Pete Hegseth leitet das amerikanische Verteidigungsministerium. Er tut das mit seiner Bibel in der Hand und seinem Gebet auf den Lippen, das man nicht einfach als Frömmigkeit abtun kann.
Am Mittwoch hielt Hegseth seinen ersten monatlichen christlichen Gottesdienst im Pentagon seit Beginn des Irankriegs. Zivile Mitarbeiter und Militärangehörige saßen zusammen, der Gottesdienst wurde live übertragen. Hegseth betete, jede Kugel möge ihr Ziel finden – „gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer großen Nation.“ Und dann der Satz, der bleibt: „überwältigende Gewalt gegen jene, die keine Gnade verdienen.“
Pete Hegseth – Ex-Fox-Moderator, Fanatiker, selbsternannter Kriegsminister. Was er als Religion bezeichnet, hat mit Religion nichts zu tun. Es ist ihr Missbrauch. Und die Welt schaut zu.
Er sagte, das Gebet stamme ursprünglich von einem Militärkaplan – gesprochen für die Truppen, die den damaligen venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro gefangen nahmen. Hegseth fand es passend, es erneut zu sprechen. Im Pentagon. Vor Bundesangestellten. Im Namen Jesu Christi.
Das ist nicht die Sprache eines Verteidigungsministers. Das ist die Sprache eines Kreuzzugs. Hegseth nennt sich Kriegsminister – ein Titel, den ihm kein Kongress je zugestanden hat.
Hegseth gehört der Communion of Reformed Evangelical Churches an, einem konservativen Netzwerk, das vom selbsternannten christlichen Nationalisten Doug Wilson mitgegründet wurde. Wilson predigte im Februar im Pentagon. CREC-Pastoren sind bei Hegseths Gottesdiensten mindestens dreimal aufgetreten. Sein Gemeindepastor Brooks Potteiger – derselbe, der öffentlich den Tod eines demokratischen Politikers begrüßte – wird demnächst nach Washington ziehen, um dort eine neue CREC-Gemeinde zu leiten, die Hegseth besucht.
Siehe unseren Artikel: „Ich bete, dass Gott ihn tötet.“ – „Richtig. Wir wollen, dass er mit Christus gekreuzigt wird“
In einem Land ohne Staatsreligion stelle sich hier die Frage, was es bedeute, wenn ein Verteidigungsminister nicht allgemein religiös sei, sondern sehr spezifisch – und zwar in einer ganz bestimmten Form des protestantischen Christentums. Die Antwort darauf gibt Hegseth selbst. Er sagt, er höre viel von der „Freiheit-von-Religion-Fraktion“. Sie hasse das. „Die Linke kreischt, was bedeutet, dass wir genau über dem Ziel sind.“ Ein Satz, der in einem anderen Kontext als Einschüchterung bezeichnet würde.
Americans United for Separation of Church and State hat am Montag Klage eingereicht. Die Gruppe will interne Kommunikation über die Gottesdienste, deren Kosten, Gäste und eventuelle Beschwerden von Mitarbeitern einsehen. Sie argumentiert, dass auch wenn die Teilnahme freiwillig sei, der Druck auf Bundesangestellte real sei – weil der Mann, der betet, auch derjenige ist, der über ihre Karriere entscheidet.
Parallel dazu hat Hegseth angekündigt, das Militärseelsorgesystem umzubauen. Weniger therapeutische Seelsorge, mehr Gottesdienst. Die Anzahl der anerkannten Religionszugehörigkeiten wurde von über 200 auf 31 reduziert. Atheisten, Agnostiker, Wicca-Anhänger – gestrichen. Wer nicht ins Bild passt, passt eben nicht rein.
Man sitzt mit all dem und fragt sich, wie weit das noch geht. Ein Verteidigungsminister, der Kreuzzüge verteidigt, dessen Pastor den Tod politischer Gegner begrüßt, der im Pentagon für Gewalt betet und gleichzeitig die religiöse Vielfalt seiner eigenen Truppen ignoriert – fast 30 Prozent der amerikanischen Soldaten sind keine Christen.
Hegseth sagte selbst, er veranstalte die Gottesdienste, weil er sie brauche. „Mehr als irgendjemand sonst.“ Vielleicht ist das der ehrlichste Satz, den er je gesagt hat. Aber was jemand braucht und was er mit der Macht eines Ministeriums durchsetzen darf – das sind zwei sehr verschiedene Dinge. Und diese Grenze hat er längst überschritten. In allen Religionen dieser Welt, egal welcher, wäre man sich wohl in einem einig: Pete Hegseth – was für eine arme Seele.
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