Minneapolis für den Friedensnobelpreis – Eine Stadt zwischen Bundesmacht und zivilem Widerstand

VonRainer Hofmann

Februar 8, 2026

Minneapolis ist seit Wochen Schauplatz einer der härtesten innenpolitischen Auseinandersetzungen der Vereinigten Staaten. Bundesbehörden führen umfangreiche Einwanderungsmaßnahmen durch, Gerichte sind überlastet, Straßen werden zu Orten des Protests. Inmitten dieser Lage wurde die Stadt offiziell für den Friedensnobelpreis 2026 nominiert. Die Initiative ging von The Nation aus, einem traditionsreichen progressiven US-Magazin, gegründet 1865. Die Redaktion veröffentlichte Ende Januar ihr Schreiben an das norwegische Nobelkomitee und erklärte öffentlich ihre Absicht, Minneapolis vorzuschlagen. In dem Brief wird der gewaltfreie Widerstand der Bevölkerung gegen die verschärfte Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump als entscheidender Grund genannt. Gewählte Vertreter, Geistliche und Gewerkschaften hätten zu friedlichen Demonstrationen aufgerufen. Zehntausende seien diesem Aufruf gefolgt – trotz eisiger Temperaturen. Auf den Straßen erklang der Ruf: „Kein Hass, keine Angst – Migranten sind hier willkommen.“

Die Begründung verweist nicht nur auf Proteste. Bewohner hätten Lebensmittel an Nachbarn geliefert, die aus Angst vor Festnahmen ihre Häuser nicht mehr verließen. Andere hätten finanzielle Unterstützung organisiert für Menschen, die ihre Arbeitsplätze vorübergehend nicht aufsuchen konnten. Die Redaktion beschreibt diese gegenseitige Hilfe als Ausdruck demokratischer Verantwortung und zivilgesellschaftlicher Stärke. Formal eingereicht wurde die Nominierung von Jon Wiener, emeritierter Geschichtsprofessor an der University of California, Irvine. Hochschulprofessoren gehören zu dem Kreis der Personen, die laut Statuten berechtigt sind, Kandidaten für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Der Eingang der Nominierung wurde vom Nobelkomitee bestätigt.

Ob Minneapolis die erste Stadt ist, die jemals nominiert wurde, lässt sich nicht klären. Die Namen der Nominierten bleiben fünfzig Jahre lang vertraulich. Bekannt ist lediglich, dass seit 1901 insgesamt 143 Friedensnobelpreise vergeben wurden, darunter 31 an Organisationen – aber keiner an eine Kommune. Ob die Auszeichnung am Ende tatsächlich nach Minneapolis geht, ist offen. Die Nominierung selbst setzt jedoch ein Zeichen. Eine amerikanische Stadt wird nicht wegen Diplomatie oder internationaler Verträge genannt, sondern wegen öffentlicher Versammlung, gegenseitiger Hilfe und friedlichem Protest. In einer Phase, in der Einwanderungspolitik mit massiver Durchsetzung betrieben wird, steht damit auch ein anderes Bild im Raum: Bürger, die sich auf ihre Rechte berufen und füreinander einstehen.

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