Rutte dementiert Grönland-Deal – viel Arktis, keine Kontrolle!

Mark Rutte stellt klar, dass eine Kontrolle über Grönland kein Thema seiner Gespräche mit Donald Trump gewesen ist. In einem Interview sagte er, es sei nicht um Besitz oder Souveränität gegangen, sondern um Sicherheit in der Arktis. Der Fokus habe darauf gelegen, wie dieses riesige Gebiet geschützt werden könne, während China und Russland dort zunehmend aktiv würden. Genau das habe die Gespräche geprägt, nicht mehr und nicht weniger. Auffällig bleibt, wie wenig Substanz hinter dem von Trump beschworenen Rahmen steckt. Rutte selbst vermeidet jede Konkretisierung dessen, was angeblich vereinbart wurde. Stattdessen lobt er Trump und sagt, dieser habe recht damit, dass die Arktis gemeinsam geschützt werden müsse. Zugleich betont Rutte, dass Gespräche über Grönland weiterhin zwischen den USA, Grönland und Dänemark geführt würden, um wirtschaftlichen oder militärischen Einfluss Russlands und Chinas zu verhindern.
Was bleibt, ist ein deutliches Signal der Einordnung: keine Übergabe, kein Deal, keine Kontrolle. Nur ein weiteres Gespräch über Sicherheit, das nun größer verkauft wird, als es tatsächlich ist. Was uns daran wirklich wütend macht, ist die Leichtfertigkeit, mit der diese Geschichte übernommen wurde. Ohne Prüfung, ohne Nachfrage, ohne den kleinsten Versuch, sie einzuordnen. Im Netz reichte das, um jeden AfD-Akteur, der halbwegs lesen und schreiben kann, losrennen zu lassen. Man feierte Trump, als hätte er gerade Europa vorgeführt.
Genau hier liegt das eigentliche Problem. Fakten werden kaum noch in den Medien überprüft, selbst dort nicht, wo sich Medien gern als seriös verstehen. Und genau das stärkt den Rechtspopulismus. Nicht, weil er besonders klug wäre, sondern weil er von dieser Nachlässigkeit lebt. Eine einzige Nachfrage bei Rutte hätte gereicht, und die Sache wäre erledigt gewesen. Aber es ging nicht um Klärung, sondern um Tempo. Um schneller sein als die anderen, koste es, was es wolle. So entstehen falsche Bilder. Und diese Bilder bleiben hängen, selbst wenn sie später widerlegt werden. Sie verschieben Wahrnehmung, sie verzerren Realität, und genau darin liegt ihre Gefahr. Wir werden diesen Weg nicht mitgehen. Bei uns wird veröffentlicht, was recherchiert ist – und nur das. Das ist kein Anspruch, das ist eine Verpflichtung. Und ja, das ist heute unbequem und finanziell ein ständiger Kampf ums Überleben. Aber genau das bedeutet investigativer Journalismus.
„Nicht über uns ohne uns“ – Grönland weist NATO in die Schranken

Aaja Chemnitz hat den angeblichen Grönland-Deal unmissverständlich zurückgewiesen. Die Abgeordnete des grönländischen Parlaments in Kopenhagen erklärte, die NATO habe in keiner Weise das Recht, ohne die politischen Vertreter Grönlands zu verhandeln. Anlass waren Aussagen von Donald Trump, wonach es mit NATO-Chef Mark Rutte eine Einigung zu Grönland gegeben habe. Chemnitz bezeichnete diese Darstellung als vollkommen verrückt. Rutte dementierte diesen Deal mittlerweile, stellte klar, dass eine Kontrolle über Grönland kein Thema seiner Gespräche mit Donald Trump gewesen war.
In einem Beitrag machte sie klar, dass Grönland kein Objekt fremder Gespräche sei. Nichts über uns, ohne uns, schrieb sie und zog damit eine klare Grenze. Besonders deutlich wurde sie beim Thema Rohstoffe. Dass die NATO irgendein Mitspracherecht über das Land oder seine seltenen Erden haben könnte, sei völlig ausgeschlossen. Grönland entscheide selbst über seine Zukunft, über seine Wirtschaft und über seine Ressourcen. Die Reaktion zeigt, wie weit Anspruch und Realität auseinanderliegen. Während anderswo von Rahmen und Deals gesprochen wird, macht Grönland klar, dass über Souveränität nicht verhandelt wird.
Newsom ausgeladen, aber … – Davos, Druck und das lange Washingtoner Echo

Gavin Newsom macht das Weiße Haus für die kurzfristige Absage seines Auftritts in Davos verantwortlich. Geplant war ein Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin Fortune im USA House, einem zentralen Treffpunkt amerikanischer Wirtschafts- und Handelstermine am Rande des Forums. Fortune erklärte, die Entscheidung zur Absage sei vom USA House getroffen worden. Aus Newsoms Umfeld heißt es dagegen, sie sei unter Druck aus Washington zustande gekommen. Eine Stellungnahme des USA House blieb zunächst aus. Das Weiße Haus wiederum ließ offen, ob es interveniert hat, stellte aber öffentlich die Frage, warum Newsom überhaupt in Davos sei. Eine Sprecherin bezeichnete ihn abfällig als drittklassigen Gouverneur. Der geplante Auftritt wurde zwar unter politischem Druck aus dem USA House heraus abgesagt. Newsom spricht dennoch in Davos, in einem anderen Format und außerhalb der ursprünglich vorgesehenen Bühne – der Versuch, ihn zum Schweigen zu bringen, ist damit gescheitert.

Der Vorgang wirkt banal und ist doch aufschlussreich. Ein demokratischer Gouverneur, bekannt für seine offene Kritik an Trump, verschwindet von der Bühne eines internationalen Forums. Offiziell aus organisatorischen Gründen, politisch begleitet von Spott und Abwertung. Davos ist in diesen Tagen nicht nur Ort globaler Debatten, sondern auch Spiegel innenpolitischer Machtspiele. Wer spricht, wer schweigt und wer zum Schweigen gebracht wird, sagt oft mehr als die Reden selbst.
Acht Minuten – und niemand ließ helfen
Ein Arzt aus Minnesota, Adam Armbruster, hat die Versorgung nach dem Schuss auf Renee Good scharf kritisiert. Laut Analyse der Notruf- und Feuerwehrprotokolle hatte Good etwa acht Minuten nach dem Vorfall noch einen dünnen und unregelmäßigen Puls, als Feuerwehr und Sanitäter eintrafen. Diese Information hat Fragen aufgeworfen, ob rechtzeitige medizinische Hilfe möglich gewesen wäre und warum sie unterblieb. Adam Armbruster sagte , er sei „einfach entsetzt über das Fehlen unmittelbarer Erster Hilfe und der anfänglichen Wiederbelebungsversuche“ und nannte gerade diese Unterlassung „am unzureichendsten“ für ihn. Selbst ein identifizierter Mediziner vor Ort, der Hilfe anbieten wollte, ihm aber der Zugang verwehrt wurde. Die Debatte über das Notfall-Vorgehen und die verzögerte Versorgung dauert an, während sich die Diskussion über Einsatzmethoden und Verantwortlichkeiten weiter zuspitzt. Ebenfalls sind ICE-Beamte in CPR geschult sind und können normalerweise sofortige Hilfe leisten können. Dieser Umstand sorgt bei medizinischen Fachkräften für Entsetzen und heftige Kritik an der Erstversorgung. Wir hatten bereits am 8. Januar Recherchen dazu zur Verfügung gestellt, siehe auch unseren Artikel: Tödliche Sekunden nach dem Schuss – Wie Hilfe verweigert wurde und die Ermittlungen entzogen werden
Der Arzt war vor Ort, identifizierte sich, bot an, medizinisch einzugreifen. Ihm wurde der Zugang verwehrt. Keine Übergabe, keine Unterstützung, kein Eingreifen. Stattdessen Stillstand. Für ihn, sagt er, sei kaum in Worte zu fassen, was das mit allen gemacht habe, die hinter ihm standen und zusahen. Dieser Satz verändert alles. Er verschiebt die Sicht vom Schuss auf das Danach. Auf Entscheidungen, Minuten, Unterlassung. Nicht abstrakt, sondern konkret. Acht Minuten sind keine Randnotiz. Acht Minuten sind Zeit. Und Zeit kann Leben bedeuten.
Grönland als Kuchen – wenn Politik zur Karikatur wird
Ein Kuchen, die Form Grönlands, darauf die Flagge der Vereinigten Staaten. Abgeordnete schneiden ihn an, lachen, posieren. Mehr Bild braucht es nicht, um zu verstehen, wie weit manche inzwischen gehen. Aus einem geopolitischen Konflikt wird ein Gag, aus Souveränität Zuckerguss. Was hier gefeiert wird, ist keine Strategie, sondern Größenwahn in Dessertform. Niemand verhandelt Territorien mit Besteck, niemand gewinnt Vertrauen mit Symbolen aus der Konditorei. Und doch wird genau das gerade verbreitet, geteilt, bejubelt. Amerika 2026, nur noch peinlich.
Putin zögert beim „Board of Peace“ – Einladung angenommen, Entscheidung offen

Wladimir Putin hat bestätigt, dass Russland bislang keine Entscheidung über einen Beitritt zum sogenannten Board of Peace getroffen hat. Er dankte Donald Trump für die Einladung und erklärte, das Außenministerium werde den Vorschlag prüfen und mit strategischen Partnern beraten. Zugleich betonte Putin die besondere Beziehung Russlands zum palästinensischen Volk. Er brachte außerdem ins Spiel, eine Milliarde Dollar aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten für das Gremium bereitzustellen. Ob, wann und unter welchen Bedingungen das geschehen soll, ließ er offen. Damit bleibt der Vorstoß bewusst vage.
Trump verteidigte die Einladung Russlands mit dem Argument, alle Länder müssten einbezogen werden, vor allem solche mit einflussreichen Führungsfiguren. Er räumte ein, dass darunter auch umstrittene Personen seien, fügte aber hinzu, genau diese hätten Gewicht und Durchsetzungskraft. Was als Friedensinitiative verkauft wird, wirkt damit weniger wie ein fertiges Projekt als wie eine Sammlung offener Fragen. Russland prüft und hält sich alle Optionen offen.
Nach Minnesota jetzt Maine – nächste ICE-Operation läuft an, der Kampf geht weiter …

Die Trump-Regierung hat eine neue bundesweite Abschiebeoperation gestartet, diesmal im Bundesstaat Maine. Das Heimatschutzministerium bestätigt Festnahmen seit Beginn der Woche. Zielgruppe sind nach Angaben der Behörden vor allem Migrantinnen und Migranten aus Somalia, daneben Menschen aus Sudan, Guatemala und Äthiopien. Die Aktion folgt zeitlich direkt auf den massiven Einsatz in Minnesota, der landesweit Proteste ausgelöst hat und nach dem Tod von Renee Good durch einen ICE-Beamten weiter unter Druck steht. In Maine leben seit Jahren somalische Gemeinschaften, insbesondere rund um Lewiston, viele kamen als Schutzsuchende in den vergangenen zwei Jahrzehnten.
Lokale Politiker warnen seit Tagen vor den Einsätzen. Die Gouverneurin und mehrere Bürgermeister machten deutlich, dass Provokationen und Grundrechtsverletzungen nicht akzeptiert würden. Gleichzeitig beschreiben Kommunalvertreter eine spürbare Angst in den betroffenen Vierteln. ICE spricht von gezielten Zugriffen auf Personen mit Haftbefehlen und verweist auf angebliche schwere Vorstrafen. Nach internen Angaben gibt es in Maine rund 1.400 sogenannte Ziele.Was sich abzeichnet, ist bekannt. Erst der Einsatz, dann die Rechtfertigung, dann die gesellschaftliche Spaltung. Maine erlebt nun, was Minnesota bereits hinter sich hat – mit offenem Ausgang.
37 Prozent – und der Rest entgleitet nach Davos noch mehr …

Die Zahlen sind klar, und sie sind brutal. Donald Trump rutscht in den Umfragen auf 37 Prozent Zustimmung ab. Gleichzeitig sagen 71 Prozent der Erwachsenen in den Vereinigten Staaten, das Land sei außer Kontrolle. Das ist keine Momentaufnahme aus einer Randgruppe, sondern ein breites Stimmungsbild quer durch Alter, Einkommen und politische Lager. Die Mehrheit glaubt nicht mehr, dass die Dinge gesteuert werden. Sie erlebt Chaos, Stillstand oder Eskalation – je nachdem, wohin man blickt.
Besonders deutlich wird das bei den Themen, die Trump selbst zum Maßstab seiner Politik erklärt hat. Bei der Inflation liegt er 27 Punkte im Minus. Ein historischer Wert für einen Präsidenten, der versprochen hat, Preise zu drücken und Stabilität zurückzubringen. Auch bei der Einwanderung, seinem Dauerbrenner, steht er zehn Punkte unter Wasser. Selbst beim Thema Kriminalität, das er rhetorisch seit Jahren besetzt, überwiegt die Ablehnung. Sieben Punkte negativ, trotz aller Härte, trotz aller Bilder, trotz aller Drohungen. Noch deutlicher wird der Realitätsabgleich beim Blick auf Grönland. Nur neun Prozent der Befragten unterstützen den Einsatz militärischer Gewalt, um das Gebiet zu übernehmen. Neun Prozent. Das ist kein Mandat, das ist politische Isolation. Selbst viele, die Trump gewählt haben, verweigern ihm hier die Gefolgschaft. Die Idee mag laut sein, sie mag Schlagzeilen produzieren, aber sie findet keine Mehrheit. Nicht einmal annähernd.
Die Daten stammen aus einer aktuellen Erhebung von The Economist und YouGov. Befragt wurden über 1.700 erwachsene US-Bürgerinnen und Bürger Mitte Januar. Auffällig ist dabei weniger ein einzelner Wert als das Gesamtbild. Unzufriedenheit zieht sich durch alle Gruppen. Frauen und Männer, Jüngere und Ältere, Menschen mit niedrigen wie mit hohen Einkommen. Selbst unter konservativen Wählern ist das Gefühl verbreitet, dass das Land aus dem Ruder läuft. Das erklärt auch die Nervosität, die diese Präsidentschaft begleitet. Außenpolitische Ablenkung, symbolische Konflikte, immer neue Fronten. Wer innenpolitisch verliert, sucht die Bühne woanders. Doch die Umfragen zeigen, dass diese Strategie nicht verfängt. Sie verschiebt Aufmerksamkeit, aber sie schafft kein Vertrauen. Und Vertrauen ist das, was gerade fehlt. Die Zustimmungswerte sinken, die Skepsis wächst, und das Gefühl von Kontrollverlust wird zur Mehrheitsmeinung. Das ist der eigentliche Befund dieser Zahlen. Nicht der einzelne Prozentpunkt, sondern die Richtung.

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