Recherchen zeigen auf: freedom.gov – Washington plant digitalen Zugang zu gesperrten Inhalten in Europa

VonRainer Hofmann

Februar 19, 2026

Washington arbeitet an einem Projekt, das weit über eine technische Plattform hinausgeht. Unter der Adresse freedom.gov soll ein Online-Portal entstehen, über das Nutzer in Europa und anderen Regionen auf Inhalte zugreifen können, die dort durch staatliche Stellen gesperrt wurden. Intern, das ergaben unsere Recherchen, wird offenbar sogar eine eingebaute VPN-Funktion diskutiert, sodass der Datenverkehr so wirkt, als käme er aus den Vereinigten Staaten. Zudem ist vorgesehen, die Nutzung nicht zu protokollieren. Das ist keine Detailfrage, sondern ein direkter Eingriff in bestehende digitale Rechtsräume. In Europa gelten inzwischen klare Vorgaben für Plattformen. Inhalte, die als Hassrede oder Terrorpropaganda eingestuft werden, müssen entfernt oder gesperrt werden. Diese Regelwerke sind politisch umkämpft, aber sie sind demokratisch legitimiert. Wenn nun eine US-Behörde einen staatlich unterstützten Zugang zu genau diesen gesperrten Inhalten schaffen will, verschiebt sich die Debatte. Es geht dann nicht mehr nur um Meinungsfreiheit im abstrakten Sinn, sondern um die Frage, wer entscheidet, welche Regeln im digitalen Raum gelten.

Die WHOIS-Registrierungsdaten der noch nicht live geschalteten Domain freedom.gov

Ein solches Portal würde faktisch nationale Regulierungsmechanismen umgehen. Technisch mag das als Service erscheinen. Politisch ist es eine klare Positionierung. Washington würde sich damit als Gegenmodell zu europäischen Plattformgesetzen präsentieren und signalisieren, dass man die dortigen Eingriffe in den Informationsfluss nicht akzeptiert. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie glaubwürdig ein Staat argumentiert, wenn er Inhalte zugänglich macht, die anderswo als strafbar gelten, während er im eigenen Land ebenfalls Gesetze gegen bestimmte Formen von Propaganda oder Unterstützung terroristischer Organisationen kennt.

Die Diskussion um eine nicht protokollierte Nutzung verstärkt die Brisanz. Anonymität kann Schutz bedeuten, gerade in autoritären Staaten. In demokratischen Rechtsordnungen ist sie jedoch auch ein sensibles Feld, weil sie Strafverfolgung und Gefahrenabwehr erschweren kann. Wenn eine Regierung aktiv Strukturen bereitstellt, die nationale Sperren aushebeln, berührt das die Frage nach digitaler Souveränität. Staaten regulieren ihren Informationsraum nicht aus Laune, sondern auf Basis politischer Mehrheiten und rechtlicher Verfahren.

Recherchen zeigen, dass das US-Außenministerium an einem neuen Online-Portal unter der Adresse freedom.gov arbeitet, das nach weiteren Erkenntnissen auf Beschränkungen von Inhalten in der EU und anderen Regionen reagieren soll. Die Website befindet sich nach aktuellem Stand vom 19. Februar 2026 noch im Aufbau.

Freedom.gov wäre damit mehr als ein Portal. Es wäre eine Positionsbestimmung. Eine politische Ansage an europäische Regierungen, dass Washington bereit ist, in ihre digitale Ordnung hineinzuwirken. Und ein Signal an Nutzer, dass nationale Grenzen im Netz relativiert werden können, wenn ein Staat es technisch ermöglicht. Ob das als Verteidigung der Freiheit oder als Einmischung wahrgenommen wird, hängt vom politischen Standpunkt ab. Unabhängig davon bleibt die zentrale Frage: Wer setzt im digitalen Raum die Regeln – und wer beansprucht das Recht, sie zu umgehen?

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Benitomo
Benitomo
1 Monat vor

Ich habe noch nicht verstanden, ob dort dann Kritik an Trump erlaubt sein wird oder nicht  😈 

Sonja Gang
Sonja Gang
1 Monat vor

So,so – Nord Streame 2 im Datenverkehr.

Vielleicht endet es genau so.

Ela Gatto
1 Monat vor

Wer glaubt, dass die jetzige US-Regierung bei freedom.gov nichts protokolliert ist naiv und dumm.

Gerade erst kam die Information, dass Google, FB, X etc Trump und ICE kritische Accounts mit Klarnamen an die Behörde weiter geben sollen.

Und dann soll bei freedom.gov absolute Anonymität gelten?

Es geht hier vor allem darum etwas aufzubauen um europäische Regularien zu umgehen.
Denn der Widerstand gegen die Intransparenz und der mangelden Verantwortung von FB und Co wird größer.

Die Idee gesperrte Inhalte in bestimmten Staaten sichtbar zu machen, ist per se gut.

Aber auf der anderen Seite ist es dann eine Plattform für jegliche Themen.
Pädophelie, Radikalisierung, Verschwörung(stheorien) etc.
Ohne Regulierung.

Aber sicher nicht ohne Protokollierung. Nicht mit dieser überwachungswütigen US Regierung.

In diesem Raum der vermeintlichen Anonymität, äußern sich Viele vielleicht klare und damit „unvorsichtiger“.
Ob Palantir auch gleich zur Datensammlung im Hintergrund eingebunden ist?

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