Die Preise steigen zuerst. Noch bevor die Nacht endet, reagieren die Märkte. US-Öl springt auf über 102 Dollar, Brent auf mehr als 108 Dollar. Vor wenigen Wochen lag der Preis noch bei rund 70. Seit Iran die Durchfahrt durch die Straße von Hormus einschränkt, ist klar, warum. Ein Fünftel der weltweiten Öltransporte läuft durch diese Meerenge. Wer dort kontrolliert, bewegt den Markt.
Während Zahlen steigen, eskaliert der Krieg weiter.
Iran feuert erneut Raketen auf Israel. Sirenen gehen in Beersheba. Einschläge bleiben begrenzt, die Botschaft nicht. Israel antwortet mit Luftangriffen, mehr als 120 Munitionen treffen Ziele in Teheran innerhalb eines Tages. Anlagen für Forschung, Entwicklung, Produktion von Waffen. Gleichzeitig meldet Iran Stromausfälle in der Hauptstadt, kurz darauf wird die Versorgung wiederhergestellt.

In Tabriz wird eine petrochemische Anlage getroffen. Keine Freisetzung gefährlicher Stoffe, heißt es. In Teheran steigt schwarzer Rauch auf, sichtbar über weite Teile der Stadt. Bilder, die sich wiederholen.
Der Krieg bleibt nicht auf diese Front beschränkt.
Die Revolutionsgarden gehen einen Schritt weiter. Wohnhäuser von US- und israelischen Militärs und politischen Verantwortlichen in der Region werden zu legitimen Zielen erklärt. Begründung: Auch iranische Wohngebiete seien angegriffen worden. Damit geht die Entwicklung einen Schritt weiter. Nicht mehr nur Infrastruktur, nicht mehr nur militärische Anlagen.

Nicht nur die Menschen leiden – Teheran ist definitiv eine „Katzenstadt“.
Parallel dazu wird der Konflikt geografisch breiter.
Israel meldet Drohnenangriffe aus dem Jemen, gestartet von den Huthi. Zwei werden abgefangen. Es sind nicht mehr einzelne Akteure, sondern ein Netzwerk von Fronten. Libanon, Irak, Jemen. In Israel brennt nach einem Raketentreffer ein Werk der Firma ADAMA, eine Anlage für Pestizide. Das Feuer wird als Gefahrstofflage eingestuft. Evakuierungen folgen, Verletzte gibt es keine.
Im Libanon sind mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Benjamin Netanyahu kündigt an, die Offensive auszuweiten, die Sicherheitszone zu vergrößern. Für viele klingt das nach einem weiteren Schritt in Richtung dauerhafte Präsenz. Für diejenigen, die bereits in Zelten oder Schulen leben, ist es ein weiterer Grund, nicht zurückzukehren.
Auch im Irak wird die Lage unsicherer. Die US-Botschaft warnt vor möglichen Angriffen auf Universitäten mit amerikanischem Bezug. Studenten wechseln ins Online-Format. Gleichzeitig greifen mit Iran verbundene Milizen US-Stützpunkte an. Der Konflikt zieht Kreise, die nicht mehr klar abgrenzbar sind.
Und trotzdem gibt es einen Ort, an dem noch gesprochen wurde.
Pakistan bringt Außenminister aus der Türkei, Ägypten und Saudi-Arabien zusammen. Ishaq Dar spricht davon, dass beide Seiten Vertrauen in die Vermittlung hätten und man bereit sei, Gespräche zwischen den USA und Iran auszurichten. Direkt oder indirekt, das bleibt offen. Wochen stiller Diplomatie liegen bereits hinter diesem Versuch.
Teheran reagiert widersprüchlich.
Einerseits werden Gespräche als Fassade abgetan. Mohammad Bagher Qalibaf nennt amerikanische Vorschläge Wunschdenken und kündigt an, man warte auf Bodentruppen, um sie zu verbrennen. Andererseits lässt Iran gezielt Schiffe durch die Straße von Hormus passieren, diesmal unter pakistanischer Flagge. Ein Signal, dass wirtschaftliche Verbindungen selektiv offen bleiben, solange der Druck nicht weiter steigt.
Die Forderungen liegen weit auseinander.
Iran verlangt Garantien gegen weitere Angriffe, Reparationen und die vollständige Kontrolle über die Straße von Hormus. Die USA setzen auf Bedingungen, die in Teheran als Kapitulation verstanden werden. Dazwischen steht die Frage, ob überhaupt noch ein gemeinsamer Punkt existiert.
Gleichzeitig verschärft sich die Lage an einer Stelle, die lange ausgespart wurde.
Universitäten geraten ins Visier. Nach Angriffen auf iranische Einrichtungen drohen die Revolutionsgarden damit, israelische Universitäten und US-Hochschulen in der Region als legitime Ziele zu behandeln, falls es keine Sicherheitszusagen gibt. Damit wird ein Bereich getroffen, der bisher als geschützt galt.
Die Zahlen des Krieges wachsen weiter.
Mehr als 3.000 Tote insgesamt. Über 1.900 im Iran, 19 in Israel. Im Libanon mehr als 1.200. Im Irak 80 Sicherheitskräfte. In den Golfstaaten 20. Im Westjordanland vier. Dreizehn US-Soldaten sind ebenfalls gefallen. Und während diese Zahlen steigen, laufen zwei Bewegungen parallel. Auf der einen Seite Truppen, Raketen, Drohnen, Angriffe auf Infrastruktur und zunehmend auch auf zivile Bereiche. Auf der anderen Seite Gespräche, die noch nicht einmal bestätigt sind, die jederzeit scheitern können, die aber die letzte Möglichkeit darstellen, bevor sich dieser Krieg weiter ausdehnt.
Die Märkte reagieren sofort. Die Politik zögert. Und die Fronten bewegen sich schneller als jede Verhandlung.
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Danke für die umfassende Information. Mir macht dieser unkontrollierbare Krieg Angst. Es war/ist ein gr. Unrecht der USA und Israels diesen Krieg zu beginnen (der falsche Zeitpunkt, um gg den Iran vorzugehen), der letztendlich so viele Staaten weltweit aufs Übelste betrifft.
Um afrikanische arme Staaten z. B. kann man bes. besorgt sein. Wenn Dünger usw. fehlen, dann sind Hungersnöte die Folge. Und jetzt? Wie kann der eitle Trump gesichtswahrend aussteigen? Gar nicht. Bald werden Bodentruppen eingesetzt werden und die Eskalation wird weitergehen. Grauenvoll! Unfähige und autoritäre Herrscher setzen die Welt in Brand und was machen wir Europäer?
..es ist schlimm was aktuell passiert und besonders der vorwand, die bevölkerung zu befreien einfach nur ein witz. europa, nicht viel was da kommt und so lange europa schweigt und sich nicht trump in den weg stellt, ausnahmen spanien und leicht macron, mach der powerclown was er will …