Als die Finanzwelt das Klima fallen ließ!

Vor sechs Jahren klang es nach Aufbruch. Die großen Geldhäuser versprachen, Billionen umzulenken, Emissionen zu senken, Verantwortung zu übernehmen. Larry Fink stellte sich hin und erklärte, der Kapitalmarkt müsse sich neu erfinden. Klima wurde zum Schlagwort, ESG zum Gütesiegel, Davos zur Kulisse für moralische Selbstvergewisserung. Kaum ein Institut wollte außen vor bleiben. Alle waren dabei, alle wollten gut aussehen. Doch der Eifer hielt nicht lange. Heute sind viele dieser Zusagen leise verschwunden. Allianzen zerfielen, Fonds verloren Milliarden, Vorstände wechselten das Thema. In Telefonkonferenzen tauchte das Wort Klima kaum noch auf. Während Investitionen in saubere Energie weiterliefen, drehten Banken gleichzeitig das große Rad bei Kohle, Öl und Gas zurück.
Der Rückzug hatte Gründe. Konservative Politiker, fossile Lobbygruppen und rechte Denkfabriken machten Druck. Es ging nicht um Inhalte, sondern um Macht. Klagen, Gesetze, Kapitalabzüge. Wer zu laut vom Klima sprach, riskierte Ärger. Und Ärger ist an der Börse unbeliebt. Also wurde aus Haltung Vorsicht, aus Versprechen Schweigen. ESG entpuppte sich als Mode, nicht als Umbruch. Viele Häuser hatten unterschrieben, ohne etwas ändern zu wollen. Solange es Rendite versprach, war das Klima willkommen. Als Gegenwind kam, fehlte der Wille. Nach der Rückkehr Trumps ins Weiße Haus war der Rückzug komplett. Net-Zero-Bündnisse lösten sich auf, Briefe an Investoren wurden umgeschrieben, Klimaschutz durch Energiepragmatismus ersetzt.
Zurück bleibt der Eindruck einer Branche, die gern hochmoralisch spricht, solange es bequem ist. Als es unbequem wurde, ging sie denselben Weg zurück. Der Marsch den Hügel hinauf dauerte kurz. Der Rückweg ging erstaunlich schnell.
Dänemark sichert Grönland ab
Am Montag verlegte Dänemark mehrere hundert Soldaten nach Grönland. Offiziell handelt es sich um die Arktis-Übung Arctic Endurance, ein Manöver unter Extrembedingungen. Doch der Zeitpunkt ist politisch aufgeladen. Die Truppenbewegung fällt in eine Phase wachsender Spannungen rund um die Insel und ihre strategische Bedeutung. Während Kopenhagen auf Präsenz setzt, bleibt Washington auffällig ausweichend. Gegenüber NBC News wollte Donald Trump heute nicht sagen, ob er den Einsatz militärischer Gewalt zur Übernahme Grönlands ausschließt. Zwei Worte, kein Kommentar, mehr nicht. Dieses Schweigen wirkt schwerer als jede Drohung. In Dänemark wird das als Signal verstanden, dass Absicherung nötig ist, nicht Beruhigung. Grönland rückt damit weiter ins Zentrum geopolitischer Nervosität. Was als Übung beginnt, liest sich zunehmend wie Vorsorge. Die Grenze zwischen Training und Machtdemonstration verschwimmt. Und genau diese Unschärfe macht die Lage so brisant.
U-Boot ohne Fahrt
Seit dem Angriff im Dezember bewegt sich im Hafen von Noworossijsk nichts mehr. Ein russisches U-Boot, getroffen von ukrainischen Unterwasser-Drohnen, liegt noch immer exakt an derselben Stelle. Satellitenbilder von Ende Dezember und Mitte Januar zeigen kein Zeichen von Verlegung, kein Auslaufen, keinen Positionswechsel. Sichtbar sind dagegen Reparaturen am Pier. Der Kai wurde beschädigt, das Schiff offenbar ebenfalls. Dennoch behauptete das russische Verteidigungsministerium kurz nach dem Angriff, alles laufe normal, es habe keine Schäden gegeben. Gezeigt wurde Videomaterial, das entscheidende Bereiche bewusst ausspart. Der untere Rumpf bleibt unsichtbar.
Ukrainische Angaben sprechen von schwerem Schaden und einem Ausfall des Bootes. Es soll sich um ein U-Boot der Kilo-Klasse handeln, ausgerüstet mit Marschflugkörpern für Angriffe auf ukrainische Städte. Dass es seit Wochen nicht bewegt wird, spricht eine deutlichere Sprache als jede Presseerklärung.
Wenn selbst Farage ins Wanken gerät
„Donald Trumps Konfrontationskurs gegenüber Europas Verbündeten erweist sich als politisch verheerend für rechtsextreme Parteien in Europa, die sich zunehmend bemühen, Abstand zu einem immer unbeliebteren US-Präsidenten zu gewinnen.“
Der Mann, der jahrelang von der Nähe zu Donald Trump profitierte, gerät plötzlich ins Wanken. In einem Interview erklärt Nigel Farage, Trumps irrer Krieg gegen Europas Verbündete sei ein politisch verheerender Schlag für die Rechtsaußenparteien des Kontinents. Parteien, die einst stolz mit Maga-Kappen posierten, versuchten nun hastig, Abstand zu gewinnen. Der US-Präsident werde zunehmend unpopulär, sagt Farage, und diese Unbeliebtheit färbe ab. Das ist mehr als eine Randbemerkung. Farage war Gründungsfigur der UK Independence Party, später Gesicht der Brexit Party, heute Abgeordneter, Kommentator und Radiomoderator. Er galt lange als Bindeglied zwischen der amerikanischen Rechten und Europas Rechtspopulisten. Trump war für ihn kein Risiko, sondern Rückenwind.
Nun kippt diese Rechnung. Wer zu lange an Trump festhält, steht politisch allein. Wer sich zu spät löst, gerät unter Rechtfertigungsdruck. Dass ausgerechnet Farage das offen ausspricht, zeigt, wie sehr sich das Kräftefeld verschoben hat. Die Loyalität zur amerikanischen Rechten bringt in Europa keinen Beifall mehr, sondern Probleme. Und selbst ihre lautesten Fürsprecher beginnen, nervös zu werden. Und so könnte man sagen: Alles Schlechte hat auch etwas Gutes.
Kontrolle nach Terminplan

Wer den Zustand von Abschiebeeinrichtungen prüfen will, soll künftig Geduld mitbringen. Eine Woche Vorlaufzeit verlangt das Heimatschutzministerium von Mitgliedern des Kongresses, bevor sie Einrichtungen der Einwanderungsbehörde betreten dürfen. Diese Regelung bleibt vorerst in Kraft. Nicht, weil sie geprüft und gebilligt wurde, sondern weil der Weg, sie anzugreifen, nach Ansicht des Gerichts der falsche war. Entschieden hat darüber Jia Cobb am U.S. District Court for the District of Columbia. Sie stellte ausdrücklich klar, dass ihre Entscheidung nichts über die Rechtmäßigkeit der neuen Vorgabe aussagt. Der Streit sei lediglich auf dem falschen juristischen Gleis geführt worden.
Ausgelöst wurde das Verfahren durch Abgeordnete aus Minnesota, die kurz nach der tödlichen Erschießung der US-Bürgerin Renee Good am Zugang zu einer ICE-Einrichtung gehindert worden waren. Einen Tag nach ihrem Tod setzte das Heimatschutzministerium intern eine neue Sieben-Tage-Frist in Kraft. Öffentlich wurde diese Regel erst, als Abgeordnete abgewiesen wurden. Das Gericht sieht darin eine neue Behördenentscheidung, die nicht automatisch unter frühere Verbote fällt. Damit bleibt die zentrale Frage offen. Darf die Regierung parlamentarische Kontrolle zeitlich steuern, obwohl ein Bundesgesetz den freien Zutritt zu Aufsichtszwecken vorsieht.
Parallel läuft eine weitere Klage, in der zahlreiche Abgeordnete der Regierung vorwerfen, Aufsicht gezielt zu erschweren. Die Brisanz wächst, weil zeitgleich über die künftige Finanzierung der Behörden verhandelt wird. Wer Zustände nur nach Voranmeldung prüfen darf, sieht womöglich nicht das, was überprüft werden soll.
Öl von gestern, Batterien von morgen

Donald Trump setzt weiter auf Öl, als ließe sich die Zukunft mit Bohrtürmen festhalten. Während er offen davon spricht, Ressourcen im Ausland zu sichern, treibt China leise, aber entschlossen eine andere Rechnung voran. Unter Xi Jinping wird Elektrizität zum Ersatz für Benzin, Batterien zum strategischen Gut. Chinesische Haushalte haben das längst verstanden. Mehr als die Hälfte der neu verkauften Autos fährt dort bereits elektrisch oder teil-elektrisch, der Ölverbrauch nähert sich seinem Höhepunkt. Hersteller wie BYD und Xiaomi setzen Maßstäbe, nicht nur auf dem Markt, sondern auch auf Rennstrecken. Der Strom dafür kommt aus einem Mix, den China massiv ausgebaut hat, von Kohle über Kernkraft bis zu Wind und Sonne. Kein anderes Land erzeugt heute mehr elektrische Energie. Ganze Industrien werden neu gedacht, vom Bus bis zum Rasenmäher. In Shenzhen verschmelzen Elektronik, Motoren und Software zu Produkten, die weltweit Absatz finden.
Die Vereinigten Staaten hinken hinterher. Während China Fabriken baut, streitet Washington über Windräder und Zölle. Wer weiter auf Öl setzt, riskiert, den Anschluss zu verlieren. Die Welt der kommenden Jahrzehnte wird nicht vom Rohstoff dominiert, sondern von der Batterie.
Bewaffnet, kostümiert, ernst gemeint
Bewaffnete Waffenrechtsaktivisten haben am Montag vor dem Kapitol von Virginia demonstriert, um gegen geplante Verschärfungen unter der neuen demokratischen Gouverneurin Abigail Spanberger zu protestieren. Mitten darunter eine Miliz, die sich Virginia Kekoas nennt und erstmals seit 2023 wieder öffentlich im sogenannten Boogaloo-Stil auftrat, tropische Hemden, Abzeichen, Langwaffen. Der Anführer, der sich ICE nennt und ausdrücklich nicht die gleichnamige Behörde meint, sprach von Rechten für alle, jederzeit, und von einer Rückkehr zu den eigenen Wurzeln. Ein weiterer Teilnehmer, bekannt als Sasquatch, erklärte, dieses Jahr sei alles ernster, das sei ihr inoffizieller Kampfruf. Zur Sicherheit fügte er hinzu, er sei kein Swinger, die Ananas auf dem Hemd habe nichts zu bedeuten. Zwischen politischem Protest, Selbstinszenierung und bewaffneter Präsenz verschwimmen die Grenzen. Was als Kundgebung beginnt, wirkt wie eine Probe für Eskalation. Und genau das macht diese Bilder so verstörend.
Wiederaufbau nach Marktlogik

Mitten in den Gesprächen über ein Ende des Krieges rückt ein Akteur in den Vordergrund, der sonst im Hintergrund wirkt. BlackRock, der größte Vermögensverwalter der Welt, soll beim Wiederaufbau der Ukraine eine zentrale Rolle spielen. In New York trafen ukrainische Vertreter auf Spitzenmanager des Konzerns, um eine Strategie für einen Wiederaufbau zu skizzieren, den Volodymyr Selenskyj auf rund 800 Milliarden Dollar beziffert. Die Vorlage stammt aus Gesprächen zwischen Kiew und Washington, Details sollen in Davos folgen. In Europa und in der Ukraine wächst der Zweifel. Schon einmal versuchte BlackRock, Milliarden für den Wiederaufbau zu mobilisieren, scheiterte jedoch. Interne Planungen wurden mehrfach nach unten korrigiert, das Projekt zeitweise eingefroren. Die Sorge ist alt und bleibt aktuell. Öffentliche Gelder könnten in einem privat geführten amerikanischen Fonds landen, während Europa den Großteil der Kosten tragen soll.
Offiziell agiert BlackRock beratend und ohne Honorar. Ob das so bleibt, ist offen. Die Nähe zur Trump-Regierung verstärkt das Misstrauen. Donald Trump drängt seit Längerem auf Zugänge zu Rohstoffen und Märkten. Seine Verhandler sind Unternehmer, keine Diplomaten. In diesem Umfeld wirkt der Wiederaufbau weniger wie ein humanitäres Projekt als wie ein Investitionskatalog. Der Vergleich mit dem Marshallplan liegt nahe, greift aber zu kurz. Damals führte der Staat, heute steht ein Konzern bereit, der Rendite maximiert. Transparenz und Kontrolle werden zur offenen Frage. Auch der Gedanke, eingefrorene russische Vermögen in einen US-geführten Fonds zu lenken, stößt in Europa auf Widerstand. In Kiew wächst der Eindruck, dass die gewaltigen Zahlen vor allem politisch gemeint sind. Viele rechnen damit, dass ein erheblicher Teil aus öffentlichen Mitteln kommen müsste, für Bildung, Infrastruktur und soziale Stabilität. Ob dafür genug Geld mobilisiert werden kann, ist unklar. Der Wiederaufbau wird so zur Bewährungsprobe. Nicht nur für die Zukunft der Ukraine, sondern für die Frage, wer sie prägen darf.
Wer die Zölle wirklich bezahlt

Neue Auswertungen räumen mit einer alten Behauptung auf. Forscher haben Warenströme im Umfang von vier Billionen Dollar untersucht und kommen zu einem klaren Ergebnis. Ausländische Exporteure trugen im vergangenen Jahr gerade einmal vier Prozent der erhöhten Zölle. Den Rest zahlten Verbraucher und Importeure in den Vereinigten Staaten. Fast vollständig. Was wie eine langweilige Zahl klingt, trifft den Alltag direkt. Preise steigen nicht, weil andere Länder zahlen, sondern weil Rechnungen hier ankommen. Ökonomen wussten das längst. Jetzt liegt es schwarz auf weiß vor. Zölle sind keine Strafe für das Ausland, sondern eine Belastung im Inland.
Trotzdem wird weiter von Trump etwas anderes behauptet. Der Präsident erzählt, Amerika lasse sich nichts gefallen und andere würden zur Kasse gebeten. Die Daten sagen das Gegenteil. Sie zeigen, wer wirklich zahlt und wer die Geschichte dazu liefert. Es ist dieselbe Geschichte wie so oft. Große Worte, falsche Versprechen, teure Folgen.
