Im East Room des Weißen Hauses sollten drei Soldaten mit der Medal of Honor geehrt werden. Es ist die höchste militärische Auszeichnung der Vereinigten Staaten, gedacht für Mut unter extremsten Bedingungen. Präsident Donald Trump nutzte den Moment jedoch nicht nur für Würdigungen. Er sprach über Stoffe, Farben, Bauarbeiten. Über Vorhänge.
„Ich habe diese Vorhänge in meiner ersten Amtszeit ausgesucht. Ich mochte Gold schon immer.“
Der neue Ballsaal im Ostflügel werde der „schönste Ballsaal irgendwo auf der Welt, führte er weiter aus. Während hinter ihm gehämmert werde, von sechs Uhr morgens bis halb zwölf nachts, höre er „diesen schönen Klang“, der für ihn Geld bedeute. „Aber meine Frau ist nicht begeistert“, fügte er hinzu. Die Szene war bizarr. Orden, Teleprompter, Goldtöne. Und Baugeräusche als Soundtrack. Die Renovierungen sind mehr als nur Architektur. Die Kunsthistorikerin Erin Thompson vom John Jay College sieht darin eine Inszenierung von Veränderung, die politische Versprechen ersetzen soll. Stilentscheidungen, so Thompson, passten zur politischen Botschaft: der Blick zurück auf eine idealisierte Vergangenheit, die größer erscheine als die Gegenwart. Es ist eine Ästhetik, die Macht zeigen soll.
Trumps Zustand: deutliche Zeichen geistiger Ermüdung, das beweist, dass Zuverlässigkeit durchaus auch negative Formen annehmen kann
Nach den Vorhängen kam der Krieg. Trump äußerte sich erstmals öffentlich zu den gemeinsamen US- und israelischen Luftangriffen auf Iran. In Minab im Süden des Landes sollen dabei mehr als hundert Schulkinder getötet worden sein. Vier US-Soldaten sind inzwischen ebenfalls ums Leben gekommen, nachdem Iran auf die Angriffe vom Samstag reagiert hatte. Während der Zeremonie wiederholte der Präsident, die militärischen Operationen würden voraussichtlich vier bis fünf Wochen dauern, schloss aber einen „deutlich längeren“ Einsatz nicht aus. Er rechtfertigte die Angriffe mit bekannten Argumenten: Iran stehe kurz davor, Atomwaffen zu entwickeln, die Verbündete bedrohten und sogar die Vereinigten Staaten erreichen könnten. Diese Darstellung steht im Widerspruch zu offiziellen Einschätzungen der US-Regierung selbst. Noch im Juni hatte das Weiße Haus erklärt, Irans Atomanlagen seien „vernichtet“ worden, anderslautende Behauptungen seien Falschmeldungen.
Während also Orden verliehen wurden, liefen Bauarbeiten weiter, und Bomben fielen tausende Kilometer entfernt. Drei Soldaten wurden geehrt. Vier sind bereits gefallen. Und im East Room des Weißen Hauses sprach der Präsident über goldene Vorhänge und einen Ballsaal, der der schönste der Welt werden soll.
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