhabi von Angesicht zu Angesicht zusammensaßen, startete Russland seinen bislang wohl „zynischsten“ Angriff des Jahres – 396 Drohnen und Raketen, gezielt gegen das ukrainische Stromnetz. Der von den USA vermittelte Friedensrahmen kam nicht nur ins Stocken, er wurde faktisch in die Luft gesprengt. Millionen Menschen in Kyjiw sind nun bei klirrender Kälte ohne Heizung, der „Abu-Dhabi-Traum“ hat sich in einen humanitären Albtraum verwandelt.
In Abu Dhabi ist etwas in Bewegung geraten, ohne dass jemand von Durchbruch spricht. Vertreter der Ukraine, Russlands und der Vereinigten Staaten saßen zwei Tage lang zusammen und einigten sich zumindest darauf, weiterzureden. Der ukrainische Präsident sprach von konstruktiven Gesprächen über mögliche Eckpunkte für ein Ende des Krieges und kündigte eine nächste Runde bereits für die kommende Woche an. Parallel dazu starben in der Ukraine Menschen durch russische Angriffe. In Kyjiw wurde ein Mensch getötet, mehrere verletzt, in Charkiw trafen Drohnen Wohngebiete und verwundeten Dutzende. Während in klimatisierten Räumen über Parameter verhandelt wird, schlägt der Krieg unvermindert zu.
Die Gespräche markieren dennoch eine Zäsur, weil erstmals Vertreter der aktuellen US-Regierung gleichzeitig mit Kiew und Moskau an einem Tisch saßen. Diskutiert wurden militärische und wirtschaftliche Fragen, auch die Möglichkeit einer Waffenruhe vor einem umfassenden Abkommen. Offen blieb eine der sensibelsten Fragen: die Zukunft des von Russland besetzten Atomkraftwerks Saporischschja. Stromverteilung ja, Kontrolle ungeklärt. Washington drängt auf eine zentrale Rolle bei Überwachung und Absicherung eines möglichen Friedensprozesses. Von amerikanischer Kontrolle ist offen die Rede. Zugleich bleibt klar, dass zentrale Konfliktpunkte ungelöst sind, vor allem die Frage der besetzten Gebiete. Moskau beharrt weiterhin auf einem Rückzug ukrainischer Truppen aus annektierten Regionen. Dass ausgerechnet während dieser Gespräche Raketen und Drohnen einschlugen, ist kein Zufall, sondern Teil der Realität dieses Krieges. Der ukrainische Außenminister sprach davon, dass die Angriffe nicht nur Menschen treffen, sondern auch den Verhandlungstisch. Hoffnung und Zerstörung laufen weiter nebeneinander her.
Charles Barkley über den Tod von Alex Pretti!
Charles Barkley, ehemaliger Basketballprofi der nordamerikanischen Profiliga und heute langjähriger Fernsehkommentator, hat sich zum Tod von Alex Pretti geäußert und dabei ungewöhnlich klare Worte gefunden. Er sagte, die Situation sei beängstigend und traurig und werde schlecht enden, wenn niemand Verantwortung übernehme. Es habe bereits zweimal tödlich geendet, und zwei Menschen seien ohne jeden nachvollziehbaren Grund gestorben. Barkley machte deutlich, dass es nicht um politische Lager gehe, sondern um erwachsenes Handeln in einer eskalierenden Lage. Wenn niemand eingreife, werde sich die Spirale weiterdrehen. Seine Worte richteten sich ausdrücklich an Entscheidungsträger, nicht an die Straße. Es gehe um Menschenleben, nicht um Durchsetzungskraft. Dass bekannte Stimmen wie Barkley diese Sätze öffentlich sagen, zeigt, wie tief der Schock inzwischen reicht.
Der Bürgermeister von Minneapolis widerspricht – und entlarvt Washington
„Heute haben wir wieder einen Nachbarn aus Minneapolis verloren, nachdem mehrere ICE-Agenten ihn verprügelt und tödlich erschossen haben. Wie viele Menschen müssen noch sterben oder erschossen werden, bevor das aufhört? Präsident Trump, ich fordere Sie auf, das amerikanische Volk und diese amerikanische Stadt an erste Stelle zu setzen und ICE abzuziehen“
Wer heute über Minneapolis spricht, spricht nicht mehr nur über eine Stadt. Jacob Frey spricht über ein Verhältnis, das zerbrochen ist. Über Vertrauen, das systematisch verspielt wurde. Und über eine Bundesregierung, die nicht mehr schützt, sondern angreift. Die Erzählung aus Washington, wonach es sich bei den Einsätzen der Einwanderungsbehörde um notwendige Maßnahmen zur Sicherheit handelt, hält der Realität vor Ort nicht stand. Sie ist falsch. Und sie ist gefährlich. Minneapolis kennt Krisen. Als 2007 die Interstate-35W-Brücke während des Berufsverkehrs in den Mississippi stürzte, starben dreizehn Menschen, Dutzende wurden verletzt. Die Stadt war erschüttert. Doch in diesem Moment spielte Parteipolitik keine Rolle. Ein republikanischer Präsident kam in eine demokratisch geprägte Stadt, nicht um zu spalten, sondern um zu helfen. Kritik an seiner Politik existierte, aber sie trat zurück. Es ging um Rettung, Stabilisierung, Wiederaufbau. Städte konnten sich darauf verlassen, dass der Bund im Ernstfall an ihrer Seite stand.
Dieses Prinzip galt lange. Auch später, unter demokratischen wie republikanischen Regierungen. In North Minneapolis arbeiteten Stadt, Polizei, Bundesbehörden und Staatsanwaltschaft gemeinsam daran, die Gewalt einzudämmen. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus Verantwortung. Diese Zusammenarbeit rettete Leben. Sie funktionierte, weil sie auf gegenseitigem Respekt beruhte.
Heute ist davon nichts mehr übrig.
Seit den Trump-Regierungen erleben demokratisch geführte Großstädte eine andere Realität. Spätestens 2020 wurde deutlich, wie tief der Bruch ist. Nach dem Mord an George Floyd eskalierte die Lage. Der damalige Präsident schürte Gewalt, statt sie zu dämpfen, und verweigerte zugleich dringend benötigte Katastrophenhilfe. Die Botschaft war eindeutig: Diese Stadt ist auf sich allein gestellt. Als nun erneut zwei Menschen in Minneapolis durch einen Einsatz der Einwanderungsbehörde getötet wurde, war da kein Schock mehr. Keine Fassungslosigkeit. Sondern bittere Erwartung. Die letzten Wochen hatten gezeigt, wohin der Kurs führt. Schwangere Frauen wurden auf offener Straße abgeführt. Schwer bewaffnete Beamte verhafteten Einzelpersonen in Bibliotheken und Einkaufszentren. Selbst nach dem tödlichen Schuss ging das Vorgehen weiter, bis hin zum Einsatz chemischer Reizstoffe an einer öffentlichen Schule.
Was diese Einsätze so gefährlich macht, ist nicht nur die Gewalt selbst. Es ist die nachträgliche Verdrehung der Tatsachen. Die Behauptung, es habe sich um Selbstverteidigung gehandelt. Die Einstufung des Opfers als Terrorist. Öffentliche Aussagen, wonach die Getötete sich angeblich aggressiv verhalten habe. Videoaufnahmen erzählen eine andere Geschichte. Sie zeigen eine Mutter, die den Ort verlassen wollte, keine Angreiferin. Doch anstatt Aufklärung zuzulassen, blockiert die Bundesregierung Ermittlungen auf Landesebene.
Damit geht es längst nicht mehr nur um einen einzelnen Fall. Die Regierung verlangt vom Land, zu glauben, dass eine militärisch auftretende Behörde Sicherheit bringt. Tatsächlich geht es um Ausgrenzung. Um die Stigmatisierung von Migrantinnen und Migranten – und aller, die sich solidarisch zeigen oder einfach nur anwesend sind. Die unausgesprochene Warnung ist klar: Wer hinsieht, wer hilft, wer bleibt, verliert den Schutz des Rechts. Minneapolis dient dabei als Anschauungsobjekt. Die Stadt zeigt, wie wenig Rücksicht der Bund auf urbane Räume und ihre Bewohner nimmt. In Verbindung mit der offenen Missachtung demokratischer Regeln entsteht daraus eine Bedrohung, die weit über Minnesota hinausreicht. Sie zielt auf das Fundament der Republik.
Und doch liegt gerade in den Städten auch die Antwort. Nicht in großen Worten, sondern im Alltag. In funktionierenden Vierteln. In sinkender Gewalt. In Wohnraum, der bezahlbar bleibt. In einer Stadt, die Zugewanderte, Alteingesessene und Neuankömmlinge nicht gegeneinander ausspielt, sondern gemeinsam trägt. In kleinen Betrieben, die zeigen, dass Migration keine Belastung ist, sondern Stärke. Die Städte stehen derzeit an vorderster Front eines düsteren Kapitels. Aber sie sind auch diejenigen, die den Weg hinaus weisen können. Nicht durch Belehrung, sondern durch Beispiel. Wer beweist, dass Solidarität funktioniert, entzieht der Lüge ihre Grundlage. Und genau darin liegt die eigentliche Bedrohung für jene, die auf Angst setzen.
Die Waffe, die nicht benutzt wurde
Kristi Noem behauptet, Alex Pretti sei mit einer Waffe auf ICE zugegangen. Was in dieser Darstellung fehlt, ist entscheidend. Pretti hatte eine gültige Trageerlaubnis. Er durfte diese Waffe besitzen. Das war kein Verbrechen, kein Regelbruch, kein Ausnahmezustand. Was ebenfalls unterschlagen wird: Er hat diese Waffe zu keinem Zeitpunkt gegen Beamte gezogen. Nicht bedroht, nicht erhoben, nicht benutzt. Und was konsequent ausgeblendet bleibt: In dem Moment, in dem geschossen wurde, hatte er diese Waffe nicht mehr bei sich. Stattdessen zeigen Aufnahmen einen Mann mit erhobener Hand, ein Telefon in der anderen, in einer Situation, die bereits unter Kontrolle war. Von Verteidigung kann hier keine Rede sein. Verteidigung setzt eine akute Gefahr voraus. Wer auf einen unbewaffneten Menschen schießt, reagiert nicht aus Notwehr, sondern trifft eine Entscheidung. Diese Entscheidung wurde nicht zufällig getroffen, sie wurde politisch abgesichert, rhetorisch vorbereitet und im Nachhinein gerechtfertigt. Die Behauptung von der Bedrohung dient nicht der Aufklärung, sondern der Entlastung. Sie verschiebt Verantwortung, sie vernebelt Abläufe, sie verzerrt Bilder. Was bleibt, ist ein Toter und eine Erzählung, die ohne diese Auslassungen nicht trägt. Minneapolis weiß das. Und immer mehr Menschen sehen es.
Angst fährt mit

Svetlana lebt in Shebekino und überlebte einen Angriff, den ein mehrfach vorbestrafter Mann verübte. Bei dem Täter handelt es sich um Alexei Kostrikin, einen wegen Gewaltdelikten verurteilten Straftäter, der für den Krieg rekrutiert worden war.
In den Grenzregionen Russlands hat sich ein Zustand etabliert, der den Alltag vieler Frauen bestimmt und jede Bewegung zur Abwägung macht. Seit Beginn des Krieges sind Tausende Soldaten in Orte wie Belgorod und Shebekino verlegt worden, viele mit Vorstrafen, viele mit dem Wissen, dass ihnen kaum etwas droht. Wer heute morgens die Wohnung verlässt, weiß nicht, ob er zurückkehrt, ohne verfolgt, bedroht oder angegriffen worden zu sein. Der Fall der Frau aus Shebekino, die von einem bewaffneten Soldaten gewürgt und misshandelt wurde, steht nicht für ein Einzelereignis, sondern für ein Muster. Der Täter war bekannt, bewaffnet, frei unterwegs und hätte längst überwacht werden müssen. Stattdessen konnte er wenige Stunden später erneut töten und vergewaltigen.
Die Angst endet nicht auf der Straße. Sie sitzt in Zügen, in Abteilen, in den Gängen. Frauen meiden Bahnreisen, weil Soldaten in Gruppen auftreten, trinken, bedrängen und sich auf ihre Vergangenheit an der Front berufen, als sei sie ein Freibrief. Wer widerspricht, wird beschimpft, wer Hilfe sucht, wird ignoriert. Die staatliche Botschaft ist eindeutig: Wer Uniform trägt, steht über dem Recht. Hinzu kommt ein System, das Gewalt nicht ahndet, sondern verschiebt. Strafverfahren werden eingefroren, Urteile ausgesetzt, Täter zurück an die Front geschickt. Verbrechen lösen sich nicht auf, sie werden vertagt. Zurück bleiben traumatisierte Frauen, zerstörte Leben und eine Gesellschaft, die lernt, wegzusehen. In Belgorod ist Gewalt kein Ausnahmezustand mehr. Sie ist Teil des Tagesablaufs.
Er hat gedient
Alex Pretti war Intensivpfleger im VA-Krankenhaus und kümmerte sich um Veteranen in ihren letzten Stunden. Ein Video zeigt ihn bei einer Gedenkzeremonie, wie er einem verstorbenen Veteranen den letzten Gruß erweist, ruhig, konzentriert, respektvoll. Es wurde vom Sohn dieses Veteranen veröffentlicht, nicht als politische Geste, sondern als Erinnerung an einen Menschen, der Verantwortung ernst nahm. Der Vater des Mannes hatte Prettis Worte gehört, bevor er starb, und sie weitergegeben als Auftrag: den guten Kampf fortzusetzen. Pretti war kein Aktivist, Er war jemand, der blieb, wenn andere gingen, der da war, wenn das Leben sich zurückzog. Dass gerade er nun durch staatliche Gewalt getötet wurde, lässt sich nicht voneinander trennen. Es zeigt die ganze Schieflage eines Systems, das Pflege würdigt, solange sie leise ist, und Leben zerstört, sobald jemand sichtbar wird. In diesem Video steht kein Held auf einer Bühne. Da steht ein Mensch, der seinen Dienst getan hat. Und genau das macht es unerträglich.
