24. Januar 2026 – Kurznachrichten

VonTEAM KAIZEN BLOG

Januar 24, 2026

Zuckergebäck statt Alpenküche!

„Nach ein paar Tagen mit schweizerisch-deutschem Essen hier steige ich vielleicht auf Käfer und Insekten um. Nächstes Jahr bringe ich mir lieber abgepacktes süßes Frühstücksgebäck aus den USA mit.“

Scott Bessent stand in Davos vor Kameras und machte einen Witz, der mehr verrät, als ihm lieb sein dürfte. Nach ein paar Tagen mit Schweizer Küche, sagte er, könne er auch gleich auf Insekten umsteigen, nächstes Jahr bringe er lieber abgepacktes amerikanisches Zuckergebäck aus dem Supermarkt mit. Gesagt war das als lockerer Spruch, gedacht als Seitenhieb auf Europa. Doch Davos ist kein Ferienlager, sondern ein Ort politischer Macht, und wer dort spricht, spricht nie nur privat. Bessent machte Esskultur lächerlich und reduzierte Nachhaltigkeit auf Spott. Europa erscheint als selbstkasteiende Provinz, Amerika als Land der Bequemlichkeit. Dass Ernährung, Klima und Ressourcen reale Konflikte sind, verschwindet im Scherz. Zurück bleibt ein Ton, der ernste Fragen kleinzieht und Verantwortung mit Gelächter ersetzt.

„Ich bin legal“

In Minneapolis rannten bewaffnete ICE-Beamte einem Kind hinterher, warfen es im Schnee zu Boden und legten ihm Handschellen an, während es schrie, dass es legal sei, nicht aus Trotz, nicht aus Provokation, sondern aus nackter Angst. Ein Kind, das begriffen hat, dass Worte vielleicht der letzte Schutz sind, wenn alles andere wegfällt. Die Kälte kam vom Boden, der Zugriff von oben, dazwischen ein Körper, der nichts verbrochen hatte. Es ging nicht um Gefahr, nicht um Widerstand, nicht um Schutz der Öffentlichkeit. Es geht um das Vorzeigen von Macht dort, wo sie sich nicht wehren kann. Wer ein Kind jagt, jagt keine Ordnung, sondern ein Bild, ein Zeichen, wer sich sicher fühlen darf und wer jederzeit zum Ziel werden kann. Wenn ein Kind „ich bin legal“ rufen muss, ist Recht kein Halt mehr, sondern ein Zufall. Dann ist Angst das eigentliche Mittel. Und man fragt sich nicht mehr, was Amerika geworden ist. Man sieht es.

Gespräche ohne Boden unter den Füßen

In Abu Dhabi haben sich Vertreter Russlands, der Ukraine und der Vereinigten Staaten zu Gesprächen getroffen, die mehr versprechen sollen, als sie bisher tragen können. Es ist das erste bekannte Mal, dass Gesandte der Trump-Regierung gleichzeitig mit beiden Kriegsparteien an einem Tisch sitzen. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt, denn der politische Druck wächst. In den Tagen zuvor reisten Unterhändler zwischen Davos, Washington und Moskau, während der Krieg weiterläuft. In der Ukraine fällt der Strom aus, der Winter ist hart, die Angriffe gehen weiter. In Davos sprach Wolodymyr Selenskyj von einem Abkommen, das fast fertig sei. Gleichzeitig blieb offen, worauf sich diese Zuversicht stützt. Denn die entscheidenden Fragen sind ungelöst. Vor allem die Kontrolle über Gebiete im Osten des Landes steht weiter im Raum.

Donald Trump traf Selenskyj am Rande des Weltwirtschaftsforums hinter verschlossenen Türen und sprach anschließend von Fortschritten. In Moskau empfing Wladimir Putin amerikanische Unterhändler zu stundenlangen Gesprächen. Parallel dazu liefen in Abu Dhabi Treffen in wechselnden Formaten, mal getrennt, mal gemeinsam, mal in kleineren Runden. Die Vereinigten Staaten entsandten zivile und militärische Vertreter. Auf ukrainischer Seite nahmen Sicherheits- und Militärverantwortliche teil. Russland schickte Delegierte aus dem Verteidigungsapparat. Worum konkret gesprochen wird, bleibt weitgehend unklar. Moskau nennt es eine Arbeitsgruppe zu Sicherheitsfragen und beharrt darauf, dass ein Ende des Krieges ohne territoriale Zugeständnisse nicht möglich sei. Kiew sieht genau darin das größte Risiko und fordert verbindliche Garantien für die eigene Sicherheit. Seit 2014 hat Russland etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebiets unter Kontrolle gebracht, zu einem hohen Preis auch für sich selbst. Die Frontlinie ist lang, der Verschleiß enorm, die wirtschaftlichen Folgen spürbar.

Diese Gespräche finden an einem Ort statt, der weit entfernt ist vom Krieg. Und doch hängt über ihnen dieselbe Frage wie seit Jahren: Ob hier wirklich verhandelt wird oder nur Zeit gewonnen werden soll.

Ermittlung gegen eine Tote

Das Justizministerium der Vereinigten Staaten wollte strafrechtlich gegen Renee Good vorgehen, obwohl sie bereits tot war. Nicht, um etwas aufzuklären, sondern um Schuld festzuschreiben. Selbst der Tod reichte nicht aus, um den Zugriff zu beenden. Ein FBI-Antrag sollte es ermöglichen, eine getötete Mutter aus Minnesota nachträglich als Verdächtige zu behandeln, mit dem Vorwurf eines Angriffs auf einen Beamten. Ein Richter stoppte das. Nicht aus Mitleid, sondern weil selbst in diesem System eine Grenze existiert. Der Versuch bleibt dennoch bestehen. Ein Staat, der weiter ermittelt, wenn das Leben längst beendet ist, sucht keine Wahrheit mehr. Er sucht Rechtfertigung. Wer Tote zu Beschuldigten macht, verteidigt kein Recht, sondern seine eigene Gewalt. Das ist kein Einzelfall, das ist ein Muster. Und es sagt alles über ein System, das nicht loslassen kann, weil es sonst erklären müsste, was wirklich geschehen ist.

Respektlos gegenüber denen, die dort waren

Der frühere Chef der britischen Armee, Lord Richard Dannatt, fand klare Worte für Donald Trumps Behauptung, NATO-Truppen hätten in Afghanistan die Front gemieden. Die Aussage sei respektlos, falsch und empörend, sagte Dannatt, und sie werde der Realität dieses Krieges nicht gerecht. Viele Soldaten aus Großbritannien und anderen NATO-Staaten seien im Kampfeinsatz gewesen, hätten Patrouillen geführt, Verwundete versorgt und Kameraden verloren. Soldaten aus Großbritannien und anderen NATO-Staaten seien im Kampfeinsatz gewesen, hätten Patrouillen geführt, Verwundete geborgen und Kameraden verloren. Trumps Darstellung wischt diesen Einsatz beiseite und entzieht ihm jede Anerkennung. Dannatt stellte offen infrage, ob jemand, der so über Verbündete rede, dem Amt, das er ausübt, gewachsen sei. Es ist eine seltene, aber deutliche Kritik aus militärischem Mund, aus Pflichtgefühl gegenüber denen, die dort gedient haben. Sie fallen, wenn Schweigen nicht mehr möglich ist.

„Nie an der Front gewesen“

Der polnische General Roman Polko, der die Spezialeinheit GROM im Irak und in Afghanistan führte, widersprach Donald Trump ohne Umschweife. Trumps Aussagen über den Einsatz von NATO-Truppen seien nicht nur falsch, sondern respektlos gegenüber denen, die gekämpft hätten. Polko nannte ihn einen Feigling, der selbst nie an der Front gewesen sei. Gesprochen wurde nicht aus politischem Hintergedanken, sondern aus Erfahrung. Aus der Sicht eines Offiziers, der weiß, was Einsätze bedeuten, was sie kosten und was sie hinterlassen. Wer den Einsatz anderer kleinredet, entwertet Opfer und Verantwortung zugleich. Polkos Worte sind klar, weil sie aus Nähe stammen. Sie erinnern daran, dass Glaubwürdigkeit keine Behauptung ist, sondern erarbeitet. Und dass man über Kriege anders spricht, wenn man sie nicht nur kommentiert, sondern erlebt hat.

Chloe Renata Tipan Villacis

Chloe Renata Tipan Villacis ist zwei Jahre alt. Ihr Vater, Diego Tipan Villacis, wollte mit ihr nach Hause fahren, nach einem Einkauf, nichts weiter. In Minneapolis endete dieser Alltag abrupt. ICE-Beamte stoppten das Auto, nahmen Vater und Kind mit. Stunden später saß Chloe in einem Linienflug nach Texas. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein Bundesrichter ihre sofortige Freilassung angeordnet. Diese Anordnung spielte keine Rolle. Chloe wurde von ihrer Mutter getrennt, ohne jegliche Rechtsgrundlage. Für ein zweijähriges Kind bedeutet das keine Akte, kein Verfahren, sondern fremde Arme. Angst, die keinen Namen hat. Während wir alle daran arbeiteten, Organisationen, Anwälte und Hilfe in allen Formen organisiert wurde, läuft die Zeit gegen ein Kind, das nichts verbrochen hat. Dieser Vorgang ist mit Worten kaum zu fassen. Er zeigt, was passiert, wenn selbst gerichtliche Grenzen bedeutungslos werden. Und was staatliche Macht anrichtet, wenn sie auf jemanden trifft, der sich nicht schützen kann. Und in Deutschland möchten rund 25% die AFD. Ganz ehrlich: „Ist es das was diese Wähler wollen?“

Polizeiarbeit auf unterstem Niveau

Der Sheriff von Cumberland County, Kevin Joyce, reagierte auf die Festnahme eines Justizvollzugsbediensteten durch die ICE mit einer Klarheit, die keinen Spielraum lässt. Polizeiarbeit auf unterstem Niveau, sagte er. Mehr nicht. Der Satz genügt, weil die Realität ihn trägt. Ein Beamter, Teil des öffentlichen Dienstes, wird von einer Bundesbehörde festgesetzt, ohne dass ein zwingender Grund erkennbar wäre. Der Zugriff lässt sich aus dem bekannten Ablauf nicht sachlich erklären. Was bleibt, ist ein Einsatz, der nicht durch Notwendigkeit, sondern durch staatlichen Terror bestimmt ist. Dass ein Sheriff diesen Schritt öffentlich kritisiert, sagt in den heutigen Zeiten einiges. Wenn selbst Sicherheitsbehörden Abstand nehmen, verschiebt sich das Gefüge. Und genau darin liegt die Gefährlichkeit.

TikTok bleibt, die Fragen auch

TikTok bleibt in den Vereinigten Staaten online, nach Jahren der Unsicherheit und politischer Drohkulissen. Ein neues amerikanisches Gemeinschaftsunternehmen soll den Betrieb sichern, während der Verkauf an chinesische Eigentümer vom Tisch ist. Die App selbst bleibt dieselbe, doch der innere Betrieb verändert sich. Der Empfehlungsmechanismus wird künftig auf amerikanischen Nutzerdaten neu angelernt, lizenziert vom bisherigen Eigentümer. Das verspricht kleine Verschiebungen, die große Wirkung haben können. Denn was Nutzer sehen, entscheidet darüber, ob sie bleiben. Zugleich bleiben Zweifel, ob damit Sicherheitsbedenken wirklich ausgeräumt sind. Die Gesetzeslage verbietet enge Zusammenarbeit beim Betrieb dieses Mechanismus, und genau hier liegt die offene Flanke. Neue Nutzungsbedingungen regeln Inhalte strenger, vor allem für Kinder und für künstlich erzeugte Beiträge. Die Eigentümerstruktur bringt politische Nähe mit sich, was bei vielen die Sorge vor Einfluss auf Inhalte verstärkt. Für Händler und Kreative ist vor allem eines wichtig: dass der Laden offen bleibt. Viele hängen wirtschaftlich an dieser Plattform. Am Ende ist das Abkommen ein Aufschub, kein Abschluss. TikTok läuft weiter, aber unter Beobachtung.

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