Europas Energieadern geraten unter Druck – Raketen über dem Golf, Energie unter Beschuss, Diplomatie am Rand des Kontrollverlusts

VonRainer Hofmann

März 2, 2026

Bahrain meldet die Abwehr einer neuen Angriffswelle aus Iran. Nach Angaben des National Communication Center wurden 70 ballistische Raketen und 59 Drohnen vom eigenen Luftabwehrsystem abgefangen. Der kleine Inselstaat im Golf steht damit direkt im Fadenkreuz eines Konflikts, der längst nicht mehr nur zwischen Washington, Jerusalem und Teheran ausgetragen wird. Gleichzeitig forderte die US-Botschaft in Beirut alle amerikanischen Staatsbürger auf, den Libanon sofort zu verlassen, solange noch kommerzielle Flüge verfügbar sind. Die Sicherheitslage sei volatil und unberechenbar. Israel flog erneut Angriffe auf die südlichen Vororte Beiruts und auf die Hafenstadt Tyros. Nach Angaben des israelischen Militärs wurde dabei der Hisbollah-Geheimdienstfunktionär Hussein Mokalleh getötet. Konsularische Dienste der USA in Beirut sind bis auf Weiteres ausgesetzt, Hilfe vor Ort könne nicht geleistet werden.

General Dan Caine

Während die Fronten sich ausdehnen, laufen in Washington die politischen und militärischen Abstimmungen. Präsident Donald Trump gab laut General Dan Caine, Vorsitzender der Joint Chiefs of Staff, am Freitag um 15:38 Uhr EST an Bord der Air Force One den Befehl zum Start der Operation. An Bord befanden sich unter anderem die Senatoren Ted Cruz und John Cornyn sowie der Schauspieler Dennis Quaid. Der Präsident habe die Freigabe mit den Worten „Operation Epic Fury genehmigt … viel Glück“ erteilt, so Caine. Monate der Vorbereitung seien vorausgegangen, unterstützt durch US-Geheimdienstinformationen, die den israelischen Streitkräften halfen, den Angriff auf Ali Chamenei zeitlich exakt zu koordinieren. Es sei ein Tagesangriff gewesen, durchgeführt von den israelischen Verteidigungsstreitkräften, ermöglicht durch die amerikanische Nachrichtendienstgemeinschaft.

Pete Hegseth schließt den Einsatz von US-Bodentruppen im Iran nicht aus, hält sich aber bedeckt.

„Präsident Trump stellt sicher, dass unsere Feinde verstehen, dass wir so weit gehen werden, wie es notwendig ist.‘“

Im Pentagon verteidigte Verteidigungsminister Pete Hegseth das Vorgehen. Iran habe über Jahre eine einseitige Gewaltstrategie gegen die USA verfolgt und während jüngster Gespräche lediglich auf Zeit gespielt. Man habe Raketen und Drohnen aufgebaut, um nukleare Ambitionen abzusichern. Die militärische Operation könne kürzer oder länger dauern als die von Trump genannten vier bis fünf Wochen. „Vier Wochen, zwei Wochen, sechs Wochen. Es kann schneller gehen, es kann länger dauern“, sagte Hegseth. Auf die Frage nach Bodentruppen wich er aus. Man werde öffentlich nicht darlegen, wie weit man zu gehen bereit sei. Bisher sind vier US-Soldaten getötet worden. Cyberangriffe hätten zu Beginn der Operation iranische Kommunikationssysteme gestört, um die Reaktionsfähigkeit Teherans zu schwächen, erklärte Caine. Geschwindigkeit, Überraschung und Härte seien entscheidend gewesen.

Auch geopolitisch verschiebt sich das Gefüge. Russlands Präsident Wladimir Putin telefonierte mit dem Emir von Katar, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, sowie mit Bahrains König Hamad bin Isa Al Khalifa. Beide Gespräche drehten sich um die Gefahr einer weiteren Eskalation und die Sorge, dass weitere Staaten in den Krieg hineingezogen werden könnten. Der Kreml sprach von einer eklatanten Verletzung des Völkerrechts durch die US-israelischen Angriffe. Russland sei bereit, mit allen verfügbaren Mitteln zur Stabilisierung beizutragen.

Iranische Drohnen haben die Anlage Ras Tanura von Saudi Aramco getroffen, eines der größten Öl-Exportterminals der Welt. Die saudischen Behörden stellten den Betrieb der Anlage nach dem Angriff ein.

Gleichzeitig geraten Europas Energieadern unter Druck. QatarEnergy kündigte an, die Produktion von Flüssigerdgas auszusetzen. In der Folge schnellten die europäischen Gas-Futures für April-Lieferungen auf 45,46 Euro je Megawattstunde nach oben, ein Anstieg von rund 42 Prozent. Die Straße von Hormus, ohnehin durch Angriffe auf Tanker und militärische Aktivitäten belastet, ist für den LNG-Transport aus dem Persischen Golf zentral. Fällt Katar als Lieferant aus, trifft das insbesondere Europa, das seit dem russischen Angriff auf die Ukraine stark auf LNG-Importe angewiesen ist. Energiepreise steigen, Lieferketten geraten ins Wanken.

Der Luftverkehr bleibt gestört. Etihad und Emirates nahmen am Nachmittag einen begrenzten Flugbetrieb wieder auf, nachdem sie zuvor sämtliche Verbindungen ausgesetzt hatten. Dubai sprach von einer eingeschränkten Wiederaufnahme, Passagiere sollten nur erscheinen, wenn sie direkt kontaktiert wurden. In Afrika blieben die Check-in-Schalter von Emirates und Qatar Airways an den Flughäfen O.R. Tambo und Kapstadt geschlossen. In Kenia wich man teilweise auf Nairobi als Zwischenstopp aus. Rund 2.700 österreichische Reisende sitzen im Nahen Osten fest, mehr als die Hälfte davon in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Deutschland kündigte an, Flugzeuge nach Oman und Saudi-Arabien zu entsenden, um besonders schutzbedürftige Bürger auszufliegen. Etwa 30.000 Deutsche befinden sich derzeit in der Region.

Keir Starmer

Auch innenpolitisch wachsen Spannungen. Trump zeigte sich enttäuscht über den britischen Premierminister Keir Starmer, weil dieser zunächst gezögert hatte, britische Basen für Angriffe freizugeben. Inzwischen dürfen Stützpunkte in England und auf Diego Garcia für Schläge gegen iranische Raketeninfrastruktur genutzt werden, nicht jedoch für andere Ziele. Trump sprach von einer nützlichen, aber verspäteten Entscheidung und warf Starmer rechtliche Bedenken vor. Die britische Vereinbarung über die Chagos-Inseln, zu denen Diego Garcia gehört, bleibt dabei politisch umstritten. Auch deutete Trump an, er selber leiste nie in seinem Leben Militärdienst, die Operationen gegen Iran werden voraussichtlich vier bis fünf Wochen dauern, er sei jedoch bereit, ‚deutlich länger als das‘ weiterzumachen.

Aus Iran selbst kommen Berichte über schwere zivile Verluste. Iranische Medien meldeten den Tod von Mansoureh Khojasteh, der Ehefrau von Ali Chamenei, die nach den Angriffen im Koma gelegen habe. Eine Menschenrechtsgruppe berichtete unter Berufung auf das Bildungsministerium, 171 Schüler seien in den vergangenen 48 Stunden getötet worden. Der schwerste Schlag habe eine Mädchenschule in Minab getroffen, mit 168 toten Schülerinnen und 95 Verletzten. Weitere Opfer wurden aus Teheran und Abyek gemeldet.

Der Konflikt hat eine Phase erreicht, in der militärische Entscheidungen, politische Rivalitäten und wirtschaftliche Folgen ineinander greifen. Raketen über dem Golf, Drohnen über Beirut, Cyberangriffe auf Teheran, Gaspreise in Europa. Der Krieg bleibt nicht regional begrenzt. Er drückt auf Energiemärkte, zwingt Regierungen zu Evakuierungen, verschiebt Bündnisse. Und er zeigt, wie schnell aus einem Schlagabtausch eine Lage entsteht, die Kontinente erfasst.

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Ela Gatto
Ela Gatto
2 Stunden zuvor

Starmer ist eingeknickt.😞
Sehr traurig.

Denn wer sagt denn, dass die Flüge, die von dort abgehen, wirklich nur Raketenstellungen beschießen?
Damit ist in den Augen der Iraner UK direkt am Angriff auf ihr Land beteiligt …..
Was das für uns in Europa bedeutet ist noch nicht abzusehen. 😞

Menschlich, wie wirtschaftlich 😞

Der Kongress wusste nichts vom Angriff.
Aber Ted Cruz und John Cornyn… und wtf Dennis Quaid?
Man sieht Trumps Prioritäten 🤬

Und Russland schwingt sich als moralischer Vermittler auf.
Russland das seit 4 Jahren die Ukraine terrorisiert und tausende Zivilisten getötet hat 🤬🤬🤬

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