Donald Trump trat am Samstag vor die Kameras, um den US-Militäreinsatz in Venezuela zu erklären, der zur Festnahme von Nicolás Maduro und dessen Ehefrau führte. Was als Rechtfertigung einer außergewöhnlichen Operation gedacht war, entwickelte sich rasch zu einer ausgedehnten Selbstinszenierung, in der der Präsident immer wieder den Boden überprüfbarer Tatsachen verließ. Statt Klarheit zu schaffen, präsentierte er eine Reihe von Aussagen zu Kriminalität, Drogenbekämpfung und Nationalgarde-Einsätzen, die mit den verfügbaren Daten nicht übereinstimmen. Siehe auch unseren Artikel: Das neue Schlachtfeld – Uns vorliegende Regierungsunterlagen bestätigen Trumps Fake-Krieg gegen Venezuela – Es geht nur um Öl und harte Dollar

Besonders auffällig war Trumps Behauptung, jeder US-Angriff auf ein mutmaßliches Drogenschmuggelboot aus Venezuela rette im Durchschnitt 25.000 Menschenleben. Diese Zahl hält keiner Überprüfung stand. Nach vorläufigen Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC starben in den zwölf Monaten bis April 2025 bis zu 76.516 Menschen an Drogenüberdosierungen – bereits diese Gesamtzahl widerspricht der Logik von Trumps Rechnung. Seit Beginn der Einsätze Anfang September hat das US-Militär mindestens 35 Boote im Karibischen Meer und im östlichen Pazifik angegriffen. Würde man Trumps Angaben ernst nehmen, hätte seine Regierung damit fast 900.000 Todesfälle verhindert – mehr, als in den letzten Jahren insgesamt durch Überdosierungen registriert wurden. Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch: Der Großteil der Drogentodesfälle in den USA geht auf Opioide zurück, vor allem auf illegal hergestelltes Fentanyl. Dieses gelangt überwiegend über Land aus Mexiko in die Vereinigten Staaten, nicht über die Seewege, auf die sich die US-Angriffe konzentrieren.
Auch zur Sicherheitslage in Washington, D.C., zeichnete Trump ein Bild, das den offiziellen Statistiken widerspricht. Er erklärte, es habe dort seit sechs oder sieben Monaten keinen Mord gegeben. Tatsächlich registrierte die Metropolitan Police in diesem Zeitraum 59 Tötungsdelikte, darunter zwei in der vergangenen Woche. Zu diesen Fällen zählt auch die tödliche Erschießung eines Angehörigen der Nationalgarde aus West Virginia am 26. November durch einen afghanischen Staatsangehörigen, bei der ein weiterer Gardist verletzt wurde. Insgesamt wurden in der Hauptstadt im Jahr 2025 bislang 126 Tötungsdelikte gezählt, 29 davon nach der Entsendung der Nationalgarde im August. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass die Gewaltkriminalität bereits 2024 ein Tief erreichte und 2025 weiter zurückging – eine Entwicklung, die Trumps Darstellung einer akuten Sicherheitskrise widerspricht.
Ähnlich verhält es sich mit seinen Aussagen zu Chicago und Los Angeles. Trump stellte Einsätze der Nationalgarde als entscheidenden Faktor für sinkende Kriminalität dar. In Chicago waren jedoch keine Nationalgardisten auf den Straßen im Einsatz, da rechtliche Auseinandersetzungen dies verhinderten. Selbst das Justizministerium stellte vor Gericht klar, dass die Aufgabe der Garde lediglich im Schutz von Bundesgebäuden und Bundesbeamten bestehen sollte. Zwar gingen die Tötungsdelikte zwischen 2020 und 2024 zurück, gleichzeitig nahmen andere Gewaltverbrechen wie Vergewaltigungen, Raubüberfälle und schwere Körperverletzungen zu.
In Los Angeles entsandte Trump im Juni mehrere tausend Nationalgardisten sowie Marines, zunächst zum Schutz von Bundesgebäuden, später zur Absicherung von Einsätzen im Rahmen der Einwanderungspolitik. Die Truppenstärke wurde schrittweise reduziert, bis Mitte Dezember nur noch wenige Hundert verblieben. Nach einem Gerichtsbeschluss zogen sie sich schließlich von den Straßen zurück, und ein Berufungsgericht ordnete an, die Kontrolle über die Nationalgarde wieder an Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom zu übergeben.
Der Auftritt des Präsidenten folgt damit einem bekannten Muster: weitreichende politische Rechtfertigungen, getragen von Zahlen und Behauptungen, die bei näherem Hinsehen nicht standhalten, die sich wiederholen, wie am 11. August 2025.
Es gibt Momente in der Geschichte, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen, weil sie zeigen, wie dünn der Firnis der Zivilisation tatsächlich ist. Der 11. August 2025 war ein solcher Moment. An diesem Montag stand Donald Trump im Briefing Room des Weißen Hauses, umringt von seiner Entourage aus Kabinettsmitgliedern, und vollzog etwas, das in der amerikanischen Geschichte ohne Beispiel ist: die faktische Entmachtung einer demokratisch gewählten Stadtregierung auf Basis nachweislich falscher Behauptungen, untermalt von einem Stapel bunter Statistiken, die bei näherer Betrachtung wie die Hausaufgabe eines überforderten Praktikanten wirkten. Was sich in diesen 78 Minuten abspielte, war keine normale Pressekonferenz.



Es war ein Frontalangriff auf die Realität selbst. Mit wedelnden Armen und einem Stapel Papiere, auf denen Zahlen prangten, die teilweise aus dem Jahr 2016 stammten, andere schlicht erfunden waren, malte Trump das Bild einer Hauptstadt im Würgegriff des Verbrechens. „Blutrünstige Kriminelle“, „umherziehende Horden wilder Jugendlicher“, „zugedröhnte Verrückte“ – die Sprache erinnerte mehr an einen dystopischen B-Movie als an eine präsidiale Ansprache. Die Realität? Washington erlebt gerade das niedrigste Niveau an Gewaltkriminalität seit drei Jahrzehnten. Die Mordrate ist um 32 Prozent gefallen, bewaffnete Autodiebstähle um 53 Prozent, Gewaltverbrechen insgesamt um 35 Prozent seit 2023. Karoline Leavitt, das in Trumps Orbit gestrandet wirkende Aushängeschild, ein braunes Hühnchen der radikalen Rechten, längst gefangen in der hermetisch abgeriegelten Wahnwelt ihres Project 2025, verbreitet Papiere, bei denen jeder geistig gesunde Mensch unwillkürlich den Kopf schüttelt. Washington wirkt unterdessen wie eine belagerte Stadt – beherrscht von einer entfesselten Meute politischer Hasardeure, angeführt von einem Präsidenten, dessen Amts- und Urteilsfähigkeit nur noch durch eine unabhängige medizinisch-psychologische Untersuchung verbindlich festgestellt werden müsste, um amtlich zu bestätigen, was sich dem nüchternen Beobachter längst offenbart.



Die Absurdität der Situation wurde vollends deutlich, als wir Journalisten begannen, Trumps bunte Grafiken zu überprüfen. Eine Tabelle, die angeblich die Mordrate Washingtons im internationalen Vergleich zeigte, verwechselte die Flaggen von Mexiko und Äthiopien. Lagos wurde als Hauptstadt Nigerias bezeichnet – ein Fehler, der seit 1991 peinlich ist, als Abuja diese Rolle übernahm. Die zitierten UN-Daten? Teilweise fast ein Jahrzehnt alt. Es war, als hätte jemand in letzter Minute Wikipedia-Artikel kopiert und hastig zu einer Präsentation zusammengeklebt, ohne sich die Mühe zu machen, auch nur die grundlegendsten Fakten zu überprüfen. Doch die handwerkliche Schlamperei war nur die Oberfläche eines viel tieferen Problems. Mit der Aktivierung von Section 740 des District of Columbia Home Rule Act vollzog Trump einen Akt, der in seiner Tragweite kaum zu überschätzen ist. Zum ersten Mal in der modernen Geschichte übernahm ein Präsident die Kontrolle über die Polizei einer amerikanischen Stadt nicht als Reaktion auf einen tatsächlichen Notstand, sondern als Machtdemonstration basierend auf einer erfundenen Krise. 800 Nationalgardisten wurden mobilisiert, 120 FBI-Agenten von ihren eigentlichen Aufgaben abgezogen und zu nächtlichen Patrouillen eingeteilt. Die Kosten? Millionen von Dollar täglich. Der Grund? Ein Phantom.
Die verfassungsrechtlichen Implikationen sind schwindelerregend. Zwar gibt der Home Rule Act dem Präsidenten theoretisch diese Befugnis, doch der Geist dieses Gesetzes von 1973 zielte auf echte Notfälle ab, nicht auf politisches Theater. Brian Schwalb, der Generalstaatsanwalt des Districts, nannte den Schritt „rechtswidrig“ – eine bemerkenswert scharfe Formulierung für einen Beamten, der normalerweise in juristischen Grautönen spricht. Human Rights Watch, eine Organisation, die sich sonst mit Diktaturen in fernen Ländern beschäftigt, sah sich genötigt, eine Warnung auszusprechen, die man normalerweise für Militärjuntas reserviert: „Die militärische Übernahme lokaler Strafverfolgung ist ein Vorbote des Autoritarismus.“
Die historische Ironie ist kaum zu ertragen. Derselbe Mann, der im Januar Hunderte von gewalttätigen Kapitol-Stürmern begnadigte – Menschen, die versucht hatten, die Zertifizierung einer demokratischen Wahl zu verhindern –, derselbe Mann, der diese Randalierer als „Helden“ und „Patrioten“ bezeichnete, steht nun da und erklärte Washington zur Kriegszone wegen einer Kriminalitätswelle, die nur in seiner Imagination existiert. Das gleiche passierte nun mit Venezuela und auch hier stellt sich nur eine Frage: „Ist dieser Mann tatsächlich noch bei klaren Verstand?“
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Was man viel lieber hinterfragen sollte ist, warum nehmen so viele Menschen in den USA Drogen. Die werden ja nicht dazu gezwungen. Ist es vielleicht eher Verzweiflung über ihre soziale und finanzielle Lage, Hoffnungslosigkeit oder Verwahrlosung ? Dort könnte man das Geld sinnvoll investieren, dann bräuchte man sich auch keine großen Sorgen mehr um Drogenkartelle machen. Oder sehe ich das falsch ?
…absolut richtig, wir machen auch zu dem Thema immer wieder was, müssen aber auch straff planen: https://kaizen-blog.org/die-bittere-wahrheit-hinter-trumps-krieg-gegen-die-drogen/
Donald Trump scheint sich angesichts seines Gesundheitszustandes mehr und mehr zur Marionette zu entwickeln. Daher stellt sich mir die Frage, wer zieht die Fäden oder auch wer regiert zur Zeit die USA?
… schon noch trump, aber man lässt ihn, macht vorschläge die ihm gefallen, bis er evtl doch abgesetzt wird, dann waren es natürlich die anderen nicht, weil dieser mann ist kaum noch zurechnungsfähig. er hat sich gestern bei der PK mit 5 glockentönen ankümdigen lassen, wie im theater, eben nur mit 5
Wie peinlich ist das denn 🙈
…er war herrlich, selten soviel gelacht
Trump fabuliert schon seit Wochen in seiner Scheinwelt.
Alternative Fakten könnte man es beschönigend nennen.
Aber es sind einfach nur dreiste Lügen.
MAGA hat keine Intelligenz, die sehen paar bunte Bildchen, hören Trump hat sie vor Narco-Terroristen gerettet, tauchen in Trumps Fantasiewekt ein und sind glücklich und zufrieden..
Wieso kommen so viele Drogen in die USA?
Genau, weil die Nachfrage groß ist.
Durch alle Schichten.
Zum Vergnügen, um ein hartes Studium zu überstehen, Karriereanforderungen zu entsprechen, nach Erkrankungen und dann noch die Perspektivlosigkeit.
Wenn einem die Bevölkerung so wichtig wäre, wie Trump immer belong, würde man da ansetzen.
Aber lieber begnadigt man einen rechtswirksam verurteilen Großdealer.
Und entführt einen Staatschef, weil er mit Drogen handelt.
Finde den Fehler.
Es ist so offensichtlich. Aber MAGA sieht das bicht.
Blind in der Sekten MAGA Bubble
Und gerade heute am 6. Januar ist mir der Sturm des Kapitols gegenwärtig.
Da war keine Nationalgarde weit und breit.
Es war sogar ungewöhnlich wenig Security um und im Kapitol.
Er begnadigt rundum alle.
Weil es ja friedliche Patrioten sind 🤬
Da aber dieser Sonderstatus von Washington DC schon sehr lange den meisten Republikanern ein Dorn im Auge ist (weil DC demokratisch regiert wird), gab es nur Zustimmung zu Trumps Aktion.
Wirklich traurig.
…jap, dieser tag war wirklich an peinlichkeiten und schlechtes benehmen kaum zu überbieten