Ein fünfjähriges Kind sitzt in Haft, hunderte Kilometer von seinem Zuhause entfernt, krank, erschöpft, verstummt. Liam Conejo Ramos, fünf Jahre alt, wurde Anfang Januar in Minnesota gemeinsam mit seinem Vater von ICE festgesetzt und in ein Familiengefängnis nach Dilley, Texas, gebracht. Seitdem geht es ihm schlecht. Nicht abstrakt schlecht, nicht statistisch, sondern konkret: Fieber, Bauchschmerzen, Erbrechen, Appetitlosigkeit. Ein Kind, das krank wird, weil es eingesperrt ist. Die Schulleiterin seines Schulbezirks in Minnesota hat mit Liams Mutter gesprochen. Ihre Sorge ist offen, klar, nicht diplomatisch. Liam gehe es nicht gut. Er sei krank. Er habe Fieber. Sie sei sehr, sehr besorgt um sein Wohlergehen in dieser Einrichtung. Es ist eine Schule, die spricht, weil ein Kind fehlt. Weil ein Platz leer ist. Weil Unterricht nicht einfach weiterläuft, wenn ein Schüler verschwindet.

Liams Mutter beschreibt, was ihr Sohn durchmacht. Das Essen mache ihn krank. Er habe Schmerzen. Er übergebe sich. Er wolle nicht mehr essen. Das sind keine politischen Aussagen, das sind Alltagssätze einer Mutter, die nicht bei ihrem Kind sein darf. Vater und Sohn sitzen weiterhin fest. Die Mutter draußen, machtlos, auf Nachrichten wartend. Der texanische Kongressabgeordnete Joaquin Castro, Demokrat, besuchte Liam und seinen Vater im Familiengefängnis in Dilley. Der Junge schlief, der Vater ist verzweifelt. Sein Vater erzählte, dass der Junge nicht mehr er selbst sei. Dass er viel schlafe. Dass er traurig sei. Niedergeschlagen. Ein Fünfjähriger, der nicht versteht, warum er dort ist. Der keine Erklärung bekommt, die ein Kind begreifen könnte.
Joaquin Castro: „Ich habe gerade Liam und seinen Vater besucht. Außerdem habe ich unzählige weitere Kinder und Familien getroffen, die nichts Unrechtes getan haben und nicht in Haft sitzen dürften. Mein vollständiges Update zu meinem Besuch im Abschiebezentrum Dilley:“
Liam fragt nach seiner blauen Mütze. Nach seinem Spiderman-Rucksack. Nach den Dingen, die er bei sich hatte, als Fotos von seiner Festnahme um die Welt gingen. Er fragt danach, weil Kinder sich an Dinge klammern, wenn alles andere wegbricht. Diese Sachen sind verschwunden. Weggenommen. Auch das gehört zur Haft. Die zuständigen Behörden behaupten, der Vater sei illegal eingereist. Der Anwalt der Familie sagt etwas anderes: Die Familie habe legal einen Grenzübergang passiert. Die Behörden sagen, der Vater sei geflohen. Der Anwalt widerspricht. Die Behörden sagen, die Mutter habe sich geweigert, das Kind zu übernehmen. Die Behörden sagen später selbst, der Vater habe gewollt, dass sein Sohn bei ihm bleibt. Widersprüche, Versionen, Aktenvermerke. Währenddessen sitzt ein Kind im Gefängnis.
Eine Juristin, die seit Jahren Kinder in solchen Einrichtungen besucht, sagt offen, was dort passiert. Im Winter seien fast alle krank gewesen. Kinder, die sich mehrfach angesteckt hätten. Panikattacken. Tiefe Traurigkeit. Depressionen nach kurzer Haftzeit. Fehlende medizinische Versorgung. Berichte über verdorbenes Essen, über Würmer, über Schimmel. Familien, denen mit Trennung gedroht werde. Das sind keine Ausnahmen. Das ist der Alltag. Ein 16-Jähriger habe ihr erzählt, er sei sieben Mal krank geworden. Sie sagt klar: Kinder in Haft zu nehmen, egal ob mit oder ohne Familie, sei unmenschlich. Es sei nicht vereinbar mit dem, was dieses Land von sich behaupte. Diese Kinder zeigen Spuren von Trauma. Nicht irgendwann. Jetzt.
Liams Schulbezirk bestätigt, dass er nicht der Einzige ist. Mindestens vier Kinder aus derselben Gemeinde seien von ICE abgeholt worden. Die Schule sagt, so etwas habe keinen Platz. Nicht irgendwo, nicht hier. Eine Gemeinschaft, die um Schulen gebaut ist, könne nicht akzeptieren, dass Kinder aus Klassenzimmern verschwinden. Man fordere ein Ende dieses Terrors und die Rückkehr zu einem Zustand, in dem Kinder lernen und Lehrkräfte unterrichten können. Familien müssten zusammengeführt werden. Diese Praxis müsse enden.
Das ist kein Einzelfall. Das ist ein System. Und Liam ist ein Name, den wir kennen, weil Bilder existieren. Weil Lehrer sprechen. Weil seine Mutter nicht schweigt. Viele andere bleiben namenlos. Wir kämpfen für Liam, weil ein fünfjähriges Kind nicht krank im Gefängnis sitzen darf. Wir kämpfen alle für Liam, weil niemand erklären kann, warum das notwendig sein soll. Wir kämpfen für Liam, weil Menschlichkeit nicht verhandelbar ist. Und weil Schweigen hier Mitschuld bedeutet.


und das sind noch sortierte Auszüge aus den „extremen“ der schlimmsten Kommentare, vieles davon ist hier nicht zitierfähig.“
Geradezu widerwärtig sind die Kommentare aus dem rechten Lager, auch aus Deutschland und Österreich. Dort wird ernsthaft behauptet, es handle sich um Fake News, dass ein fünfjähriges Kind in ICE-Haft sitzt. Gleichzeitig wird auf schäbigste Weise über die Familie hergezogen, gelogen, entmenschlicht, diffamiert. Das ist keine „Meinung“, das ist moralischer Verfall. Wer einen eingesperrten Fünfjährigen leugnet oder rechtfertigt, hat jeden Maßstab verloren. Wenn das die politische Zukunft unter dem Namen AfD sein soll, dann kann man jeden einzelnen Wähler nur bedauern – nicht aus Arroganz, sondern aus tiefer Sorge um das, was aus Anstand, Mitgefühl und Verantwortung geworden ist.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Liam und all die anderen Kinder 😟
Wer Kinder so behandelt, hat auch das letzte bisschen moralischen Anstand verloren.
Die Geschichte wird von den MAGA und rechten Hetzern so gebogen, dass sie in ihr Weltbild passt.
Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Also ist Liams Familie illegal eingereist. Sein Vater kriminell.
Er sei geflohen und habe seinen Sohn frierend zurück gelassen. Niemand wollte den Jungen aufnehmen, so dass die Behörde die Unterbringung und Versorgung übernommen hat. Ein Akt der Menschlichkeit … ich könnte nur noch 🤮🤮🤮
Und je öfter das passiert, desto normaler finden es MAGA und die Rechten.
Die Familien werden diffamiert und zu namenlosen Zahlen der Abschiebemaschinerie degradiert.