Flammen und viele Tote am Golf – Wenn der Krieg die Weltwirtschaft trifft

VonRainer Hofmann

März 2, 2026

Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran hat am Montag eine neue Dimension erreicht. Es geht nicht mehr nur um Militärbasen oder einzelne Ziele. Tanker werden getroffen, Raffinerien geschlossen, Botschaften beschossen, Kampfjets stürzen ab. Der Seeweg durch die Straße von Hormus, durch den rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels fließt, ist faktisch blockiert. Im Golf von Oman rammte ein mit Sprengstoff beladenes Drohnenboot den unter der Flagge der Marshallinseln fahrenden Öltanker „MKD VYOM“. Ein indischer Seemann kam ums Leben. Oman bestätigte den Angriff vor der Küste von Maskat. Teheran hatte zuvor Schiffe gewarnt, die sich der Meerenge nähern. Laut der Schiffsplattform MarineTraffic ist der Verkehr durch die Straße von Hormus seit Beginn der massiven US-israelischen Angriffe um etwa 70 Prozent zurückgegangen. Schiffe drehen ab, stoppen oder ändern kurzfristig ihre Route.

Saudi-Arabien reagierte nach einem Drohnenangriff mit der vorübergehenden Schließung der Raffinerie Ras Tanura bei Dammam. Die Anlage verarbeitet mehr als eine halbe Million Barrel Rohöl pro Tag. Rauch war über dem Gelände zu sehen. Riad sprach von einer Vorsichtsmaßnahme. Der Angriff auf Ras Tanura markiert einen direkten Schlag gegen das wirtschaftliche Herz des Königreichs. Griechenland reagierte ebenfalls auf iranische Drohnenangriffe auf eine britische Basis auf Zypern mit der Entsendung von zwei Fregatten und zwei Kampfjets. Verteidigungsminister Nikos Dendias betonte, dass eines der Kriegsschiffe mit einem modernen Anti-Drohnen-System ausgerüstet ist, das zuletzt bei einem EU-Einsatz im Roten Meer zum Schutz internationaler Schifffahrt erprobt wurde.

Auch Kuwait geriet unter massiven Beschuss. Raketen und Drohnen trafen das Land, das den US-Fünften Flottenverband beherbergt. Aus dem Areal der US-Botschaft in Kuwait-Stadt stiegen Feuer und Rauch auf. Die Vereinigten Staaten warnten ihre Staatsbürger, Schutz zu suchen und nicht zur Botschaft zu kommen. Zeitgleich erklärte das US-Zentralkommando, dass Kuwait während der Gefechte versehentlich drei amerikanische F-15E Strike Eagles abgeschossen habe. Die Jets befanden sich im Kampfeinsatz, als iranische Flugzeuge, ballistische Raketen und Drohnen das Land attackierten. Alle sechs Besatzungsmitglieder konnten sich per Schleudersitz retten und wurden geborgen. Iranisches Staatsfernsehen behauptete später, Teheran habe eines der Flugzeuge gezielt getroffen.

Katar meldete zwei iranische Drohnenangriffe auf Energieanlagen – darunter ein Wassertank bei einem Kraftwerk in Mesaieed sowie eine Anlage von Qatar Energy in Ras Laffan. Es gab keine Toten. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Drohnen über Abu Dhabi abgefangen. Trümmerteile beschädigten ein Lagerhaus und ein Gewerbegebäude. Die Emirate setzten daraufhin den Handel an den Börsen in Abu Dhabi und Dubai für Montag und Dienstag aus. Der Luftverkehr in der Region liegt am Boden. Etihad Airways stellte sämtliche Flüge von und nach Abu Dhabi bis mindestens Dienstag 14 Uhr Ortszeit ein. Qatar Airways ließ den Betrieb ebenfalls ausgesetzt. Jordanien schloss seinen Luftraum täglich zwischen 18 Uhr und 7 Uhr morgens. Zehntausende Reisende sitzen fest.

Deutschland erklärte, sich militärisch nicht am Krieg gegen Iran zu beteiligen. Außenminister Johann Wadephul sagte im Deutschlandfunk, die Bundesregierung habe weder die Absicht noch die militärischen Mittel, um aktiv einzugreifen. Zugleich stellte er klar, dass Bundeswehrsoldaten in Jordanien oder im Irak sich verteidigen würden, sollten sie angegriffen werden. Angriffe auf multinationale Basen in Irbil im Nordirak und Al-Azraq in Jordanien wurden gemeldet, deutsche Soldaten blieben unverletzt. Rund 30.000 deutsche Touristen sitzen laut Wadephul im Nahen Osten fest. Eine militärische Evakuierung sei wegen der geschlossenen Lufträume derzeit unmöglich.

Die Hisbollah, die vom Iran unterstützte Terrororganisation im Libanon, hat Raketen auf den Norden Israels abgefeuert

Im Libanon eskalierte die Lage weiter. Nachdem die Hisbollah Raketen auf Israel abgefeuert hatte, griff die israelische Luftwaffe erneut Ziele in Beirut und im Süden des Landes an. Mindestens 31 Menschen wurden laut libanesischem Gesundheitsministerium getötet, 149 verletzt. Generalstabschef Eyal Zamir sprach von möglicherweise vielen Kampftagen. Militärsprecher Effie Defrin erklärte, man halte auch eine Bodenoffensive im Libanon für möglich. Premierminister Nawaf Salam forderte die Hisbollah auf, ihre Waffen an den Staat zu übergeben. Nur der Staat entscheide über Krieg und Frieden.

In Iran selbst meldete die Iranische Rote Halbmondgesellschaft mindestens 555 Tote in 131 betroffenen Städten. In Sanandadsch starben drei Menschen bei Angriffen auf Wohngebiete. In Yazd wurden laut Staatsmedien sechs Orte getroffen. Das Gandhi-Krankenhaus in Teheran wurde beschädigt, nachdem ein Angriff einen nahegelegenen Sendeturm des Staatsfernsehens traf. Augenzeugen berichteten von einem Einschlag in Nord-Teheran, der das staatliche Fernsehprogramm unterbrach.

Irans Botschafter bei der Internationalen Atomenergiebehörde, Reza Najafi, erklärte, die Anlage zur Urananreicherung in Natans sei Ziel von Luftschlägen gewesen. Die USA und Israel bestätigten dies nicht. IAEA-Chef Rafael Mariano Grossi sagte in Wien, es gebe bislang keine Hinweise auf Schäden an Atomanlagen wie Buschehr oder dem Forschungsreaktor in Teheran und keine erhöhten Strahlungswerte in Nachbarstaaten.

Teheran letzte Nacht

Nach dem Tod von Revolutionsführer Ali Chamenei bei US-israelischen Angriffen führt ein provisorischer Rat die Staatsgeschäfte. Ihm gehören der Geistliche Alireza Arafi, Präsident Masoud Pezeshkian und Justizchef Gholamhossein Mohseni Ejei an. Arafi sagte im Staatsfernsehen, man hoffe auf eine schnelle Ernennung eines neuen Obersten Führers durch die 88-köpfige Expertenversammlung. Der einflussreiche Politiker Ali Larijani erklärte öffentlich, Iran werde mit den Vereinigten Staaten nicht verhandeln.

In Bahrain heulten Sirenen, nachdem das Land unter Beschuss geraten war. In Irbil im Nordirak waren Explosionen zu hören. In Zypern traf eine Drohne das Gelände der britischen Luftwaffenbasis RAF Akrotiri. In der Türkei wurden Grenzübertritte für kurzfristige Reisen iranischer Staatsbürger vorübergehend gestoppt.

Donald Trump: „Drei Angehörige der US-Streitkräfte sind im Einsatz gefallen … Leider wird es wahrscheinlich noch mehr geben, bevor es vorbei ist. So ist es nun einmal. Wahrscheinlich werden es mehr.“ (Diese Aussage entbehrt jeden weiteren Kommentars – Anmerkung der Redaktion.)

Für Dienstag ist eine Unterrichtung des gesamten Kongresses vorgesehen, an der neben Hegseth und Caine auch Außenminister Marco Rubio und CIA-Direktor John Ratcliffe teilnehmen sollen. Präsident Donald Trump erklärte in einer Videobotschaft, es werde „wahrscheinlich weitere“ gefallene US-Soldaten geben, bevor der Konflikt ende, man werde die Toten rächen. Im Pentagon verteidigte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth den gemeinsamen Militärschlag gegen Iran als notwendige Antwort auf jahrelange Eskalation. Teheran habe bei Verhandlungen gezielt auf Zeit gespielt und parallel Raketen- und Drohnensysteme aufgebaut, um seine nuklearen Ambitionen militärisch abzusichern. Die Operation sei die „präziseste Luftoperation der Geschichte“ gewesen, sagte Hegseth, und sprach von Vergeltung für eine jahrzehntelange antiamerikanische Strategie Irans in der Region. Zugleich schnellten die europäischen Gas-Futures um mehr als 42 Prozent nach oben – ein Signal, wie unmittelbar der Krieg die Energiemärkte trifft.

Pete Hegseth

Auch auf Zypern wächst der Druck. Die Regierung in Nikosia kündigte an, offiziell gegen die Nutzung britischer Militärbasen auf der Insel für Angriffe auf Iran zu protestieren. Regierungssprecher Constantinos Letymbiotis verwies auf frühere Zusicherungen Londons, die Stützpunkte würden ausschließlich humanitär genutzt. Nachdem Premierminister Keir Starmer jedoch der Verwendung der Basen für US-Operationen zugestimmt hatte, sieht sich Präsident Nikos Christodoulides mit einer heiklen Lage konfrontiert – zwischen Bündnispartnern und regionaler Eskalation.

Die Märkte reagierten sofort. Der Ölpreis stieg um rund neun Prozent. Die Futures auf Dow Jones und S&P 500 gaben deutlich nach. Der Dollar legte gegenüber Yen und Euro zu. In Europa starteten die Börsen schwächer, während Energiewerte in China zulegten. Dieser Krieg greift nach allem, was Staaten stabil hält: Energie, Handel, Transport, Diplomatie. Tanker brennen, Raffinerien stehen still, Kampfjets stürzen ab, Botschaften werden getroffen, Lufträume schließen. Die Straße von Hormus ist zum Nadelöhr geworden, durch das die Weltwirtschaft kaum noch passt. Jeder weitere Tag erhöht den Druck – militärisch, wirtschaftlich, politisch.

Charkiw

Krieg, und die Welt hat scheinbar nicht genug davon. Während in Charkiw erneut Wohnhäuser, ein Kinderkrankenhaus, Parks und eine Gasförderanlage getroffen werden, während mindestens neun Siedlungen unter Beschuss stehen und Menschen verletzt aus Trümmern kommen, stehen anderswo abstürzende US-Kampfmaschinen höher im Kurs.

Die Ukraine hält dagegen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig. Urainische Kräfte haben mehrere strategische Ziele getroffen, darunter russische Kriegsschiffe sowie das 30N6E2-Radarleitsystem des Luftabwehrsystems S-300 PMU-2 „Favorit“. Zudem wurden das Luftabwehrsystem Pantsir-S2 und sechs von sieben Öl-Umschlagpunkten des Sheskharis-Terminals zerstört – ein deutlicher Gegenschlag gegen militärische und logistische Infrastruktur.

Das Spektakel verdrängt das Fürchterliche. Doch die Summe dieser Nachrichten erzählt etwas anderes: Die Welt befindet sich nicht nur im Wandel, sie steht unter Alarm. Autoritäre Landesführer gewinnen an Raum, Rechtspopulismus vergiftet demokratische Republiken, und der Ausnahmezustand frisst sich in den Alltag.

Und inmitten dieser Schlagzeilen denken wir an unsere zwei Kaizen-Jungs, die in Indien festsitzen, blockiert von gesperrten Lufträumen und einer Lage, die täglich neu eskaliert. Krieg ist nicht nur Front und Feuer. Er ist auch Stillstand, Warteschleife, das Warten auf einen Rückflug. Wir versuchen von hier aus, dass sie schnellstmöglich zurückkommen.

Liebe Leserinnen und Leser,
wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt. Wir sind dort, wo es wehtut. Aber wir hören nicht beim Schreiben auf. Wir helfen konkret. Wir setzen uns für Menschenrechte und Völkerrecht ein — als Haltung. Gegen Machtmissbrauch. Gegen eine Politik, die mit Angst regiert und Schwächere opfert, um Stärkere zu bedienen. Wegsehen war noch nie neutral. Es hat immer denen genutzt, die darauf zählen, dass niemand hinschaut.
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Anja
Anja
9 Stunden zuvor

Ich wünsche euren beiden Kaizen Jungs in Indien eine sichere und schnelle Heimkehr

Caro
Caro
4 Stunden zuvor
Antwort auf  Rainer Hofmann

Ich habe heute mit einer Freundin in Perth/Australien gesprochen. Der gesamte Flugverkehr wird wie früher statt über Dubai über Singapur abgewickelt. Glück den kaizen Jungs.

Liss Dyckmanns
Liss Dyckmanns
9 Stunden zuvor

Wie soll es dort jemals Frieden geben können?

Ela Gatto
Ela Gatto
9 Stunden zuvor

Zwei weiße alte Männer beschließen, völkerrechtswidrig, ein anderes Land (ja es ist ein Terrorstast) anzugreifen.

Mir kann Keiner sagen, dass Niemand im nahen Osten gewusst hat, was das bedeutet.

Waren Trump und Netanyahu so naiv zu denken ein Tag Luftschlag reicht und der Iran ergibt sich?

Bis heute ist die Hamas nicht entmachtet und entwaffnet.
Die Huthi und Hisbollah treiben seit Jahren ihr Unwesen.
Die Taliban haben Afghanistan innerhalb von Tagen wieder unter kompletter Kontrolle gehabt, nachdem die USA abgezogen sind.

Aich im Iran herrscht ein Terrorregime.
Mindestens ein Drittel der Bevölkerung unterstützen die Mullahs.
Dazu Militär und Revolutionsgarde.

Das wird kein kurzer Krieg.
Der Iran ist recht gut aufgestellt, hat sich jahrelang auf so ein Szenario eingestellt.

Naiv zu denken, dass die Anreiner aktiv in den Krieg gegen den Iran eingreifen werden.
Sie werden sich „nur“ verteidigen.
Aber nicht aktiv den Iran bombardieren.

Sich ganz offen auf die Seite Israels ind USA stellen?
Da ist das Hemd näher als die Hose.

Mal sehen, wann und wie Trumps lächerliches „Board of Piece“ aktiv wird ….

Aber vermutlich darf Hegseth erstmal bisschen Krieg spielen, Trump sich bejubeln lassen.

Die Menschen vor Ort sind die Leidtragenden.😞
Euren Teammitgliedern wünsche ich eine baldige und sichere Rückkehr.

Ela Gatto
Ela Gatto
6 Stunden zuvor
Antwort auf  Rainer Hofmann

Ich denke Mark Kelley hat es bei FB auf den Punkt gebracht.

https://www.facebook.com/share/1Gp8Zi8qN5/

Barbara Buckley
Barbara Buckley
7 Stunden zuvor

Schreckliche Entwicklung, noch mehr Zerstoerung, Tote, Umweltverschmutzung, Rechtsbruch, Hass und Destabilisierung. Man kann sich allerdings schon fragen: wer profitiert wohl vom steigenden Oelpreis?

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