Teheran – In Teheran haben heute erneut schwere Angriffe stattgefunden, die mit einem begrenzten militärischen Schlagabtausch nichts mehr zu tun haben. In mehreren Teilen der Hauptstadt war die Luftabwehr zu hören und in einigen Vierteln fiel der Strom aus. Die Vereinten Nationen warnen vor einem globalen Schock für Ernährung und Entwicklung. Die OECD rechnet mit deutlich höherer Inflation. Spanien greift mit Milliarden ein, um die Folgen für Verbraucher abzufedern. Israel weitet seinen Krieg in Libanon aus. Frankreich berät mit 35 Staaten über eine spätere militärische Absicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. In Washington redet die US-Regierung weiter von Erfolg und Optionen, obwohl zentrale Ziele nicht erreicht sind und die wirtschaftlichen Schäden bereits um sich greifen.

Die heutigen Angriffe auf Teheran sind militärisch wenig zu erklären und treffen die Zivilgesellschaft. Wir werden die Angriffe noch weiter dokumentieren und aktuell ist das nach einem Tag voller Feuer noch nicht möglich. Man ist froh Strom und etwas Internet zu haben.
Besonders deutlich fiel die Warnung von Máximo Torero aus, dem Chefökonomen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen. Wenn der Krieg in den nächsten zwei Wochen ende, könnten die Märkte den Schock noch aufnehmen, sagte er. Wenn er aber drei bis sechs Monate andauere, werde das nicht nur Energie und Ernährung treffen, sondern auch viele andere Sektoren, weil die Preise insgesamt steigen würden. Dazu komme ein Rückgang von Überweisungen aus dem Ausland, die in vielen Ländern eine wichtige Stütze für Familien und ganze Volkswirtschaften sind. Das werde Wachstum und Entwicklung weltweit belasten. Torero fügte hinzu, dass sich zugleich ein El Niño anbahne. Sollte er stark ausfallen, könne sich die wirtschaftliche Lage noch einmal spürbar verschlechtern. Seine Botschaft war eindeutig: Dieser Krieg müsse so schnell wie möglich beendet werden. Andernfalls könnten die Folgen sogar dramatischer werden als nach dem Beginn des Ukraine-Krieges.
Auch die OECD zeichnet ein Bild, das kaum Raum für Beschwichtigung lässt. Für die USA wird in diesem Jahr nun eine durchschnittliche Inflation von 4,2 Prozent erwartet, nach etwa 2,6 Prozent im Jahr 2025. Getrieben wird dieser Sprung vor allem durch stark gestiegene Energiepreise. Doch damit endet die Kette nicht. Auch Düngemittellieferungen sind unterbrochen, was in den kommenden Monaten Lebensmittel verteuern könnte. Das Wachstum in den Vereinigten Staaten dürfte zugleich von 2,1 Prozent auf 2 Prozent sinken und im kommenden Jahr weiter auf 1,7 Prozent zurückgehen. In den G20-Staaten soll die Inflation von 3,4 auf 4 Prozent steigen. Das zeigt, wie direkt dieser Krieg in Alltagskosten übersetzt wird. Er trifft nicht nur Raffinerien, Tanker und Häfen, sondern Haushalte, Lebensmittelpreise und Investitionen.
Spanien reagiert bereits auf diese Wucht. Obwohl das Land mehr als die Hälfte seines Stroms aus erneuerbaren Quellen erzeugt, geht die Regierung davon aus, dass die Verknappung von Öl und Erdgas aus dem Nahen Osten Verbraucher dennoch hart treffen wird. Das Parlament hat deshalb ein Notpaket beschlossen. Die Mehrwertsteuer auf Gas und Stromrechnungen wird von 21 auf 10 Prozent gesenkt. Autofahrer sollen nach Angaben der Regierung rund 30 Cent je Euro pro Liter sparen, was etwa 20 Euro pro Tankfüllung entsprechen soll. Lkw-Fahrer, Bauern, Viehhalter und Fischer können 20 Cent pro Liter Diesel zurückerstattet bekommen. Das gilt auch für Düngemittel. Zudem werden die Preise für Butan und Propan eingefroren. Insgesamt umfasst das Paket 5 Milliarden Euro und soll 20 Millionen Menschen zugutekommen. Allein diese Schritte zeigen, wie weit die wirtschaftliche Schockwelle dieses Krieges bereits reicht.
An der militärischen Front in Libanon hat sich die Lage gleichzeitig deutlich verschärft. Israel hat eine weitere Division, die 162. Division, in den Süden des Landes verlegt und seine Bodenoffensive gegen die Hisbollah damit ausgeweitet. Zuvor hatte Verteidigungsminister Israel Katz erklärt, Israel wolle seinen Kontrollbereich bis zum Litani-Fluss ausdehnen und dort eine Sicherheitszone schaffen. Er zog dabei offen Parallelen zu Gaza, wo ganze Gebiete entvölkert wurden. Israel spricht von einer defensiven Maßnahme zum Schutz der nördlichen Grenzregionen. Die Folgen auf libanesischer Seite sind jedoch bereits jetzt gewaltig. Mehr als eine Million Menschen wurden nach libanesischen Angaben vertrieben, über 1.000 getötet. Am Donnerstag meldete das Gesundheitsministerium in Beirut, dass in den zurückliegenden 24 Stunden weitere 22 Menschen getötet und 110 verletzt worden seien. Unter den bislang Getöteten seien 121 Kinder und 83 Frauen.
Die Angst vor einer neuen, lang anhaltenden Besatzung wächst deshalb mit jedem Tag. Elias Konsol, der zusammen mit Nachbarn aus dem christlichen Grenzort Alma al-Shaab fliehen musste, sagte offen, man wisse nicht mehr, was aus den eigenen Häusern und dem Dorf werde. Es gebe dort weder Waffen noch Kämpfer der Hisbollah, und dennoch habe der Ort geräumt werden müssen. Mohanad Hage Ali vom Carnegie Middle East Center in Beirut beschreibt die erste Grenzlinie inzwischen als Niemandsland, im Grunde als große leere Fläche ohne Bewegung. Weiter nördlich sind die Einschränkungen ebenfalls massiv. Schon während der Olivenernte im vergangenen Jahr konnten Bauern ihre Haine nur unter Begleitung der libanesischen Armee und von UN-Friedenstruppen erreichen, die mit Israel koordinierten. Sarit Zehavi, frühere israelische Offizierin und Leiterin des Alma Institute, geht davon aus, dass Israel ein noch größeres Kontrollgebiet schaffen könnte. Sie räumt zugleich ein, dass Israel die Hisbollah vermutlich nicht besiegen kann und Gefahr läuft, auf Dauer militärisch im Süden Libanons gebunden zu bleiben. Ihre Begründung für diese Logik ist brutal schlicht. Die Alternative sei das Risiko, abgeschlachtet zu werden.
Diese Eskalation hat längst auch innenpolitische Folgen in Libanon. Ein ranghoher Hisbollah-Vertreter, Mahmoud Qamati, verurteilte am Donnerstag die Entscheidung der libanesischen Regierung, den iranischen Botschafter auszuweisen. Bei einer Kundgebung neben der iranischen Botschaft in den südlichen Vororten Beiruts sagte er, Botschafter Mohammad Reza Sheibani werde in Libanon bleiben, ganz gleich, wie sehr die Regierung das ändern wolle. Außenminister Youssef Rajji, ein scharfer Gegner der Hisbollah, wurde von Qamati direkt angegriffen. Seine Drohung war unmissverständlich. Man solle nicht mit dem Feuer spielen, weil dieses Feuer am Ende jene verbrennen werde, die es entfacht hätten. Auch daran zeigt sich, wie stark sich die Fronten in Libanon verhärten.
Unmittelbar auf israelischem Gebiet setzt sich der Beschuss fort. In Nahariya wurde ein Mann in seinen Dreißigern durch Splitter eines aus Libanon abgefeuerten Geschosses getötet. Ein weiterer Mann in seinen Fünfzigern wurde mittelschwer bis schwer verletzt, drei weitere Menschen leicht. Zeitgleich heulten in Zentralisrael und in Jerusalem wieder die Sirenen nach einem gemeldeten Raketenstart aus Iran. Der Krieg zerfasert also nicht nur geografisch, er bleibt auch an den direkten Fronten hochgefährlich und tödlich.
Während Libanon immer tiefer in den Krieg hineingezogen wird, bleibt die Straße von Hormus das wirtschaftliche Druckzentrum. Frankreich teilte mit, dass 35 Staaten an Gesprächen der Generalstabschefs über eine spätere Wiederöffnung der Schifffahrt teilgenommen haben. Die Überlegungen zielen auf eine strikt defensive Mission, die Handelsschiffe eskortieren und die Freiheit der Navigation wiederherstellen soll, sobald die Intensität der Kämpfe ausreichend gesunken ist. Schon diese Bedingung zeigt, wie weit man davon aktuell entfernt ist. Es wird nicht über freie Fahrt gesprochen, sondern über einen späteren Zustand nach einer Phase extremer Gewalt.
In Washington prallen unterdessen Realität und politische Inszenierung immer offener aufeinander. Donald Trump erklärte bei seiner Kabinettssitzung, die USA bräuchten die Straße von Hormus eigentlich nicht, weil das Land so viel eigenes Öl habe und nicht betroffen sei. Das ist in dieser Form irreführend. Die Vereinigten Staaten sind vielleicht weniger direkt von Importen durch Hormus abhängig als viele asiatische Staaten. Doch der Ölpreis wird auf dem Weltmarkt gebildet. Wenn Hormus blockiert oder bedroht ist, steigen die Preise weltweit. Genau das ist längst passiert. Der durchschnittliche Benzinpreis in den USA liegt nach Regierungsangaben mehr als einen Dollar höher als vor einem Monat. Auch Scott Bessent, der US-Finanzminister, versuchte die Bedeutung der Meerenge kleinzureden. Iran versuche, die Weltwirtschaft über einen Engpass zu kontrollieren, der aus seiner Sicht gar nicht existiere, sagte er. Auch das hielt der Wirklichkeit nicht stand. Die Straße von Hormus ist weiterhin eine zentrale Route für Öl- und Gaslieferungen, gerade für Asien. Dass Bessent zugleich versicherte, immer mehr Tanker würden passieren, ändert daran nichts.
Trump selbst sorgte zusätzlich für Verwirrung. Noch am Montag hatte er Iran mit Angriffen auf Kraftwerke gedroht, sollte die Straße nicht vollständig geöffnet werden. Am Donnerstag wollte er auf Nachfrage nicht einmal mehr sagen, ob seine Fünf-Tage-Frist noch gelte. „Ich weiß es nicht“, sagte er. Das hänge davon ab, ob sein Team ihm sage, dass die Gespräche gut liefen. Dann folgte sein typischer Satz, in „Trump-Zeit“ sei ein Tag eine Ewigkeit. Gleichzeitig erklärte er, Iran lasse als Zeichen guten Willens einige Öltanker passieren. Es handele sich um acht „Boote mit Öl“, die unter pakistanischer Flagge fahren dürften. Kurz danach wurde diese Aussage auch offiziell als wichtiges Signal für mögliche Gespräche verbreitet.
Parallel bestätigte Steve Witkoff erstmals offen, dass die US-Regierung Iran über Pakistan einen 15-Punkte-Plan übermittelt hat. Er sprach von einem möglichen Rahmen für einen Deal und sagte, es gebe Anzeichen dafür, dass Iran überzeugt werden könne, keine andere Option zu haben. Trump habe ihn angewiesen, die Verhandlungen vertraulich zu behandeln. Fast zeitgleich sagte Jared Kushner bei einem Investorentreffen in Florida, man müsse die öffentlichen Aussagen iranischer Vertreter weitgehend ignorieren, weil sie oft vor allem für das heimische Publikum bestimmt seien und nicht dem entsprächen, was hinter verschlossenen Türen gesagt werde. Zusammen ergibt das ein Bild, das politisch heikel ist. Öffentlich wird maximale Härte gespielt, im Hintergrund laufen längst Kanäle, Botschaften und Austausch.
Die Kabinettssitzung im Weißen Haus war überhaupt auffällig. Sie dauerte eine Stunde und vierzig Minuten und konzentrierte sich fast vollständig auf den Krieg gegen Iran. Trump ließ diesmal nicht wie sonst jedes Kabinettsmitglied sprechen, sondern nur einen kleinen Kreis: sich selbst, J.D. Vance, Marco Rubio, Pete Hegseth, Scott Bessent, Energieminister Chris Wright und Innenminister Doug Burgum. Dennoch schweifte Trump auch auf Nebenschauplätze ab, sprach über seine Schreibgeräte, ein aus seiner Sicht zu teures Bauprojekt der Federal Reserve und Verfahren gegen seine Pläne rund um das Kennedy Center. Der Krieg war das Hauptthema, aber selbst in dieser Lage blieb die Inszenierung nie ganz außen vor.
Inhaltlich setzte die US-Regierung weiter auf Triumphsprache. J.D. Vance behauptete, Irans konventionelles Militär sei faktisch zerstört worden. Iran habe keine Marine mehr und könne die USA nicht mehr treffen wie noch vor wenigen Wochen. Das gebe Washington nun „Optionen“. Welche Optionen das genau sein sollen, sagte er nicht. Pete Hegseth nannte den Krieg einen Stoff für die Geschichtsbücher und für Trumps Vermächtnis. Er behauptete, nie zuvor in der Geschichte sei das Militär eines Landes so schnell und so wirksam neutralisiert worden. Zugleich sagte er, dies sei anders als Irak, kein Patt, kein Chaos, sondern reiner amerikanischer Erfolg. Marco Rubio formulierte ähnlich aggressiv und erklärte, das Kriegsministerium lasse nun gewissermaßen auf jeden Teil Irans mit militärischen Fähigkeiten losschlagen. All diese Aussagen klingen nach Siegesgewissheit. Gleichzeitig ist Hormus nicht gesichert, die Angriffe auf Israel und US-Ziele sind nicht verschwunden und der Krieg dehnt sich weiter aus.
Danke Herr Steinmeier – Respekt

Auch auf deutscher Seite blieb der Konflikt Thema. Trump nannte die Kritik von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unangemessen, nachdem dieser das US-Vorgehen gegen Iran als gefährlichen Fehler und als Verstoß gegen das Völkerrecht bezeichnet hatte. Trump wich aus, verwies auf die Ukraine und sagte erneut, wenn er den Krieg dort lösen könne, wäre das eine große Ehre. Er wünsche nur, es wäre schneller gegangen. Auch das passt zu einem Präsidenten, der zugleich Härte, Größe und Offenheit für Deals verkaufen will, ohne die Widersprüche dieser Positionen aufzulösen.
Ali Bahreini, Irans Vertreter bei den UN-Institutionen in Genf, erklärte gleichzeitig, Iran sei auf jedes Szenario vorbereitet. Ein Einmarsch der USA oder Israels wäre ein großer Fehler. Er behauptete, Iran sei dabei, den Krieg zu gewinnen, und habe die ursprünglichen Ziele seiner Gegner bereits zurückgedrängt. Der Gegner versuche nun nur noch, die Straße von Hormus offen zu halten. Bahreini sagte zudem, Ajatollah Mojtaba Khamenei sei sicher und führe das Land. Dass er seit seiner Ernennung als Nachfolger seines getöteten Vaters nicht öffentlich gesehen oder direkt gehört wurde, erklärte Bahreini mit notwendigen Sicherheitsmaßnahmen.
Wie sehr dieser Krieg bereits in den Alltag der Menschen eingesickert ist, zeigt die Aussage einer jungen Designerin aus Teheran. Ihr Modeunternehmen stehe wegen der Internetsperren kurz vor dem Aus. Die Verkäufe seien fast vollständig zum Erliegen gekommen. Eine nahe Explosion habe ihre Wohnung im Zentrum beschädigt. Jetzt lebe sie bei ihren Eltern, weil sie sich dort sicherer fühle. Sie verlasse das Haus kaum noch, außer um das Nötigste zu kaufen. Die Kontrollpunkte blieben bestehen, nachts fänden in der Stadt Kundgebungen von Regimeanhängern statt. Ihr Satz über die vergangenen Monate ist ein Blick in die Wirklichkeit dieses Landes: Man habe inzwischen alles Schlechte erlebt, von der brutalen Stimmung im Januar mit Tötungen und Festnahmen bis zum Krieg. Diese Kontinuität ist wichtig. Iran wird nicht in einer stabilen Phase bombardiert. Der Krieg trifft auf eine Gesellschaft, die bereits von Gewalt, Repression, Wirtschaftskrise und Isolation gezeichnet ist.
Und dann noch die Fake News

Ein Bild geht gerade rum, soll aus Teheran stammen, soll den Krieg zeigen. Es ist echt – nur stammt es aus dem Türkei-Syrien-Erdbeben von 2023. Kein Kriegsbild, kein Teheran, kein 2026. Was Menschen dazu treibt, echtes Leid mit falschen Bildern zu vergrößern, ist eine Frage, auf die es keine befriedigende Antwort gibt. Nur eine Beobachtung: Es passiert täglich, und die meisten scrollen weiter.
Auch ökologisch baut sich eine Verwüstung auf, deren Folgen weit über die Dauer der Kämpfe hinausreichen werden. Fachleute warnen vor einem Gemisch aus Chemikalien, Schwermetallen und anderen Schadstoffen, das Landwirtschaft, Trinkwasser und Gesundheit für viele Jahre belasten kann. Brennende Öl- und Gasfelder, beschädigte Depots, versenkte Schiffe, zertrümmerte Infrastruktur und Trümmer im Persischen Golf setzen Stoffe frei, die sich nicht einfach mit einem Waffenstillstand beseitigen lassen. Kaveh Madani vom Institut der UN-Universität für Wasser, Umwelt und Gesundheit sagte, für jemanden, der sich für Nachhaltigkeit und den Schutz der Umwelt in dieser Region eingesetzt habe, sei das wie ein Rückschritt um viele Jahre. Doug Weir vom Conflict and Environment Observatory erklärte, das ganze Ausmaß lasse sich noch gar nicht erfassen, weil der Krieg noch läuft und viele Gebiete unzugänglich sind. Aber gerade diese Ungewissheit macht die Lage nicht kleiner, sondern gefährlicher.

Gleichzeitig rückt der Krieg in der Ukraine durch Iran stärker aus dem Blick. Russland nutzt das. In dieser Woche feuerte Moskau fast 1.000 Drohnen und 34 Raketen auf die Ukraine. Einen Tag später antwortete Kiew mit fast 400 Drohnen gegen russische Regionen und die Krim. Währenddessen reist Wolodymyr Selenskyj unangekündigt nach Saudi-Arabien, wenige Tage nachdem er öffentlich gemacht hatte, dass die Ukraine fünf Länder im Nahen Osten bei der Abwehr von Drohnenangriffen unterstützt – Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Kuwait und Jordanien. Das ist eine der bittersten Linien dieses Krieges. Ein Land, das seit Jahren lernt, mit Drohnen, Raketen und Luftangriffen zu leben, wird nun für andere Staaten in derselben Lage zum Ausbilder.
Wirtschaftlich haben die Märkte ihre Antwort längst gegeben. Brent stieg am Donnerstag auf 100,93 Dollar pro Barrel, US-Öl auf 93,05 Dollar. Die Börsen schwankten. Der S&P 500 verlor 0,4 Prozent, der Nasdaq 0,6 Prozent, der Dow blieb fast unverändert. Energieunternehmen profitieren, andere Branchen geraten unter Druck, weil höhere Energiekosten die Nachfrage nach Stahl, Industrieprodukten und Konsumgütern bremsen könnten. Trump sagte zwar, man denke über Schritte gegen steigende Spritpreise nach, wolle die Bundessteuer auf Benzin aber vorerst nicht aussetzen. Diese Möglichkeit sei etwas, das man in der Tasche habe. Stattdessen schlug er vor, die Bundesstaaten sollten ihre eigenen Steuern senken. Für Freitag kündigte er zudem Maßnahmen zur Unterstützung amerikanischer Farmer an, weil die Kosten für Düngemittel inmitten der Aussaat steigen.
Auch abseits der unmittelbaren Kriegsteilnehmer verschiebt sich die Rhetorik. Huthi-Führer Abdul Malik al-Houthi erneuerte im Jemen seine Unterstützung für Iran und rief zu Solidaritätsprotesten auf. Er sprach von einem ungerechtfertigten Krieg der USA und Israels und sagte, falls Entwicklungen eine militärische Antwort nötig machten, werde man darauf reagieren. In Uganda drohte General Muhoozi Kainerugaba in sozialen Medien sogar damit, sein Land würde auf der Seite Israels in den Krieg eintreten, falls es darum gebeten werde. Solche Aussagen sind nicht gleichbedeutend mit unmittelbarer militärischer Beteiligung. Aber sie zeigen, wie weit sich dieser Krieg bereits in politische Räume hineinfrisst, die zunächst fern wirken.
Was am Ende dieses Tages bleibt, ist ein Gesamtbild, das ernster ist als viele der täglichen Schlagzeilen. Der Krieg gegen Iran ist nicht nur ein Luftkrieg. Er ist nicht nur ein Konflikt um Raketen, Nuklearanlagen oder eine Wasserstraße. Er treibt Inflation, bedroht Ernährungssicherheit, belastet arme Länder über Rücküberweisungen, macht Stromnetze und Städte zu Zielen, drückt Millionen Menschen in Libanon in Unsicherheit, zwingt Regierungen in Europa zu Krisenmaßnahmen, verschmutzt Luft, Wasser und Böden und lenkt Aufmerksamkeit und Ressourcen von anderen Kriegen ab. Die Fronten liegen nicht mehr nur auf Karten. Sie verlaufen längst durch Märkte, Felder, Häfen, Wohnungen, Tankstellen und Kühlschränke. Genau darin liegt die wahre Größe dieser Eskalation. Nicht in den Siegesworten aus Washington, sondern in dem Schaden, der schon jetzt weit über den Kriegsschauplatz hinausreicht.
Am Ende bleibt, was bleibt – Trump schreibt und schreibt …

Trump drohte, dann zögerte, dann verschob er die Frist auf den 6. April – weil die Gespräche angeblich gut laufen. Noch am Montag klang es nach Krieg, am Donnerstag nach Geduld. Iran hatte unmissverständlich gemacht, dass Angriffe auf seine Energieanlagen die gesamte Region treffen würden – Entsalzungsanlagen eingeschlossen. Was hier als Diplomatie verkauft wird, ist in Wahrheit das, was es schon die ganze Zeit war: kein Plan, nur Druck – und die Hoffnung, dass irgendetwas davon funktioniert.
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