Drei einflussreiche US-Kardinäle haben der Trump-Regierung ungewöhnlich deutlich ins Gewissen geredet. In einer gemeinsamen Erklärung betonen Blase Cupich, Robert McElroy und Joseph Tobin, dass die außenpolitische Debatte in Washington ohne einen tragfähigen moralischen Kompass ihre Richtung verliert. Sie kritisieren, dass sie zunehmend von Polarisierung und Parteidenken geprägt sei und sich an engen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen festfahre, anstatt Verantwortung, Maß und langfristige Orientierung erkennen zu lassen. Sie warnen davor, dass militärische Gewalt, Drohungen gegen Grönland und massive Kürzungen der Auslandshilfe Leid erzeugen statt Frieden. Die Kardinäle machen klar, dass es ihnen nicht um Parteipolitik geht, sondern um die Frage, welche Rolle die Vereinigten Staaten in der Welt noch spielen wollen.
Einer der Kardinäle macht deutlich, dass sich nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit eine außenpolitische Verantwortungslosigkeit ausgebreitet habe. Gerade weil die USA nach wie vor über außergewöhnliche Macht und Reichweite verfügten, könne sich das Land dieser Entwicklung nicht entziehen. Aus Einfluss erwachse Pflicht – und genau diese besondere Verantwortung werde derzeit zu oft verdrängt.

Der Vorstoß ist auch deshalb bemerkenswert, weil er nicht isoliert steht. Bereits zuvor hatte die katholische Bischofskonferenz der USA die Massenabschiebungen und die öffentliche Abwertung von Migranten scharf verurteilt. Nun wird der Blick geweitet: Venezuela, Grönland, die Ukraine, dazu die radikale Schwächung der Entwicklungshilfe. All das werfe grundlegende Fragen auf, wann Gewalt legitim sei und was Frieden überhaupt bedeute. Die Kardinäle berufen sich ausdrücklich auf eine außenpolitische Grundsatzrede des Papstes, der den Einsatz von Gewalt zur Durchsetzung nationaler Interessen scharf kritisiert und die internationale Rechtsordnung verteidigt hat. Militär dürfe niemals ein normales Instrument der Politik sein, sondern höchstens letzter Ausweg in extremen Situationen. Frieden lasse sich nicht erzwingen, schon gar nicht im Namen eigener Vorteile.
Besonders deutlich wird die Kritik an der Vorstellung, Wohlstand könne auf unmenschlicher Behandlung anderer beruhen. Gemeinwohl, Menschenwürde und das Recht auf Leben seien keine verhandelbaren Größen. Auch der massive Rückzug aus der Entwicklungshilfe wird als moralischer Rückschritt beschrieben, weil diese Hilfe weltweit Hunger lindert, Gesundheit sichert und Stabilität schafft.
Am Ende insistieren die Kardinäle darauf, dass ihre Worte keine Parteinahme sind, sondern eine Einladung. Eine Einladung an Politik und Gesellschaft, Außenpolitik wieder an elementaren Maßstäben menschlicher Würde auszurichten. Nicht Macht, nicht Drohung, nicht militärische Überlegenheit sollen den Ausschlag geben, sondern Verantwortung. In einer Zeit wachsender Härte ist das eine seltene, aber umso deutlichere Mahnung.
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