Am Donnerstag hat die Familie von Renee Good die amerikanische Regierung verklagt, dazu die führenden Köpfe hinter Donald Trumps Abschiebeoffensive. Nach den tödlichen Schüssen eines Bundesbeamten im Januar sei „jetzt absolut der Zeitpunkt für Rechenschaft“, erklärten ihre Angehörigen. Goods Partnerin Becca Good und ihr Bruder Brent Ganger werfen der Regierung und dem ICE-Beamten Jonathan Ross, der in ihren Geländewagen schoss, eine ungerechtfertigte und unverhältnismäßige Gewaltanwendung vor.

Die Schüsse fielen am 7. Januar, als in Minneapolis Proteste gegen Einwanderungsrazzien aufflammten. Becca und Renee Good hatten ihr Auto angehalten, um Nachbarn während eines Einsatzes der Einwanderungsbehörde beizustehen. Videos von Augenzeugen zeigen Renee Good am Steuer eines roten Geländewagens, der die Straße zum Teil blockierte. Sie hupte mehrmals. zwei Beamte stiegen aus, die Gesichter bedeckt, einer befahl ihr auszusteigen. Sie setzte kurz zurück und drehte das Lenkrad, während der Ruf „Steigen Sie aus dem Auto“ erneut kam. Becca Good stand auf der Straße und rief „Fahr, Baby, fahr“. Der Beamte vor dem Wagen zog die Waffe und schoss durch die Windschutzscheibe. Er wich zurück, der Wagen drehte von ihm weg. Dicht am geöffneten Fahrerfenster gab er zwei weitere Schüsse ab und traf Renee Good tödlich, wie die Auswertung der Videos ergab.

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Schüsse auf offener Straße – Ein ICE-Einsatz tötet eine Mutter und macht ein Kind zur Vollwaise
Die ganze Welt habe zusehen müssen, wie ihr gesamtes Universum zerstört worden sei, sagte Becca Good später. Die Bundesbehörden erklärten damals, der Beamte habe in Notwehr gehandelt, Good habe einen „Akt des Inlandsterrorismus“ begangen. Eine Mutter, die hupt und davonfahren will, gilt der Behörde damit als Staatsfeindin. Die Klage nennt die Schüsse das „vorhersehbare und beabsichtigte Ergebnis“ einer Offensive gegen somalische und andere Einwanderer in Minnesota, geführt unter dem Namen „Operation Metro Surge“. Wenige Wochen später starb in Minneapolis der US-Bürger Alex Pretti. Beide Todesfälle lösten landesweit Entsetzen aus und Rufe, die Einwanderungsbehörden zu begrenzen. Mindestens 10 Menschen kamen in Trumps zweiter Amtszeit bei Begegnungen mit Einwanderungsbeamten ums Leben.
Becca Good, die Partnerin von Renee Good, spach heute, am 1. Oktober 2026, erstmals öffentlich, während die Familie zwei Klagen wegen der tödlichen Schüsse auf Renee in Minneapolis ankündigt. Renee Good wurde im Januar während der „Operation Metro Surge“ von einem ICE-Beamten erschossen.
Zwei Wege hat die Familie gewählt. Die erste Klage richtet sich gegen die Vereinigten Staaten und verlangt Schadensersatz für die widerrechtliche Tötung, für das Leiden in Goods letzten Momenten und für den dauerhaften Verlust der Angehörigen. Entscheiden soll ein Richter ohne Geschworene. Vorgeworfen wird den Behörden auch die vorsätzliche und fahrlässige Zufügung seelischen Leids an Becca Good.

Die zweite Klage wirft eine Verschwörung zur Verletzung von Bürgerrechten vor und fordert ein Geschworenenverfahren. Die Regierung habe versucht, Beweise über die Vorgänge des 7. Januar zu verbergen. Beschrieben wird eine geplante, koordinierte Aktion von hohen Bundesvertretern und privaten Akteuren, die Einwohner Minnesotas somalischer und hispanischer Herkunft zum Ziel von Gewalt und Verschleppung gemacht habe. Nachbarn und Unterstützer sollten durch Einschüchterung und Festnahmen zum Schweigen gebracht werden, sobald sie die Einsätze beobachteten oder dokumentierten, und ebenso, wenn sie davor warnten. Auch Gewalt gehörte zu den Mitteln.

Die zweite Klage nennt neben Ross hochrangige Vertreter, darunter den stellvertretenden Stabschef des Weißen Hauses Stephen Miller und die frühere Heimatschutzministerin Kristi Noem. Auch Trumps Grenzbeauftragter Tom Homan steht auf der Liste. Dazu kommen der frühere Trump-Wahlkampfmanager und Noem-Berater Corey Lewandowski und der ehemalige kommissarische ICE-Direktor Todd Lyons. Genannt werden außerdem der frühere Grenzschutzkommandeur Gregory Bovino und 10 namentlich nicht bekannte Bundesbeamte. Gefordert wird Schadensersatz in offener Höhe, wegen widerrechtlicher Tötung und Verschwörung, dazu weiterer Rechtsverletzungen.
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„Unsere Regierung ist zu einer schweren und tödlichen Gefahr für ihre eigenen Bürger geworden“, sagte der Anwalt der Familie, Antonio Romanucci. Das Justizministerium ließ eine Anfrage zunächst unbeantwortet. „Was Renee passiert ist, war völlig sinnlos“, sagte ihr Bruder Brent Ganger. „Und dass es keinerlei Rechenschaft, keine Untersuchung, keinerlei Beileidsbekundung und keinerlei Änderung der Politik gegeben hat, ist vollkommen unfassbar.“ Die Lücke, die der Tod seiner Schwester hinterlassen habe, sei auf erschreckende Weise überall, fügte er hinzu.

Renee Good war 37, Mutter von drei Kindern. Mit Becca war sie nicht amtlich verheiratet, beide nannten sich dennoch Ehefrauen. Kurz zuvor waren sie aus Kansas City in Missouri nach Minneapolis gezogen. In sozialen Medien beschrieb sich Good als „Dichterin und Schriftstellerin und Ehefrau und Mutter“. Ihr Profilbild zeigt sie lächelnd mit einem kleinen Kind, daneben Beiträge über Tätowierungen und Frisuren, dazu über Wohnideen. Kurz nach dem Tod sagte ihre Mutter Donna Ganger, Renee habe einem das Gefühl geben können, besonders und geliebt zu sein, und sie selbst habe das erst ganz begriffen, als die Tochter fort war.
„Donna Ganger, die Mutter der von einem ICE-Beamten grundlos erschossenen Renee Good: „Ich habe Präsident Trump gewählt, weil ich davon ausging, dass diese Beamten hier sind, um die Bürger der Vereinigten Staaten zu schützen, unschuldige Menschen wie unsere Familie und die anderen, die heute hier sind, vor Terroristen. Ganz sicher nicht, um uns hier als Terroristen zu beschuldigen und kostbare Menschenleben zu nehmen. Das ist Wahnsinn.“ (22. September 2026)
Auf der Pressekonferenz dachte Becca Good auch an die anderen. Während sie mit dem eigenen gewaltigen Verlust gerungen hätten, erschüttere sie, wie viele andere Leben in dieser dunkelsten Zeit zerstört worden seien. So viele Familien müssten mit dem Verlust ihrer Angehörigen leben, sagte sie, der Schmerz reiche weit über die eigene hinaus. „Was uns passiert ist, darf keiner Familie passieren.“ Eine Regierung, die eine Frau am Steuer erschießt und sie danach zur Terroristin erklärt, verlangt von den Hinterbliebenen, den Beweis für das Offensichtliche selbst zu erbringen. Die Schüsse stehen auf den Videos, Bild für Bild. Was fehlt, ist jemand, der dafür geradesteht.
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